Tante Inge haut ab / Dora Held [Rezension]

0
»Sehen Sie, man sollte immer so freundlich wie möglich pöbeln, man weiß nie, wen man vor sich hat. Ich bin Christines Patentante. Ich halte den Westerländer Bahnhof zwar nicht für den idealen Ort, um sich kennenzulernen, aber bitte. Seid ihr nicht etwas zu alt, um hier öffentlich zu knutschen? Na ja, müsst ihr wissen.« Sie drehte sich wieder zum Gepäckwagen. »Habt ihr eine Ahnung, wie man dieses Monstrum in Bewegung setzt?« (Zitat S. 8 – Zeigt sehr gut den Stil und Humor von Inge)





Heute habe ich ein Buch für euch, welches mir über die Rebuy Challenge in die Hände gespielt wurde. Ich habe schon einmal etwas von der Autorin gelesen, habe dies als positiv in Erinnerung , deswegen freute ich mich sehr auf das Buch. Inwiefern es meine Erwartungen jedoch nicht erfüllt hat, lest selbst.

== BUCHFAKTEN ==
Autor: Dora Heldt
Titel:  Tante Inge haut ab
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: dtv (1. Juni 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423212098
ISBN-13: 978-3423212090
Preis: € 7,95
Genre: Familie, Liebe, Humor
Gelesen in: 2 Tagen

== DAS COVER ==
Frau mit Hut und Gepäck geht einen Hügel entlang und im Hintergrund ist ein Leuchtturm. Passt zum Buch, passt zur Reihe von Dora Heldt. Ein Buch mit Wiedererkennungswert.

== FIGUREN ==
Inge – Tante, 64 und möchte noch einmal neu anfangen
Christine – Verliebt auf Wolke 7
Johann – Christines Freund
Heinz – Papa von Christine
Walter – Finanzbeamter in Pension und Inges Mann

== INHALTLICHE FAKTEN ==
Ort: Sylt, Deutschland
Zeit: 2010er
Alter der Figuren: 40-60

== WORUM GEHT ES IN EIGENEN WORTEN ==
Christine möchte mit ihrem Schatz Johann auf Sylt zwei ruhige Wochen zubringen, um die Katastrophe von damals mit dem Vater zu vergessen und sozusagen einen Neuanfang zu starten. Natürlich soll es auch ein wohlverdienter Liebesurlaub sein. Doch schon am Bahnhof gerät der Plan von Christine ins Wanken, als ihr plötzlich Tante Inge im Weg steht. Diese sollte eigentlich bei ihrem Mann sein, aber scheint der Meinung zu sein, dass sie noch einmal neu anfangen will. Für Christine stellt sich damit die Frage, wurde Onkel Walter ermordet oder will sie ihn einfach nur verlassen. Kurzer Hand spricht sie mit ihrem Vater über das Problem, denn Unruhe kann sie nach der Sache auf Norderney mit ihrem Johann nicht gebrauchen. Vater Heinz sieht das jedoch anders und mischt sich volle Kanne bei Tante Inge ein. Damit ist das Chaos auch fast perfekt. Schon wenige Tage später hat Tante Inge einen Kurschatten, ihre neue beste Freundin Renate, ein Männervamp kommt zu Besuch, Walter lässt nicht lange auf sich warten und bei Inge wird auch noch eingebrochen. Mit Ruhe und Liebe versucht Christine ihre Beziehung trotzdem durch zwei schöne Wochen aufleben zu lassen. Ob es ihr gelingt?

== MEINE MEINUNG ZUM BUCH ==
Dora Heldt ist eine Autorin die ich durch „Urlaub mit Papa“ sehr schätzen gelernt habe. Das es sich um die Fortsetzung handelt, habe ich nicht gewusst und mich dementsprechend unglaublich gefreut, als ich das Buch damals gewonnen habe. „Urlaub mit Papa“ hat mich köstlich amüsiert und ganze vier Sterne bekommen.

Ob ich nun reifer geworden bin, das Buch einfach nicht so grandios umgesetzt wurde, oder sich mein Lesemuster geändert hat, ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist die Tatsache, dass mich Dora Heldt mit ihren Helden diesmal nicht vom Hocker gerissen hat.

Während im ersten Buch der tollpatschige Vater mich immer wieder erheitert hat und Christine durchaus sympathisch wirkte, schaffte es die Autorin nicht erneut das Gefühl hervorzurufen. Christine ist Christine geblieben, etwas weiter entwickelt, sympathisch mit Sicherheit, und auch Heinz ist noch Heinz geblieben, aber sie werden durch Inge in den Schatten gestellt. So eine resolute Persönlichkeit, die durch den Tod eins geliebten Menschen aus der Bahn geworfen wird, ist aus dem Leben gegriffen. Sie hat mich immer mal wieder zum Schmunzeln gebracht und gleiches gilt auch für die anderen Charaktere. Leider waren es mir für meinen Geschmack viel zu wenige Schmunzler oder gar Lacher.

Die Geschichte ist eher fade, wird durch ein paar vorhersehbare Wendungen minimal aufgepeppt, aber es fehlt eben der Funke. Das kann daran liegen, dass Inge einfach nicht meinem Alter entspricht. Obwohl das Buch viel um Christine geht und diese mit 46 damals wie heute noch halbwegs greifbar ist, geht die Geschichte in meinen Augen mehr um die starrköpfig Tante. Ich kann mich noch gut erinnern wie jung und fit meine Mutter damals in dem Alter war. Und dementsprechend kann ich auch vieles von ihren Gedankengängen und von den Handlungen nachvollziehen, aber es fehlt eben die Bindung.

Sicherlich ist es ein schönes Buch. Flüssig geschrieben, tolle Idee, aber mir fehlt das gewisse Etwas, wie bei „Urlaub mit Papa“. Und wenn ich mich bei einem Buch ertappe, dass ich es lieber aus der Hand lege, um auf dem Crosstrainer mit dem Handy zu spielen oder Musik zu hören, dann ist das Buch für mich nicht das richtige. Ich habe es ausgelesen, aber man weiß eh wie es ausgeht und ich kann ehrlich sagen, verpasst hätte ich nichts.

0 Kommentare: