Als wir unendlich wurden / Carrie Firestone

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Für eine Blogtour habe ich die Möglichkeit bekommen dieses Jugendbuch zu lesen. Beworben hatte ich mich aus dem Grund, das meine Mutter im Sommer einen Herzinfarkt hatte und ich dachte, dass mir das Buch helfen könnte, mich etwas mit dem Gedanken rund um den Tod besser anfreunden zu können, denn daran möchte niemand denken und mit einem Herzinfarkt kommt er dann doch etwa näher. 


==ooo BUCHFAKTEN ooo==
Autor: Carrie Firestone
Titel: Als wir unendlich wurden
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Arena (17. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3401601784
ISBN-13: 978-3401601786
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
Größe und/oder Gewicht: 14,9 x 4,5 x 21,1 cm 
Preis: € 14,99
Genre: Jugend, Drama, Tod, Liebe
Gelesen in: 4 Tagen

==ooo AUTORENPORTRAIT ooo==
Carrie Firestone arbeitete zunächst als High School Lehrerin in New York City, bevor sie sich 2014 ihren Traum vom Schreiben erfüllte. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Connecticut, USA. „Als wir unendlich wurden“ ist ihr Debütroman.  (Quelle: Amazon.de)

==ooo DAS COVER ooo==
Das Cover gefällt mir gut, passt aber nur bedingt zum Buch, wie ich finde. Es ist leuchtend gelb, hat einen Anker und Blumen drauf. Ich hätte ein Schiff einfach schöner gefunden, obwohl ich das Cover eigentlich liebe, aber es passt irgendwie nicht. 

==ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo==
Astrid – Krank, liegt im Sterben
Maddie – Enkeltochter von Astrid und kann mit dem Tod nicht umgehen
Enzo – Sohn der Schiffsbesitzerin und sehr attraktiv
Janie – Verwandte von Maddie

==ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo==
Ort: Rom, Brasilien, Jamaika, Taipee und viele mehr 
Zeit:  Gegenwart 2010er 
Perspektive: Ich-Perspektive von Maddie
Alter der Figuren: 17-90

==ooo AUSGEWÄHLTES ZITAT FÜR DIE VERANSCHAULICHUNG DES STILS ooo==
Als Gram anruft, drücke ich sie weg. Lizzie und ich sitzen bei Starbucks und warten darauf, dass Kyle und Ethan von Lacrosse-Training kommen. In der Zwischenzeit arbeiten wir an unseren Unbedingt-noch-machen-Listen und kommen dabei gerade so richtig in Fahrt. ( Zitat S. 9 – Erste Sätze)

==ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo==
Maddie ist mit der Highschool fertig und will den Sommer Spaß haben, bevor es aufs Collage geht. Sie hat einen heißen Freund, tolle Freundinnen und einen Reizdarm, der sie manchmal nervt. Doch dann bekommt sie von ihrer geliebten Gram einen Anruf der alles verändert. Sie muss erfahren, dass ihre Oma an Krebs erkrankt ist und bald sterben wird. Zusammen mit der Familie möchte diese nun ihren Abschied feiern und zwar nicht zu Hause, sondern auf einer Weltreise. Sie hat die gesamte Familie auf der Wishwell eingebucht. Ein Schiff, wo sterbenskranke Leute eine letzte Reise unternehmen und zu einem bestimmten Zeitpunkt selbst bestimmen können, wann sie die Welt ganz friedlich verlassen. Für Maddie ist das alles zu viel. Trotzdem will sie ihre Oma auf diesem Weg begleiten. Verschlimmert wird die Situation irgendwie noch, als sie ihren Freund wenige Stunden später knutschend auf einer Party mit einer jüngeren entdeckt und er nicht akzeptiert, dass sie ihm nun den Laufpass gibt. Wenige Tage später geht es schon auf die letzte Reise. Am Anfang ist alles nur ätzend, denn Handys und andere Kommunikationsgeräte müssen abgegeben werden, die ganzen halbtoten Menschen sind abschreckend und der Gedanke an den Tod ihrer Gram liegt wie ein Schatten über ihr und der Familie. Doch dann entdeckt sie Enzo und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. 

==ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo==
Durch den Herzinfarkt meiner Mutter beschäftige ich mich immer häufiger mit dem Thema „Tod“ und „Sterben mit Würde“. Ich verstehe einfach nicht, warum man ab einem gewissen Alter oder bei einer schlimmen Krankheit den Menschen diese Würde nicht lässt und so gegen Sterbehilfe ist. Die Idee in ein Jugendbuch zu packen, hat mich neugierig gemacht und die Hoffnung geweckt, mich etwas mehr mit dem baldigen Tod meiner Mutter abzufinden. 

Das Buch wird aus der Sichtweise von Maddie geschrieben und ist daher jung, spritzig und dynamisch. Generell ein leichter Stil, der etwas längere Kapitel hat, aber die ganz leichtfüßig an einem vorbeifliegen. 

Die Idee hinter der Umsetzung, den Menschen noch einmal die Welt zeigen, mit der Familie etwas schönes erleben und dann selbst bestimmen zu können, wann es zu Ende ist, finde ich persönlich sehr schön. Gerade weil mein Vater als Seefahrer auch mir die Gene vererbt hat, und ich Kreuzfahrten liebe. 

Die Familie ist sehr unterschiedlich von den Interessen her, aber auch von den Charakterzügen und es ist bemerkenswert wie tough Astrid am Anfang noch wirkt und wie schnell die Krankheit sie zerfrisst. So wie der Weg von Astrid, ist auch alles andere sehr authentisch umgesetzt. Schauplätze, Gedanken, Krankheiten und vieles mehr. Vor allen die Krankheiten, die aufgenommen wurden und das Alter der Leute ist so durchwachsen, dass es einen schon fast Angst macht, aber eben auch zeigt, dass man sich glücklich schätzen kann, wenn die eigene Mutter eben schon so alt geworden ist. Ich fand es auch klasse, dass Alkoholismus als  Krankheit angeführt wurde.

Die Liebesgeschichte ist schön und steht für einen Neuanfang in Kombination mit einem Ende. Könnte manchmal etwas weniger sein, vor allen Dingen, wenn die ganze Nacht nur Sex gehabt wird und man sich mit Dingen wie der Größe des Geschlechtsteils beschäftigt wird, während ein geliebter Mensch dem Tode nahe ist, aber nun gut, das ist die jugendliche Art und ist nicht gänzlich verkehrt. 

Was jedoch stört, ist die Tatsache, dass diese Reise eben nur für Reiche und exklusive Menschen möglich ist. Klar hat Astrid viele Familie eingeladen und auch Leute bezahlt, die sich das alles nie hätten leisten können. Aber ich hätte es besser gefunden, wenn nicht ein Gönner das übernommen hätte, sondern eben generell jeder die Möglichkeit bekommen hätte und jeder das zahlt, was im möglichen Rahmen ist. Reiche eben deutlich mehr, arme Menschen, eben nur was sie können. Warum mich das störte, weil die Institution ja eigentlich nur die Würde beim Tod im Vordergrund sieht, und dann doch so unterscheidet. 

An manchen Stellen war ich dann schon etwas genervt und enttäuscht, aber das sind wenige Momente im Buch. Die Mehrheit ist einfach nur komisch, ja auch das muss sein, und einfach traurig. Man wird sogar häufiger zu Tränen gerührt. Ob diese mit meiner Schwangerschaft oder meiner Mutter zusammenhängen, kann ich nicht sagen, aber ich finde, dass gerade der Tod und alles rund um dieses Thema, wirklich toll umgesetzt wurden, weswegen ich die Tatsache der Tränen dem Buch zuführe. 

FAZIT:
Das Buch ist nicht immer leicht und teilweise sehr schmerzlich, aber es ist ein schönes Buch, dass den Tod aus anderen Perspektiven beleuchtet und zeigt, dass es einfach für einige Menschen wirklich besser und schöner ist. Ich würde mir ehrlich wünschen, dass es solche Schiffe gibt, wo jeder seinen Tod selbst bestimmen kann, sofern Alter oder Krankheit eine vordergründige Rolle spielen. Wer sich für das Thema interessiert, kann das Buch trotz kleinerer Schwächen lesen. 

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