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Nachts, wenn der Tiger kommt / Fiona McFarlane


Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Es gibt Bücher, die mir in die Hände gespielt werden, von denen ich in meinem Leben noch nie etwas gehört habe. Dazu zählt auch dieses Exemplar. Während mir die Autorin vom Foto sofort sympathisch war, konnte ich mit dem Inhalt im ersten Moment nichts anfangen, denn der Klappentext auf der Rückseite ist nicht so schön beschrieben, wie auf der Innenseite des Schutzumschlages. Zumindest weckte dieser meine Neugierde und so konnte ich mich zügig an meine Leseaufgabe wagen, die ich von buecher.de gestellt bekommen habe. Das Buch habe ich nämlich als Buchflüsterer zur Rezension erhalten. Nun habe ich das Buch gelesen und kann sagen, dass es ein Buch ist, dass jeder gelesen haben sollte.


'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
Ruth ist Mutter von zwei großen Söhnen, hat Enkelkinder und lebt alleine in einem Haus am Meer. Eigentlich ein schöner Lebensabend, wenn da nicht die Einsamkeit wäre. Ihr Mann ist vor fünf Jahren unerwartet an einer Lungenembolie gestorben. Ihre Söhne sieht sie nur selten. Telefonate finden zwar statt, aber mit dem einen Sohn kann man hier schon die Uhr stellen. Jedes Familienmitglied hat eine bestimmte Zeit. Auch sonst ist ihr Leben nicht mehr so toll, sie ist eben alt, und manchmal muss sie kleine Spiele spielen, um überhaupt eine Aufgabe, wie das Fegen des Weges oder ähnliches zu erledigen. Dann zählt sie zum Beispiel die kleinen Wellen zwischen zwei Großen, und erreicht sie die Zahl, kann sie sitzen bleiben, sonst heißt es putzen. Alles ändert sich mit dem Tag, an dem sie mitten in der Nacht einen Tiger bei sich im Haus hört. Während ihre Söhne ihr altern einfach als lästig und peinlich empfinden, macht sie sich ernsthaft Sorgen. Als kurz darauf Frida vor der Tür steht und sie erst eine Stunde und dann drei Stunden betreut, findet es Ruth sehr angenehm. Sie putzt, kocht und redet mit ihr. Anfänglich taut Ruth auf, nimmt sogar Kontakt zu alten Freunden auf. Doch immer mehr dringt Frida in ihr Leben ein, übernimmt Aufgaben und die Kontrolle über Ruth. Da stellt sich schon die Frage, über welches staatliche Projekt Frida finanziert wird und ob da nicht etwas faul an der Sache ist.

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
Nachts, wenn der Tiger kommt“ ist ein unglaublich schönes Buch über das Alt werden. Ich selbst habe eine Mutter in dem Alter von Ruth und sehe, wie auch sie sich trotz Kinder und Enkelkinder einsam fühlt. Dementsprechend fühlte ich mich sofort mit dem Buch und Ruth als Protagonistin verbunden. Sie ist eine alte, liebenswürdige Persönlichkeit, die mit ihren Zählspielen total süß wirkt. Man möchte ihr helfen, mit ihr reden und zeigen, dass auch das Alter geschätzt wird. Auf der anderen Seite ist da Frida, die plötzlich in ihrem Leben auftaucht, und wo man sich als Leser natürlich fragt, stimmt ihre Geschichte, wo kommt sie her und wieso ausgerechnet Ruth. Ich weiß ja nicht, wie es in Australien ist, aber in Deutschland steht nicht plötzlich eine Haushaltshilfe vor der Tür, die der Staat bezahlt und sogar freiwillig schickt. Sie ist eine merkwürdige, beanspruchende Figur, zu der ich weniger guten Zugang fand. Sie wechselt täglich ihre Frisuren, hat sich von vielen Lebensmitteln scheiden lassen und übernimmt viel zu viele Aufgaben für Ruth.

ZITAT S. 14
Sie sah aufs Meer hinaus und zählte die Abfolge der Wellen: Wenn es vor der nächsten großen weniger als acht kleine gab, würde sie den Sand vom Gartenweg fegen.

Es prallen somit zwei Welten auf den Leser ein, die jedoch von der Autorin harmonisch umgesetzt wurden. Generell legt Fiona McFarlane einen Stil an den Tag, der außergewöhnlich lebendig ist. Ihr gelingt es die bewölkte, aber auch sonnige Landschaft einzufangen, sie mit entsprechenden Gefühlen der Figuren zu ummanteln und erschafft damit eine authentische Atmosphäre, die auf der einen Seite beängstigend und doch wieder beruhigend ist. Manchmal schaffte sie es mir sogar kleinere Lachtränen in die Augen zu treiben, wenn sie zum Beispiel von einer einsamen Ananas zwischen vielen Avocados berichtet. Man merkt die Liebe zum Detail, ohne sich darin zu verlieren.

Wie oben schon erwähnt, geht es thematisch nicht nur um das Alter selbst mit seinen Problemen, Krankheiten und Folgen, sondern eben auch um die Einsamkeit, die so manchen überraschen und überfordern kann. Durch die Umsetzung beschäftigt sich der Leser deutlich mehr mit dem Thema, und wird sogar dazu animiert über seine eigene Zukunft nachzudenken. Hinzukommt, dass die Frage aufkommt, ob sich für Ruth alles positiv entwickelt und einen die Frage beschäftigt, ob mit Frida alles stimmt. Das Buch nimmt einen unbewusst gefangen, auch wenn man es gar nicht lesen möchte.

Außerdem wird ein stets aktuelles Thema, nämlich Betrug, aufgegriffen. Wie oft liest man in der Zeitung, dass sich jemand als Familienmitglied ausgibt, um von alten Leuten Geld zu kassieren. Dies ist eine andere Methode, die mit Sicherheit auch häufiger vorkommt. Als Leser fragt man sich hier aber, inwiefern man in Deutschland darauf reinfallen würde, und ob nicht die eigene Mutter, vielleicht auch die Betreuung akzeptiert hätte. Schließlich hat hier nicht mal der Sohn etwas dagegen gehabt, weil die eigene Mutter doch recht lästig war. Auch wenn das Buch immer wieder lustig, aber auch traurig ist, bekommt man es doch leicht mit der Angst zu tun, denn ein solcher Betrug kann jeden treffen.

Der einzige Störfaktor, der mir immer wieder aufstieß, war das Verwischen zwischen Realität und Fiktion. Ihr könnt euch sicherlich denken, welche Fiktion ich meine. Ja, der Tiger. Auch ohne ihn wäre das Buch unglaublich toll gewesen, und ich kann als Leser eben auch den Gedanken hinter dieser Idee nachvollziehen. Mein Geschmack ist es jedoch nicht. Man hätte es realistischer gestalten können, statt zu dieser Übertreibung zu greifen. Aber irgendwie passt es auch zu diesem Buch, wo Übertreibungen gerne eingesetzt werden, um sie mit leichter Ironie zu kombinieren. Vielleicht wird auch genau deswegen das Buch so greifbar.

Bis zum Schluss lässt einen das Buch nicht los, und am Ende kommen sogar die eine oder andere Träne zum Vorschein. Obwohl es sich erahnen lässt, ist es ein Ende, dass jeden Leser mit etwas Herz, berühren wird. Dementsprechend kann ich euch das Buch einfach nur ans Herz legen. Ein Happy End sucht man nämlich leider vergebens. Obwohl auch dieser Ausgang sicherlich für einige schon ein kleines Happy End ist. Mich hat es eher traurig gestimmt. Ich finde es einfach schade, wie die eigenen Eltern oder andere alte Leute später aufs Abstellgleis gestellt werden und eher peinlich oder lästig sind. Waren sie es doch, die früher viel geleistet haben, den Kindern bei jedem Problem geholfen haben etc.

Alles in allem ist es ein Buch, dass man gelesen habe sollte. Es eignet sich mit seinem ungewöhnlichen Thema und dem tollen Stil, auch herrlich für den Schulunterricht. Einfach um die junge Generation aufzurütteln und sie an ihre eigenen Großeltern denken zu lassen. Vielleicht kann man so für spätere Generationen etwas verändern. Wie gesagt, mein Daumen geht nach oben.

'''o0o NOCH EIN PAAR FAKTEN RUND UM DAS BUCH o0o'''
'''Buchfakten'''
Autor: Fiona McFarlane
Titel: Nachts, wenn der Tiger kommt
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (10. März 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3421046077
ISBN-13: 978-3421046079
Originaltitel: The Night Guest
Preis: € 19,99
Genre: Drama
Lesedauer: 2 Tage

'''Autorenportrait'''
Fiona McFarlane wurde in Sydney geboren, studierte an der dortigen Universität und promovierte an der University of Cambridge. Sie hat bisher Kurzgeschichten in namhaften Zeitschriften veröffentlicht, war Stipendiatin im Fine Arts Work Center in Provincetown, Massachusetts, im St. John’s College in Cambridge, England, und ist gegenwärtig am Michener Center for Writers der University of Texas in Austin. "Nachts, wenn der Tiger kommt" ist ihr erster Roman; er erscheint in mehr als einem Dutzend Sprachen. (Quelle: Buchangabe)

'''Zitierter Klappentext'''
Die betagte Ruth wohnt in einem entlegenen Haus am Meer. Seit dem Tod ihres Mannes ziehen ihre Tage gleichförmig dahin, allein vom Rhythmus der Wellen und dem Klang des Windes geprägt. Eines Tages steht eine vom Staat geschickte Pflegekraft vor der Tür. Die tüchtige Frida übernimmt schnell das Regime, sie kümmert sich um Geldangelegenheiten und die Medikamente, sodass die alte Dame das Haus gar nicht mehr verlassen muss. Langsam entgleitet Ruth das Gefühl für die Realität: Gegenstände verschwinden, ein leerstehendes Zimmer scheint bewohnt, nachts schleicht ein blutrünstiger Tiger durchs Haus … und ist Frida wirklich die, für die sie sich ausgibt?

'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''

Pro: Stil, Figuren, Schluss, Emotionen
Contra: Tiger manchmal nervig
Empfehlung: Ja
Sterne:5


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