Buchkritik - Und doch ein ganzes Leben - Helga Weiss

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Das Buch, welches ich euch nun vorstelle, ist ein Stück Geschichte, die meine Mutter ganz klar lesen musste. Dazu aber später mehr. Das Buch ist etwas Besonderes, wenn auch ungewöhnlich zu lesen. 

Quelle: Bastei Lübbe

DAS COVER
Es sieht aus wie ein altes Tagebuch mit Foto der Hauptfigur bzw. Autorin. Gefällt mir sehr gut und ist sehr passend.

FIGUREN IM ÜBERBLICK
Helga – Jüdin im 2. Weltkrieg

INHALTLICHE FAKTEN
Ort: Deutschland, Polen, Tschechien
Zeit: 1938-1945

WORUM GEHT ES IN DEM BUCH 
Als Helga 1939 ihr Tagebuch beginnt, ist sie elf Jahre alt. Der Einmarsch der Deutschen in Prag und die antisemitische Brutalität der Nationalsozialisten reißen sie aus ihrer heilen Welt: Ihr Vater darf nicht mehr arbeiten, die Schule ist ihr plötzlich verschlossen, sie und ihre Eltern dürfen ihre Wohnung nicht verlassen, Freunde und Verwandte verschwinden. Auch die Familie Weiss wird deportiert, erst nach Theresienstadt, später nach Auschwitz. Mutter und Tochter überleben das Lager und die vielen Transporte und Todesmärsche der letzten Kriegstage. 
Das Tagebuch eines jungen Mädchens, das die dramatischen Ereignisse mit ihrem unschuldigen Blick wahrnimmt und kommentiert. Ein erschütterndes Zeitzeugnis. Und ein versöhnlicher Blick auf ein erfülltes Leben, gegen alle Widerstände. (Quelle: Klappentext)

SARAHS LESEEINDRÜCKE
Das Buch habe ich von meiner Mutter geschenkt bekommen, und es war klar, dass sie es lesen musste. Zum einen heißt auch meine Mama Helga, und zum anderen ist sie auch ein Kriegskind mit einem Opa im Konzentrationslager. Ist es ihre Kindheit und je älter ein Mensch wird, desto mehr fasziniert ihn die Vergangenheit. 

Helga Weiss hat ihre Geschichte in einem Tagebuch festgehalten. Die ersten Jahre ganz normal, fast aktuell. Später hat es ihr Onkel versteckt und die Zeit nach Theresienstadt wurde nachgetragen, als es noch präsent im Kopf war. Es ist nicht so schön gegliedert wie bei Anne Frank, zu 99% gibt es nicht mal ein Datum. Dafür gibt es Fotos und tolle Zeichnungen, denn die Autorin hat mehr Talent zum Zeichnen als zum Schreiben, zumindest im Alter von 14 Jahren. Man hat also immer das Gefühl das Tagebuch eines Kindes zu lesen. Darüber sollte man sich klar sein. Sprunghaft, kindlich und trotzdem faszinierend von den Details. 

Am Anfang hatte ich echt meine Schwierigkeiten mit dem Stil warm zu werden. Doch irgendwann begriff ich, dass ein überarbeiteter Text einfach nicht diese Emotionen hätte einfangen können. Das Buch ist einfach bewegend, dramatisch und auch wenn man logischerweise weiß, dass die Hauptfigur überlebt hat, bangt man doch mit ihr und ihrer Familie. Dabei wusste man durch das Vorwort genau, wer überlebt und wer nicht. 

Ich habe viele Bücher über den Zweiten Weltkrieg gelesen. Schon von meiner Kindheit an, weil es eben die Kindheit meiner Mutter war. Sie ist in den Keller gelaufen, wenn Fliegeralarm war, sie hat Bomben, zerstörte Häuser gesehen, ihr Opa war wegen seinem Glauben im KZ. Ich fühle mich eben mit der Zeit verbunden, um es auf den Punkt zu bringen. Und deswegen kann ich ehrlich sagen, dass es eins der bewegendsten Bücher ist. Bei vielen anderen Werken bekommt man das Leid im KZ zwar mit, aber bei Helga ist es irgendwie greifbarer. Gerade nach der Abfahrt von Theresienstadt ist es ein Kampf, den man so einfach nur selten gelesen hat. Bei vielen hieß es einfach nur, es gab kaum Essen, kaum Trinken oder ähnliches. Sie geht auf die Mengen ein, erklärt, dass vieles einfach einbehalten wird und das nicht mal von der SS, sondern von den eigenen Leuten. Sie werden vergessen, schikaniert und vieles mehr. Gerade zum Ende hin, wird es noch einmal so lebendig und beängstigend, wie ich sie noch nie gelesen habe. Tagelang im Wagon eingesperrt ohne wirklich etwas zu essen zu bekommen, abgefrorene Zehen, der Wunsch zu flüchten, sich aber wegen der Mutter nicht zu trauen, eine Mutter, die mehr tot, als lebendig ist. Hier kann man sich zum ersten Mal so richtig die ausgemergelten Körper vorstellen, wie sie in den Filmen und Fotos zu sehen sind. 

Ganz klares Highlight ist aber das nachfolgende Interview. Es nimmt viele Seiten in Anspruch und man erfährt so vieles über die Zeit aus dem Tagebuch, aber eben auch danach. Nach dem Interview ist aber nicht Schluss, sondern die Redaktion geht auf Abkürzungen, Informationen zu bestimmten Sätzen ein. Man bekommt noch einmal einen ganz anderen Eindruck. 

FAZIT: Es gibt war auch bei anderen Büchern so dramatisch beschrieben, aber es sind nicht viele Bücher, wo ich sage wow, die Zeit wurde perfekt eingefangen, und das ist hier der Fall. 

FAKTEN ZUM BUCH 
Autor: Helga Weiss
Titel: Und doch ein ganzes Leben: Ein Mädchen, das Auschwitz überlebt hat
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Hardcover) (19. April 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 378572456X
ISBN-13: 978-3785724569
Originaltitel: Helga's Diary
Preis: € 9,99
Genre: 2. Weltkrieg, Juden, Konzentrationslager, Biographie
Gelesen in: 2 Tagen


COVER💜💜💜💜💜
STIL💜💜💜💜
CHARAKTERENicht relevant
SPANNUNGNicht relevant
HUMORNicht relevant 
LIEBENicht relevant
GESAMT💙💙💙💙
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Buchkritik - Das Leuchten der Welt / Isabel Beto

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Ich glaube, ich habe noch nie so lange für ein Rezensions-Exemplar gebraucht, wie für dieses Buch. Das ist mir schon fast mehr als peinlich. Ich habe es nämlich im September bekommen, angefangen, während  mein Sohn seinen ersten Schwimmkurs-Tag hatte und auch danach noch gut 100 Seiten gelesen, und dann wurde ich krank, und ich hab es schlichtweg im Auto vergessen.



FAKTEN ZUM BUCH 
Autor: Isabel Beto
Titel: Das Leuchten der Welt
Broschiert: 400 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (21. September 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3832163794
ISBN-13: 978-3832163792
Preis: € 14,99
Genre: Liebe, Wissenschaft, Vergangene Zeiten, USA
Gelesen in: 10 Tagen

DAS COVER
Weiblich, romantisch, verträumt, so würde ich das Cover beschreiben und ich mag es. 

FIGUREN IM ÜBERBLICK
Bell – Selbstständig, geht ihren eigenen Weg, Kämpfer-Natur mit Ängsten
Solomon – Mann mit gewissen Hintergrund
Tesla – Muss man wohl nicht viel zu sagen
Edison – Auch er ist eine bekannte Persönlichkeit

INHALTLICHE FAKTEN
Ort: USA, Chicago
Zeit: 1890er

WORUM GEHT ES IN DEM BUCH 
Chicago, 1893. Die legendäre Weltausstellung öffnet ihre Türen, und keiner kann sich ihrer Faszination entziehen. Geniale Erfinder, exzentrische Magier, mächtige Industrielle – eine illustre Gesellschaft kommt zusammen. Auch Bell Bennett, Tochter eines New Yorker Zeitungsverlegers, zieht es nach Chicago. Heimlich macht sie sich auf den Weg dorthin, um sich als Reporterin zu beweisen und dem vorgezeichneten Leben einer Frau ihrer Zeit zu entkommen. Doch es ist eine Reise voller Hindernisse. In dem geheimnisvollen Wanderarbeiter Solomon Jones findet sie einen Weggefährten. Gemeinsam erreichen sie Chicago und geraten mitten hinein in eine Wunderwelt, die zugleich von Intrigen und Machtspielen durchdrungen scheint. Am Ende wird sich dort nicht nur Bells Schicksal, sondern auch das der technischen Zukunft der Welt entscheiden …(Quelle: Klappentext.)

SARAHS LESEEINDRÜCKE
Obwohl ich das Buch in der Tat vergessen habe, ist es eins der schönsten Bücher, die ich 2016 beendet habe. Der Autorin gelingt es auf eindrucksvolle Weise den Wilden Westen einzufangen und zwei sehr unterschiedliche Charaktere in diese längst vergangene Zeit zu integrieren. Beide Charaktere muss man auf ihre ganz spezielle Art ins Herz schließen, ob man möchte oder nicht. 

Hauptsächlich befasst sich das Buch jedoch nicht mit den letzten Zügen des Wilden Westens, sondern der Geschichte bzw. den Kampf zwischen Tesla und Edison. Gleitstrom oder Wechselstrom heißt die Frage, die den Menschen gestellt wird und in Shows immer wieder präsentiert wird. Während viele Menschen Angst und Scheu empfinden, geht Bell sehr sachlich an diese Geschichte heran und ist nicht nur fortschrittlich sondern beweist eben auch oft Herz. 

Während mich ihr Part immer fasziniert hat und auch die von ihrem Gegenpart, muss ich sagen, dass mich die vielen Intrigen, Kuroptionen rund um Tesla und Edison zwar auch interessiert haben, weil man darüber nun einmal nicht so viel weiß, aber es ist eben auch sehr politisch und ich bin nicht so ein Machtjunkie in Büchern. Deswegen war ich immer froh, wenn dieser Part zu Ende war. Obwohl er sehr schön beschrieben wurde.  

Man lernt mit diesem Buch so viel über diesen damaligen zeitlichen Wandel, dass man einfach nur beeindruckt sein muss. Diese Kombination mit der tollen Geschichte, die einen fesselt, man muss das Buch einfach lieben, auch wenn es Passagen gibt, die eben nicht so den eigenen Geschmack treffen. Sie gehen unter.

Auch meine Mutter empfand den Stil und den Inhalt atmosphärisch und interessant. 

FAZIT: Auch wenn ich das Buch vergessen habe und erst sehr spät wirklich komplett gelesen habe, kann ich sagen, es ist ein eindrucksvolles Buch mit einer spannenden Geschichte über starke Frauen, Tesla, Edison, die Entwicklung des Wilden Westens und vieles mehr. Wer so etwas mag, greift zu.  



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Buchkritik - Wir beide in schwarz weiß / Kira Gembri

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Das folgende Buch habe ich schon in einer Blogtour vorgestellt, und möchte euch natürlich nicht meine eigene Meinung vorenthalten. Das Buch ruft nämlich bei mir sehr gemischte Gefühle hervor. Aber entscheidet doch einfach selbst, ob es etwas für euch ist. 


DAS COVER
Schwarz weißes Cover mit türkisfarbenen Schmetterlingen. Zwei Figuren, männlich und weiblich, hüpfen Händchenhaltend über Hindernisse. 

FIGUREN IM ÜBERBLICK
Alex – Borderliner
Kris - Extremkünstlerin

INHALTLICHE FAKTEN
Ort: Wien 
Zeit: 2015er

WORUM GEHT ES IN DEM BUCH 
Kris ist nach dem Tod ihrer Schwester völlig aus dem Konzept. Sie liebt Kunst und möchte mit Hilfe dieser spüren das sie lebt und an ihre Grenzen stoßen. Statt zu malen, provoziert sie Menschen oder lässt sich in einem Glaskäfig mit Sand zuschütten. Alex ist mit seinem Leben hingegen halbwegs zufrieden. Er wohnt in einer coolen Wohngemeinschaft, die Frauen lieben ihn und sein bester Freund Jay ist immer an seiner Seite. Doch dann ändert sich das Verhältnis und Lea tritt in das Leben von Jay und der Wohngemeinschaft. Damit kommt Alex nicht klar. Er leidet unter einer schweren Form von Borderline und für ihn ist diese Situation die absolute Hölle. Kris, die er durch Zufall trifft und mit der eine interessante Kombination entsteht, versucht ihn aus seinem Trott herauszuziehen und sich somit auch irgendwie selbst zu helfen. Doch Alex kapiert viel zu spät, was Sache ist. Kann das gut gehen oder zerstört er damit auch Kris, die in gewisser Weise beide voneinander abhängig sind?

SARAHS LESEEINDRÜCKE
Ganz ehrlich, ich beneide Autoren, die jung und mit Talent gesegnet sind. Kira Gembri hat schon viele Jugendbücher herausgebracht und mit „Ein Teil von uns“ hat sie mich überzeugen können. Mit diesem Buch hat die Autorin mich jedoch nicht vollends überzeugen können. 

Und das liegt ehrlich gesagt am Einstieg. Der Stil selbst ist nämlich gewohnt modern, jugendlich angehaucht ohne billig zu wirken. Ich habe das Buch im ersten Moment gehasst. Das lag daran, dass ich das Gefühl hatte, ich würde einfach den ersten Teil benötigen, um eine Bindung aufbauen zu können. Sowohl Kris, als auch Alex waren so einzigartige Charaktere, die einem im ersten Moment fremd sind. Alex der Bad Boy, Kris die Durchgeknallte. Bis ungefähr Seite 110 hatte ich die Nase voll, und mich gefragt, ob ich überhaupt weiterlesen soll. Ich konnte viele Kritiken nachvollziehen, wo die Leser einfach nicht warm wurden. Das klärt sich aber mit den Seiten auf und ich glaube für viele wäre der Einstieg besser gewesen, wenn die Autorin gleich auf diese Dinge eingegangen wäre. Leider muss ich in meiner Rezension sehr viel Spoilern, einfach ich sonst nicht meine Meinung schreiben kann. Wer es nicht wissen möchte, einfach überspringen. 

SPOILER
Kris zum Beispiel versucht mit ihren außergewöhnlichen Aktionen ihre Grenzen ausprobieren, weil sie nach dem Tod ihrer Schwester einfach leer ist. Sie ist nur gestorben, weil ihre Eltern ihnen nie Grenzen gesetzt haben, und sie dadurch immer wieder welche provozieren wollte. Ähnlich ist es nun bei Kris, die aber so zusätzlich versucht ihrer Schwester näher zu sein und gleichzeitig sich selbst zu spüren, und die Trauer zu verarbeiten. Mit dem Hintergrund ist sie sympathisch. Ohne das Wissen ahnt man etwas, aber es ist nur ein Hauch, der sie eben total dämlich erscheinen lässt. Im Grunde nutzt sie diese Umsetzung, um zu zeigen, wie oberflächlich Menschen sind und das niemand sich die Mühe macht, den Grund für etwas herauszufinden, denn Verhalten hat meist einen Grund. 
Bei Alex ist es ähnlich. Er wird nur als der heiße Bad Boy wahrgenommen, den alle Frauen zu Füßen liegen. Im Grunde seines Herzens wünscht er sich jedoch Nähe, denn seitdem er von seiner Mutter abgeholt wurde und durch Pflegefamilien gereicht wurde, hat sich eine starke Verlust-Angst ausgebreitet. Sieht man nach außen nicht. Und damit wären wir bei seinem Borderline Syndrom. Viele verbinden damit nur Ritzen und auch bei mir war das so. Die Person schneidet sich einerseits um sich selbst zu spüren und manchmal auch für die nachfolgende  Aufmerksamkeit. Er schneidet sich nicht offensichtlich, sondern versteckt, damit es eben nicht jeder entdeckt. Ich selbst habe mich auch über Jahre leicht geschnitten, aber nicht um mich gut zu fühlen, sondern einfach um mich abzulenken, zu beschäftigen und weil ich mich nach Liebe gesehnt habe. Bei mir sieht man davon nichts, da ich bewusst oberflächlich war, bei ihm sieht man die Spuren deutlich. Was jedoch noch viel interessanter ist, und womit mich Kira dann letzten Endes überzeugt hat, war die Genauigkeit mit der sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Ich war überrascht, als plötzlich eine Eigenschaft, die ich damit gar nicht in Verbindung gebracht habe, auch zum Borderline hinzugezählt wurde. Plötzlich hat für mich mein früheres Verhalten einen Sinn ergeben, wo ic mir selbst nicht erklären konnte, warum ich so reagiere bzw. das es auch eine Art des Borderline Syndroms ist. 

SPOILER ENDE

Das Buch ist nun einmal sehr tiefgehend und nimmt erst ab Seite 100 wirklich Fahrt auf. Es ist  aber ein Kampf der sich ganz klar lohnt. Es gewährt einen Blick hinter die Fassade von zwei eher unbekannten „Krankheiten“, die Hilfe benötigen. Jeder auf seine Art und Weise. 

FAZIT: Man muss dem Buch, wie seinen Figuren Zeit geben. Es lohnt sich ist aber ein harter Kampf, von den man leider nicht immer vorher weiß. Von mir gibt es faire 4 Sterne. 

FAKTEN ZUM BUCH 
Autor: Kira Gembri
Titel: Wir beide in schwarz weiß
Gebundene Ausgabe: 300 Seiten
Verlag: Arena (1. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3401602195
ISBN-13: 978-3401602196
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
Preis: € 14,99
Genre: Liebe, Borderline, Trauer
Gelesen in: 3 Tagen



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Buchkritik - Endlich frei / Mahtob Mahmoody

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Ihr seid sicherlich neugierig, was ich gerade so lese. Eigentlich komme ich zur Zeit so wenig zum Lesen und muss mich echt zusammenreißen, weil mein SUB so am Wachsen ist. Entschieden habe ich mich jedoch mal wieder für einen Neuzugang, den mir meine Mutter erst vor zwei Wochen schenkte. Vielleicht kennt ihr ja die Geschichte dahinter zum Teil.


DAS COVER
Die Autorin zeigt sich selbst. So muss es sein.

FIGUREN IM ÜBERBLICK
Betty – Mama von Mahtob
Mahtob – Das Mädchen aus „Nicht ohne meine Tochter“

INHALTLICHE FAKTEN
Ort: USA, Irak
Zeit: 80er-2010er

WORUM GEHT ES IN DEM BUCH
Was 1985 und 1986 im Iran geschah, wissen Millionen Leser von Nicht ohne meine Tochter. Doch mit der Rückkehr in die USA hatte die damals erst sechsjährige Mahtob längst nicht alles ausgestanden. Jahrelang versteckte sie sich, lebte unter falschem Namen, verschwieg Freunden ihr Schicksal - aus Angst vor einer erneuten Entführung. Und heute? In poetischen Bildern erzählt Mahtob Mahmoody, wie sie sich von ihrer Angst befreite, sich mit ihrer iranischen Familie versöhnte und endlich ihr eigenes Leben lebt. (Quelle: Klappentext)

SARAHS LESEEINDRÜCKE
Sie ist eins der bekanntesten Mädchen der meiner Kindheit. Nicht weil sie in einem Film mitgespielt hat, sondern weil ihr Schicksal bewegt hat. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich damals in den 90er Jahren das Buch gelesen habe. Ich war nicht viel älter als sie und fand es schockierend und war heil froh, dass ihrer Mutter die Flucht gelungen ist. Dementsprechend kann ich nachvollziehen, warum meine Mutter auch ihr Werk lesen wollte. Wie ist es Mahtob nach der Flucht ergangen und vieles weitere Fragen werden in diesem Buch geklärt.

Ganz ehrlich!? Ich hatte das Gefühl, sie brauchte nur Geld, weil das Vermögen ihrer Mutter aufgebraucht ist. Der Stil ist einfach anschaulich und so, wie eine Biographie eigentlich sein müsste. Man kann die Geschichte somit sehr gut und leicht lesen.

Am Anfang empfand ich das Buch auch noch wirklich klasse. Kann ich mich an alles in meiner Kindheit erinnern. Nein, aber ich weiß, wie sich einschneidende Erlebnisse einbrennen. Diese vergisst man einfach nicht, und somit ist es bewegend und eine gute Möglichkeit zu lesen, wie sich die wirkliche Hauptfigur von „Nicht ohne meine Tochter“ gefüllt hat. An einiges konnte ich mich erinnern, aber an vieles nicht. Die ersten Seiten sind somit sehr emotional, veränstigend und traurig. Was sie erleiden und miterleben musste, ist einfach nur scheußlich. Anders kann ich es nicht ausdrücken.

Doch die Jahre danach? Ich weiß nicht was ich erwartet habe. Damals als Kind / Jugendliche habe ich mir nie die Frage gestellt, wie es weiter ging, und wenn nur ganz kurz. Dabei ist die Frage jetzt, als Mutter von drei Kindern, vorhanden. Hat ihr Vater sie verfolgt, hat er keine Ruhe gegeben, sie vielleicht wieder entführt. Man weiß ja nie, wie sie weiter reagiert haben. Trotzdem habe ich nicht so eine Geschichte erwartet.

Im Grunde befasst sich die Autorin mit dem Heranwachsen. Sie geht zur Schule, lernt Gotte kennen, erkrankt an Lupus und gewinnt viele neue Freunde. Abgesehen von der schweren Krankheit ist ihr Alltag aber ganz ehrlich normal. Abgesehen von der Tatsache, dass sie immer Angst haben müssen, dass ihr Vater doch einmal herausfindet wo sie ist. Klar hat man Angst, dreht sich immer um, und bewegt sich übervorsichtig. Aber man erwartet, doch irgendwie, wenn man schon ein solches Buch schreibt, dass eben auch etwas passiert.

Stattdessen wird immer wieder erwähnt wie faul ihr Vater ist und war und das sie nur dieser Tatsache die Flucht verdanken. Auch später heißt es, dass er sogar zur Suche zu faul war und im Grunde nur wegen dem Film und der Unterstützung überhaupt angefangen habe. Nun gut, das kann man nie wissen und von daher gerechtfertigt.

Allerdings lässt der Klappentext andere Dinge erahnen. Warum sind sie ständig umgezogen? Es wurde doch nie wirklich gesucht. Ihre Mutter war nie da, weil sie sich im Grunde nur um ihre Geschichte, Buch, Film und Interviews gekümmert hat. Ganz ehrlich, mich hat die Mutter sehr enttäuscht, denn ich wäre im Anschluss für meine Tochter deutlich mehr da gewesen und nicht immer verreist, denn ihre Seele hätte Halt benötigt. Im Grunde unterscheidet sich die Mutter in meinen Augen wenig vom Vater.

Außerdem muss ich ehrlich sagen, das ich vieles einfach nur künstlich fand. Mal hasst Mahtob ihren Vater, dann verzeiht sie ihm, aber im Grunde hasst sie ihn dann doch wieder. Mein Vater ist Choleriker und ich kann ehrlich sagen, dass ich ihn im Grunde meines Herzens Liebe, aber für viele Sachen hasse. Punkt. Ihre Emotionen wirken eher nach nicht aufgearbeitet oder künstlich.

Künstlich sind auch die Szenen, wo mal etwas passiert. Es ist eine Biographie und ich weiß, dass es so passiert sein soll. Aber ich habe ganz ehrlich meine Zweifel daran. Zu oft kommen Passagen, die Angst rechtfertigen sollen, aber dann offen gelassen werden. Nehmen wir das Hotelzimmer mit der Kette. Sie ist vor, dann nicht und niemand weiß warum sie vor war. Später ist eine Tür abgeschlossen, obwohl sie offen sein sollte und viele weitere solcher Situationen.

Zum Ende gibt es noch einige Briefe, die verschiedene Perspektiven beleuchten, und dann ist Schluss.

FAZIT: Ganz ehrlich, im Grunde erfährt an nicht viel, was wirklich von Belang ist oder die Fortsetzung von „Nicht ohne meine Tochter“ rechtfertigt. Zumal die Mutter schon einmal eine Fortsetzung geschrieben hatte. Ihre Sichtweise in allen Ehren, aber das wirkt auf mich eben wirklich wie Geldmacherei.

FAKTEN ZUM BUCH
Autor: Mahtob Mahmoody
Titel: Endlich frei
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch) (10. Juni 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404608925
ISBN-13: 978-3404608928
Originaltitel: My Name is Mahtob
Preis: € 10,99
Genre: Biographie

Gelesen in: 3 Tagen


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Buchkritik - Ich. Darf. Nicht. Schlafen / Watson

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Ich liebe Thriller und gerade auf der Psycho-Schiene bin ich immer sehr angetan. Daher habe ich mich über das Buch, welches ich bei der Rebuy Challenge gewonnen habe, sehr gefreut. Endlich mal ein Buch nach meinem Geschmack. Allerdings haben sie es noch nie geschafft, mich mit einem Gewinnerbuch auch danach zu überzeugen. Daher war ich gespannt, ob ich wenigstens einen Erfolg im Paket verbuchen kann. 


DAS COVER
Das Cover ist schlicht und eher langweilig, also angeschaut hätte ich es im Laden nicht. 

FIGUREN IM ÜBERBLICK
Chris – Hat Amnesie, ist um die 40 und verheiratet
Ben – Ist ihr Mann
Ed Nash – Ihr Arzt des Vertrauens
Claire – Frühere beste Freundin
Adam – Ihr Sohn

INHALTLICHE FAKTEN
Ort: England
Zeit: 2010er 

WORUM GEHT ES IN DEM BUCH 
Chris hat nach einem traumatischen Erlebnis ein interessantes Gedächtnis. Nach jeder Tiefschlaf-Phase kann sie sich an nichts mehr erinnern. Schläft sie nur leicht ein, weiß sie noch alles, aber geht sie am Abend ins Bett, dann weiß sie am nächsten Morgen nichts mehr. Mal ist sie 12, mal 20. Ihr Mann muss ihr jeden Tag aufs Neue alles erklären. Doch dann trifft sie auf Ed Nash, der ihr helfen möchte. Er bittet sie Tagebuch zu führen und so merkt sie langsam, dass sie sich auf diese Art und Weise an die Tage davor erinnern kann. Es hilft ihr sogar kleinere Erinnerungsblitze nach fast 20 Jahren Amnesie hervorzurufen. Allerdings merkt sie auch immer wieder, dass ihr Mann nicht ehrlich zu ihr ist. Will er sie schützen, weil er weiß, dass sie sich nichts merken kann, oder steckt da einfach mehr dahinter. Chris weiß nur, dass sie sich in seiner Nähe nur bedingt wohl fühlt und in ihr Tagebuch geschrieben hat: Vertraue Ben nicht. Doch warum, weiß sie einfach nicht mehr. 

SARAHS LESEEINDRÜCKE
Ohne unsere Erinnerungen sind wir nichts. So steht es im Klappentext und es stimmt. Man stelle sich einmal vor, man wüsste nichts mehr. Wo man wohnt, wer die eigenen Kinder sind, was man gerne isst oder ähnliches. Ich stelle es mir beängstigend und isolierend vor. Daher ist es ein gutes Thema, zumal Chris eine ganz besondere Form hat, die es so sicherlich nicht zweimal auf der Welt gibt. Damit ist dem Autoren mit Sicherheit ein gutes Thema gelungen, das viel Potential hat.

Ich muss zugeben, mich hat der Autor trotz der einen oder andern Logikschwäche und Lücke trotzdem überzeugt. Ich habe das Buch angefangen und konnte nicht mehr aufhören. Schon von Anfang an, war mir klar, worauf das Buch hinauslaufen würde. Zumindest ab dem Zeitpunkt, wo die ersten Erinnerungsblitze auftauchten, wenig Fotos vorhanden waren und Ben keine Lust auf eine Therapie hatte. Der Autor schildert es zwar so, dass man denken muss und kann, dass er seine Gründe hat, aber wenn schon in einem Buch steht, traue deinem Mann nicht dann wird da auch was dran sein.

Es ist spannend den Alltag einer solchen Person zu verfolgen und wie sie langsam anfängt sich zu erinnern. Genau deswegen fand ich jeden Fehler auch irgendwie enttäuschend und habe mich gefragt, warum das kein Lektor entdeckt hat, weil diese Fehler so offensichtlich waren. Zum Beispiel, hier verrate ich nicht viel, wird eine Szene am Abend im Bett beschrieben, wo sie nicht noch extra woanders hingeht zum Schreiben und trotzdem der Abend im Tagebuch steht, obwohl das nicht sein kann. Schließlich hat sie nie vor Ben geschrieben. 

Das sind Kleinigkeiten, die im Buch immer wieder vorkommen, nur eben in etwas anderer Form. Manchmal aber perfekt gelöst sind. Weswegen es mich eben als Leser etwas ärgert. Nichtsdestotrotz ist es belanglos, weil man mitfiebert und die Auflösung erfahren möchte und hier war ich dann doch etwas enttäuscht, weil der Autor einfach zu wenig nachgedacht hat. Es ist spannend und so, keine Frage, aber einfach nicht vollends logisch.

SPOILER
Zum Beispiel sagt ihr Geliebter ihr, dass er es nicht ertragen konnte, dass ihr Mann sie verlassen hat. Man geht davon aus, dass er sie kurz nach dem Unfall, sagen wir mal so 4-5 Jahre später herausgeholt hat. Sie also schon ungefähr 15 Jahre oder so bei ihm zu Hause lebt. Der Eindruck entsteht die gesamte Buchdauer. Es sind aber nur wenige Monate. Auch der Arzt enttäuscht mich. Jeder gute Arzt informiert sich über seine Patientin, gerade bei einem solchen Fall, hätte ich vorab recherchiert. Also Fragen zu bestimmten Dingen gestellt, die sie mir erzählt hatte. Nicht ihr, sondern eben im Zeiten des Internets, dem Internet. So wäre schon viel früher aufgefallen, das etwas nicht stimmt. 

SPOILER ENDE
Es sind keine gravierenden Dinge, aber sie schmälern eben den Lesegenuss minimal. Trotzdem hab ich das Buch geliebt und für ein Debüt absolut verzeihlich. 

FAZIT: Drei Tage gute Unterhaltung,wobei ich mir ein runderes Ende gewünscht hätte, nämlich ob sie sich noch erinnert oder nicht. 

FAKTEN ZUM BUCH 
Autor: S.J Watson
Titel: Ich. Darf. Nicht. Schlafen
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 7 (26. September 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596191467
ISBN-13: 978-3596191468
Preis: € 3
Genre: Thriller, Amnesie, Liebe 
Gelesen in: 3 Tagen



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