Nichts als Überleben / S. Bodeen

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Der Typ mit dem limonengrünen Irokesenschnitt und den dunklen Holzsteckern in den Ohrläppchen sah auf mich hinab, die lange silberne Nadel in seiner gummibehandschuhten H
and zeigte mitten in mein Gesicht. »Warte mal.« Ich schluckte und klammerte mich an den Ar-
lehnen des Stuhles fest. Er schob eine Hüfte vor und verdrehte die Augen. »Willst du jetzt ein Nasenpiercing oder nicht?« »Doch, schon ...aber fällt dir vielleicht noch was Schlimmeres ein?« Ich zeigte auf die Nadel. »Was Schlimmeres als die da?« (Zitat S. 7)

Das Buch welches ich euch nun vorstellen möchte, wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Mir wurden zwei Bücher zum Thema „Überleben“ angeboten, und dieses Buch klang ganz ehrlich sehr interessant und vor allen Dingen spannend. Inwiefern meine Erwartungen erfüllt wurden, verrate ich euch jetzt. 
 
'''ooo BUCHFAKTEN ooo'''
Autor: S. Bodeen
Titel:  Nichts als überleben
Taschenbuch: 221 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg; Auflage: Deutsche Erstausgabe (17. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3407745818
ISBN-13: 978-3407745811
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre
Originaltitel: The Raft
Preis: € 12,95
Genre: Thriller, Jugend, Überleben
Gelesen in: 4 Stunden

'''ooo AUTORENPORTRAIT ooo'''
S.A. Bodeen wuchs auf einer Farm in Wisconsin/USA auf. Sie unterrichtet Kreatives Schreiben und veröffentlicht seit zehn Jahren Bilder- und Kinderbücher, die mit vielen Preisen ausgezeichnet wurden. Drei Jahre lang lebte sie auf Hawaii, inzwischen ist sie wieder in Wisconsin heimisch.  (Quelle: Amazon.de)

'''ooo COVER ooo'''
Authentisch würde ich sagen, denn es spiegelt die Meeresoberfläche wieder, darauf eine Rettungsinsel und in der Tiefe ist ein Hai zu erkennen. Ein Highlight ist es nicht unbedingt, aber passend und daher gut.

'''ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo'''
Robie – Teenagerin, lebt auf einer einsamen Insel, Eltern sind Forscher
Max – Co-Pilot mit Schuldgefühlen

'''ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo'''
Ort: USA - Hawaii
Zeit: Gegenwart 2010er
Perspektive: Ich-Perspektive von Robie
Alter der Figuren: 15

'''ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo'''
Robie ist kein gewöhnlicher Teenager. Sie lebt mit ihren Forscher-Eltern auf einer einsamen Insel, hat keine Freunde und ihr einziges Highlight ist die Reise zu ihrer Tante, die sie regelmäßig auf Hawaii besuchen darf. Dort ist sie auch gerade, als diese wegberufen wird, und Robie beschließt alleine bei ihr zu wohnen. Als sie jedoch von einem wildfremden Mann angegriffen wird, bekommt sie es mit der Angst zu tun, und beschließt den Urlaub abzubrechen. Da das Passagierflugzeug nur sehr unregelmäßig fliegt, nutzt sie, wie schon so oft vorher, das Frachtflugzeug und checkt dort ein. Doch Max, der Co-Pilot vergisst sie auf die Passagierliste zu setzen. Als es zu Turbolenzen kommt, stürzt das Flugzeug mitten über dem Meer ab. Max kann sie und sich selbst retten, wird aber schwer verletzt. Als sie bemerkt, dass niemand sie finden wir, weil niemand ahnt, dass sie an Bord ist, weiß sie, dass es nun von ihr abhängt, ob sie überlebt. Sie beginnt Wasser zu sammeln, befasst sich mit der Besorgung von Nahrung und kämpft mit dem Loch im Rettungsfloß. Mit Max ist nicht viel anzufangen, denn er ist eher tot als lebendig und als sie davon ausgeht, dass er gestorben ist, wirft sie ihn über Bord. Doch dann taucht er im entscheidenden Moment wieder auf. Schaffen es beide zu überleben?

'''ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo'''
„Nichts als Überleben“ ist ein Buch, das ich als Jugend-Thriller einschätzen würde, dem es aber ganz ehrlich an Spannung mangelt und der einen unglaublich schlechten Klappentext hat, zumindest mit Kenntnis des gesamten Buches.

Das Problem des Klappentextes liegt darin, dass er zu viel vom Buch preisgibt. Viele Dinge, die der Leser erst im Verlauf erkennen sollte, liegen sofort auf der Hand, und nehmen dadurch eine gewisse Spannung. Obwohl es auch ohne Kenntnisse des Klappentextes zu erahnen ist, hätte ich diesen eindeutig anders formuliert. Einfach um nicht ganz so viel zu verraten.

Auf die nicht ideale Spannung komme ich später zu sprechen. Fangen wir erst einmal mit der Hauptfigur an. Robie, ist eine typische Jugendliche, die ganz viel zu meckern hat, sich für erwachsen hält, es bei weitem aber noch nicht ist. Dadurch kann sich die angesprochene Zielgruppe sehr gut in sie hineinversetzen, und wer sich als älterer Leser erinnert, wie er zum ersten Mal alleine Urlaub gemacht hat oder einige Tage ganz allein zu Hause war, der erinnert sich vielleicht an das Gefühl von Freiheit und die trotzdem vorhandenen Ängste. Im Verlauf des Buches entwickelt sie sich zu einer starken Persönlichkeit, die über ihre Grenzen geht und ums Überleben kämpft

Mit Robie als Figur und dem gut umgesetzten Hintergrund des Absturzes könnte es eigentlich unglaublich spannend sein. Alleine der Gedanke allein in einem kaputten Rettungsfloß, nur ein eingebildeter Pilot ist noch vorhanden, kein Essen, kein Trinken – ja ich würde in Panik geraten. Und genau diese Panik möchte ich als Leser verspüren. Am Anfang dachte ich noch, wäre sie greifbar mit der Panik beim Wassern, dem Kampf unter Wasser und die rettende Hand ins Floß, aber irgendwie wollte bei mir ganz ehrlich der Funke nicht überspringen. Das liegt noch nicht mal an dem eigebildeten Piloten, an den sie sich klammert, um ihre Angst zu besiegen, sondern an der Tatsache, dass nicht mal nach dem Flugzeug gesucht wird. Jede Rettungsinsel ist mit einem Sender ausgestattet, der bei Wasserkontakt eigentlich für bis zu 12 Stunden funkt. Zumindest habe ich das so in Erinnerung, als ich mich mal für eine Flugreise informiert habe. Selbst bei einem kleinen Flugzeug, wo alles ausfällt, sollte doch nach Überlebenden gesucht werden und das wird hier einfach nicht gemacht, und es heißt später, es gab keine Überlebenden.

Kein Proviant, kein Wasser und kein Dach. Nun gut bei einer so kleinen Maschine sind diese Aspekte noch logisch, wobei ein Dach bei einem Absturz mitten auf dem offenen Meer eigentlich sinnig wäre wegen Sonnenstich. Das sind so Dinge, die eine Autorin vor Ort besser recherchieren kann, als ich, die noch nie auch nur in der Nähe eines Frachtflugzeuges war. Aber was mich dann doch wieder gewundert hat, war die Tatsache, dass sich die Hauptfigur so ins Rettungsfloß kämpfen muss und nicht einfach über die Leiter einsteigt. Ich weiß zwar nicht wie schwer es ist, allein darüber einzusteigen, aber ich habe nicht mal was von einer Leiter gelesen, oder sie wurde so am Rande erwähnt, dass ich es gar nicht im Gedächtnis behalten habe. Und genau das spricht dafür, dass das Buch nicht ideal umgesetzt wurde Entweder nicht perfekt recherchiert oder die Recherche nicht ideal und spannend umgesetzt. Ich vermute letzteres, denn den Inhalt eines Rettungsfloßes hat sie sehr detailliert dargestellt, so dass ich glaube, dass sie nicht alles perfekt wiedergegeben hat. Selbst wenn ich einmal davon absehe  und mir denke, dass ich einfach was überlesen habe durch die müden Fieberaugen, ist da noch die Tatsache, dass mir die Emotionen nicht greifbar genug waren. Oberflächlich angekratzt auf jeden Fall und viele Szenen sind spannend, aber hier muss man einfach 24 Stunden präsent sein und die Emotionen einfangen. Ich hätte aus Angst trotz totaler Erschöpfung nicht wirklich schlafen können und ich hätte mir wahrscheinlich alle Szenarien ausgemalt und immer wieder aus Angst ins tiefe Wasser gestarrt. Das sie in manchen Szenen so ist, wie ich  es gewesen wäre, merkt man und da ist es dann schade, dass es oft einfach so ohne Tiefgang ist. Ich hätte mir eine durchgängige Umsetzung dieser Szenen, die mir so gut gefallen haben, gewünscht. Aber wahrscheinlich ist es so jugendlicher umgesetzt.

Manchmal hätte ich mir eben mehr Spannung auf der Psycho-Ebene gewünscht und das ist auch bei Jugendbüchern gut umsetzbar. Abgesehen davon ist das Buch von der Idee her sehr gut, und fesselt sogar jemanden, der vom Fieber eigentlich total müde ist, was ja auch für sich spricht.

Fazit: Einfacher Stil, teilweise gute Emotionen und eine interessante Ausgangssituation. 


* Kostenloses Rezensionsexemplar
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Der Schwarm / Frank Schätzing

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Vor seinen Augen begruben die neun Tonnen Körpermasse des Buckelwals das Fischerboot unter sich, drückten es mitsamt seiner Besatzung unter Wasserund schlugen auf den Bug der Blue Shark. Gischt spritzte in gewaltigen Fontänen hoch. Das Heck des Zodiacs schoss steil nach oben, Menschen in roten Overalls wirbelten durch die Luft. Kurz balancierte die Blue Shark auf ihrer Spitze, pirouettierte um die eigene Achse und kippte seitwärts. Anawak duckte sich. Sein Boot schnellte unter dem umstürzenden Zodiac hindurch, schlug gegen etwas Massives unterhalb der Wasseroberfläche und sprang darüber hinweg. Vorübergehend verlor er den Boden unter den Füßen, dann endlich hielt er das Steuer wieder in Händen, riss es herum und bremste ab. Ein unbeschreibliches Bild bot sich ihm. Vom Boot der Umweltschützer waren nur noch Trümmer zu sehen. (Zitat aus: Der Schwarm, Roman, 2004, Kiepenheuer&Witsch/2005)

Dieses Zitat stamm aus dem Roman „Der Schwarm“ aus der Feder von Frank Schätzing. Wie mir dieser Roman gefallen hat, der mir von meinem Schwiegevater wärmstens empfohlen wurde, möchte ich euch nun verraten. 


'''ooo BUCHFAKTEN ooo'''
Autor: Frank Schätzing
Titel: Der Schwarm
Taschenbuch: 987 Seiten
Verlag: Fischer (20. Oktober 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596164532
ISBN-13: 978-3596164530
Preis: € 24,99
Genre: Thriller, Umwelt
Gelesen in: 10 Tagen

'''ooo AUTORENPORTRAIT ooo'''
Seinen Durchbruch feierte Frank Schätzing 2004 mit dem Ökothriller "Der Schwarm", in dem die Menschheit existenziell bedroht ist durch eine hochintelligente Lebensform, die tief unten im Meer lebt. Seither gilt der 1957 geborene Kölner als einer der erfolgreichsten deutschen Autoren. Zuvor war Frank Schätzing in der Werbebranche tätig, außerdem produzierte er Musik. Seit den 1990er-Jahren konzentrierte er sich aber zunehmend auf die Schriftstellerei. Zunächst veröffentlichte er 1995 "Tod und Teufel", der Roman spielt im Köln des Jahres 1260. Weitere Bücher folgten, der erste Bestseller gelang Schätzing im Jahr 2000 mit dem Politthriller "Lautlos". 2009 erschien "Limit", ein weiterer Zukunftsthriller, in dem es diesmal nicht hinab ins Meer, sondern hinauf auf den Mond geht.  (Quelle: Amazon.de – Der Schwarm)

'''ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo'''
Singur – Biologe
Leon (Anawak) - Walforscher

'''ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo'''
Ort: Gesamte Welt
Zeit: Gegenwart 2000er

'''ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo'''
An verschiedenen Punkten der Welt treten merkwürdige Dinge auf. Erst einzeln und unauffällig, doch schon nach kurzer Zeit wird deutlich, dass sie sich auf das Leben, wie wir es kennen, enorme Auswirkungen haben.

Der Biologe Singur Johansen wird angeheuert von einer Ölbohrfirma, die in Norwegen auf einen merkwürdigen Wurm gestoßen sind. Dieser breitet sich enorm aus. Vor Ort muss der Biologe feststellen, dass dieser Wurm in dieser Form gar nicht mehr existieren dürfte. Die Bohrungen werden eingestellt und es wird erst einmal überprüft, ob die Würmer Auswirkungen auf die Sicherheit haben, oder völlig harmlos sind.

Etwa zur selben Zeit macht der Walforscher Leon Anawak die Beobachtung, dass die Wale von ihrer Wanderung noch nicht zurückgekommen sind und als sie deutlich später auftauchen sind sie völlig verändert. Sie greifen die Fischerboote an und diese Angriffe sind strukturiert und effizient,  und irgendwie wirken sie geplant.

Mit diesen Phänomenen beginnt etwas ganz großes. Weltweit setzen sich Muscheln an allen Schiffen an, und sorgen dafür, dass diese nicht mehr fahren können. Das etwas mit der Natur nicht stimmt, ist spätestens jetzt allen klar. Anawak fängt an zu recherchieren und stößt dabei auf das Militär, das sich ebenfalls für die Angelegenheiten zu interessieren scheint. Bevor er und andere Wissenschaftler jedoch die Gründe und Zusammenhänge erkennen können, passiert der Supergau. Die Würmer sorgen für einen Tsunami, der die Westküste von Europa wegspült. Und das ist nur ein kleiner Vorgeschmack. Die Menschheit wird bedroht und muss nun um ihre Existenz kämpfen.

'''ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo'''
„Der Schwarm“ wäre kein Buch gewesen, welches ich mir freiwillig gekauft hätte. Das liegt daran, dass mich zwar das Thema Umwelt interessiert, aber nicht in Form eines Buches und schon gar nicht als Thriller. Das Buch habe ich jedoch bei einem Gewinnspiel gewonnen, und somit wollte ich das Buch lesen. Schließlich war das Buch nicht grundlos lange an der Spitze der Bestseller-Listen.

Naturkatastrophen passieren immer wieder und der Autor nutzt die Angst der Menschen aus, um mit einem gut durchdachten Öko-Thriller aufzuwarten. Nur leider kann mich die Umsetzung nicht vollends überzeugen und das hat mehrere Gründe, die ich euch gerne erklären möchte.

Es beginnt schon damit, dass der Autor sehr viele Handlungsstränge auswählt.  Verschiedene, wichtige Figuren und immer wieder andere Schauplätze. Gerade bei diesem Thema ist es mir schwer gefallen, dem Geschehen zu folgen. Er wirft mit vielen Fachbegriffen um sich, versucht zwar alles zu erklären, schweif dadurch aber extrem aus, verliert sich und am Ende ist es noch immer arg kompliziert. Basierend auf einer Geschichte, würde das noch gehen. Jedoch muss man sich hier auf verschiedene Ansätze im Bereich Biologie einlassen, und auf die Dauer ist es eben schwer der Handlung zu folgen. Außerdem verliert sich der Autor gerne in gewissen Szenarien. Man geht davon aus, dass nun etwas bewegendes und inhaltlich wichtiges komm, verfolgt diesen Strang mit viel Aufmerksamkeit, um dann zu merken, dass es sich um einen belanglosen Nebenstrang handelt, dessen Bedeutung unnötig gepuscht wurde. Leider passiert dies vielen Autoren, gerade bei ihrem Debüt, nur geht dadurch die immer wieder mühsam aufkeimende Spannung in meinen Augen verloren. Dabei muss ich zugeben, dass der Autor mich schon neugierig gemacht hat, was hinter diesen Katastrophen und Veränderungen steckt. Und dementsprechend ist der Ansatz nicht verkehrt, wenn mich die Grundidee und die Frage während des Buches lange beschäftigen. Nur hat es mich manchmal echt wütend gemacht, wie die aufgebaute Spannung zunichte gemacht wird. Da wird zum Beispiel eine Szene beschrieben, total spannend und im richtigen Moment abgebrochen. Ein anderes Szenario bekommt wieder Aufmerksamkeit und wäre halbwegs zügig, der Abbruch wieder präsent, wäre es okay gewesen, aber eben genau hier verliert sich der Autor und kommt erst zurück, wenn die Szene schon fast wieder vergessen ist und die Spannung zumindest gedanklich verschwunden ist.

Was mir ebenfalls nicht gefiel, waren die Figuren. Irgendwie zweifeln sie allesamt an sich und versuchen sich zu finden. Ob der Autor hierbei seine eigene Selbstfindung integriert hat? Zumindest sind die Figuren authentisch, liebenswert und interessante Charaktere, die gut in die Geschichte passen. Nur eben für unnötige Längen sorgen.

Einzig ein kleines Highlight ist der Schluss, der sogar endlich auf die Action setzt, die ich über weite Strecken des Buches vermisst habe. Am Ende ist es so, dass ich es eigentlich ganz gut finde, wie der Autor versucht auf die ganzen Öko-Probleme hinzuweisen. Nur ist die Umsetzung eben einfach zu lange und wirkt künstlich in die Länge gezogen.

Fazit: Im Grunde ist das Buch nicht verkehrt, wenn man es unter dem Aspekt Debüt im Bereich Wirtschafts-Thriller betrachtet. Guter Ansatz, viele gute Cliffhanger an spannenden Szenen, die der Autor aber am Ende einfach nicht spannungsvoll weiterführen kann und sich zu oft in Nebensächlichkeiten verliert. Für einen echten, in meinen Augen gelungenen Thriller, hätte der Autor das Buch um rund 50% kürzen müssen. Und so etwas zu sagen, zeigt schon, wie mir das Buch im Grunde gefallen hat. Spiegelt aber auch die durchwachsenen Meinungen anderer Leser wieder. Von mir gibt es faire 2 Sterne. Gute Ansätze und ein guter Schluss reichen eben nicht aus. Bei diesem Buch empfehle ich jedoch au
ch die anderen Rezensionen einmal durchzulesen, da die Bewertungen sehr unterschiedlich sind.
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Jungs to go / Lisa Aldin

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Der Beginn einer Jagd ist für mich das Größte. Noch ist keiner müde oder hat Hunger oder jammert rum. Außerdem ist so ein Anfang immer voller Vielleichts. Also von wegen, vielleicht fangen wir heute Nacht das legendäre Seeungeheuer unserer kleinen Stadt ein – mit der Kamera. Vielleicht gelingt es uns, endlich die letzten Zweifel an seiner Existenz zu begraben. Vielleicht werden wir zur Legende. (Zitat „Erste Sätze“ aus Jungs to Go S. 7)

Nein, bei dem Zitat geht es nicht um die Jagd nach einem Jungen, sondern um die Jagd nach Champ.Ihr wisst nicht wer das ist, dann ist das schon ein Grund das Buch zu lesen, aber auch der restliche Inhalt ist eigentlich überzeugend genug, das man das Buch auf seine Lese-Liste setzen sollte, sofern ihr witzige Jugendliteratur mit Hauptaugenmerk „Liebe“ lesen mögt.

'''ooo BUCHFAKTEN ooo'''
Autor: Lisa Aldin
Titel:  Jungs to go
Broschiert: 368 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (14. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453269926
ISBN-13: 978-3453269927
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
Originaltitel: One of the Guys
Preis: €  12,99
Genre: Liebe,Jugend
Gelesen in: 2 Tagen

'''ooo AUTORENPORTRAIT ooo'''
Lisa Aldin machte ihren Universitätsabschluss in englischer Literatur, ehe sie sich hauptberuflich dem Schreiben widmete. Mit ihrem Mann, ihrer Tochter und diversen Haustieren lebt sie in Indianapolis. "Jungs to Go" ist ihr Debutroman.  (Quelle: Amazon.de)

'''ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo'''
Toni – Spitzname McRib, ist ein Mädchen, und jagt am liebsten nach Champ
Loch – Nachbar von Toni und ihr wohl bester Freund
Ollie -sportlich, für Späße zu haben
Cowboy – Verliebt, aber schüchtern
Emma – Partnerin der Agentur

'''ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo'''
Ort: USA
Zeit:Gegenwart 2010er
Perspektive: Ich-Perspektive von Toni
Alter der Figuren: 16 / 17

'''ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo'''
Toni und ihre Jungs kennen sich schon seit Jahren und sind die besten Freunde. Seit Jahren jagen sie nach Champ und treffen sich dazu regelmäßig, machen aber auch sonst fast alles zusammen. Alles ändert sich damit, das Toni eine verrückte Idee hat und dem Direktor der Schule ihrem Popo zeigt. Sie muss die Schule im letzten Schuljahr wechseln und zu allem Überfluss auf eine Mädchenschule, und Ollie, der mitgemacht hat, muss sich sein Snowboard-Camp alleine finanzieren. Für beide ein Weltuntergang und für Toni noch etwas mehr, denn sie vermisst ihre Jungs, und mit Mädchen hat sie nicht viel am Hut. Auf ihrer neuen Schule dauert es jedoch nicht lange, bis sie zumindest ein Mädchen näher kennenlernt. Emma hat Liebeskummer, da ihr Freund eigentlich nur noch ihr Ex-Freund ist. Toni, die sich mit Jungs nun einmal besser auskennt, weiß sofort, dass sie den Deppen eifersüchtig machen muss, und bittet einen ihrer Jungs das zu übernehmen. Für sie nicht nur eine nette Geste, sondern auch mal wieder ein Grund, die Jungs zu sehen, denn seit der Aktion mit dem Direktor sieht sie alle kaum noch. Das geplante Schein-Date übernimmt Loch und tritt damit eine richtige Welle los, denn der Erfolg spricht für sich. Kein Wunder, dass die anderen Mädchen auch diesen Service bzw. die Hilfestellung haben möchten. Das Geschäft, die Schein-Date-Agentur boomt, und die Jungs sind allesamt mehr oder weniger froh, denn Geld können sie alle gebrauchen. Cowoboy, um seine Traumfrau anzusprechen, Olli fürs Camp und Loch fürs Collage. Doch dann merkt Toni, dass sie es gar nicht so gut findet, wenn Loch sich mehr mit den anderen Mädchen beschäftigt und muss erkennen, dass sie sich in den letzten Tagen in ihren besten Freund verliebt hat. Doch ob er diese Gefühle erwidert, und ob sie Champ finden, müsst ihr selbst lesen.

'''ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo'''
„Jungs to go“ ist das Debüt von Lisa Aldin und ist ein bezauberndes Buch rund um das Thema  „Schein“, „Erwachsen werden“ und „Wenn aus Freundschaft Liebe wird“. Lisa Aldin setzt hierbei auf eine bezaubernde und witzige Geschichte zugleich, die zwar einige Schwächen hat, aber trotzdem überzeugen kann.

Schon bei der Wahl ihrer Figuren macht die Autorin in meinen Augen alles richtig. Für jeden Geschmack oder jeden Jugendtyp ist etwas dabei. Da hätten wir das Mädchen, dass eher wie ein Junge sein will, den sportlichen Typ, den schüchternen Typ oder das überforderte Mädchen. Toni selbst ist das Mädchen, das gerne mit Jungs etwas unternimmt und weniger mit Make Up und Co anfangen kann. Selbst ein Mädchen, dass nicht 100% wie sie ist, kann sich problemlos in sie hineinversetzen, da die Autorin Toni und die Clique so authentisch beschreibt, dass man das Gefühl hat selbst ein Teil dieser Truppe zu sein. In meinen Augen spiegeln die Probleme, Nöte und Ängste die aktuellen Themen der Jugend sehr gut wieder, wobei sich diese Themen nicht so doll geändert haben in den letzten Jahrzehnten.

Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass die Autorin sich thematisch nicht so gut durchsetzen kann. Die Suche nach Champ war mir zu dominant und ich wollte doch endlich lesen, wie die Agentur entsteht, aber genau diese Zeit braucht die Autorin einfach, um alle Figuren gut einzuführen. In meinen Augen hat sich das kleine Warten gelohnt. Fangen wir mit dem Thema „Schein“ an. Jeder hat schon einmal gelogen oder um ein kleines Alibi gebeten. Sei es um später nach Hause kommen zu dürfen oder um vergessene Hausaufgaben zu rechtfertigen. Das ein solcher „Schein“ jedoch nach hinten losgehen kann und Konsequenzen mit sich bringt, die man am Anfang gar nicht erahnen kann, zeigt die Autorin auf wunderbare Weise. Zum Beispiel haben wir da Emma, die ihren Freund wirklich gut eifersüchtig macht  und dadurch einen ganz neuen Blickwinkel auf das Leben und ihre Situation bekommt. Im Grunde ist es eine kleine Lüge, die ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellen wird. Oder eine spätere Kundin, die sich nicht traut offen mit ihrer Sexualität umzugehen, weil sie im Grunde Angst vor den Eltern hat. Auch sie kann die Folgen ihres Alibis nicht abschätzen und muss merken, dass die Wahrheit oft die beste Möglichkeit ist. Manchmal ist es nicht der bequemste Weg, aber am Ende muss man manchmal einfach diesen Weg gehen, weil er der beste ist.  Das ist ein Schritt der zum Erwachsenwerden dazu gehört.

Generell wird dieses Thema immer wieder auf unterschiedliche Arten eingebunden. Toni, die die Schule wechseln muss, weil alles im Leben Konsequenzen hat, oder Toni, die erkennen muss, dass ihr Vater nun einmal verstorben ist, und sie ihr eigenes Leben leben muss, und nicht das was sie denkt, was er gerne bei ihr gesehen hätte. Es sind so kleine Randgeschichten, die das Buch sehr interessant gestalten und den jungen Lesern in meinen Augen kleine Hilfestellungen geben.

Das Highlight ist neben der Agentur, die ich persönlich echt klasse finde, die Liebesgeschichte zwischen Loch und Toni. Diese Tatsache ist schon nach den ersten Sätzen im Buch klar, und nimmt somit nicht zu viel Inhalt vorweg. Manchmal verliebt man sich eben in seinen besten Freund oder in einen Menschen, den man schon lange kennt. Sich diese Gefühle einzugestehen und wie man damit umgehen kann, zeigt die Autorin auf eine interessante Weise. Natürlich gibt es viele Irrungen, innere Lügen und Hindernisse, die Toni immer wieder von ihren Gefühlen wegbringen, aber das gehört einfach zu einem solchen Jugend-Liebes-Roman einfach dazu. Natürlich gibt es auch ein Liebes-Happy-End für die chaotische Toni, aber mit wem sie am Ende glücklich wird, werde ich nicht verraten.

Auf jeden Fall ist das Buch leicht geschrieben, und es gibt immer wieder Stellen, wo man schmunzeln, wenn nicht sogar lachen kann, aber im Grunde hat das Buch eben auch viele tolle Hilfestellungen wenn es um das Leben und die Liebe geht.

Ich habe mich sehr gut unterhalten, und auch wenn mir dieser Wow-Effekt fehlte, würde ich mich freuen mehr von der Autorin zu lesen. Ein schöner Jugendroman, der für Mädchen wirklich gut ist.
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Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks / Cynthia Hand

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Schon als ich von dem neuen Verlag hörte, wollte ich einige der Bücher unbedingt lesen. Darunter auch dieses Exemplar und ich bin echt super happy, dass ich es über Blogg dein Buch auch vorab schon bekommen habe. Wie mir das Buch gefallen hat, lest selbst. 

 
'''ooo BUCHFAKTEN ooo'''
Autor: Cynthia Hand
Titel:  Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: HarperCollins; Auflage: 1., Aufl. (10. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3959670028
ISBN-13: 978-3959670029
Originaltitel: The Last Time We Say Goodbye
Preis: €  16,90
Genre:  Liebe, Jugend, Selbstmord
Gelesen in: 2 Tagen

'''ooo AUTORENPORTRAIT ooo'''
Die New York Times-Bestsellerautorin Cynthia Hand unterrichtete mehrere Jahre lang Kreatives Schreiben an der Pepperdine University nahe Los Angeles, bevor sie sich hauptsächlich dem Schreiben widmete. Vor kurzem ist sie mit ihrer Familie zurück in ihre Heimatstadt in Idaho gezogen, wo sie die klare Luft genießt und an neuen Romanen schreibt.  (Quelle: Amazon.de)

'''ooo DAS COVER ooo'''
Das Cover hat etwas süßes, und gefällt mir persönlich sehr gut. Es ist weich, verletzlich und ich liebe Matheformeln, sodass ich die Überschrift perfekt umgesetzt finde.

'''ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo'''
Lex -  Ältere Schwester von Ty, Mathefan, will auf MIT, Single
Ty – Hat sich kurz vor Weihnachten erschossen

'''ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo'''
Ort: USA
Zeit: Gegenwart 2010er
Perspektive: Ich Perspektive Lex
Alter der Figuren: 16 bis 18

'''ooo AUSGEWÄHLTES ZITAT FÜR DIE VERANSCHAULICHUNG DES STILS ooo'''
Ich werde ihn nie wiedersehen. Bei dem Gedanken geht das Loch in meiner Brust auf. Das passiert immer wieder, alle paar Tage seit der Beerdigung. Es fühlt sich an, als ob sich zwischen der dritten und vierten Rippe auf meiner linken Seite eine riesige, klaffende Lücke öffnet, ein Leerraum, durch den man den Plastiksitzbezug hinter meinen Schulterblättern sehen kann. Es tut weh, und mein ganzer Körper verkrampft sich vor Schmerzen. Ich knirsche mit den Zähnen und balle die Fäuste, und die Luft bleibt in meinen Lungen stecken. Ich fühle mich immer, als ob ich gleich sterben müsste, wenn das passiert. Als würde ich sterben. (Zitat aus dem Buch „Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks“)

'''ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo'''
Für Lex bricht die Welt zusammen, als sie erfährt das ihr Bruder sich das Leben genommen hat. In seinen schwersten Momenten war sie nicht für ihn da, und hat sogar seine letzte SMS ignoriert. Wie sie damit umgehen soll, weiß sie nicht, obwohl sie eigentlich ein rationaler Mensch ist. Nachdem Ty sich schon vor zwei Jahren nach der Trennung der Eltern umbringen wollte, hatte sie sich geschworen immer für ihn da zu sein, und dann passiert es, während sie nur Augen für ihren Freund hat. Damit kommt sogar Lex nicht zurecht und sie sucht sich bei Dave, einem Therapeuten Hilfe. Er bittet sie alles in einem kleinen Tagebuch aufzuschreiben und so fängt Lex mehr oder weniger freiwillig an zu schreiben. Sie schreibt auf, wie ihre Tage verlaufen und fängt an über die Vergangenheit nachzudenken, eine Zeit in der Ty noch da war, bis zu dem Tag an dem sich alles verändert hat. Warum sie sich so unglaublich schuldig gefühlt hat, ob es ihre Mutter packt, warum Ty sich umgebracht hat, und ob es Lex aufs MIT schafft und vielleicht selbst wieder glücklich werden kann, müsst ihr aber selbst lesen, denn das macht das Buch schließlich aus.

'''ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo'''
Das Buch „Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks“ ist ein außergewöhnlicher Roman, der sich mit dem Verlust eines geliebten Menschen befasst. Davon gibt es viele Bücher, aber dieses befasst sich mit einem Selbstmord und ist dadurch etwas Besonderes. Freiwillig aus dem Leben zu scheiden ist eine Entscheidung, die Umstehende oftmals nicht verstehen. Und genau damit beschäftigt sich das Buch auf wunderbare Weise, sofern man es bei dieser Thematik überhaupt so nennen darf. Ich selbst kann das sehr gut beurteilen, denn auch ich hatte mal eine solche Phase, wo ich einfach völlig neben mir stand und ebenfalls mehr Glück als Verstand hatte. Aber nun zur Geschichte zurück.

Erzählt wird das Buch von Lex, die gerade vor sieben Wochen ihren geliebten kleinen Bruder verloren hat. Am Anfang könnte sie auf einige Menschen unsympathisch wirken, denn sie ist ein sehr rationaler Mensch. Sie wirkt etwas kühl, abweisend, aber ich glaube, das ist für Nerds und Mathegenies, wie sie einer ist, völlig normal. Es dauert eben, bis sie Gefühle an sich heran lassen kann. Die umstehenden Freunde sind interessant geschildert, aber eben nur kleinere Randfiguren, die mehr oder weniger viel Platz einnehmen. Da wäre ihr eigener Ex-Freund, der immer noch freundlich ist, ihre depressive Mutter oder die A-Loch Ex von Ty. Wer selbst gerade so etwas tragisches erlebt hat, wird in einer der Personen sich selbst wiederfinden können, und das finde ich hilfreich.

Inhaltlich möchte man als Leser eigentlich recht schnell wissen, warum hat sich Ty denn überhaupt umgebracht und ein paar mehr Hintergründe erfahren. Damit lässt sich die Autorin jedoch jede Menge Zeit und im Rückblick betrachtet, ist dies eine gute Wahl, um den Leser alle Facetten dieser Tat und Situation aufzuzeigen. Es entstehen Bilder, warum er wohl diesen Weg gewählt hat, und muss am Ende erkennen, dass die Gründe ganz andere waren. Im Grunde war es einfach nur Angst. Angst vor dem verletzt werden, Angst vor dem Leben, Angst vor der ungewissen Zukunft. Und das packt jeden einmal. Mit ihrem Werk versucht die Autorin gut aufzuzeigen, dass es aber auch andere Möglichkeiten gibt, und manchmal ein Wort, ein kleines Gespräch die Situation hätte völlig ändern können.

Erzählt wird die Geschichte in einem klaren, einfachen, rationalen, wie emotionalen Stil, der Spaß macht, das Werk zu lesen. Immer wieder gibt es Rückblenden, die in kursiver Schrift deutlich von der Gegenwart zu unterscheiden sind. Die Kapitel sind so kurz gehalten, dass sich das Buch wirklich leicht lesen lässt und viel Spielraum für Pausen bietet.

Inhaltlich bin ich der Meinung, dass sich das Buch sehr gut für den Schulunterricht eignet, denn in der heutigen Zeit ist das Thema Selbstmord irgendwie noch präsenter, als früher. Früher wurde man normal gemobbt. Heute gibt es Cybermobbing. Früher waren es nur normale, tiefe Depressionen, aber durch Google und Gleichgesinnte im Internet können diese Depressionen noch mehr geschürt werden. In meinen Augen ist die Gefahr eines Selbstmordes dadurch etwas gestiegen und ich finde es wichtig, darüber schon früh zu reden. Die Umsetzung der Autorin ermöglicht viele Diskussionen und hilfreiche Ansätze, um zum Beispiel selbst mit einer schweren Situation fertig zu werden. Man muss hier nur zwischen den Zeilen lesen.

Obwohl ihr hier in jeder Zeile lesen könnt, wie gut mir das Buch gefällt, gibt es auch Punkte, die ich weniger gut fand. Zum Beispiel fand ich es nicht unbedingt so schön, dass die Autorin hier den Aspekt der Geisterwelt aufgegriffen hat. Klar spürt man manchmal die Gegenwart der Person oder glaubt auch das Parfüm zu riechen, aber hier sieht sie Ty ständig und dadurch verliert das Buch in meinen Augen etwas an Ernsthaftigkeit. Zwar geht es nur darum, aufzuzeigen, dass der Tote, aber auch die Verbliebenen auf ihre Art und Weise abschließen müssen, aber das ist doch etwas kitschig umgesetzt worden.

FAZIT: Für mich ist es ein berührendes, trauriges und wunderschönes Buch zu gleich. Obwohl mir nicht alles zu gleichen Teilen gefallen hat, kann ich das Buch jedem Empfehlen, der sich vom Inhalt angesprochen fühlt.
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Eine ganz andere Geschichte / Håkan Nesser

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Heute habe ich mal wieder ein Buch für euch, das ich euch nur vorstellen kann, weil ich im letzten Jahr die Rebuy Challenge gewonnen habe. Ich mag Krimis und daher hatte ich es als Lieblings-Genre mit angegeben. Allerdings muss ich zugeben, dass mich der Roman alles andere als begeistert hat. Das hat viele, darunter auch einige sehr persönliche Gründe, sodass ich euch das Buch nun erst einmal vorstelle und dann könnt ihr gucken, ob es für euch nicht doch was wäre


== BUCHFAKTEN ==
Autor: Håkan Nesser
Titel:  Eine ganz andere Geschichte
Taschenbuch: 608 Seiten
Verlag: btb; Auflage: 1. (3. Mai 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442740916
ISBN-13: 978-3442740918
Originaltitel: En helt annan historia ( Barbarotti 2)
Preis: € 9,99
Genre: Krimi
Gelesen in: 5 Tagen

== AUTORENPORTRAIT ==
Håkan Nesser, geboren 1950, hat mehr als zwanzig Romane geschrieben und ist in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. Seine letzten drei Bücher - Mensch ohne Hund, Eine ganz andere Geschichte sowie Das zweite Leben des Herrn Roos - sind Teil der sogenannten Inspektor-Barbarotti-Serie. Die Perspektive des Gärtners ist ein unabhängiger Roman, genau wie die mit viel Aufmerksamkeit bedachten Romane Kim Novak badetete nie im See von Genezareth, Und Picadilly Circus liegt nicht in Kumla oder Die Schatten und der Regen. Nach zwei Jahren in New York lebt Håkan Nesser gegenwärtig in London und auf Gotland.
(Quelle: Amazon.de)


== DAS COVER ==
Man blickt durch ein Fenster auf einen Strand, wo eine Staffelei steht und eine Person wegrennt. Naja, es ist okay, aber für mich kein Highlight.

== FIGUREN ==
Gunnar Barbarotti – Inspektor, Zweifler und am Scheideweg seiner Karriere

== INHALTLICHE FAKTEN ==
Ort: Schweden / Bretagne
Zeit: Gegenwart 2000er

== AUSGEWÄHLTES ZITAT ZUM STIL ==
Mir kommt in den Sinn, dass ich sogar jetzt gehen könnte, in diesem Moment, es ist zwei Uhr, die monotone Stimme des Meeres ist nur ein paar hundert Meter entfernt in der Dunkelheit auf der Terrasse zu hören, auf der ich sitze und schreibe. Ich weiß, dass die Flut kommt, ich könnte hinunter zum Strand gehen und ostwärts wandern, nichts wäre leichter als das.
Eine gewisse Trägheit, zusammen mit Müdigkeit und Alkohol im Blut, hält mich jedoch zurück. Zumindest bis morgen. Vermutlich noch einige Tage mehr. Ich habe überhaupt keine Eile, und vielleicht lasse ich mich ja von der Rolle des Beobachters verlocken. Vielleicht gibt es Dinge, über die ich schreiben kann. (Zitat S. 9/10)

== ZITIERTER KLAPPENTEXT ==
Die Bretagne im Sommer: Ein paar schwedische Touristen verbringen im Finistère ein paar vergnügte Urlaubswochen. Es ist eine zusammengewürfelte Gesellschaft: zwei Paare und zwei Einzelkämpfer, alles in allem sechs Leute, die freizeitbedingt miteinander Freundschaft schließen. Sie baden, sie essen, sie machen Ausflüge und flirten ein wenig über die Ehegrenzen hinweg. Und als die Ferien vorbei sind, trennen sich ihre Wege, wie das ja oft der Fall ist. Übrig bleiben ein paar vereinzelte Fotos, womöglich ein Gruppenbild, das ein oder andere Aquarell – und ein anonymes Tagebuch, das ihre Eskapaden schildert, wie sich später herausstellen wird, als die Tragödie bereits ihren Lauf genommen hat. Denn fünf Jahre später beginnt jemand, sie zu töten, einen nach dem anderen, wobei die Morde Gunnar Barbarotti, Inspektor in Kymlinge, jeweils zuvor brieflich angekündigt werden. Der Fall erregt große Aufmerksamkeit in den Medien, die Polizei steht naturgemäß unter Druck. Der Mörder indes spielt Katz und Maus mit den Ermittlern – und erscheint unbegreiflicher und unberechenbarer als je zuvor. Was ist damals in der Bretagne wirklich passiert? Und warum bekommt ausgerechnet Inspektor Barbarotti die Briefe? Im zweiten Buch um Gunnar Barbarotti, „Eine ganz andere Geschichte“, begegnen wir erneut dem geläuterten Zweifler und Gott herausfordernden Mann, den wir bereits im Kriminalroman „Mensch ohne Hund“ kennengelernt haben. Seine Berufskarriere erscheint ihm immer dubioser, während sein Privatleben plötzlich völlig neue Perspektiven aufweist.

== MEINE MEINUNG ZUM BUCH ==
„Eine ganz andere Geschichte“ hätte ich unter normalen Umständen, sprich hätte ich es nicht gewonnen, niemals gelesen. Zum Einen ist es für mich ein Quereinstieg gewesen und zum anderen bin ich kein Fan von schwedischer Literatur. Damit möchte ich gleich vorweg sagen, dass es das Buch bei mir eh schon recht schwer hatte.

Ich habe gelesen, dass einige das Buch mit dem Klassiker „Die Morde des Herrn ABC“ vergleichen. Ein Buch, welches ich 2011 gelesen und geliebt habe. Leider kann ich nun wirklich keine Gemeinsamkeit finden, denn mit einem Kriminalroman oder gar einem spannenden Buch hat dieses Exemplar nicht viel zu tun. Es beginnt interessant mit der Tatsache


Gerade habe ich Nessers "Eine ganz andere Geschichte" gelesen. Gelesen? Hindurchgeärgert habe ich mich. Querlesen über zig Seiten hinweg. Eine "Öde" an die Langeweile, wenn man so will.

Spannung wollte zu keiner Zeit aufkommen, denn Nesser schrieb - wie übrigens auch Mankell, den ich in den gleichen Topf werfe - keinen Krimi. Stattdessen hat der Leser Gelegenheit, verschiedene Menschen durch ihren beruflichen und leider auch privaten Alltag zu begleiten. Rein zufällig handelt es sich um Polizisten, und rein zufällig liegt gerade ein Fall vor. Zum Glück, denn sonst würden von den 600 Seiten die gefühlten zwanzig fehlen, sich tatsächlich mit diesem befassen. Ich kann nicht umhin, dem Mörder an dieser Stelle für seine Taten zu danken. Das Buch wäre ohne ihn noch ärmer.

Ein Mord geht im Kriminalroman traditionell mit seiner Aufklärung einher.
Mord? Aufklärung?
Beginnen wir mit Zweiterem: Was soll ich von einem Buch halten, in welchem das Arbeitsergebnis eines Profilers in Form von Platitüden en passant mitgeteilt wird, irgendwo zwischen der Diskussion über das zweitschönste Hotel Schwedens und der Weinsorte? Einem Buch, in dem der Autor sich nicht im geringsten bemüht, in mir die Illusion vom wissenschaftlich arbeitenden Profiler zu erzeugen?
Dem Privatleben der Hauptperson wird übrigens ein Mehrfaches des Raumes gewidmet als den Täterprofilen, die auf Basis der vorliegenden Fakten erstellt werden.
Solche Folgerungen darzustellen sind eine besonders schwache Seite Nessers. Die Kunst der Abduktion (nein, nicht Deduktion, auch Holmes abduziert!), also der - schlüssigen - Erklärung für Beobachtungen findet keinen Platz bei ihm, stattdessen werden Vermutungen ohne nähere Begründung per Mehrheitsentbeschluss des Entwicklerteams zur Spur, die man verfolgt.

Und der Mord? Eigentlich keine schlechte Idee, das mit der Polizei, die an der Nase herumgeführt wird. Ich würde mich jedoch sehr dafür interessieren, inwieweit die Darstellung realistisch ist. Sprich: ist die zeitliche Anordnung der Briefe und Morde realistisch genug, dass die Kripo des 21. Jahrhunderts ihr auf den Leim geht. Das heißt: nein, ich will es lieber nicht wissen. Ich habe den dringenden Verdacht, dass auch dieser Aspekt mit der im Buch vorherrschenden Lustlosigkeit behandelt wurde.
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Liebesgewitter / Adéle Geras

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Heute möchte ich mal wieder einen wunderbaren Liebesroman vorstellen. Das Buch habe ich mir vor gut 3-4 Jahren in einer Tauschbörse ertauscht, weil es lustig klang. Nach einigen Pleiten bei den letzten Büchern, wollte ich mal wieder etwas leichte Kost, die nicht viel Gehirn benötigt, aber unterhaltsam ist. Außerdem hatte ich das Bedürfnis mal wieder ein Buch von meinem SUB zu lesen, denn nach dem Poststreik kamen so viele Rezensionsexemplare, dass ich nur dafür Zeit hatte. 


== BUCHFAKTEN ==
Autor: Adéle Geras
Titel:  Liebesgewitter
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (8. Dezember 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442371716
ISBN-13: 978-3442371716
Originaltitel: Made in Heaven
Preis: € 1
Genre: Liebe, Drama, Humor
Gelesen in: 3 Tagen

== AUTORENPORTRAIT ==
Adèle Geras ist eine der renommiertesten Autorinnen Englands. Seit 1976 hat sie mehr als 90 Jugendbücher geschrieben, die vielfach ausgezeichnet wurden. Ihre Bestseller »Sommerlicht« und »Die Windtänzerin« eroberten im Sturm die Herzen ihrer erwachsenen Leserinnen. Geboren 1944 in Jerusalem, wuchs Adèle Geras unter anderem in Nigeria, Borneo und Gambia auf. Sie studierte Französisch und Spanisch in Oxford und arbeitete als Sängerin und Französischlehrerin. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Manchester.
(Quelle: Amazon.de)


== DAS COVER ==
Das Cover hat etwas leichtes. Zwei Stühle, etwas Grünzeug in Rankenform. Es versprüht etwas Leichtigkeit, Sommerflair, aber leider keine Romantik oder Liebe.

== FIGUREN ==
Suzannah – Braut von Adrian, möchte endlich eine schöne Hochzeit, Lehrerin
Adrian – Banker, reich und Bräutigam
Isis – Tochter von Suzannah aus ihrer ersten Ehe
Cal – Ex Mann von Zannah
Bob – Vater der Braut
Joss – Mutter der Braut
Maureen – Mutter vom Bräutigam
Gray – Vater vom Bräutigam

== INHALTLICHE FAKTEN ==
Ort: England
Zeit: Gegenwart 2000er
Perspektive: Wechselnde Perspektive dritte Person
Alter der Figuren: Mitte 20 bis Ende 50

== AUSGEWÄHLTES ZITAT ZUM STIL ==
»Die Eltern der Braut lernen die Eltern des Bräutigams kennen. Das ist ein Ritual, wie man es in jeder Gesellschaft und schon seit vielen Jahrhunderten kennt«, sagte Bob Gratrix.
»Pa, wir sind keine Archäologiestudenten im ersten Semester«, warf Zannah vom Rücksitz des Wagens ein. »Du sprichst schon wieder in deinem Dozierton. Aber der ist jetzt gar nicht gefragt. Sei einfach ganz normal.« (Zitat aus Liebesgewitter – Erste Sätze)

== WORUM GEHT ES IN EIGENEN WORTEN ==
Zannah möchte endlich heiraten und zwar richtig. Das war damals mit Cal nicht möglich und in Adrian hat sie ihren absoluten Traumprinzen gefunden. Es soll die absolute Wunsch-Traum-Hochzeit werden, die sie sich seit ihrer Kindheit immer ausgemalt hat. Ihre Tochter Isis hätte zwar lieber ihren Vater wieder an der Seite ihrer Mutter, akzeptiert jedoch die neue Situation zur Freude ihrer Mutter. Als sich die beiden Elternpaare bei der Hochzeitsplanung kennenlernen sollen, kommt es jedoch zu einem  Zusammentreffen, mit dem niemand gerechnet hat. Joss, die Mutter von Suzannah ist schon lange nicht mehr wunschlos glücklich mit Bob, der sich nur für seinen Beruf interessiert. Als sie eine kleine Affäre anfängt, ist ihr klar, dass sie bei ihrem Mann bleiben will oder zumindest geht sie davon aus. Das blöde an der Situation ist jedoch, dass ihr neuer Schwarm zufällig der neue Schwiegervater ihrer Tochter ist. Aus Rücksicht auf die bevorstehende Hochzeit und vor allen Dingen wegen ihrer Tochter trennen sich die beiden. Doch kann Zannah ihrer Mutter trauen oder steckt viel mehr hinter dieser Affäre, und was ist mit Cal, der immer wieder auftaucht?

== MEINE MEINUNG ZUM BUCH ==
„Liebesgewitter“ ist der dritte Roman der englischen Autorin Adéle Geras und für mich das erste Werk aus ihrer Feder. In ihrem Werk greift die Autorin das Thema Liebe, Ehe und Glück auf eine sehr interessante Art und Weise auf. Sie lässt den Leser das Gefühlsleben drei unterschiedlicher Paarungen unter die Lupe nehmen und lässt dadurch die eigene Partnerschaft in einem neuen Licht erstrahlen.

Als Hauptfiguren hat sich die Autorin für Zannah, eine träumerische Lehrerin mit viel Herz und Verstand ausgesucht, sowie ihren neuen reichen, etwas eigenwilligen Partner Adrian. Mit einbezogen werden zudem die Eltern beider Paare. Joss und Bob sind 30 Jahre verheiratet und wirken zwar nicht mehr frisch verliebt, aber harmonisch nach außen. Gleiches gilt auch für Gray und Maureen, die jedoch durch ihren Besitz deutlich nobler und distanzierter wirken, während Bob und Joss mir persönlich bodenständiger und herzlicher erschienen.

Diese Paarung nimmt die Autorin und würfelt die Geschichten einfach einmal zusammen. Es weckt die Frage, ob man selbst nach 30 Jahren noch einmal einen Neuanfang wagen würde, und warum man sich von einen so sympathischen Menschen wie Cal trennt. Durch die ständigen Szenenwechsel bekommt der Leser einen schönen Einblick in die verschiedenen Perspektiven der unterschiedlichen Charaktere. Gedanken, Emotionen und Beweggründe werden authentisch, wenn auch manchmal etwas verworren dargestellt.

Verworren aus dem Grund, dass die Wechsel nicht immer ersichtlich sind und ich mir manchmal eine klarere Linie gewünscht hätte. Aber bei so viel Kuddelmuddel ist dies irgendwie auch wieder passend.

Inhaltlich passiert vieles, was jedoch bis zu einem gewissen Grad vorhersehbar ist. Personen werden öffentlich oder unbeabsichtigt gekränkt, es kommen viele Lügen ans Licht und natürlich befasst sich die Geschichte mit all den klischeehaften Zwängen unserer Gesellschaft  und deren Hoffnungen. Nichtsdestotrotz schafft es die Autorin mich regelmäßig mit kleineren Wendungen und Ideen zu überraschen, sodass es nicht wirklich langweilig wurde.

Dieses Werk unterscheidet sich klar von der üblichen Masse, nicht nur weil drei Beziehungen im Roman vorkommen, sondern eben auch durch die Zusammenhänge und die gewisse Dramatik dahinter. Trotzdem ist es kein tiefgründiger Roman, sondern beinhaltet eine große Portion Humor, sodass ich regelmäßig schmunzeln musste.

Alles in allem ist es ein Roman, den man gerne lesen kann. Nicht unbedingt etwas für einen entspannten Nachmittag im Garten oder am Strand, aber für einen Abend am Kamin.
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Die Schachspielerin / Bertina Henrichs

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Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass ich durch Zufall entdeckt habe. Es handelt sich um ein Buch, das bei meinem früheren Hausarzt im Buch-Tausch-Regal stand. Da ich noch einige Werke hatte, die ich in meinem Leben einfach nicht lesen muss, habe ich diese einfach gegen das Buch getaucht. Das Cover hatte etwas beruhigendes, und da ich Schach interessant finde, dachte ich, könnte es ein interessantes Buch sein. Wie seht ihr das?


== BUCHFAKTEN ==
Autor: Bertina Henrichs
Titel:  Die Schachspielerin
Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: Diana Verlag; Auflage: 1. (2. Juli 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 345335172X
ISBN-13: 978-3453351721
Originaltitel: La joueuse d'échecs
Preis: € 1
Genre: Aktuelles, Drama
Gelesen in: 5 Tagen

== AUTORENPORTRAIT ==
Bertina Henrichs geboren 1966 in Frankfurt am Main, studierte Literatur- und Filmwissenschaft und lebt seit vielen Jahren in Paris, wo sie als Schriftstellerin und Filmemacherin arbeitet. Ihr erster Roman, Die Schachspielerin, war ein großer Bestseller in Frankreich und Deutschland und wurde mit dem Corine-Buchpreis für das beste Debüt ausgezeichnet. Die Schachspielerin wurde mit Sandrine Bonnaire und Kevin Kline in den Hauptrollen erfolgreich verfilmt.
(Quelle: Amazon.de)

== DAS COVER ==
Das Cover ist schlicht, aber hat etwas beruhigendes. Eine blaue Holztür mit, ich glaube Weinranken, gefällt mir gut, auch wenn ich ein Schachbrett davor zum Beispiel auf einem Tisch auch gut gefunden hätte.

== FIGUREN ==
Eleni – Mitte 40, Putzfrau, Mama und verheiratet
Pano -  Untreuer Ehemann, Mechaniker
Yanni – Sohn von Eleni, 16 Jahre alt
Dimitra – 14 Jahre alt, Tochter von Eleni
Kouros – Professor von Eleni in der Schulzeit

== INHALTLICHE FAKTEN ==
Ort: Griechenland
Zeit: 50 / 60er Jahre?

== AUSGEWÄHLTES ZITAT ZUM STIL ==
Es wurde wieder Sommer. Wie jeden Morgen stieg Eleni den Hügel vom Stadtzentrum zum Hotel Dionysos hinauf, während die Sonne gerade am Horizont auftauchte.
Von diesem sandigen, zerfurchten Hügel bot sich ein atemberaubender Blick auf das Mittelmeer und das Naxos-Tor des Apollontempels. (Zitat – Erste Sätze )

== WORUM GEHT ES IN EIGENEN WORTEN ==
Eleni ist Mitte 40 und die Tochter armer Bauern. Sie lebt auf Naxos, hat mit 15 Jahren die Schule verlassen und arbeitet seitdem als Zimmermädchen. Ihr Mann Panos ist untreu, Automechaniker und fast nie zu Hause. Ihre Kinder sind auch schon groß und so ist der Alltag eher trist und öde. Das ändert sich als Eleni in einem Zimmer von einem französischen Paar eine Figur vom Schachbrett herunterwirft. Schach findet sie kultiviert und interessant, sodass sie nach diesem Missgeschick überlegt ihrem Mann einfach ein Schachbrett zum Geburtstag zu schenken. So kann er es ihr beibringen und sie gemeinsam ein paar Partien spielen. Um das Schachbrett heimlich zu organisieren, fragt sie ihren alten Lehrer Kouros. Er besorgt ihr einen modernen Schachcomputer, der einfach nur beängstigend aussieht. Panos interessiert er jedoch so gar nicht, und so versucht Eleni mit Hilfe des Handbuches sich selbst Schach beizubringen. Als sie hier nicht mehr weiterkommt, bietet sich ihr alter Lehrer an, einmal die Woche mit ihr zu spielen. Doch akzeptiert wird ihre neue Leidenschaft von keinem. Damit sie jedoch endlich akzeptiert wird, muss sie laut Kouros ein richtiges Tunier in Athen gewinnen. Leichter gesagt als getan. Sie übt fleißig, geht nicht zur Arbeit und ihr Mann muss sich sogar entscheiden, ob er sich lieber scheiden lassen will. Nicht mal als Kouros an einer schweren Lungenentzündung erkrankt, hört sie mit dem Spielen auf.  Und dann gewinnt Eleni auch noch die ersten Partien, hat sie das Zeug das Tunier zu gewinnen, oder ist ihr altes Leben vielleicht doch wichtiger?

== MEINE MEINUNG ZUM BUCH ==
„Die Schachspielerin“ ist anders, als ich erwartet habe. Während meiner Schulzeit habe ich die „Die Schachnovelle“ gelesen und geliebt und auch privat spiele ich gerne eine Partie Schach. Deswegen bin ich davon ausgegangen, dass ich ein interessantes Buch vorfinden würde. Leider kann mich das Buch nicht so überzeugen, wie es viele andere Leseratten überzeugt.

Eleni ist eine Hauptfigur, die einfach anders ist, als die meisten Figuren. Bestimmt durch eine Männerwelt ist sie eher zurückhaltend, demütig und schon glücklich, wenn ihr Mann glücklich ist. Mit der Gleichgültigkeit, wie sie ihrer Arbeit nachkommt und akzeptiert, das ihr Mann ab und an fremd geht, kann ich mich nicht identifizieren. Nichtsdestotrotz kann ich sie nachvollziehen, denn es gibt viele Frauen, die auch heute noch so denken. Somit wird schnell deutlich, dass das Buch nicht um Schach selbst geht, obwohl das nicht gerade wenig vorkommt, sondern hauptsächlich um Emanzipation.

Diese Thematik wurde in meinen Augen interessant umgesetzt und für diesen Hintergrund hat die Autorin eine wirklich authentische Persönlichkeit mit Eleni ins Leben gerufen. Immer unterdrückt, lehnt sie sich auf und zeigt der dominanten Männerwelt, dass auch Frauen zu etwas anderem nützlich sind als Sex, Haushalt, Kinder und die Finanzen aufstocken. Es ist wunderschön zu verfolgen, wie die Hauptfigur im Laufe der Geschichte ein ganz anderes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein erlangt. Trotzdem kann ich auf Grund des Alters der Hauptfigur manche Entscheidungen nicht vollends nachvollziehen. Mag sein, dass ich zu jung dafür bin, oder aber, das die Autorin sich nicht immer die Mühe gemacht hat wirklich alles genau logisch zu konzipieren. Zum Beispiel hat Eleni seit Jahren ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Chefin, warum traut sie sich ihr nicht zu sagen, dass sie zu einem Schachtunier will und ein paar Tage dafür frei haben möchte. Klar braucht ihre Chefin sie, aber so wie diese stets dargestellt wird, hätte sie ihr auf jeden Fall frei gegeben. Stattdessen erledigt dies ihr unwissender Mann, mit dem Eleni gar nicht darüber gesprochen hat. Woher nimmt er das wissen, seine Frau entschuldigen zu müssen? Das ist einer dieser Punkte, die ich nicht nachvollziehen kann.

Wer nun hofft in dem Buch viel über Schach, gewissen Partien oder Tipps zu erlernen, dem sei gesagt, dass dies genauso wenig der Fall ist, wie das Buch spannend ist. Das Thema Schach ist zwar allseits präsent, aber nur als Grundidee. Theoretisch hätte Eleni auch Poker erlernen können statt das Spiel der Könige. Die Geschichte ist sehr schlicht erzählt, setzt auf seichte Hügel, wenn es um Spannung, Überraschung oder Drama geht.

Was mich aber wirklich stört, ist die Tatsache, dass man als Leser nie erfährt in welcher Zeit das Buch spielt. So könnten gewisse Verhaltensmuster einfach verständlicher sein. Ich war zwar noch nie in Griechenland, vermute jedoch, dass Frauen in der heutigen Zeit dort Schach spielen dürfen, und nicht wie in dem Buch dargestellt, schief angeschaut werden, weil sie sich für dieses Spiel interessiert. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die Geschichte lange Zeit vor der Emanzipation spielt. Gehört es jedoch nicht zu einer guten Geschichte, dass solche Fragen zumindest im Verlauf geklärt werden.

Nein, als Highlight kann ich das Buch nicht bezeichnen. Der Ansatz ist mit Sicherheit gut. Die Emotionen müssen sich im eigenen Kopf abspielen und zugedacht werden, denn vermitteln kann sie die Autorin nicht. Vielleicht ein Mittel um Ausdruck in das Buch zu bringen, aber meins ist es nicht. In Kombination mit der mangelnden Spannung und den vielen offenen Fragen, ist das Buch für mich eben nur Durchschnitt, den man nicht unbedingt lesen muss.Vielleicht als Film besser. Das kann ich nicht beurteilen.
 
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