Sternenreiter / Jando [Rezension]

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Oh, bereiten dir deine Verletzungen noch Schmerzen?“, wollte der Junge wissen. „Nein, eigentlich nicht. Ich habe vorhin trainiert und glaube, ich habe schon einen Muskelkater“, meinte ich. „Das ist doch ein gutes Zeichen. Weißt du, fast jede Verletzung kann mit der Zeit heilen, aber ein krankes Herz braucht länger. Darum versuche ich immer zuerst mit dem Herzen zu sprechen. Alles Weitere ergibt sich daraus.“ Der Junge lächelte andächtig, als er das sagte und nahm einen kräftigen Schluck aus seiner Schale, die wie eine liegende Mondsichel aussah. (Zitat aus dem Buch Sternenreiter von Jondo)


Heute habe ich mal wieder ein kleines Buch für euch, das ich besonders den Menschen ans Herz legen möchte, die in ihrem Leben gerade eine schwierige Situation durchmachen. Das Buch selbst habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag aus angeboten bekommen, und da es meiner Mutter zu dem Zeitpunkt nicht gut ging, habe ich zugesagt. Ob mir das Buch in der Situation geholfen hat, verrate ich euch nun.

== BUCHFAKTEN ==
Autor: Jando
Titel: Sternenreiter
Gebundene Ausgabe: 131 Seiten
Verlag: Koros Nord; Auflage: 3 (24. Juli 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3981486315
ISBN-13: 978-3981486315
Preis: € 13,95
Genre: Lebensweisheiten
Gelesen in: 1 Tag

== DAS COVER ==
Das Cover ist sehr schön gestaltet. Es wurde von Hand gezeichnet und zeigt ein glitzerndes Meer mit einer kindlichen Silhouette, die zwar etwas zu kräftig hervorsticht, aber trotzdem irgendwie zum Buch passt.

== FIGUREN ==
Mats – Arbeitet zu viel, wird fast tödlich verletzt
Kiki – Seine Frau
Sternenreiter – Ein kleiner Junge, der die Augen zu öffnen vermag

== INHALTLICHE FAKTEN ==
Ort: Deutschland   
Zeit: Gegenwart
Perspektive: Ich-Perspektive Mats
Alter der Figuren: 30er

== WORUM GEHT ES IN EIGENEN WORTEN ==
Mats ist glücklich verheiratet, hat wunderbare Kinder und eine bezaubernde Frau namens Kiki, die er über alles liebt. Und genau deswegen muss Mats machen was er macht. Er steht morgens auf und kommt erst ganz spät von der Arbeit wieder, macht Überstunden am Wochenende, um seiner Familie alles tolle zu ermöglichen. Als ihn Kiki bittet endlich mal ein Wochenende mit ihnen zu verbringen verspricht er es. Doch schon am nächsten Tag wird ihm klar, dass er für seinen Chef und die übertragene Aufgabe einfach am Wochenende arbeiten muss. Auf der Suche nach einer Ausrede und dem Weiterspinnen seiner Idee, geht er einfach bei rot über die Ampel. Er kann sich nur noch an die Lichter erinnern und dann wird es dunkel. Einen Monat später erwacht er aus dem künstlichen Koma und muss vieles neu lernen. Im Krankenhaus lernt er einen merkwürdigen Jungen kennen, der ihn das Leben von einer ganz anderen Seite zeigt.

== MEINE MEINUNG ZUM BUCH ==
„Sternenreiter“ ist ein ganz besonderes Buch und ich möchte vorab sagen, dass das Buch wie ein Wink mit dem Zaunpfahl in mein Leben getreten ist. Nach dem Infarkt meiner Mutter hatte ich das Gefühl, dass das Buch mir über eine eventuelle Trauer hinweghelfen oder mir Kraft zum Meistern der Situation geben könnte. Also eigentlich einer der Punkte, für die das Buch gedacht ist.

Ich habe ein tiefgründiges Buch erwartet, welches bewegt, neue Perspektiven eröffnet und Spaß macht. Schon vor Jahren habe ich "Der träumende Delphin" von Bambaren gelesen und war durchweg begeistert. Genau das habe ich erwartet. Doch leider konnte auch bei mir der Funke nicht überspringen.

Mit Mats ist Jando eine Figur gelungen, die mit Sicherheit die heutige Zeit charakteristisch widerspiegelt. Geld spielt eine sehr große Rolle und leider rückt die Familie dadurch öfters in den Hintergrund. Allerdings konnte ich für Mats einfach keinerlei Verständnis aufbringen, weil er auf der einen Seite klischeehaft und übertrieben dargestellt wurde, auf der anderen Seite jedoch gar nicht richtig eingeführt wurde. Es erinnert eher an eine Kurzgeschichte, wo mehr Wert auf Pointe oder Gedankenanstoß wert gelegt wird.

Und hier kann ich nur leider einigen anderen Rezensenten recht geben. Man hat als Leser das Gefühl, dass die Lebensweisheiten und wichtigen Gedankenanstöße als Hauptaugenmerk genommen wurden. Sie sind durch ihre kursive Schrift und den Abstand zum normalen Text deutlich hervorgehoben. Dadurch wirken sie in der Tat sehr offensichtlich. Man könnte meinen, dass dies für Leser gedacht ist, die sich mit dem Lesen schwer tun. Ich persönlich bevorzuge ebenfalls Werke, wo ich in direkt darauf gestoßen werde, wo der Text mich zum Nachdenken anregt oder zumindest wichtige Passagen nur innerhalb des Textes leicht kursiv hervorgehoben werden.

An sich sind die Lebensweisheiten gut und manche sind auch nicht schlecht, aber vieles hat man schon gehört und sie erinnerten mich stark an diese Spruchkalender, die meine Mutter in meiner Kindheit immer hatte. Sicherlich nicht verkehrt, aber ich hätte mir eine inspirierendere oder rührendere Geschichte gewünscht, die nicht so gezwungen klingt. Lieber ein paar Seiten mehr und etwas tiefgründiger im nicht offensichtlichen Sinne. Dann wäre das Buch eigentlich richtig gut geworden.

Das Highlight liegt klar in den zauberhaften Zeichnungen, die ihr schon beim Cover entdecken konntet. Diese sind im gesamten Buch verteilt und geben dem Buch ein schönes, kindliches Bild, was wiederum zur Geschichte an sich passt.

Alles in allem ist „Sternenreiter“ kein schlechtes Buch und gerade Menschen, die Lebensweisheiten in bestimmten Situationen benötigen, die aber nicht viel nachdenken, aber mehr als einen simplen Kalender möchten, sollten sich das Buch merken. Es ist schon ein besonderes Buch, aber wenn man so viel liest wie ich, dann sind die Erwartungen einfach recht hoch gesteckt, und mich konnte die gewählte Umsetzung leider nicht vollends überzeugen, obwohl ich zugeben muss, dass mich manche der Lebensweisheiten schon angesprungen und erneut ins Gedächtnis gerufen worden, sodass es schon seinen Zweck erfüllt hat. Zumindest konnte ich nach dem Buch etwas positiver an die Situation mit meiner Mutter herangehen. Allerdings habe ich das Buch bei weitem nicht so gut gefunden, wie das oben erwähnte Buch „Der träumende Delphin“.

Pauschal kann ich daher das Buch daher als kleines Geschenk empfehlen, wenn jemand zum Beispiel Burn Out oder eine mehr oder weniger schwere Krankheit hat. Aber schaut selbst, ob das Buch etwas für euch ist.


*Rezi-Ex

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