Eine ganz andere Geschichte / Håkan Nesser

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Heute habe ich mal wieder ein Buch für euch, das ich euch nur vorstellen kann, weil ich im letzten Jahr die Rebuy Challenge gewonnen habe. Ich mag Krimis und daher hatte ich es als Lieblings-Genre mit angegeben. Allerdings muss ich zugeben, dass mich der Roman alles andere als begeistert hat. Das hat viele, darunter auch einige sehr persönliche Gründe, sodass ich euch das Buch nun erst einmal vorstelle und dann könnt ihr gucken, ob es für euch nicht doch was wäre


== BUCHFAKTEN ==
Autor: Håkan Nesser
Titel:  Eine ganz andere Geschichte
Taschenbuch: 608 Seiten
Verlag: btb; Auflage: 1. (3. Mai 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442740916
ISBN-13: 978-3442740918
Originaltitel: En helt annan historia ( Barbarotti 2)
Preis: € 9,99
Genre: Krimi
Gelesen in: 5 Tagen

== AUTORENPORTRAIT ==
Håkan Nesser, geboren 1950, hat mehr als zwanzig Romane geschrieben und ist in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. Seine letzten drei Bücher - Mensch ohne Hund, Eine ganz andere Geschichte sowie Das zweite Leben des Herrn Roos - sind Teil der sogenannten Inspektor-Barbarotti-Serie. Die Perspektive des Gärtners ist ein unabhängiger Roman, genau wie die mit viel Aufmerksamkeit bedachten Romane Kim Novak badetete nie im See von Genezareth, Und Picadilly Circus liegt nicht in Kumla oder Die Schatten und der Regen. Nach zwei Jahren in New York lebt Håkan Nesser gegenwärtig in London und auf Gotland.
(Quelle: Amazon.de)


== DAS COVER ==
Man blickt durch ein Fenster auf einen Strand, wo eine Staffelei steht und eine Person wegrennt. Naja, es ist okay, aber für mich kein Highlight.

== FIGUREN ==
Gunnar Barbarotti – Inspektor, Zweifler und am Scheideweg seiner Karriere

== INHALTLICHE FAKTEN ==
Ort: Schweden / Bretagne
Zeit: Gegenwart 2000er

== AUSGEWÄHLTES ZITAT ZUM STIL ==
Mir kommt in den Sinn, dass ich sogar jetzt gehen könnte, in diesem Moment, es ist zwei Uhr, die monotone Stimme des Meeres ist nur ein paar hundert Meter entfernt in der Dunkelheit auf der Terrasse zu hören, auf der ich sitze und schreibe. Ich weiß, dass die Flut kommt, ich könnte hinunter zum Strand gehen und ostwärts wandern, nichts wäre leichter als das.
Eine gewisse Trägheit, zusammen mit Müdigkeit und Alkohol im Blut, hält mich jedoch zurück. Zumindest bis morgen. Vermutlich noch einige Tage mehr. Ich habe überhaupt keine Eile, und vielleicht lasse ich mich ja von der Rolle des Beobachters verlocken. Vielleicht gibt es Dinge, über die ich schreiben kann. (Zitat S. 9/10)

== ZITIERTER KLAPPENTEXT ==
Die Bretagne im Sommer: Ein paar schwedische Touristen verbringen im Finistère ein paar vergnügte Urlaubswochen. Es ist eine zusammengewürfelte Gesellschaft: zwei Paare und zwei Einzelkämpfer, alles in allem sechs Leute, die freizeitbedingt miteinander Freundschaft schließen. Sie baden, sie essen, sie machen Ausflüge und flirten ein wenig über die Ehegrenzen hinweg. Und als die Ferien vorbei sind, trennen sich ihre Wege, wie das ja oft der Fall ist. Übrig bleiben ein paar vereinzelte Fotos, womöglich ein Gruppenbild, das ein oder andere Aquarell – und ein anonymes Tagebuch, das ihre Eskapaden schildert, wie sich später herausstellen wird, als die Tragödie bereits ihren Lauf genommen hat. Denn fünf Jahre später beginnt jemand, sie zu töten, einen nach dem anderen, wobei die Morde Gunnar Barbarotti, Inspektor in Kymlinge, jeweils zuvor brieflich angekündigt werden. Der Fall erregt große Aufmerksamkeit in den Medien, die Polizei steht naturgemäß unter Druck. Der Mörder indes spielt Katz und Maus mit den Ermittlern – und erscheint unbegreiflicher und unberechenbarer als je zuvor. Was ist damals in der Bretagne wirklich passiert? Und warum bekommt ausgerechnet Inspektor Barbarotti die Briefe? Im zweiten Buch um Gunnar Barbarotti, „Eine ganz andere Geschichte“, begegnen wir erneut dem geläuterten Zweifler und Gott herausfordernden Mann, den wir bereits im Kriminalroman „Mensch ohne Hund“ kennengelernt haben. Seine Berufskarriere erscheint ihm immer dubioser, während sein Privatleben plötzlich völlig neue Perspektiven aufweist.

== MEINE MEINUNG ZUM BUCH ==
„Eine ganz andere Geschichte“ hätte ich unter normalen Umständen, sprich hätte ich es nicht gewonnen, niemals gelesen. Zum Einen ist es für mich ein Quereinstieg gewesen und zum anderen bin ich kein Fan von schwedischer Literatur. Damit möchte ich gleich vorweg sagen, dass es das Buch bei mir eh schon recht schwer hatte.

Ich habe gelesen, dass einige das Buch mit dem Klassiker „Die Morde des Herrn ABC“ vergleichen. Ein Buch, welches ich 2011 gelesen und geliebt habe. Leider kann ich nun wirklich keine Gemeinsamkeit finden, denn mit einem Kriminalroman oder gar einem spannenden Buch hat dieses Exemplar nicht viel zu tun. Es beginnt interessant mit der Tatsache


Gerade habe ich Nessers "Eine ganz andere Geschichte" gelesen. Gelesen? Hindurchgeärgert habe ich mich. Querlesen über zig Seiten hinweg. Eine "Öde" an die Langeweile, wenn man so will.

Spannung wollte zu keiner Zeit aufkommen, denn Nesser schrieb - wie übrigens auch Mankell, den ich in den gleichen Topf werfe - keinen Krimi. Stattdessen hat der Leser Gelegenheit, verschiedene Menschen durch ihren beruflichen und leider auch privaten Alltag zu begleiten. Rein zufällig handelt es sich um Polizisten, und rein zufällig liegt gerade ein Fall vor. Zum Glück, denn sonst würden von den 600 Seiten die gefühlten zwanzig fehlen, sich tatsächlich mit diesem befassen. Ich kann nicht umhin, dem Mörder an dieser Stelle für seine Taten zu danken. Das Buch wäre ohne ihn noch ärmer.

Ein Mord geht im Kriminalroman traditionell mit seiner Aufklärung einher.
Mord? Aufklärung?
Beginnen wir mit Zweiterem: Was soll ich von einem Buch halten, in welchem das Arbeitsergebnis eines Profilers in Form von Platitüden en passant mitgeteilt wird, irgendwo zwischen der Diskussion über das zweitschönste Hotel Schwedens und der Weinsorte? Einem Buch, in dem der Autor sich nicht im geringsten bemüht, in mir die Illusion vom wissenschaftlich arbeitenden Profiler zu erzeugen?
Dem Privatleben der Hauptperson wird übrigens ein Mehrfaches des Raumes gewidmet als den Täterprofilen, die auf Basis der vorliegenden Fakten erstellt werden.
Solche Folgerungen darzustellen sind eine besonders schwache Seite Nessers. Die Kunst der Abduktion (nein, nicht Deduktion, auch Holmes abduziert!), also der - schlüssigen - Erklärung für Beobachtungen findet keinen Platz bei ihm, stattdessen werden Vermutungen ohne nähere Begründung per Mehrheitsentbeschluss des Entwicklerteams zur Spur, die man verfolgt.

Und der Mord? Eigentlich keine schlechte Idee, das mit der Polizei, die an der Nase herumgeführt wird. Ich würde mich jedoch sehr dafür interessieren, inwieweit die Darstellung realistisch ist. Sprich: ist die zeitliche Anordnung der Briefe und Morde realistisch genug, dass die Kripo des 21. Jahrhunderts ihr auf den Leim geht. Das heißt: nein, ich will es lieber nicht wissen. Ich habe den dringenden Verdacht, dass auch dieser Aspekt mit der im Buch vorherrschenden Lustlosigkeit behandelt wurde.

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