Der Traum vom Horizont - Alexandra Fischer

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Lust auf eine Reise in vergangene Zeiten? Genauer gesagt nach Deutsch-Samoa? Ich für meinen Teil hatte richtig große Lust darauf und mich dementsprechend riesig gefreut, als ich die Möglichkeit bekommen habe dieses Buch über eine Blog-Tour zu lesen. Inzwischen bin ich fertig, und muss euch das Werk von Alexandra unbedingt vorstellen.


==ooo AUTORENPORTRAIT ooo==
Alexandra Fischer, Jahrgang 1974, schreibt bereits seit sie es kann. Aus den ersten Buchstaben wurden Wörter, aus den Wörtern Sätze und aus den Sätzen schließlich Geschichten. Unvollendete, denn in jungen Jahren fand sie es stets spannender eine Geschichte zu beginnen anstatt sie zu beenden. Inzwischen schafft sie aber auch das und recherchiert für ihre historischen Romane gerne stundenlang in alten Texten, um ihren Büchern die Authentizität zu verleihen, die sie verdienen. Ihre schöpferische Kraft holt sie sich im schönen Bayern, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann auf einem ehemaligen Bauernhof in einer Wohngemeinschaft mit Hund, Katzen, Kaninchen, Enten und Hühnern lebt. (Quelle: Amazon.de)

==ooo DAS COVER ooo==
Eine Frau von hinten, eine Südseeinsel im Hintergrund und ein paar exotische Blumen. Das ist das Cover und es gefällt mir sehr gut.

==ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo==
Rosa – schüchtern, zerbrechlich, verträumt
Karl – Adel, Ehemann von Rosa, gewaltätig
Grethe – Älteste Tochter, vergöttert ihren Vater
Helene – Ebenbild der Mutter, demütig
Martha – Jüngste Tochter und ein echter Wildfang
Robert – Reisender, der sich mit der Familie sehr gut versteht

==ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo==
Ort: Deutschland, Deutsch-Samoa, Deutsch-Ostafrika
Zeit: 1900
Perspektive: Verschiedene Perspektiven
Alter der Figuren: 10-30 heranwachsend

==ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo==
1902 – Rosa lernt Karl mehr unfreiwillig kennen und stimmt auf Wunsch ihres Vaters einer Hochzeit zu. Für Karl ist es die Chance wenigstens an etwas Geld zu kommen, denn als jüngster Sohn erbt er trotz adliger Eltern nicht viel. Für Rosas Vater ist es die Möglichkeit seine Tochter in guten und besseren Händen zu wissen. Schnell wird jedoch klar, dass Rosa und Karl einfach nicht zusammen passen. Rosa ist eher verträumt, schüchtern und sehr zerbrechlich. Karl stößt dies immer wieder auf, weswegen er seine Frau eigentlich nur hasst. Nach Deutsch Samoa zu gehen ist seine Chance dem Spott der Geschwister zu entkommen. Und in der Tat seine Plantage hat einen guten Start. Rosa lebt sich ein, wird etwas offener, was Karl jedoch auch nicht passt. Nur die drei Mädchen vermissen ihr altes zu Hause. Über die Jahre wächst die Plantage, Karl wird immer brutaler und die Mädchen werden älter. Während Grethe ihren Vater vergöttert und die Mutter für ihre schlaffe Art hasst, ja sogar den Haushalt schmeißt, ist Martha bereit die Sprache der Einheimischen zu lernen, fühlt sich pudelwohl, verliebt sich sogar in einen Einheimischen, während Helene nur den Wunsch hat, endlich mal mutig zu sein. So lernt sie Robert kennen und verliebt sich auf den ersten Blick in ihn. Sogar Grethe lernt einen wunderbaren Mann kennen, wo Liebe auf beiden Seiten ist. Doch der Vater, der schon seinen Stammhalter wegen seiner nichtsnutzigen Frau verloren hat, toleriert Grethes Wahl nicht. Stattdessen sorgt er dafür, dass sie Robert heiratet, und tritt damit eine Lawine los, die über Jahre hinweg immer wieder aufs neue weiter rutscht.  Ob Rosa und ihre Töchter irgendwann glücklich werden oder vielleicht kein Happy End gibt, müsst ihr aber selbst lesen.

==ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo==
Mit „Der Traum vom Horizont“ erwartet euch eine Mischung aus Drama, Familienepos und  Liebesgeschichte, die im historischen Deutsch-Samoa angesiedelt ist. Gut geschrieben, faszinieren mich solche Bücher schnell und gerade bei diesem Mix kommt es gerne mal vor, dass ich nicht mehr aufhören kann mit lesen. Das ist hier auch der Fall, und ich dachte schon, dass ich endlich mal wieder ein 5 Sterne Buch in den Händen halte, denn 5 Sterne bekommen wirklich nur Bücher, die einen Wow-Effekt bei mir auslösen. Leider hat es Alexandra Fischer nicht ganz geschafft. Warum versuche ich euch nun einmal zu erklären.

Alexandra Fischer hat ein gutes Händchen und einen wunderbar leichten Stil. Detailliert, aber nicht langatmig. Deutsch-Samoa wächst mit etwas eigener Fantasie vor dem geistigen Auge, genauso wie die Figuren. Diese erfüllen viele Klischees, sind aber dennoch sehr lebendig, authentisch und vielfältig. Zum Beispiel ist Rosa eher die demütige Träumerin, während Martha ein kompletter Wildfang ist. Trotz der Klischees wirkt die Familie sehr realistisch auf mich, und hat mich im Grunde von Anfang an in ihren Bann gezogen.

Das bei einem historischen Roman mit einer großen Familie nicht immer die Geschichte einer einzelnen Persönlichkeit erzählt wird, ist nicht ungewöhnlich und ich empfand es schön zu sehen, wie sich alle entwickeln und als Leser Einblicke in die verschiedenen Perspektiven zu bekommen. Man hatte das Gefühl wirklich alle weiblichen Figuren gut zu kennen, ihre Gedanken, Hintergründe und Emotionen mitzuerleben.

Nicht mal die Tatsache, dass ein Kapitel meist etwas über 50 Seiten lang ist, und ein ganzes Jahr widerspiegelt, konnte mich stören, obwohl ich kürzere Kapitel bevorzuge.

Ungelogen, ich habe in einem Zug fast 400 Seiten gelesen und wollte gar nicht mehr aufhören. Jetzt werden viele sagen, genau so muss ein Buch doch sein. Und genau deswegen hatte ich die 5 Sterne für mich auch im Kopf. Das Buch ist eben nie langweilig oder langatmig, es passiert eine Menge an vorhersehbaren Dingen, aber es gibt genauso viele Überraschungen. Natürlich gibt es viel Drama, aber eben auch spannende Momente und Situationen, wo man die Liebe und Funken regelrecht greifen konnte.

Und dann habe ich es ausgelesen und mit meiner Mutter über das Buch gesprochen. Sie hat einen sehr ähnlichen Lesegeschmack und liebt solche exotischen, historischen Romane, genauso wie ich. Während ich ihr also am Telefon von dem Buch erzählt habe, hab ich das Buch nicht mehr durch eine rosarote Brille gesehen, was normalerweise sonst beim Schreiben passiert. Ich hatte auf einmal das Gefühl von Alexandra Fischer irgendwie erschlagen worden zu sein. Meist sind es ein oder auch zwei Schicksale, die in einem solchen Buch ihren Lauf nehmen, hier sind es aber alle weiblichen Personen der Familie, denen das Schicksal übel mitspielt. Ob es jetzt ein Happy End für die eine oder andere Person gibt, will ich nicht vorwegnehmen, aber ich ohne zu viel zu verraten, kann ich euch ehrlich sagen, dass es einfach zu viel für ein Buch ist.

FAZIT: „Der Traum vom Horizont“ ist ein Familienepos, der so viel Drama beinhaltet, dass das Buch eigentlich in mehrere Geschichten hätte aufgeteilt werden können. Nichtsdestotrotz ist es eine tolle Geschichte, die von Anfang bis Ende fesselt und für unterhaltsame Stunden sorgt. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

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