Im Land der Orangenblüten / Linda Belago

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Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, welches ich mal wieder von meiner Mutter geschenkt bekommen habe. Es handelt sich um ein Buch, welches ich mir auf Grund der Thematik gerne aufgehoben hätte. Allerdings habe ich bei einer Lesechallenge die Aufgabe ein Buch mit einer Farbe im Titel zu lesen, und bei Orange hab ich abgeschaltet und es mir geschnappt. Erst nach der Hälfte ist mein Blick wirklich auf dem Cover hängengeblieben, und ich habe gemerkt, dass es ja Orangenblüten heißt. Obwohl es daher leider nicht passt, und es irgendwie peinlich ist, möchte ich euch das Buch nun vorstellen. 


== BUCHFAKTEN ==
Autor: Linda Belago
Titel: Im Land der Orangenblüten
Taschenbuch: 720 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: Aufl. 2012 (18. Mai 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404166612
ISBN-13: 978-3404166619
Preis: € 8,99
Genre: historisch, Liebe
Gelesen in: 3

== DAS COVER ==
Das Cover ist eine Mischung aus echtem Foto von Surinam, und verschiedenen Zeichnungen von Sklaven und Blumen. Mir gefällt es unglaublich gut.

== FIGUREN ==
Julie – Reiches Mädchen, sturköpfig, warmherzig
Karl – verschlossenes Herz, erbarmungslos gegenüber Sklaven
Pieter – Arzt und Verlobter von Martina
Martina – Tochter von Karl, so alt wie Julie
Kiri – Leibsklavin von Julie
Erika -Missionarin in Surinam
Aiku – Leinsklave von Karl
Jean – Buchhalter und große Liebe von Julie

== INHALTLICHE FAKTEN ==
Ort: Amsterdam, Rotterdam, Surinam
Zeit: 1850-1863
Perspektive: Verschiedene Perspektiven


== AUSGEWÄHLTES ZITAT ZUM STIL ==
Julie zuckte zusammen. Elburg? Sie hatte keine Ahnung, wo das war, aber Stunde um Stunde zerfloss ihre Hoffnung, zukünftig in unmittelbarer Nähe ihrer Verwandten leben zu können. Traurig sackte sie in den Polstern der Kutsche zusammen. Obwohl sie diese Menschen kaum kannte und ihr Onkel so ganz anders zu sein schien als ihr Vater, hatte sie sich in ihrer Lage eine gewisse Zuwendung von ihnen erhofft – diese Hoffnung wurde nun jäh zerschlagen. (Zitat S. 22 – Stil und Julies Ausgangs-Situation)

== WORUM GEHT ES IN EIGENEN WORTEN ==
Rotterdam, 1850: Für Julie und ihre Familie sollte es ein netter Besuch bei Freunden werden, als ihre Kutsche von einer anderen erfasst wird. Die 9jährige Julie überlebt als einzige das tragische Unglück. Als Vormund nimmt sich ihr bislang unbekannter Onkel an. Doch statt sie mit zu sich zu nehmen, schiebt er sie in ein furchtbares Internat ab. Julie findet sich damit ab und irgendwann wird es sogar besser und je älter sie wird, desto mehr Träume und Wünsche hat sie. Ihr Onkel hat jedoch nur ihr Erbe im Kopf und will sie später ins Kloster schicken. Als die inzwischen 18jährige Karl Leevken über ihren Onkel kennenlernt, sieht sie noch einen romantischen Ausweg und stimmt trotz des Altersunterschieds einer Hochzeit zu. Was sie nicht weiß und erst vor der Abreise nach Surinam, einer Kolonie in Südamerika, erfährt, ist die Tatsache, dass ihr Onkel Schulden bei Karl hatte, und dieser sie nur wegen ihres Erbes geheiratet hat. Schon auf dem Schiff erkennt sie, wie Karl wirklich ist und das nicht nur gegenüber seinem Leibsklaven.

Auf der Zuckerrohrplantage angekommen, wird sie überall präsentiert, Karl erweitert seine Plantage und danach lässt er sie einsam und allein zurück, um sich immer wieder mit seiner Geliebten in der Stadt zu treffen. Sie ist einsam, und besonders schlimm ist, dass sie nicht mal in Karls Tochter aus erster Ehe, die genauso alt ist wie sie, eine Freundin findet. Im Gegenteil sie wird angefeindet und Martinas Verlobter macht keinen Hehl daraus, dass er bald die Plantage übernehmen wird.

Einzig die Sklaven sind ihr gegenüber freundlich und Julie macht es sich zum Ziel ihnen zu helfen und stößt dadurch immer wieder mit ihrem Mann zusammen. Erst als sie den Buchhalter Jean kennenlernt, der regelmäßig für ihren Mann arbeitet, fühlt sie sich langsam angekommen. Sie kann sich so besser mit ihrer Situation arrangieren. Die Hochzeit zwischen Martina und Pieter macht es zwar nicht leichter, aber nach der Geburt von Martin freunden sich die Frauen sogar minimal an. Doch Pieter hat Pläne, und geht dabei über Sklavenleichen. Immer wieder gerät Julie mit ihm aneinander vor allen Dingen, weil sie schwanger wird und er ihr Geheimnis zu kennen scheint.

Zeitgleich mit Julie ist auch Erika ins Land gekommen. An Bord haben sie sich angefreundet, aber aus den Augen verloren. Als Missionarin hat sie ihren Mann begleitet, der sie jedoch schwanger nach der Ankunft verlässt, um ins Landesinnere zu reisen. Während die anderen in Särgen wiederkommen, bleibt ihr Mann verschollen. Auf der Suche nach ihm trifft sie eine Plantagenbesitzerin, die sie mit zu sich nimmt, damit Erika von dort forschen kann. Als diese jedoch schwer erkrankt und ihr Mann sich an Erika vergeht, muss sie fliehen. Als sie zufällig Julie wieder trifft, hilft diese ihr spontan bei der Suche nach ihrem Mann.

Parallel flieht Kiri in die Stadt. Als Schwarze wird sie schnell eingefangen und muss mit dem schlimmsten rechnen. Als sie von verkauft werden soll, will der erste Interessent sie nicht haben, doch seine Frau Julie besteht auf sie. So wird sie Julies Leibsklavin und lernt, dass es auch freundliche Weiße gibt.

== MEINE MEINUNG ZUM BUCH ==
„Im Land der Orangenblüten“ ist eine farbenprächtige Familiensaga in Südamerika zu Zeiten der Versklavung. Am Anfang kann das Buch nicht positiv aus der Masse hervorstechen. Im Gegenteil, denn die Autorin unterscheidet sich inhaltlich nicht von ähnlichen Werken. Das heißt, auf Grund einer Tragödie bleibt einem armen jungen Mädchen nur der Ausweg einer Ehe in die Kolonien. Weder die Figur Julie, noch ihre traurige Situation waren mir zu Beginn des Buches völlig gleichgültig.

Mit der Hochzeit und der Reise ins fremde Surinam hat sich dieses anfängliche Gefühl verstärkt, denn es war abzusehen, worauf die Autorin hinauswollte. Unglückliche Ehe, Mitgefühl für die Sklaven und Einsamkeit im neuen Land. In der Tat haben sich meine Vermutungen bestätigt, aber mit dem Beginn der Reise hat es die Autorin geschafft, zu einer eigenen Umsetzung zu finden, die mich bis zum Schluss nicht mehr losgelassen hat.

Julie entwickelt sich zu einer starken Persönlichkeit, die viel Leibe aufzuweisen hat, aber sich nicht unterdrücken lässt, wie es bei solchen Werken oft der Fall ist. Zeitgleich bleibt die Perspektive im Buch nicht einseitig aus Julies Blickwinkel, sondern befasst sich mit den verschiedenen Schichten der damaligen Zeit. Julie als Plantagenbesitzerin und reiche Frau, Erika als Missionarin und Kiri als Sklavin. Dadurch wird die damalige Zeit im fremden Land unglaublich greifbar, obwohl ich mir oft gewünscht hätte, wenn nicht so oft die Perspektive gewechselt worden wäre. So sympathisch wie Julie und viele andere weibliche Figuren dargestellt werden, so unsympathisch werden Karl und Pieter dargestellt. Erst viel später wird deutlich, warum Karl so geworden ist, wie er geworden ist. Immer wieder kommen gute Züge zum Vorschein, die Julie, aber auch den Leser überraschen. Trotzdem ist er hart, weil er es so gelernt hat und es ums Überleben der Plantage geht. Weitaus schlimmer und das ohne ersichtlichen Grund ist Pieter. Die Personen sind alle unterschiedlich, wie ihre Schicksale und Entwicklungen. Hier hat die Autorin in meinen Augen eine wunderschöne Familien-Freundschafts-Saga entstehen lassen.

Surinam als Land, welches mir völlig unbekannt ist, wurde in den schillerndsten Farben und sehr lebendig dargestellt. Ich konnte mir das Land genau vorstellen. Was mir jedoch fehlte, war der Hintergrund, wie das Land sich entwickelt hat, entstanden ist und ähnliches. Es wird nur kurz angerissen und kommt in diesem historischen Buch eben etwas kurz. Aber ich gehe davon aus, dass dies die wenigsten Leser überhaupt stören wird.

In meinen Augen ist es eine wirklich gelungene Saga, mit Höhen und Tiefen, vorhersehbaren Wendungen, und vielen Überraschungen, die einen mitfiebern, zittern und freuen lassen. Langweilig wird es wirklich nur die ersten 100 Seiten und damit kann ich persönlich leben. Danach war zumindest ich bis zum Schluss gefesselt und kann sagen, dass ich mich auf weitere Bücher der Autorin freue. Mögt ihr solche Werke, dann kämpft euch durch die ersten Seiten, denn es lohnt sich. Es ist sicherlich kein absolutes Highlight, aber eine solide, gut zu lesende Lektüre, die für fast ungebremste Unterhaltung sorgen wird.


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