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Bird Box / Josh Malerman

So leben die drei. Sie gehen für lange Zeiträume nicht nach draußen. Wenn sie es tun, dann mit verbundenen Augen. Die Kinder haben die Welt außerhalb ihres Zuhauses nie gesehen. Nicht mal durch die Fenster. Und Malorie hat sei mehr als vier Jahren nicht mehr hinausgeschaut. Vier Jahre. (Zitat S. 7 – Beschreibung des Stils)
 
Ich oute mich jetzt einmal. Ich gehöre zu den Frauen, die Horrorfilme total lieben. Es darf kein Trash-Horror sein, aber so ein guter, wenn Horrorfilm hat schon etwas. Dementsprechend lese ich hin und wieder auch gerne Werke aus diesem Sektor. „Bird Box“ hat mich aus zwei Gründen angesprochen, denn zum einen geht es um eine Schwangere und zum anderen geht es darum, dass man seine Augen nicht öffnen darf. Das Ergebnis für mich Horror. Inwiefern mir das Buch am Ende gefallen hat, verrate ich euch nun.
 

'''o0o OPTK o0o'''
Das Cover ist schwarz und es zeigt ein Loch mit Vögeln. Irgendwie schlicht, aber es sorgt für einen gewissen Grusel-Faktor.

'''o0o FIGUREN o0o'''
Malorie – Mutter von zwei kleinen Kindern / Schwanger
Shannon – Schwester von Malorie, fällt dem Etwas zum Opfer
Tom – Ruhepol im Haus, wo Malorie sich versteckt

'''o0o INHALTLICHE FAKTEN o0o'''
Ort: USA
Zeit: 2010er
Perspektive : Dritte Person
Alter der Figuren: Mitte 20

'''o0o WORUM GEHT ES? o0o'''
Seit vier Jahren kämpf Malorie gegen etwas das sie nicht sehen kann. Sie weiß nur, dass wenn sie oder ihre Kinder, die sie einfach nur „Junge“ oder „Mädchen“, das Etwas sehen, sich umbringen oder den anderen gefährden. Sie hat nicht so lange dafür gekämpft, um alles aufs Spiel zu setzen, aber sie muss endlich raus und so beschließt sie mit den Kindern auf den Fluss zu fahren, auf der Suche nach einer ganz besonderen Farm. Dabei lässt sie die letzten Jahre besonders die Anfänge Revue passieren.

Alles beginnt vor fünf Jahren, als es erst in Russland und später auf der ganzen Welt zu merkwürdigen Gewaltausbrüchen kommt. Aus unerklärlichen Gründen bringen die freundlichsten Menschen ihre Nachbarn, die Familie und / oder einfach sich selbst um. Irgendwie verbreitet sich die Nachricht, dass diese Menschen etwas sehen und dieser Anblick diese Veränderung hervorruft. Niemand weiß genau, was sie sehen, aber die Leute bekommen es mit der Angst zu tun. Einer nach dem anderen verdunkelt die Fenster, läuft mit Blindenstock herum oder lässt sich sogar blenden. In genau dieser Situation erfährt Malorie, dass sie von einer flüchtigen Affäre ein Kind erwartet. Mit ihrer Schwester steht sie die erste Zeit durch, doch dann bringt sich ihre Schwester einfach, weil die Abdeckung im Badezimmer einen Spalt nach draußen ermöglicht hat. Malorie kann nicht mehr an diesem Ort bleiben und flieht in einen anderen Ort, wo eine alte Anzeige in der Zeitung Zuflucht verspricht. Sie wird von der Gemeinschaft aufgenommen, aber die Situation spitzt sich auch dort zu.

'''o0o WIE HAT ES MIR GEFALLEN? o0o'''
„Bird Box“ ist ein ungewöhnliches Horror-Buch, welches viel Potential hat, aber an zwei kleineren Punkten zumindest bei einigen Lesern scheitern wird.

Josh Malerman gelingt es mit seinem Szenario eine düstere Atmosphäre zu schaffen, die die Urängste der Menschen betrifft. Eine Bedrohung, die wenn man sie sieht, zum Wahnsinn oder einer Veränderung des Charakters führt, macht Angst. Genauso ist die Tatsache, nie wieder einen Blick in die Welt werfen zu können, um nicht Gefahr zu laufen, dieses Etwas zu sehen, sehr beängstigend. So wie der Autor diese Szenerie erschafft, entsteht das Gefühl, als könnte dieses Etwas aus dem Buch springen und sein Unwesen in unserer Realität umsetzen. Definitiv Horror pur.

Mit einer schwangeren Protagonistin oder in den anderen Teilen des Buches einer Mutter von zwei Kindern, gelingt es dem Autoren diese Angst noch zu schüren. Schließlich sind Kinder, ob geboren oder nicht, hilfsbedürftig und benötigen unseren Schutz. Aus Malories Sichtweise erfährt der Leser die gesamte Situation der letzten Jahre. Und hier kommt der erste kleine Punkt zum Vorschein. Der Autor setzt auf einen sehr minimalistischen Stil. Während er so zwar eine ängstigende Grundstimmung erschafft, muss ich ehrlich zugeben, dass ihm das bei den Figuren weniger gelingt. Trotz „Mutter-Verbundenheit“ und der Tatsache, dass Malorie ihre Kinder drillt, um sie ausreichend schützen zu können, bleibt mir die Figur auf emotionaler Ebene fremd. Vielleicht wäre die Ich-Perspektive hier eine bessere Wahl gewesen, um Emotionen und die Sichtweise der Figuren zum Beispiel durch Wechsel der Perspektive besser vermitteln zu können. Wobei diese Kühle und Distanz in seinem Stil natürlich auch etwas Besonderes ist und vielleicht nur so eine Angst beim Leser wirklich aufkommen lassen kann.

Nun hatte ich als Leser stets die Hoffnung, dass der Autor durch die zweite Erzählebene, die Bindung zu Malorie stärken würde. Zeitgleich hofft man, dass so Dinge, wie die Entstehung, warum sie diese gefährliche Reise antreten, warum sie vier Jahre isoliert gelebt haben oder was genau man nun sieht, geklärt wird. Leider werden diese Punkte in meinen Augen gar nicht wirklich geklärt, und gerade das enttäuscht mich dann doch etwas. Zwar lässt Josh Malerman den Leser dadurch mit einem ängstlichen Gefühl zurück und man könnte sogar sagen, dass vielleicht ein solcher Roman ein Auslöser für ein solches Szenario sein könnte, aber ich persönlich hätte gerne eine Aufklärung gehabt. Aliens, die eigene Paranoia oder ähnliches. Mir wäre alles recht gewesen. Ich hatte ehrlich gesagt das Gefühl, dass der Autor selbst keine plausible Erklärung gefunden hat, um den Leser glücklich zu machen, und sich so für ein halbwegs offenes Ende entschieden hat.

Auch der Aspekt der Blindheit kann mich nicht vollends zufrieden stellen. Zwar wird das Gehör richtig trainiert und das finde ich klasse beschrieben, aber gerade die Umstellung von sehen auf eigentlich blind, wird einfach zu wenig thematisiert. Okay, man verbindet sich die Augen, ist blind, aber diese Hilflosigkeit draußen, die zumindest viele am Anfang empfinden werden, gerade an Orten wo man noch nie war, geht einfach unter. Ich meine, eine Reise mit einem Ruderboot auf einem Fluss zu machen, ist sicherlich schon für eine Person, die seit Geburt blind ist, schon schwer, aber für jemanden, der sich die Augen verbindet, stelle ich mir das richtig schlimm vor. Und genau dies wird einfach nicht authentisch genug dargestellt. Verirren oder ähnliches gibt es zudem ebenfalls nicht wirklich.

Alles in allem ist es ein interessanter Horror-Roman, der auf jeden Fall ängstigen kann, aber definitiv nicht für die breite Masse ist. Ich kann ihn mir jedoch sehr gut verfilmt vorstellen, weil dann einfach die Situationen für den Zuschauer noch etwas lebendiger sind.

'''o0o BUCHFAKTEN o0o'''
Autor: Josh Malerman
Titel: Bird Box - Schließe deine Augen
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Penhaligon Verlag (16. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764531215
ISBN-13: 978-3764531218
Originaltitel: Bird Box
Preis: € 19,99
Genre:  Horror
Gelesen in: 5 Tagen


*Buchsponsoring

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