Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks / Cynthia Hand

0
Schon als ich von dem neuen Verlag hörte, wollte ich einige der Bücher unbedingt lesen. Darunter auch dieses Exemplar und ich bin echt super happy, dass ich es über Blogg dein Buch auch vorab schon bekommen habe. Wie mir das Buch gefallen hat, lest selbst. 

 
'''ooo BUCHFAKTEN ooo'''
Autor: Cynthia Hand
Titel:  Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: HarperCollins; Auflage: 1., Aufl. (10. September 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3959670028
ISBN-13: 978-3959670029
Originaltitel: The Last Time We Say Goodbye
Preis: €  16,90
Genre:  Liebe, Jugend, Selbstmord
Gelesen in: 2 Tagen

'''ooo AUTORENPORTRAIT ooo'''
Die New York Times-Bestsellerautorin Cynthia Hand unterrichtete mehrere Jahre lang Kreatives Schreiben an der Pepperdine University nahe Los Angeles, bevor sie sich hauptsächlich dem Schreiben widmete. Vor kurzem ist sie mit ihrer Familie zurück in ihre Heimatstadt in Idaho gezogen, wo sie die klare Luft genießt und an neuen Romanen schreibt.  (Quelle: Amazon.de)

'''ooo DAS COVER ooo'''
Das Cover hat etwas süßes, und gefällt mir persönlich sehr gut. Es ist weich, verletzlich und ich liebe Matheformeln, sodass ich die Überschrift perfekt umgesetzt finde.

'''ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo'''
Lex -  Ältere Schwester von Ty, Mathefan, will auf MIT, Single
Ty – Hat sich kurz vor Weihnachten erschossen

'''ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo'''
Ort: USA
Zeit: Gegenwart 2010er
Perspektive: Ich Perspektive Lex
Alter der Figuren: 16 bis 18

'''ooo AUSGEWÄHLTES ZITAT FÜR DIE VERANSCHAULICHUNG DES STILS ooo'''
Ich werde ihn nie wiedersehen. Bei dem Gedanken geht das Loch in meiner Brust auf. Das passiert immer wieder, alle paar Tage seit der Beerdigung. Es fühlt sich an, als ob sich zwischen der dritten und vierten Rippe auf meiner linken Seite eine riesige, klaffende Lücke öffnet, ein Leerraum, durch den man den Plastiksitzbezug hinter meinen Schulterblättern sehen kann. Es tut weh, und mein ganzer Körper verkrampft sich vor Schmerzen. Ich knirsche mit den Zähnen und balle die Fäuste, und die Luft bleibt in meinen Lungen stecken. Ich fühle mich immer, als ob ich gleich sterben müsste, wenn das passiert. Als würde ich sterben. (Zitat aus dem Buch „Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks“)

'''ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo'''
Für Lex bricht die Welt zusammen, als sie erfährt das ihr Bruder sich das Leben genommen hat. In seinen schwersten Momenten war sie nicht für ihn da, und hat sogar seine letzte SMS ignoriert. Wie sie damit umgehen soll, weiß sie nicht, obwohl sie eigentlich ein rationaler Mensch ist. Nachdem Ty sich schon vor zwei Jahren nach der Trennung der Eltern umbringen wollte, hatte sie sich geschworen immer für ihn da zu sein, und dann passiert es, während sie nur Augen für ihren Freund hat. Damit kommt sogar Lex nicht zurecht und sie sucht sich bei Dave, einem Therapeuten Hilfe. Er bittet sie alles in einem kleinen Tagebuch aufzuschreiben und so fängt Lex mehr oder weniger freiwillig an zu schreiben. Sie schreibt auf, wie ihre Tage verlaufen und fängt an über die Vergangenheit nachzudenken, eine Zeit in der Ty noch da war, bis zu dem Tag an dem sich alles verändert hat. Warum sie sich so unglaublich schuldig gefühlt hat, ob es ihre Mutter packt, warum Ty sich umgebracht hat, und ob es Lex aufs MIT schafft und vielleicht selbst wieder glücklich werden kann, müsst ihr aber selbst lesen, denn das macht das Buch schließlich aus.

'''ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo'''
Das Buch „Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks“ ist ein außergewöhnlicher Roman, der sich mit dem Verlust eines geliebten Menschen befasst. Davon gibt es viele Bücher, aber dieses befasst sich mit einem Selbstmord und ist dadurch etwas Besonderes. Freiwillig aus dem Leben zu scheiden ist eine Entscheidung, die Umstehende oftmals nicht verstehen. Und genau damit beschäftigt sich das Buch auf wunderbare Weise, sofern man es bei dieser Thematik überhaupt so nennen darf. Ich selbst kann das sehr gut beurteilen, denn auch ich hatte mal eine solche Phase, wo ich einfach völlig neben mir stand und ebenfalls mehr Glück als Verstand hatte. Aber nun zur Geschichte zurück.

Erzählt wird das Buch von Lex, die gerade vor sieben Wochen ihren geliebten kleinen Bruder verloren hat. Am Anfang könnte sie auf einige Menschen unsympathisch wirken, denn sie ist ein sehr rationaler Mensch. Sie wirkt etwas kühl, abweisend, aber ich glaube, das ist für Nerds und Mathegenies, wie sie einer ist, völlig normal. Es dauert eben, bis sie Gefühle an sich heran lassen kann. Die umstehenden Freunde sind interessant geschildert, aber eben nur kleinere Randfiguren, die mehr oder weniger viel Platz einnehmen. Da wäre ihr eigener Ex-Freund, der immer noch freundlich ist, ihre depressive Mutter oder die A-Loch Ex von Ty. Wer selbst gerade so etwas tragisches erlebt hat, wird in einer der Personen sich selbst wiederfinden können, und das finde ich hilfreich.

Inhaltlich möchte man als Leser eigentlich recht schnell wissen, warum hat sich Ty denn überhaupt umgebracht und ein paar mehr Hintergründe erfahren. Damit lässt sich die Autorin jedoch jede Menge Zeit und im Rückblick betrachtet, ist dies eine gute Wahl, um den Leser alle Facetten dieser Tat und Situation aufzuzeigen. Es entstehen Bilder, warum er wohl diesen Weg gewählt hat, und muss am Ende erkennen, dass die Gründe ganz andere waren. Im Grunde war es einfach nur Angst. Angst vor dem verletzt werden, Angst vor dem Leben, Angst vor der ungewissen Zukunft. Und das packt jeden einmal. Mit ihrem Werk versucht die Autorin gut aufzuzeigen, dass es aber auch andere Möglichkeiten gibt, und manchmal ein Wort, ein kleines Gespräch die Situation hätte völlig ändern können.

Erzählt wird die Geschichte in einem klaren, einfachen, rationalen, wie emotionalen Stil, der Spaß macht, das Werk zu lesen. Immer wieder gibt es Rückblenden, die in kursiver Schrift deutlich von der Gegenwart zu unterscheiden sind. Die Kapitel sind so kurz gehalten, dass sich das Buch wirklich leicht lesen lässt und viel Spielraum für Pausen bietet.

Inhaltlich bin ich der Meinung, dass sich das Buch sehr gut für den Schulunterricht eignet, denn in der heutigen Zeit ist das Thema Selbstmord irgendwie noch präsenter, als früher. Früher wurde man normal gemobbt. Heute gibt es Cybermobbing. Früher waren es nur normale, tiefe Depressionen, aber durch Google und Gleichgesinnte im Internet können diese Depressionen noch mehr geschürt werden. In meinen Augen ist die Gefahr eines Selbstmordes dadurch etwas gestiegen und ich finde es wichtig, darüber schon früh zu reden. Die Umsetzung der Autorin ermöglicht viele Diskussionen und hilfreiche Ansätze, um zum Beispiel selbst mit einer schweren Situation fertig zu werden. Man muss hier nur zwischen den Zeilen lesen.

Obwohl ihr hier in jeder Zeile lesen könnt, wie gut mir das Buch gefällt, gibt es auch Punkte, die ich weniger gut fand. Zum Beispiel fand ich es nicht unbedingt so schön, dass die Autorin hier den Aspekt der Geisterwelt aufgegriffen hat. Klar spürt man manchmal die Gegenwart der Person oder glaubt auch das Parfüm zu riechen, aber hier sieht sie Ty ständig und dadurch verliert das Buch in meinen Augen etwas an Ernsthaftigkeit. Zwar geht es nur darum, aufzuzeigen, dass der Tote, aber auch die Verbliebenen auf ihre Art und Weise abschließen müssen, aber das ist doch etwas kitschig umgesetzt worden.

FAZIT: Für mich ist es ein berührendes, trauriges und wunderschönes Buch zu gleich. Obwohl mir nicht alles zu gleichen Teilen gefallen hat, kann ich das Buch jedem Empfehlen, der sich vom Inhalt angesprochen fühlt.

0 Kommentare: