Die Schachspielerin / Bertina Henrichs

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Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass ich durch Zufall entdeckt habe. Es handelt sich um ein Buch, das bei meinem früheren Hausarzt im Buch-Tausch-Regal stand. Da ich noch einige Werke hatte, die ich in meinem Leben einfach nicht lesen muss, habe ich diese einfach gegen das Buch getaucht. Das Cover hatte etwas beruhigendes, und da ich Schach interessant finde, dachte ich, könnte es ein interessantes Buch sein. Wie seht ihr das?


== BUCHFAKTEN ==
Autor: Bertina Henrichs
Titel:  Die Schachspielerin
Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: Diana Verlag; Auflage: 1. (2. Juli 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 345335172X
ISBN-13: 978-3453351721
Originaltitel: La joueuse d'échecs
Preis: € 1
Genre: Aktuelles, Drama
Gelesen in: 5 Tagen

== AUTORENPORTRAIT ==
Bertina Henrichs geboren 1966 in Frankfurt am Main, studierte Literatur- und Filmwissenschaft und lebt seit vielen Jahren in Paris, wo sie als Schriftstellerin und Filmemacherin arbeitet. Ihr erster Roman, Die Schachspielerin, war ein großer Bestseller in Frankreich und Deutschland und wurde mit dem Corine-Buchpreis für das beste Debüt ausgezeichnet. Die Schachspielerin wurde mit Sandrine Bonnaire und Kevin Kline in den Hauptrollen erfolgreich verfilmt.
(Quelle: Amazon.de)

== DAS COVER ==
Das Cover ist schlicht, aber hat etwas beruhigendes. Eine blaue Holztür mit, ich glaube Weinranken, gefällt mir gut, auch wenn ich ein Schachbrett davor zum Beispiel auf einem Tisch auch gut gefunden hätte.

== FIGUREN ==
Eleni – Mitte 40, Putzfrau, Mama und verheiratet
Pano -  Untreuer Ehemann, Mechaniker
Yanni – Sohn von Eleni, 16 Jahre alt
Dimitra – 14 Jahre alt, Tochter von Eleni
Kouros – Professor von Eleni in der Schulzeit

== INHALTLICHE FAKTEN ==
Ort: Griechenland
Zeit: 50 / 60er Jahre?

== AUSGEWÄHLTES ZITAT ZUM STIL ==
Es wurde wieder Sommer. Wie jeden Morgen stieg Eleni den Hügel vom Stadtzentrum zum Hotel Dionysos hinauf, während die Sonne gerade am Horizont auftauchte.
Von diesem sandigen, zerfurchten Hügel bot sich ein atemberaubender Blick auf das Mittelmeer und das Naxos-Tor des Apollontempels. (Zitat – Erste Sätze )

== WORUM GEHT ES IN EIGENEN WORTEN ==
Eleni ist Mitte 40 und die Tochter armer Bauern. Sie lebt auf Naxos, hat mit 15 Jahren die Schule verlassen und arbeitet seitdem als Zimmermädchen. Ihr Mann Panos ist untreu, Automechaniker und fast nie zu Hause. Ihre Kinder sind auch schon groß und so ist der Alltag eher trist und öde. Das ändert sich als Eleni in einem Zimmer von einem französischen Paar eine Figur vom Schachbrett herunterwirft. Schach findet sie kultiviert und interessant, sodass sie nach diesem Missgeschick überlegt ihrem Mann einfach ein Schachbrett zum Geburtstag zu schenken. So kann er es ihr beibringen und sie gemeinsam ein paar Partien spielen. Um das Schachbrett heimlich zu organisieren, fragt sie ihren alten Lehrer Kouros. Er besorgt ihr einen modernen Schachcomputer, der einfach nur beängstigend aussieht. Panos interessiert er jedoch so gar nicht, und so versucht Eleni mit Hilfe des Handbuches sich selbst Schach beizubringen. Als sie hier nicht mehr weiterkommt, bietet sich ihr alter Lehrer an, einmal die Woche mit ihr zu spielen. Doch akzeptiert wird ihre neue Leidenschaft von keinem. Damit sie jedoch endlich akzeptiert wird, muss sie laut Kouros ein richtiges Tunier in Athen gewinnen. Leichter gesagt als getan. Sie übt fleißig, geht nicht zur Arbeit und ihr Mann muss sich sogar entscheiden, ob er sich lieber scheiden lassen will. Nicht mal als Kouros an einer schweren Lungenentzündung erkrankt, hört sie mit dem Spielen auf.  Und dann gewinnt Eleni auch noch die ersten Partien, hat sie das Zeug das Tunier zu gewinnen, oder ist ihr altes Leben vielleicht doch wichtiger?

== MEINE MEINUNG ZUM BUCH ==
„Die Schachspielerin“ ist anders, als ich erwartet habe. Während meiner Schulzeit habe ich die „Die Schachnovelle“ gelesen und geliebt und auch privat spiele ich gerne eine Partie Schach. Deswegen bin ich davon ausgegangen, dass ich ein interessantes Buch vorfinden würde. Leider kann mich das Buch nicht so überzeugen, wie es viele andere Leseratten überzeugt.

Eleni ist eine Hauptfigur, die einfach anders ist, als die meisten Figuren. Bestimmt durch eine Männerwelt ist sie eher zurückhaltend, demütig und schon glücklich, wenn ihr Mann glücklich ist. Mit der Gleichgültigkeit, wie sie ihrer Arbeit nachkommt und akzeptiert, das ihr Mann ab und an fremd geht, kann ich mich nicht identifizieren. Nichtsdestotrotz kann ich sie nachvollziehen, denn es gibt viele Frauen, die auch heute noch so denken. Somit wird schnell deutlich, dass das Buch nicht um Schach selbst geht, obwohl das nicht gerade wenig vorkommt, sondern hauptsächlich um Emanzipation.

Diese Thematik wurde in meinen Augen interessant umgesetzt und für diesen Hintergrund hat die Autorin eine wirklich authentische Persönlichkeit mit Eleni ins Leben gerufen. Immer unterdrückt, lehnt sie sich auf und zeigt der dominanten Männerwelt, dass auch Frauen zu etwas anderem nützlich sind als Sex, Haushalt, Kinder und die Finanzen aufstocken. Es ist wunderschön zu verfolgen, wie die Hauptfigur im Laufe der Geschichte ein ganz anderes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein erlangt. Trotzdem kann ich auf Grund des Alters der Hauptfigur manche Entscheidungen nicht vollends nachvollziehen. Mag sein, dass ich zu jung dafür bin, oder aber, das die Autorin sich nicht immer die Mühe gemacht hat wirklich alles genau logisch zu konzipieren. Zum Beispiel hat Eleni seit Jahren ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Chefin, warum traut sie sich ihr nicht zu sagen, dass sie zu einem Schachtunier will und ein paar Tage dafür frei haben möchte. Klar braucht ihre Chefin sie, aber so wie diese stets dargestellt wird, hätte sie ihr auf jeden Fall frei gegeben. Stattdessen erledigt dies ihr unwissender Mann, mit dem Eleni gar nicht darüber gesprochen hat. Woher nimmt er das wissen, seine Frau entschuldigen zu müssen? Das ist einer dieser Punkte, die ich nicht nachvollziehen kann.

Wer nun hofft in dem Buch viel über Schach, gewissen Partien oder Tipps zu erlernen, dem sei gesagt, dass dies genauso wenig der Fall ist, wie das Buch spannend ist. Das Thema Schach ist zwar allseits präsent, aber nur als Grundidee. Theoretisch hätte Eleni auch Poker erlernen können statt das Spiel der Könige. Die Geschichte ist sehr schlicht erzählt, setzt auf seichte Hügel, wenn es um Spannung, Überraschung oder Drama geht.

Was mich aber wirklich stört, ist die Tatsache, dass man als Leser nie erfährt in welcher Zeit das Buch spielt. So könnten gewisse Verhaltensmuster einfach verständlicher sein. Ich war zwar noch nie in Griechenland, vermute jedoch, dass Frauen in der heutigen Zeit dort Schach spielen dürfen, und nicht wie in dem Buch dargestellt, schief angeschaut werden, weil sie sich für dieses Spiel interessiert. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die Geschichte lange Zeit vor der Emanzipation spielt. Gehört es jedoch nicht zu einer guten Geschichte, dass solche Fragen zumindest im Verlauf geklärt werden.

Nein, als Highlight kann ich das Buch nicht bezeichnen. Der Ansatz ist mit Sicherheit gut. Die Emotionen müssen sich im eigenen Kopf abspielen und zugedacht werden, denn vermitteln kann sie die Autorin nicht. Vielleicht ein Mittel um Ausdruck in das Buch zu bringen, aber meins ist es nicht. In Kombination mit der mangelnden Spannung und den vielen offenen Fragen, ist das Buch für mich eben nur Durchschnitt, den man nicht unbedingt lesen muss.Vielleicht als Film besser. Das kann ich nicht beurteilen.
 

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