Zwei Engel im Himmel / Denise Williams

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Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, welches für jede Mutter oder auch für jeden Vater ein absoluter Alptraum ist. Es handelt davon die eigenen Kinder zu verlieren. Da ich gerade schwanger bin und selbst Mama von entzückenden Jungs bin, ist das Buch natürlich schon harter Tobak. Trotzdem habe ich mich neugierig an das Geschenk meiner Mutter gemacht.


==ooo BUCHFAKTEN ooo==
Autor: Denise Williams
Titel: Zwei Engel im Himmel
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Weltbild (2015)
ISBN-10: 3828932894
Preis: € 15€
Genre: Biographie
Gelesen in: 3Tagen

==ooo DAS COVER ooo==
Das Cover zeigt die beiden Jungs, sodass der Leser eine gewisse Vorstellung hat, wie ihre Kinder aussahen. Das finde ich gut und sorgt für den richtigen Einstieg in das Buch.

==ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo==
Denise – Mama, Prostituierte, späte Kämpfernatur
Steve – Vater, brutal, Säufer
Bret und Brad Lee – Ermordete Jungs

==ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo==
Ort: England
Zeit: 1990-2010er
Perspektive: Sichtweise von Denise
Alter der Figuren: Gemischt

==ooo ZITAT FÜR DIE VERANSCHAULICHUNG DES STILS ooo==
Bis meine jüngeren Schwestern geboren wurden, dachte ich,
von Dave geschlagen zu werden wäre normal. Von einem erwachsenen
Mann mit einem Gürtel geschlagen zu werden, weil
man zu viel Spülmittel fürs Geschirrspülen benutzt hatte, war
doch sicher etwas, was den meisten Fünfjährigen, die Seifenblasen
mochten, passierte. Gegen das Schienbein getreten zu werden
war doch wohl üblich bei jedem Kind, das vergaß, im Haus
die Schuhe auszuziehen, oder nicht? (Zitat S. 12)

==ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo==
Denise ist 7 Jahre alt, als sie erkennen muss, dass nicht alle Menschen gleich sind. Ihr Stiefvater schlägt sie wegen jeder Kleinigkeit und ist nur zu seiner leiblichen Tochter wirklich nett. Dave trinkt, Dave ist brutal und macht sogar Denise verantwortlich, als ein Auto sie einfach anfährt. Ähnlich wie bei Aschenputtel kommt jedoch im Alter von 16 Jahren Steve in ihr Leben. Er ist älter, legt ihr die Welt zu Füßen und steckt ihr einen riesigen, eindrucksvollen Ring an den Finger, weil er in ihr seine Traumfrau sieht. Das seine erste Frau an Krebs gestorben ist, und sie die Mutter von zwei Teenagern werden muss, ist ihr in dem Moment egal. Sie ist glücklich von Dave und ihrer Mutter, die alles hinnimmt, wegzukommen. Am Anfang ist auch noch alles schön, doch schnell merkt Denise, das auch Steve kein Engel ist. Ihre Mutter hatte es ihr schon am Tag des Auszugs gesagt, aber irgendwann kommt der Tag, wo man seine eigene Erfahrungen machen muss. Steve ist durch seine Zeit beim SAS geprägt, gewalttätig und niemand kann ihm etwas recht machen. Seine Kinder leiden, Denise lernt bald sein wahres Ich kennen und wird sogar, als sie schnell von ihm schwanger wird, sogar in der Schwangerschaft nicht gerade nett behandelt. Die Misshandlungen nehmen in den Jahren darauf zu. Knochenbrüche und vieles mehr sind alltäglich geworden. Sie geht arbeiten, lässt sich wie eine Sklavin einsperren, hat alles Geld abzugeben und ist wie ihre Mutter in die Abhängigkeit geraten. Für die Jungs, inzwischen haben sie zwei zauberhafte Söhne, bleibt sie dort. Doch irgendwann kann sie einfach nicht mehr. Sie versucht zu fliehen, kehrt aber wieder zurück, als Steve sie bearbeitet. Es ist wohl die Chance, die alles hätte ändern können. Danach wird es noch schlimmer, sie muss sogar für Steve in bestimmten Berufen arbeiten, damit das Geld zu Hause stimmt. Erneut kommt der Punkt, wo sie einfach nicht mehr kann. Sie will sich nicht mehr verkaufen, möchte sich nicht mehr verprügeln lassen und möchte eine bessere Zukunft für ihre Kinder. Sie plant ihre Flucht, doch dann kommt Steve ihr im wahrsten Sinne des Wortes in die Quere. Sie muss sich entscheiden, ihre Flucht durchzuziehen, denn wer weiß, ob sie je wieder eine weitere Chance bekommen wird, oder zu Hause zu bleiben, denn es ist unmöglich die Jungs an diesem Tag mitnehmen zu können. Sie entscheidet sich für die alleinige Flucht und unterschreibt damit das Todesurteil für die Jungs.

==ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo==
Gerade als Mama ist es schwer ein solches Buch zu lesen, denn die eigenen Kinder so früh zu Grabe tragen zu müssen ist hart. Warum meine Mutter, die weiß, dass ich schwanger bin, so ein Buch kauft und mir im Anschluss zum Lesen schenkt, werde ich nicht verstehen, aber nun gut, ich habe es gelesen.

Am Anfang war ich weniger angetan von dem Buch, denn der Klappentext verrät sehr viel und somit weiß der Leser von Anfang an, was ihn erwartet. Der Mord selbst passiert aber erst sehr, sehr spät im Buch, sodass der Leser die Möglichkeit bekommt, einen Eindruck von Denise und der Situation zu bekommen.

Das Buch ist sehr leicht geschrieben, und die Seiten fliegen nur so an einem vorbei, aber das bringt nicht viel, wenn man am Anfang etwas genervt ist. Das lag in meinem Fall ganz klar an Denise. Von Anfang an versucht sie sich für vieles zu rechtfertigen und schiebt es auf ihre Kindheit. Ihr Stiefvater war brutal und gewalttätig, und Liebe erfährt sie nie wirklich. Ganz ehrlich, es gibt so viele Menschen, die eine schwere Kindheit hatten und ihren positiven Weg gegangen sind. Da spreche ich sogar zum Teil aus eigener Erfahrung, denn mein Vater ist mit Sicherheit kein Engel gewesen und meine Mutter ist ebenfalls bis heute mit ihm zusammen, was ich nicht nachvollziehen kann. Trotzdem war mir klar, dass es andere Beziehungen gibt, und so etwas habe ich angestrebt. Klar, bei Denise war es etwas schwerer eine normale Beziehung zu sehen und ganz oft suchen sich Mädchen den gleichen Typ,wie die Mutter, aber bei ihr wirkt es so wie eine leichte Ausrede.

Warum möchte ich aber auch erklären. Im Verlauf des Buches erlebt sie die Hölle auf Erden. Sie bleibt aus verschiedenen Gründen, die ich sogar teilweise nachvollziehen kann. Angst vor der Zukunft, dem Alleinsein, aber auch Angst vor der Flucht selbst und wie ihr Mann darauf reagiert. Ein Mensch, der seit der eigenen Kindheit nur so etwas kennt und kein Vorbild hat, kann nur schwer ausbrechen. Und viele Mütter bleiben bei ihrem gewalttätigen Mann, so lange er die Kinder zum Beispiel nicht anrührt oder weil sie selbst zu schwach sind.

Ihr gelingt die erste Flucht, und wie bei vielen schwachen Frauen kehrt sie zurück. Manchmal fehlt eben das letzte Stückchen Mut und Stärke, um konsequent zu sein. Obwohl ich Denise und ihre Entscheidungen immer wieder gut nachvollziehen konnte, war man neugierig, warum der Vater in diesem Fall die Jungs umbringt.

Und dann kommt dieser Moment. Mir hat es das Herz gebrochen ich war echt schockiert, wie brutal und egoistisch ein Mensch zu seinem eigenen Fleisch und Blut sein kann. Nein, so etwas kann ich als liebende Mama nicht nachvollziehen. Für mich gäbe es keinen Grund je meinen Kindern weh zu tun, denn sie sind für mich das Wichtigste. Genau deswegen ist bei mir auch der Punkt gekommen, wo ich das Gefühl hatte, für sie ist ihre Kindheit, Jugend und Ehe eine Ausrede. Sie entwickelt einen Fluchtplan, der daran scheitert, dass ihr Mann bei den Jungs schläft. Sie hätte es probieren können sie zu wecken, und somit auch ihren Mann; sie hätte bleiben können und es später probieren können und wäre vielleicht einmal zu viel verprügelt worden in dieser Zeit. Sie entscheidet sich für die eigenen Flucht und besiegelt damit das Todesurteil für ihre Jungs. Leider kann ich diesen Gang nicht nachvollziehen. Wäre mein Mann gewalttätig zu mir alleine, ich wäre vielleicht gegangen, denn manche Männer sind zu den Kindern echte Schätze und lassen alles an den Frauen aus. Aber bei einem Vater, der vor nichts zurückschreckt, und das wusste sie von ihren Stiefkindern, da hätte ich nicht mal eine Sekunde überlegen müssen. Ich hätte einfach eine Nacht gewartet oder noch eine. Scheiß drauf, das ich mein Leben riskiere, das meiner Kinder wäre wichtiger gewesen, denn ihm hätte ich alles zugetraut. Nun kann man immer sagen, man hätte anders reagiert, aber es gibt einige Menschen, die nicht nachvollziehen können, warum sie ihre Kinder dort gelassen hatte.

Passiert ist passiert und wie schwer die Zeit danach ist, zeigt sie ebenfalls anschaulich. Es ist hart und ich war oft den Tränen nahe.

Am Schluss des Buches macht die Autorin noch auf weitere Fälle aufmerksam, denn Väter finden grundsätzlich ihren Weg, wenn sie jemanden etwas antun wollen. Wahrscheinlich hätte Steve dies auch geschafft. Es ist erschreckend aus welchen Gründen und wie brutal Väter ihre Kinder töten, nur weil die Partnerschaft nicht so verläuft, wie sie es sich erhofft haben.

FAZIT: Auch wenn ich persönlich eine andere Entscheidung getroffen hätte, ist das Buch sehr realistisch geschrieben und sorgt dafür, dass die Emotionen perfekt vermittelt werden. Das Buch ist auf jeden Fall sehr hilfreich und auch wenn es harter Tobak ist, sogar etwas für Schulen, um vielleicht anderen Mädchen wie Denise einen anderen Weg zu zeigen.


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