Casting: Spiel um Dein Leben / Yvonne Richter

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Bücher sind wie eine Überraschung man weiß grob, was einen erwartet, aber nie genau und ist am Ende dann oftmals überrascht. Klappentext und Cover geben einen indirekten Hinweis, aber wie der Autor es am Ende umsetzt, erfährt man nur, wenn man das Buch liest. Logisch, oder!? In diesem speziellen Fall war ich total neugierig auf die Umsetzung und habe mich arg gefreut, als ich das Buch zur Rezension zugeschickt bekommen habe. Ich habe mich sogar einmal recht zügig ans Lesen gemacht, und werde euch nun nicht länger im Dunkeln tappen lassen, wie es mir gefallen hat.

Wohin uns Castings Shows führen könnten - 3 Sterne

DAS COVER
Vom Cover her hätte man es eindeutig besser umsetzen können. Ein Vorhang, wo eine Person zu erkennen ist, passt zum Thema Casting, aber ganz ehrlich es ist total fade umgesetzt. Eine Bühne oder etwas aus dem Buch selbst, wie das Infodrom oder die alte Mähre oder eine Zeichnung der Mitspieler hätte mir besser gefallen. Das Cover ist für den Inhalt einfach zu trist.

FIGUREN IM ÜBERBLICK
Lovis – Mutig, schlau, Herz am rechten Fleck
Jo – Mutig, wild und schlau
Schlawine – ausgefuchst, hat eine Fledermaus als Haustier
Admiral - Sehr schlau, kennt viele Geheimnisse

INHALTLICHE FAKTEN
Ort: Welt in der Zukunft Dystopie
Zeit: Unbekannt

ERSTER SATZ
Lovis sah nach unten.

WORUM GEHT ES IN DEM BUCH
Die Welt hat sich verändert. Es gibt die super Reichen, es gibt die Moderatoren und die Kandidaten. Alles was jung und fit ist, muss sein Unterhalt, wie Kleidung, Wohnung, Essen Schulbildung und andere Dinge über eine der diversen Casting-Shows beziehen. Nur wer gewinnt, kann sich etwas von den vorhandenen Preisen aussuchen. Wer verliert, muss mit Pech über Wochen oder Monate auf der Straße leben und sich über die Reste in den Suppenküchen ernähren. Jeder kämpft mit vollem Einsatz, so auch Lovis, der auf sich allein gestellt ist. Seine Mutter ist zu alt und arbeitet in einer Fabrik, und sie sehen sich kaum. Er hat zumindest Glück, weil er schlau und sportlich ist, sodass er eine Wohnung hat, nur an Essen mangelt es regelmäßig. Auch beim letzten Casting hätte er verloren, aber überraschenderweise bietet ihm Jo, die Gewinnerin ab, das Essen zu teilen. Die beiden Gegner werden plötzlich zu Freunden und kämpfen von nun an gemeinsam. Bald wird das Duo um Schlawine und Admiral erweitert, der ihnen zeigt, was sich hinter den Kulissen abspielt. Den Vier ist klar, dass das Leben mit den Castings nur den Menschen vor den Fernsehern etwas bringt. Als sie dann auch noch sehe, was mit den alten Menschen geschieht, die nichts mehr können, befreien sie die Mutter einer Freundin und verstecken sie. Der Wunsch nach einem anderen Leben ist geweckt und so beginnen sie sich auf die Suche nach einer Alternative zu machen, die auch bald gefunden ist. Nun heißt es für diesen Traum zu kämpfen, aber gar nicht so leicht, denn sie können jeder Zeit entdeckt werden.

SARAHS LESEEINDRÜCK
Casting: Spiel um dein Leben“ ist ein Jugendbuch, welches auf eine innovative Grundidee zurückgreift, die so viel Potential bietet. Meine Hoffnungen an das Buch waren groß und ich hatte Geschichten wie „Die Tribute von Panem“ im Kopf. Aufregende Spiele, wo es ums Überleben geht, und der Anfang lässt auch so etwas vermuten, denn die Casting Shows haben es in sich. Klettern ohne Seil und vieles mehr. Die Kandidaten könnten abstürzen und man fragt sich, ob es denn nun eine Absicherung gibt oder nicht. Es klingt so, als würde es sie nur teilweise geben und das willkürlich, sodass es echt gefährlich werden kann. Doch meist ist alles gut gesichert. Nun gut, es sind auch nicht alle Castings sehr gefährlich, sondern fordern auch die Intelligenz oder Rechenkünste der Kandidaten. Nun gut, es ist ein Kinder-Jugendbuch und das ist eben nicht auf brutal und ängstigend ausgelegt.

So von der Grundidee jedoch sehr innovativ, denn schaut man sich die Casting-Shows an, dann erfreuen sich diese großer Beliebtheit. Tanzen, Singen, Schneidern, Kochen und auch sportlich darf nichts fehlen. Man erinnere sich an die „Ninja Warriors“, wo der Kandidat am Ende alleine im Finale stand und nicht mal gewonnen hat, weil er das Finale nicht geschafft hat. Definitiv ein gutes Beispiel für die Gier der Leute hinter der Kamera, wie sie auch im Buch immer präsent ist.

Und genau dieser Blick hinter die Kulissen einer Casting-Welt macht das Buch aus. Geld wird kassiert um an einem Casting teilzunehmen, Schwächlinge werden aussortiert oder dienen nur als Kanonenfutter und Lachnummern. Siegen ist wichtiger als Freundschaft oder die Familie. Und die Casting-Shows selbst versuchen sich selbst mit neuen, ausgefalleneren Ideen zu übertrumpfen.

Ihr seht also, die Theorie ist interessant und bietet so viel Potential, das die Autorin jedoch leider überhaupt nicht nutzt. Das hat viele Gründe, die mich während des Lesens schon immer gestört haben. Der Stil der Autorin ist einfach ein Stil für sich, sag ich mal. Kindgerecht, einfach, aber sehr abgehakt und er fesselt überhaupt nicht. Hinzu kommt der ständige Wechsel der Perspektiven. Mal begleitet man die Moderatoren der Shows, mal die Kandidaten selbst. Ich benutze einmal diese Worte, denn die Autorin nutzt für alles dämliche Begriffe, die sich der „Silbe“ Casting bemächtigen, also Castidaten. Das ist nicht witzig und nervt ganz schön, genau wie die restliche Namensfindung der Autorin. Kami Katze, Kain Maleins, Folta Kräh, um einmal einige Namen der Moderatoren zu nennen. Auch die Namen der normalen Kinder sind alles andere als normal, dabei ist es ja nicht so unendlich in der Zukunft, wo man nicht normale Namen hätte nehmen können. Mit den Namen konnte man sich zumindest anfreunden, aber gerade die Perspektive der Moderatoren war einfach nur eine Katastrophe, die ich teilweise nachher übersprungen habe. Die eine Moderatorin ist meist ohne Gebiss ist dementsprechend kaum zu verstehen, sodass einer der anderen immer noch mal übersetzen muss. Ein anderer Moderator ist offensichtlich aus Bayern und hat einen so starken Dialekt, dass die Autorin spontan Fußnoten einbaut, um seine Sätze zu übersetzen. Ganz ehrlich, muss das sein? Nein. Mich hat es einfach nur total genervt und den Lesefluss arg gehemmt.

Hinzu kommt auch die Tatsache, dass man sich nur schwer mit den Figuren identifizieren kann. Sie sind sehr oberflächlich beschrieben, lernen sich spontan kennen und werden urplötzlich beste Freunde. Es wirkt zu künstlich und hinzu kommt, das die Rebellion, die nun einmal in den meisten Dystopien vorkommt, erst sehr spät an Fahrt aufnimmt. Doch statt hier wenigstens Spannung aufzubauen, geht fast immer alles glatt, es werden meistens den Feinden die Steine in den Weg gelegt und nur ab und an geht etwas schief, weil zu oberflächlich geplant wird, und selbst dann wird eine banale Lösung seitens Autorin gefunden, weil es plötzlich einen neuen Freund und Helfer gibt.

Highlight, und das im negativen Sinne bzw. ironisch gemeint, ist der Schluss. In der einen Minute ist noch Chaos und die Welt so, wie man sie kennt mit Castings, und peng geht die Bombe hoch und alles ist neu.

FAZIT: „Erfolg ist... entdecken, was in dir steckt“ so steht es hinten auf dem Buch. Erfolg ist jedoch nicht unbedingt eine gute Idee, die gewöhnungsbedürftig umgesetzt wurde. Mich hätten als Kind die gleichen Aspekte gestört, wie auch jetzt. Nicht jeder Autor mit einer guten Idee, hat auch das Potential es gut umzusetzen. Ich bin sehr zwiegespalten, weil die Idee so genial ist, aber die Umsetzung so flach. Daher gibt es von mir pauschal 3 Sterne.

FAKTEN ZUM BUCH
Autor: Yvonne Richter
Titel: Casting: Spiel um Dein Leben
Gebundene Ausgabe: 295 Seiten
Verlag: fabulus Verlag; Auflage: 1., Erstauflage (25. August 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3944788281
ISBN-13: 978-3944788289
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 - 16 Jahre
Preis: € 16,95
Genre: Jugend, Dystopie,

Gelesen in: 3 Tagen

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