Weine nicht / Lydie Salvayre

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Heute darf ich euch wieder mit einem Überraschungsbuch beglücken. Ich habe Post als Buchflüsterer bekommen, und mich natürlich sofort ans Lesen gemacht. Ob das ausgewählte Buch meinen Geschmack getroffen hat, lest nun selbst. 


==ooo AUTORENPORTRAIT ooo==
Lydie Salvayre, 1948 in Südfrankreich geboren, studierte Literaturwissenschaft und Medizin. Sie arbeitete als Psychiaterin in Marseille und begann in den 1970er Jahren mit dem Schreiben. Für „La compagnie des spectres“ erhielt sie 1997 den Prix Novembre Ihre Romane wurden in viele Sprachen übersetzt, auch in Deutschland erschienen drei Romane. Für "Weine nicht" ("Pas pleurer") wurde sie 2014 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.  (Quelle: amazon.de)

==ooo DAS COVER ooo==
Ja, das Cover ist gar nicht mal schlecht. Ein schöner Blauton, eine leicht traurig wirkende Frau und Olivenzweige, wenn ich mich nicht täusche. Es passt zum Buch und ist ansprechend gestaltet.

==ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo==
Montse – Bauerntochter, rebellisch
José – Bruder von Montse

==ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo==
Ort: Spanien, Barcelona
Zeit: 1930er Jahre

==ooo AUSGEWÄHLTES ZITAT FÜR DIE VERANSCHAULICHUNG DES STILS ooo==
Am 18. Juli 1936 macht meine Mutter zum ersten Mal in ihrem Leben das Maul auf. Sie ist fünfzehn Jahre alt. Sie wohnt in einem gottverlassenen Dorf, in dem Großgrundbesitzer seit Jahrhunderten Familien wie die ihre in tiefster Armut halten.  (Zitat S. 7)

==ooo KLAPPENTEXT ooo==
Eine alte Frau, die am Fenster ihrer kleinen Wohnung sitzt, hat das Gedächtnis verloren und erzählt ihrer Tochter immer wieder von der einzigen Periode ihres Lebens, die in ihrem Geist lebendig geblieben ist: Montse wächst als Bauerstochter in einem kleinen katalanischen Dorf auf, in einer Welt, die so langsam wie der Schritt der Maulesel ist. Sie soll Dienstmädchen bei dem reichsten Großgrundbesitzer der Gegend werden. Statt dessen folgt sie im Sommer 1936 ihrem älteren Bruder José, der von anarchistischen Ideen beseelt ist, nach Barcelona. Dort entdeckt sie eine Freiheit, die sie schwindeln macht, und erlebt eine leidenschaftliche Liebe. Obwohl ihr Geliebter im Untergrund verschwindet, bleibt dieser kurze Sommer der Anarchie in ihrer Erinnerung für immer als Verzauberung haften. Schwanger kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück und lässt sich von ihrer Mutter ausgerechnet mit dem politischen Widersacher ihres Bruders José verheiraten. Bald erschüttern erste Gewalttätigkeiten die Gemeinde, und Montses Familie ist gezwungen, neue Wege zu beschreiten.

==ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo==
Für alle, die sich nun für die Meinung interessieren, möchte ich vorab kurz noch etwas erwähnen. Zum einen habe ich weder etwas von der Autorin gehört, noch etwas gelesen. Zum anderen ist es keine klassische Lektüre, die man sonst bei mir findet, denn ich bin nicht so der Fan von Werken, die in Spanien spielen. Trotzdem war ich wirklich neugierig darauf, denn Autorin hat für dieses Werk einen Preis bekommen und ihre Einführung in das Buch fand ich wirklich eindrucksvoll, weil sich kaum ein Autor diese Mühe macht.

Und dann ging das Buch los. Erzählt wird das Buch von der Tochter, die alle Erlebnisse und Erzählungen ihrer Mutter für die Nachwelt, also den Leser festhält. Auf den ersten Seiten dachte ich noch, du gewöhnst dich an den eher ungewöhnlichen Stil, aber ich muss sagen, dass ich mich daran bis zum Schluss nicht gewöhnt habe.

Es ist nicht nur die Tatsache, dass der Leser eben die Tochter begleitet, wodurch Emotionen nur so einen Hören und Sagen Touch hatten. Das fand ich als Leser leider nicht so gut und hat mich emotional und inhaltlich nicht so an die Hauptfigur gefesselt, wie ich es mir bei der Thematik gewünscht hätte. Irgendwie blieb Montse für mich trotz viele Details und eines bewegenden Abschnitts eine Teilfremde.

Was mich aber viel mehr störte, war die Wortwahl, die die Autorin an den Tag legt. Nun muss ich dazu sagen, dass meine Mutter 1938 geboren wurde, zwar in Deutschland und nicht in Spanien, aber die damaligen Umgangsformen bleiben haften. Worte und Satzphrasen wie „Maul aufmachen“ finde ich persönlich deplatziert. Weder meine Mutter, die ja vergleichbar mit der Tochter ist, noch meine Oma, haben so was, in der Öffentlichkeit in den Mund genommen.  Die Rebellion von Montse kann ich noch nachvollziehen, denn nicht jeder ist so ein Mauerblümchen gewesen wie meine Mutter, aber durch die Worte ihrer Tochter, wirkt es irgendwie befremdlich und nicht in die Zeit passend. Vielleicht bin ich da einfach nur fixiert, aber das hat mich im gesamten Buch abgeschreckt.

Lässt man einmal den Stil außen vor, dann ist die Geschichte sehr gut. Die 30er Jahre in Spanien sind eben eine andere Sache, als die 30er in Deutschland und so konnte man dank der guten Informationen viel über die damalige Zeit in Form von Menschen, aber auch die Fakten lernen.

Das hat mir jedoch nicht viel gebracht. Für mich war das Buch trotzdem ein echter Kampf.

FAZIT: Das Buch ist bemerkenswert vom Inhalt und vom Stil in meinen Augen eine kleine Katastrophe. Man muss sich darauf einlassen und sollte eher eine etwas schwerere Kost erwarten. Mich hat es nicht umgehauen und da ich mich sogar eher abgeschreckt gefühlt habe, gibt es von mir nur 2 Sterne.

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