Liebeskinder / Jana Frey

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Hap(py) Swindells Kommen und Gehen:
Zum ersten Mal tauchte er 1946 auf, als er als Sohn eines Bierbrauers und einer Sekretärin in Cleveland, Ohio, geboren wurde. 1968 zog es ihn als Zweiundzwanzigjährigen nach Kalifornien. Er glaubte damals fest daran, homosexuell zu sein, und seine Eltern waren in großer Aufruhr deswegen (Zitat 28 – Beispiel für Allwissender Erzähler)

Toller Titel, tolles Cover, komischer Klappentext. Obwohl ich den Klappentext sehr merkwürdig fand, habe ich mich beworben dieses Buch für eine Blogtour zu lesen. Das Cover war einfach zu niedlich. In den letzten Tagen war ich dann auch echt froh, weil dieses Buch berührt, fasziniert und ablenkt. Und das konnte ich nach dem Unfall meines Vaters echt gut gebrauchen. Wer auch Ablenkung sucht, vielleicht ist das Buch ja auch etwas für dich. Nun lasst euch aber von mir in die Welt von Zodac und Kenzie entführen.

'''o0o OPTK o0o'''
Eigentlich ist es ein unglaublich schlichtes Cover und trotzdem hat es mich sofort angesprochen. Im Laden hätte ich glatt einen näheren Blick drauf geworfen, wäre aber vom Klappentext etwas abgeschreckt worden.

'''o0o FIGUREN o0o'''
Ivory – Nachbarin von Zodac, ein Jahr jünger, zauberhaft und stark
Zodac – Verrückter, der ein düsteres Geheimnis hat, welches seine Mutter verschleiert
Kenzie– Ältere Schwester von Janis, schielt, kein Selbstwertgefühl, Samenspenderkind
Janis – hübschere jüngere Schwester, normal mit Samenspende gezeugt
Amos – Kenzis große Liebe aus England

'''o0o INHALTLICHE FAKTEN o0o'''
Ort: London, Boston und San Fransisco
Zeit: von 69 bis 2014
Perspektive:: dritte Person, wechselnd
Alter der Figuren: 18-40

'''o0o WORUM GEHT ES? o0o'''
Ab 90 bis Gegenwart: Zodac ist nicht wie andere Kinder, er hat ein düsteres Geheimnis und muss deswegen jede Menge Tabletten nehmen. Er gilt als verrückt und seine einzige Freundin ist schon seit Kindertagen Ivory aus dem Nachbarhaus. Im Grunde liebt er sie, aber wer möchte schon mit einem Looser zusammen sein, der von allen gehänselt wird. Auch Ivory mag ihn, aber wie kann sie mit jemanden zusammen sein, der von allen gehasst und ausgegrenzt wird? Sie kämpft gegen ihre Gefühle an, und dann offenbart ihr Zodac auch noch den wahren Hintergrund für seine Tabletten. Kann er das wirklich getan haben, er wirkt so lieb und intelligent. Sie beginnt zu zweifeln und an Fragen zu stellen, die unglaubliches aufdecken.

Ab 1969: Kenzie wird am Strand von San Fransisco geboren. Ihr Vater Happ hat seinen Samen via Spritze gespendet, damit Insel und Leetha, ein lesbisches Paar ein Kind bekommen können. Am Anfang ist Kenzie glücklich vor allen Dingen als ihre kleine Schwester Janis gezeugt wird. Doch mit der Zeit ändert sich alles. Janis ist viel hübscher, fröhlicher, schielt nicht und alle mögen sie. Kenzie zieht sich immer mehr zurück und musst über die Jahre mit ansehen, wie alle Jungs, die sie mag sich zu Janis hingezogen fühlen. Selbst ihr erstes Mal ist erniedrigend. Sie flieht während des Studiums nach London und nimmt sich eigentlich vor dort zu sterben. Doch dann trifft sie Amos und alles ändert sich. Er liebt sie sie so wie sie ist, durchdringt ihren Schutzpanzer und zeigt ihr, wie sie wirklich sein kann. Kenzie fängt langsam an zu vertrauen. Als sie zurück muss übersteht ihre Liebe auch diese Distanz, bis Amos auf Janis trifft.

'''o0o WIE HAT ES MIR GEFALLEN? o0o'''
„Liebeskinder“ von Jana Frey ist eine ganz besondere Geschichte über Liebe und Ängste. Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog, bei dem jeder Leser sofort die Zusammenhänge des späteren Verlaufs erahnen kann. Für etwas mehr Überraschung hätte dieser gerne weggelassen werden können.

Danach beginnt immer abwechselnd die Erzählung beider Liebesgeschichten. In der Gegenwart begleitet man den teilweise bemitleidenswerten Zodac, den ich ähnlich wie Ivory trotzdem sofort ins Herz geschlossen habe. Die Geschichte von Kenzie selbst beginnt bei ihrer Geburt und ist eine der traurigsten Geschichten, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Kenzie ist ein kleines Mädchen, dass mit der Geburt ihrer Schwester in den Schatten rückt und sich einfach nicht liebenswert fühlt. Ihre Ängste, Sorgen und ihr Aussehen werden immer wieder sehr detailliert beschrieben, dass man sie auf der einen Seite in den Arm nehmen möchte, aber auf der anderen Seite möchte man sie auch wachrütteln, dass sie nicht hässlich ist, sondern es an ihrer Körpersprache liegt. Dieses eigene Selbstbetrachten wird sehr authentisch von der Autorin dargestellt, und wer sich selbst nicht hübsch findet, wird sich stellenweise sogar wiedererkennen.

Die Entwicklungen der beiden Geschichten, bis sie zu einer werden, ist sehr vorhersehbar, was mich als Leser jedoch gar nicht stört. Warum auch!? Wichtig ist, dass der Weg der Vorhersehbarkeit Spaß macht und das trifft bei diesem Buch auf jeden Fall zu. Allerdings muss ich zugeben, dass mich die Autorin mit einer Wende wirklich überrascht hat, und zwar die Tatsache, dass Kenzies Mutter, die sich selbst als komplette Lesbe darstellt, offenbart, dass dies nicht der Fall ist. Wie muss sich ein Mensch fühlen, der erfährt, dass im Grunde alles irgendwo auf einer Lüge basiert und ihre Entstehung dadurch noch schlimmer wird. Für mehr Details lest das Buch aber bitte selbst.

Ihr merkt schon, es ist keine klassische Liebesgeschichte, sondern sehr emotional und schon recht tragisch, dramatisch. Wer eine typische Jugend-Liebesgeschichte erwartet, sollte das Buch nicht lesen. Es regt mehr zum Nachdenken an, als das es aufheitert oder gar romantisch ist. Mir gefällt das Buch trotzdem sehr gut. Eben weil ich mich in meiner Jugend ähnlich wie Kenzie gefühlt habe, auch wenn meine Grundlagen etwas anders waren.

Am Anfang fand ich es manchmal etwas schwer reinzukommen und die Wechsel waren manchmal etwas blöd. Das lag daran, dass ich die Geschichte von Kenzie persönlich faszinierender fand, als die sich immer wiederholenden Ansätze von Zodac. Klar haben solche Medikamente Nebenwirkungen und klar versucht sich das Gehirn manchmal seinen eigenen Weg zu bahnen, aber die fiesen Aktionen in der Schule waren irgendwie immer gleich, bis auf ein zwei Ausnahmen, die mich persönlich dann wiederum sehr wütend gemacht haben, aber eben auch realistisch sind. 



Alles in allem ist „Liebeskinder“ ein außergewöhnliches Buch, das es vielleicht etwas schwerer haben wird, als normale Liebesromane oder Jugendbücher, aber es ist eine Geschichte die sich lohnt und sie bietet sich in meinen Augen auch gut für den Schulunterricht an. Ich bin zwar keine Lehrerin, aber es gibt so viele sprachliche Facetten, die allwissende Stimme, die immer wieder aufklärt und noch nicht geschehene Dinge erklärt, die Perspektiv- Wechsel und natürlich die Themen.

'''o0o BUCHFAKTEN o0o'''
Autor: Jana Frey
Titel: Liebeskinder
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Arena (5. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3401067877
ISBN-13: 978-3401067872
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
Preis: € 16,99€
Genre: Jugend, Drama, Liebe, Familie
Gelesen in: 3 Tagen

Ich bedanke mich beim Arena Verlag für das Rezi-Ex

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