Heimliche Freundin / Katarina Genar

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Ihre Finger umschließen eine leere Pastillenschachtel, ein Haargummi und ein Radiergummi Aber keinen Schlüsselbund. Seltsam, dabei steckt sie den doch immer in die Jackentasche. Sollte er im Rucksack gelandet sein? Verärgert nimmt sie den Rucksack vom Rücken und wühlt darin herum. Irgendwo muss doch der Schlüsselbund sein! (Zitat S. 7)

Mit einem vergessenen oder verlorenen Schlüssel beginnt so manche Geschichte. Liebesgeschichte, Dramas oder wie in diesem Fall eine Geschichte über Freundschaft. Begleitet mich also in die kleine Welt von Henrietta und schaut, ob das Buch nicht was für euch, eure Kinder oder Enkelkinder ist.  

 
'''ooo BUCHFAKTEN ooo'''
Autor: Katarina Genar
Titel:  Heimliche Freundin
Gebundene Ausgabe: 109 Seiten
Verlag: Urachhaus; Auflage: 1 (26. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3825179435
ISBN-13: 978-3825179434
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 9 - 11 Jahre
Preis: € 12,90
Genre: Freundschaft
Gelesen in: 2 Tagen

'''ooo AUTORENPORTRAIT ooo'''
Anna Katarina Louise Genar wurde 1973 geboren und ist eine schwedische Autorin für Kinderliteratur. Neben ihren Werken, die sogar einen Förderpreis gewonnen haben, ist sie Sprachtherapeutin.

'''ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo'''
Henrietta – einsam, schüchtern
Herr Wallgren – einsamer, alter Herr, sehr traurig
Ellen – Ebenfalls alt, freundlich

'''ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo'''
Zeit: Gegenwart
Perspektive: Dritte Person - Henriett
Alter der Figuren: 10

'''ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo'''
Henrietta hasst ihre neue Situation. Nach der Trennung ihrer Eltern musste sie mit ihrer Mutter vom Land in die Stadt ziehen, diese Arbeitet nur noch und Freunde hat sie auch keine gefunden. Als sie eines Tages auf dem Rückweg feststellt, dass sie ihren Schlüssel vergessen hat, ist es eine Katastrophe, denn ihr Mutter ist mal wieder länger am Arbeiten und im Haus kennt sie niemanden. Das ändert sich jedoch, als Herr Wallgren sie entdeckt und sie mit zu sich nimmt. Sie findet den alten Mann sehr nett, wenn auch recht traurig, und als ihre Mutter auf die Idee kommt, solange bis ein Schlüssel nachgemacht ist, unten bei Ellen Hausaufgaben zu machen, geht sie lieber zu dem traurigen alten Mann nach oben. Er soll laut dem Hausmeister auch wissen, warum die Schaukeln verflucht sind und lieber nicht genutzt werden wollen. Henrietta quält nämlich diese Frage arg, denn seit sie von der Gefahr erfahren hat, sie sie immer wieder ein Mädchen dort spielen, das urplötzlich verschwindet, bevor sie es warnen kann. Und dann ist da auch noch der heimliche Freund, der ihren Schlüssel gefunden hat, aber nicht hergibt oder verrät, wer er oder sie ist. Für Henrietta ist das alles recht verworren und so muss sie endlich Antworten auf all ihre Fragen finden.

'''ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo'''
„Heimliche Freundin“ ist ein wundervolles Kinderbuch vor allen Dingen für kleine Mädchen. Es befasst sich mit verschiedenen Themen, wie Veränderungen, Scheidung, Freundschaften, aber auch mit dem Tod. Damit eignet sich das Buch nicht nur zum Selbstlesen, sondern auch zum Vorlesen in der Schule oder am Abend im Bett.

Mit Henriett ist der Autorin eine kleine sympathische Figur gelungen, die die Herzen zwar nicht im Sturm erobert, aber im Kopf bleibt, und das auch bei meinem kleinen Sohn, dem ich nur ein Kapitel vorgelesen habe. Sie ist schüchtern, leicht ängstlich und mag keine Veränderungen. Besonders unter der plötzlichen Trennung der Eltern leidet sie, und spiegelt damit für viele Kinder leider ein Bild wieder, in dem sie sich selbst erkennen, wenn man einmal die Scheidungsrate weltweit betrachtet. Das nicht nur viele Eltern darunter leiden, sondern die Kinder zeigt dies kleine Mädchen beispielhaft. Ihre Mutter hat wenig Zeit, die Veränderungen sind gravierend und so wirklich können selbst größere Kinder die Umstellung nicht verarbeiten. Aus diesem Grund bietet das Buch eine gute Diskussions-Basis, um zum Beispiel ein Kind auf eine Trennung vorzubereiten, oder zu zeigen, wie es Kinder gehen kann, bei denen sich die Eltern gerade trennen.

Aber nicht nur das Thema elterliche Trennung steht auf den Plan, sondern auch den Eindruck den man selbst vermittelt. Man selbst findet zum Beispiel nicht die richtigen Worte und wirkt daher auf andere desinteressiert, obwohl man einfach nur schüchtern ist. Wie schnell so ein falscher Eindruck entstehen kann, wird ebenfalls in diesem Buch geschildert. Gut finde ich die Lösung, wie das Problem aus dem Weg geräumt wird.

Leider kommt auch der Tod in dem Buch vor, was schon etwas traurig ist, den Kindern jedoch zeigen kann, wie schnell ein Spiel tödlich enden kann. In diesem Fall geht es um den geheimen Wunsch von Kinder fliegen zu können. Das Buch klärt hier wunderbar auf und sorgt für ein trauriges und doch warmes Gefühl im Bauch, denn es gibt viele kleine Happy Ends.

Was ich etwas schade fand, ist die Tatsache, dass das Buch keine Bilder hat. Bilder der Schaukel, Fußspuren, der Brief alles hätte etwas lebendiger umgesetzt werden können. Mir ist bewusst, dass die Geschichte für Leser zwischen 9 und 11 angedacht ist, aber ein paar Zeichnungen lockern auf und regen die Fantasie auch in diesem Alter an.

Alles in allem ist es eine wunderbare Geschichte, die ich nach und nach meinem Sohn vorlese, und die er schön findet.


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