Eines Morgens in Paris / Charles S. Richardson

0

Es gibt Bücher, die sieht man, und muss man einfach lesen. Ich fand das Cover trotz seiner irgendwie einfachen Gestaltung zauberhaft. Es hat mich direkt angesprochen und neugierig gemacht. Deswegen habe ich mich trotz dem komplexen Klappentextes zum Lesen entschlossen.


'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
Octavio ist nicht wie die meisten Menschen. Er ist wortblind, wie Legasthenie in diesem Fall genannt wird. Ihm fällt das Lesen so schwer, obwohl er doch Geschichten genauso sehr liebt wie sein ebenfalls wortblinder Vater. Ihnen bleibt nur die Fantasie, erzählte Geschichten, denn lesen selbst fällt vollständig weg. Da es dadurch mit der Schule nicht klappt, entschließt sich sein Vater ihm das Bäckerhandwerk beizubringen. Das ist auch gut, denn so kann er zusammen mit seiner Mutter und dem fast blinden Uhrmacher Grenelle die Bäckerei führen, als sein Vater in den Ersten Weltkrieg ziehen muss. Als dieser aus dem Krieg zurückkommt, ist er nicht mehr der Gleiche. Lediglich die Geschichten, die ihn mit Octavio verbinden, halten ihn irgendwie aufrecht. Er muss nur ein Bild sehen, und kann die tollsten Geschichten erfinden. Deswegen und wegen der zauberhaften Isabeau kauft Octavio immer neue Bücher, obwohl er sie nicht lesen. Was er nicht weiß, auch das Mädchen findet ihn faszinierend.

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
Eines Morgens in Paris“ ist kein klassisches Buch, sondern ein poetischer Roman, der die volle Aufmerksamkeit des Leser bedarf. Es ist eine Lektüre, die am Besten an einem kalten Winternachmittag vor den Kamin gelesen wird, sodass sie nicht lange unterbrochen wird. Mal für fünf Minuten das Gelesene sacken lassen, ist in Ordnung, aber es für länger aus der Hand zu legen, kann zumindest für einige Leseratten tödlich sein. Zumindest am Anfang, denn der Autor hat keinen gewöhnlich Stil und auf Aufbau. Der Autor wählt zahlreiche kurze Passagen, Ausschnitte aus verschiedenen Perspektiven, Zeiten und Schauplätzen. Wer sich hier nicht konzentriert, muss viele Passagen neu lesen, um die beabsichtigten Details und Ideen zu entdecken. Durch die vielen Sprünge muss gerade am Anfang eine Menge an Input verarbeitet werden.

Es ist schwer und ich habe mich ehrlich gesagt gerade am Anfang erschlagen gefühlt. Nicht nur die Sprünge, Figuren und Schauplätze müssen verarbeitet werden, sondern auch der ungewöhnliche Stil. Er ist sehr poetisch, tiefsinnig und umschreibt vieles lieber, statt manchmal auf den Punkt zu kommen. Dabei hat er eine Menge zu sagen, und daher ist ein genaues Lesen eben sehr wichtig.

Irgendwann kommt jedoch der Punkt, wo man die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden hat, und das Buch nur noch genießen kann. Und ab diesem Punkt ist das Buch, wie ein Pariser Märchen. Generell wird Paris so liebevoll dargestellt, dass ich nachvollziehen kann, warum die Menschen sie so lieben. Die dreckige Stadt, wie ich sie kennengelernt habe, schimmert nicht im geringsten durch. Im Gegenteil Paris schimmert und leuchtet wie ein Stern am Nachthimmel. In Kombination mit den zauberhaften, liebenswerten Figuren muss man das Buch irgendwo lieben.

Trotzdem ich irgendwann Zugang zu dem Buch gefunden habe, habe ich mich oft gefragt, warum der Autor nicht etwas Mehr gehabt hat. Ich persönlich hätte leichter in das Buch gefunden, wenn Jahreszahlen oder andere Hinweise kurze Information gegeben hätten. Auch hätte ich mir oft gewünscht, wenn der Autor sich nicht immer wieder auf belanglose Figuren eingelassen hätte. Zwar weiß man nach einiger Zeit, dass nicht jede Figur relevant ist, und kann aussortieren, aber manchmal ist weniger mehr. Außerdem wären dem Autoren dann kleinere Fehler vielleicht aufgefallen. So ist der blinde Uhrmacher, zwischenzeitlich plötzlich nicht mehr blind.


Alles in allem weckt das Buch gemischte Gefühle. Man liebt und hasst es gleichermaßen. Nochmal lesen müsste ich es nicht und trotz des strahlenden Paris müsste ich auch kein weiteres Werk dieses Autors lesen.. Es ist einfach zu schwer und auch wenn sich vieles lohnt, ist es im Nachhinein betrachtet keine Pflichtlektüre.

'''o0o ALLGEMEINE FAKTEN ZUM BUCH o0o'''
Autor: Charles Scott Richardson
Titel: Eines Morgens in Paris
Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Atlantik (8. Oktober 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3455600131
ISBN-13: 978-3455600131
Originaltitel: The Emperer of Paris
Preis: € 14,99
Genre: Liebe, Drama
Gelesen in: 3 Tagen

0 Kommentare: