Fuck You Leben / N. Pratt

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Heute habe ich ein Buch in petto, welches ich mir nur auf Grund des Titels ausgewählt habe. „Fuck you Leben“ heißt das Buch, und mal ehrlich, wer hat nicht schon mal diesen Satz oder zumindest minimal abgeändert gedacht. Mich hat der Titel neugierig gemacht, und daher habe  ich es nun gelesen, und kann es euch vorstellen.


===OPTK===
Das Buch sieht wirklich cool aus. Die orangene Schrift mit dem Mädchen, dass die Arme in die Luft streckt. Dezent, modern und aussagekräftig.

===FIGUREN===
Hannah – 15, Schwanger von ihrem Stiefbruder, gilt als Schlampe
Aaron – 16, neu auf der Schule, gibt sich als Papa aus
Katie – eigentlich Hannahs beste Freundin
Jay – Hannahs älterer Stiefbruder

===INHALTLICHE FAKTEN===
Ort: USA
Zeit: Gegenwart ca. 2012
Perspektive: Hannah und Aaron abwechselnd Ich-Perspektive
Alter der Figuren: 15 - 19

===AUSGEWÄHLTES ZITAT ZUM STIL===
Gestern Abend habe ich es wieder mit Fletch gemacht. Es war okay, jedenfalls besser als das letzte Mal. Außerdem ist Fletch ganz witzig und sieht gar nicht so schlecht aus … jedenfalls so lange er angezogen ist. Wir haben danach nicht mehr gekuschelt oder so – so weit geht die Sache zwischen uns dann doch nicht. (Zitat S. 9)

===EIGENE INHALTSANGABE===
Hannah ist 15 Jahre alt und hat einen gewissen Ruf weg. Sie hat Spaß am Sex und ist dementsprechend leicht zu haben. Gleiches gilt für ihre beste Freundin Katie. Alles ändert sich jedoch, als Hannah nach einigen sexuellen Kontakten Schwanger ist. Sie entscheidet sich für das Baby, und damit beginnt zeitgleich der Spießrutenlauf. Katie verliebt sich und lässt Hannah schon vor der Beichte fallen, alle lästern hinter ihrem Rücken und spekulieren über die Vaterschaft. Manche gehen sogar so weit, sie sogar anzugreifen, obwohl der Bauch schon sichtbar ist.
Aaron ist 16,  neu an der Schule und hat aus privaten Problemen wechseln müssen. Er ist zurückhaltend und bildest sich eine eigene Meinung über Hannah. Er hilft ihr immer wieder aus merkwürdigen Situationen heraus und bietet ihr sogar an, die Rolle des Vaters zu übernehmen, obwohl er noch nicht mal sexuellen Kontakt mit ihr hatte.
Mit der Zeit wird der Kontakt immer enger. Aaron bekommt immer wieder Probleme damit, zu wissen, wer der Vater ist, Hannah hingegen ist eifersüchtig auf jede Frau in seiner Nähe. Katie die das spürt und ihren neuen Freunden gefallen will, setzt alles daran, dieses Etwas zwischen den beiden zu zerstören. Und Aaron weiß, wenn der wahre Grund für den Schulwechsel herauskommt, wird Hannah wohl nicht mehr mit ihm reden.

===MEINE LESEEINDRÜCKE===
„Fuck you Leben!“ ist ein außergewöhnliches Buch über Freundschaft und die Tatsache als Kind selbst ein Kind zu erwarten. Eine Thematik, die sich leider Gottes in vielen Elternhäusern abspielt, denn schwanger werden, geht verdammt schnell.

So schnell, wie man schwanger wird, ist der Einstieg in das Buch leider nicht. Erzählt wird die Geschichte fortlaufend jeweils abwechselnd aus Hannahs und Aarons Sichtweise. Beide Perspektiven sind sowohl namentlich, als auch durch eine andere Schrift klar gekennzeichnet. Eine Tatsache, die den Lesefluss fördert. Erschwert wird der Einstieg durch die Figuren selbst. Hannah wird als Mädchen dargestellt, dass für jeden die Beine breit macht, schon jeden in der Schule herangelassen hat und an nichts anderes als Sex denken kann. Klischee-Kriterium, welches bis an die oberste Grenze ausgereizt wurde. Am Anfang geht sie einem damit ehrlich gesagt auf den Zeiger, zumal später deutlich wird, dass sie eben nicht so ist. Klar, sie mag Sex, aber nicht um jeden Preis und sie weiß sehr wohl, mit wem sie schläft und achtet genauso auf Verhütung. Aaron hingegen ist eher der ruhige Part, der ein düsteres Geheimnis hat und man nie genau weiß, ob man ihn mögen soll oder nicht.
Hinzu kommt die Tatsache, dass die Autorin partout aus allem ein Geheimnis macht und das leider nicht sehr gut. So versucht sie lange den Leser rätseln zu lassen, wer der Vater ist, was Aaron damals gemacht hat oder wer zum Beispiel ein Sex Partner von Hannah war. Sobald sie das jeweilige Thema anspricht, wusste ich schon genau worauf sie hinaus wollte, was natürlich eher dazugeführt hat, dass ich mich gefragt habe, warum sie es nicht einfach gleich klarstellt. Bei Aaron gelingt es ihr zumindest teils, aber nervt dadurch leider Gottes sehr. Die Autorin hätte problemlos alles von Anfang an klarer präsentieren und so den Fokus auf dem Inhalt, frühe Schwangerschaft und Hilfestellung seitens Aaron legen können. Der Autorin wäre es damit gelungen, zumindest mich, nicht ganz so zu nerven und das Buch authentischer erscheinen zu lassen. So wirkt es wie eine Daily Soap mit Drama-Faktor.

Mit dem Beginn der Schwangerschaft nimmt das Buch zumindest in Bezug auf Hannah eine kleine Wendung vor. Die vorher so durch das Klischee verhunzte Hannah wird stark, sympathisch und zu einer Löwin, die man ins Herz schließen muss. Unterbrochen wird es aber immer wieder durch die Tatsache, dass sie regelmäßig von Sex regelrecht besessen ist und so tut, als würde sie ohne sterben.

Generell ist das Buch thematisch aber interessant. Immer mehr Teenies werden gewollt oder ungewollt selbst Eltern. Wie schnell es gehen kann, ist vielen mehr oder weniger bewusst, die Folgen einer solchen Schwangerschaft jedoch nicht. Die Blicke, die mangelnde Unterstützung, das Unförmig werden, der emotionale Stress, aber auch die Tatsache, dass die Schule oder Ausbildung nun gar nicht mehr so leicht wird. Zeitlich geht das Buch wenige Tage vor dem  Bekannt werden der Schwangerschaft bis kurze Zeit nach der Geburt. Die Problematik im Alltag mit Baby wird man hier also nicht finden. Ist auch nicht nötig, denn schon die vorherigen Geschehnisse hätten mich als Teenie nachdenken lassen. Selbst in meinem Alter muss ich sagen, dass eine Schwangerschaft und Geburt eine große Herausforderung und Umstellung sind. Ich hätte mich gefreut, wenn zumindest ein Drittel des Buches sich auch mit der Zeit danach beschäftigt hätte, um zu zeigen, wie schwer dies für Teenie-Mütter ist.

Abgesehen von dem Hauptthema geht die Autorin mir persönlich zu locker mit vielen anderen Themen um. Da wäre zum Beispiel der verharmloste Alkoholkonsum. Jedes Wochenende wird getrunken, und als Spaß dargestellt. Sollte bei einem Jugendroman nicht auch hier auf Fehler und Konsequenzen aufmerksam gemacht werden? Warum ich das kritisiere? Ich selbst bin eben schon Mutter und finde daher Aufklärung immer wichtig, aber wenn als Rundumpaket. Mich hätte der Aspekt aber auch schon als Jungendliche Leserin gestört, da ich selbst Alkohol nichts abgewinnen konnte, und es schade fand, wenn der Konsum so verharmlos wurde.

Wirft man nur einen Blick auf die Geschichte selbst, kann ich schlussendlich sagen, dass ich mich durchweg unterhalten gefühlt habe. Nachdem ich mich mit Hannah angefreundet hatte, sind die Seiten nur noch so dahin geflogen. Der Stil ist eben leicht, jugendlich und trotzdem auf einem guten Niveau, sodass man es auch für den Schulunterricht vorschlagen kann.

Alles in allem, kann ich das Buch empfehlen, aber nicht zu 100%. Ein kleiner Beigeschmack, der aus Einstieg, Klischees und vergessen von wichtigen Anteilen, sorgt dafür, dass das Buch von mir lediglich 4 Sterne bekommt. Aber lest selbst, und macht euch ein eigenes Urteil. Interessant und lesenswert ist das Buch auf alle Fälle.

===BUCHFAKTEN===
Autor: N. Pratt
Titel: Fuck You Leben!
Broschiert: 420 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Dezember 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423740078
ISBN-13: 978-3423740074
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
Originaltitel: Trouble
Preis: € 14,95
Genre:  Jugend, Liebe, Sex, Schwangerschaft
Gelesen in: 3 Tagen

Kommentare:

  1. Welche Klischees meinst du denn und welche wichtigen Anteile wurden nicht angesprochen?

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    1. Zum Glück hab ich ein gutes Gedächtnis.. Wobei auch beide Aspekte oben abgearbeitet werden. Wollte ich im FAzit nur nicht wiederholen. Also zum Beispiel mit dem Klischee meine ich, dass die Figur wirklich für jeden Deppen die Beine breit macht und genau so als SChlampe geschildert wird, wie man sie sich im Bilderbuch vorstellen würde. Keine Abweichung davon. Mit wichtigen Anteilen meinte ich zum Beispiel, dass vieles verharmlost wird, ohne eben auf Konsequenzen oder ähnliches einzugehen.

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