Cry Baby / Gillian Flynn

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Die Höflichkeit war am schlimmsten. Eigentlich sollte ich mir Notizen machen, mich vorbereiten, Fragen entwerfen. Stattdessen trank ich weiter Bourbon, warf Aspirin hinterher, schaltete das Licht aus. Das feuchte Schnurren der Klimaanlage und das elektronische Piepsen eines Videospiels nebenan schläferten mich ein. Ich war nur dreißig Meilen von meiner Heimatstadt entfernt, brauchte aber eine letzte Nacht mit mir allein. (Zitat. S. 14 – Stil und Camilles Art)

Heute habe ich mich mal wieder bewusst für ein Buch entschieden, auf das ich mich unglaublich gefreut habe. Der Hype um Gillian Flynn ist enorm und der Buchtitel, den ich im Übrigen bei einer Rebuy Challenge gewonnen habe, klang mörderisch vielversprechend. Das Buch hinterlässt zumindest bei mir einen bleibenden Eindruck, warum verrate ich euch nun.

== BUCHFAKTEN ==
Autor: Gillian Flynn
Titel:  Cry Baby
Broschiert: 332 Seiten
Verlag: FISCHER Scherz (8. Januar 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 365101164X
ISBN-13: 978-3651011649
Originaltitel: Sharp Objects
Preis: € 12,99
Genre: Drama, Thriller
Gelesen in: 4 Tagen

== AUTORENPORTRAIT ==
Gillian Flynn wuchs in Kansas City, Missouri, auf. Nach College und Universitäts-Studium in Kansas und Chicago zog es sie nach Kalifornien, anschließend nach New York. Sie war zehn Jahre lang die leitende TV-Kritikerin von >Entertainment Weekly<. Im Jahre 2006 erschien ihr erster Roman >Cry Baby<, mit dem sie großes Aufsehen erregte. Das Buch erhielt gleich zwei >British Dagger Awards<. Ihr zweiter Roman >Finstere Orte< erschien 2009 und wurde ebenfalls ein riesiger Erfolg. Im Juli 2012 erschien ihr dritter Roman >Gone Girl< und löste ein riesiges Medienspektakel aus. Das Buch stand monatelang auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste und wurde mehr als 3 Millionen mal verkauft. Alle drei Bücher werden verfilmt und demnächst im Kino zu sehen sein. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Chicago.
(Quelle: Amazon.de)


== DAS COVER ==
Ein schlichtes schwarzes Cover mit grüner Schrift und einer Rasierklinge. Passt wie die Faust aufs Auge und hat etwas spannendes, weswegen mir das Buch sehr gefällt.

== FIGUREN ==
Camille – gestörte Borderlinerin und Reporterin
Amma – Halbschwester ebenfalls etwas gestört
Adora – Mutter, die nur fürs Trauern lebt
Alan – Stiefvater, der ständig Angst vor Krankheiten hat

== INHALTLICHE FAKTEN ==
Ort: USA
Zeit: 2010er
Perspektive: Ich-Perspektive von Camille
Alter der Figuren: 16-50

== WORUM GEHT ES IN EIGENEN WORTEN ==
Als Camille von ihrem Chef nach Hause geschickt wird, hat sie darauf so gar keine Lust. In ihrer Heimat war sie schon 8 Jahre nicht mehr, ihre Eltern mag sie nicht wirklich und die gefundene Leiche, sowie das neu verschwundene Mädchen reizen sie nicht. Trotzdem macht sich die junge Reporterin auf den Weg nach Wind Gap. Was sie dort vorfindet, übertrifft die schlimmsten Vorstellungen. Ihre Mutter ist noch genauso schlimm wie frühe und ihr Stiefvater genauso öde wie eh und je. Ihre Halbschwester hingegen ist zu Hause das kleine brave Mädchen und unterwegs eine echte Bitch. Camille macht sich auf die Suche nach der Wahrheit und muss hierbei eine Menge mit sich selbst klären, denn sie hat ihre Gründe, warum sie damals angefangen hat sich Worte in die Haut zu ritzen und später abzuhauen.

== MEINE MEINUNG ZUM BUCH ==
Es ist mein erstes Buch der Autorin und ich habe mich darauf sehr gefreut, denn ich habe einiges über die erstklassigen, hochgelobten Werke gehört. Allerdings kann den Hype zumindest bei diesen Buch einfach nicht vollends nachvollziehen. Zum Glück sind Geschmäcker verschieden und deswegen freue ich mich, dass das Buch bei anderen so gut ankommt, möchte aber auch Interessierten nicht verschweigen, warum es mich nicht umgehauen hat.

An sich setzt die Autorin auf wertvolle Themen, wie zum Beispiel Selbstzerstümmelung mit dem Messer, sprich Borderliner-Syndrom, aber auch der Ansatz des Münchhausen-Syndroms kommt in dem Buch vor. Da ich selbst früher geritzt habe, zum Glück nur sehr oberflächlich ohne sichtbare Narben, finde ich das Thema immer sehr interessant. Das Münchhausen-Syndrom finde ich als Mutter hingegen bewegend und man kann sich nicht genug darüber informieren, denn solche Fälle können auch in dem eigenen Bekanntenkreis vorkommen. Inhaltlich wird das ganze mit einem Mordfall und einem verschwundenen Mädchen, welches einige Seiten später ebenfalls Tod aufgefunden, abgerundet und dadurch soll das Buch eine gehörige Portion Spannung vermittelt bekommen. Also genau eine Mischung, die ich persönlich zu schätzen weiß, sofern es eben gut umgesetzt wurde.

Es beginnt jedoch schon bei der Hauptfigur Camille mit der ich bis zum Schluss nicht warm geworden bin, obwohl ich ihre Ausgangslage gut nachvollziehen konnte. Unsympathisch ist sie nicht wegen ihrer eingeritzten Wörter, dem sexuellen Freizügigkeiten auf der Suche nach Liebe und Nähe, sondern schlichtweg von ihrer Art. Sie trinkt ständig, benimmt sich nicht wie 30, sondern wie Anfang 20. Ich war schockiert, als ich gelesen habe, wie alt sie in Wirklichkeit sein soll. So nimmt sie zum Beispiel mit ihrer 13 jährigen Schwester Drogen. Trotz schwerer Kindheit und Co, ist das ein Punkt, den ich nicht nachvollziehen kann aus eigenen Erfahrungen.

Es ist aber nicht nur Camille, mit der ich einfach nicht warm wurde, sondern auch die Tatsache, dass das Buch einfach nur langweilig umgesetzt wurde. Da gibt es im Grunde einen Serienmörder, die Polizei verrät nichts, und Camilles Ermittlungen drehen sich im Kreis und sind von Sex, Rückblenden, Drogen und Alkohol unterbrochen. Es verschwinden keine weiteren Menschen und so dümpelt die Geschichte einfach nur vor sich hin. Es liegt sozusagen kein Druck vor, um zum Beispiel ein verschwundenes Mädchen zu finden, bevor diese ermordet wird oder ähnliches. Stattdessen werden schwache Geheimnisse aufgedeckt, die dem Buch leider nicht viel helfen. So bissen die beiden Toten immer wieder Leute und waren alles andere als brave Mädchen. Eigentlich ist keins der Mädchen im Ort brav. Sexorgien, Alkohol und Drogen sind mit 13 wohl etwas wunderbares, sodass die Frage, ob die Autorin auf eigene Erfahrungen setzt, immer wieder aufkommt.

Nun gut, viele haben gesagt, dass der Schluss des Buches das Highlight ist. Ich muss zugeben, dass das Buch für mich eine minimal überraschende Wendung hatte und es in der Tat noch einen kleinen Sprung macht, aber der Sprung reicht für mich nicht aus, um das Buch als genial zu bezeichnen.

Es ist eher langweiliger Durchschnitt aus dessen Grundidee so viel hätte gemacht werden können. Vielleicht verkenne ich auch nur die Brillanz hinter dem Werk. Für mich war es kein Highlight und ich war froh, als es beendet war. Und ich hoffe, dass Fans der Autorin meine Eindrücke einfach akzeptieren.

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