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Rezension: Boy Nobody / Allen Zadoff

Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Ich liebe Thriller und spannende Bücher, egal ob für Erwachsene oder Jugendliche. Hier habe ich nur den Klappentext gelesen und mir gesagt: Das muss ich lesen. Genau nach meinem Geschmack. Deswegen habe ich nicht lange überlegt und bei Amazon zugeschlagen. Obwohl ich aktuell genug zum Lesen habe, musste ich mich sofort an das Buch setzen. Passend, dass ich zur Zeit erkältet bin, und eh den ganzen Tag mehr oder weniger chille. Freudig habe ich mich ans Lesen gemacht und muss ehrlich sagen: Ja, auch einfache Sätze können nerven.


'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
Er ist 16 Jahre alt, hat schon unzählige Namen gehabt, und wechselt die Orte, wie nicht mal der Nachwuchs eines Militär-Offiziers. Grund dafür ist die Tatsache, dass er im Alter von 12 Jahren rekrutiert wurde, und nach einer guten Ausbildung als Auftragskiller arbeitet. Er freundet sich mit netten Jungs und Mädchen in seinem Alter an, und wenn er sich in ihr Vertrauen geschlichen hat, erledigt er eins oder sogar beide Elternteile. Und er ist gut in seinem Job. Genau ein solcher Auftragskiller hat damals seine Eltern erledigt und dafür gesorgt, dass er rekrutiert, statt beseitigt wird.

Nach einem Auftrag, wo er den Vater perfekt eliminiert, wartet er auf seinen neuen Auftrag. Doch dieser ist nicht ganz so leicht, wie sonst. Hauptgrund dafür ist die Tochter des Opfers. Über sie soll er an die Zielperson gelangen, und schafft es auch problemlos sich mit ihr anzufreunden. Benjamin, wie er sich diesmal nennt, entwickelt nämlich Gefühle, die Samara auslöst, und die ihn daran hindern seinen Auftrag auszuführen. Doch eine Verzögerung oder ein Nichterfüllen kann er sich nicht leisten.

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
Boy Nobody“ ist ein Buch, welches anders ist, als alles, was ich bis dato gelesen habe. Einerseits positiv, auf der anderen Seite leider auch negativ.

Der Leser wird in die Welt von „Benjamin“ geworfen, der seit seinem 12 Lebensjahr als Auftragskiller arbeitet. Obwohl die Hauptfigur inzwischen schon 16 Jahre alt ist, ist es doch ungewohnt, einen so jungen Auftragskiller vor sich zu haben. Mit welcher Kälte er seinen Job erfüllt, ist erschrecken. Das wird schon recht früh deutlich, denn sein erstes Opfer lässt nicht lange auf sich warten.

ZITAT S. 12
Jacks Vater beugt sich vor und reicht mit eine Dose Cola. Im selben Moment ramme ich ihm die Kulispitze in den Unterarm. Der winzige Zylinder entleert sich und sofort setzt die Wirkung des Gifts ein. Jacks Vater sieht mich mit großen Augen an. Sein Mund zieht sich zusammen und formt ein W. Vielleicht will er warum fragen.

Obwohl ein so junger Auftragskiller schon ungewöhnlich ist, ist aber genau diese Idee, die mir so gut gefällt, denn die großen Versionen kennt man schon zu Genüge. Allerdings ist eine solche Idee auch viel schwerer umzusetzen. Wie kommt ein Junge dazu, wie wird sein Alltag realisiert und vieles mehr. Der Autor löst all dies sehr einfach und gar nicht schlecht. Via Rückblenden erfährt der Leser etwas über den Tod seiner Eltern, seine Kindheit und Ausbildung. Ausgeklügelte Apps und Geschichten sorgen für ein plausibles Alibi und ermöglichen ihn immer aufzutauchen, aber eben auch ohne Fragen unterzutauchen.

Die Frage, wie man selbst reagiert hätte, wenn die Eltern ermordet worden wären und man von den Mördern selbst als Killer ausgebildet werden soll, hat für mich zumindest eine kleine Bindung zu „Benjamin“ entstehen lassen. Hinterfragt man in diesem Alter solche Dinge? Eigentlich weniger. Möchte man überleben? Ich würde sagen, ja.

Doch irgendwie gelingt es mir trotz, dieser grundlegend spannenden Idee nicht, mit diesem Buch warm zu werden. Sonst bemängle ich stets komplexe und verschachtelte Sätze, aber auch diese Einfachheit kann nerven.

ZITAT S. 25
Ich sehe die Waffe an. Dann sehe ich ihm in die Augen. Eiskalt. Ich bin in Schwierigkeiten. In diesem Moment klingelt es. Das Smartphone in meiner Hand.

Manche Passagen sind auch länger, aber viele Sätze sind am Anfang eben so kurz gehalten. Es bessert sich zwar, sobald der Autor auf den eigentlich, alles verändernden Auftrag kommt, aber immer wieder verfällt er in dieses Staccato.

Abgesehen davon kann ich den plötzlichen Wandel seiner Persönlichkeit bzw. seiner Gefühle nie ganz nachvollziehen. Vier Jahre ist er distanziert, hat Spaß und weiß wann Flirten unangebracht ist, und trotzdem verzaubert ihn ein Mädchen, welches total anders ist als er, binnen weniger Seiten. So was ist alles möglich, aber dann sollten die Emotionen einfach authentisch vermittelt werden. Das gelingt dem Autoren jedoch gar nicht. Die anfängliche Verständnis verblasste recht schnell und ich hab immer wieder nur noch den Kopf geschüttelt. Gerade bei einer Ich-Perspektive sollten die Emotionen und Gedanken einfach greifbarer und plastischer sein. Das Problem ist eben der immer wieder sehr knappe Stil, wenn es um Schilderungen geht. Auch die recht kurzen Kapitel, die manchmal nur 2-3 Seiten lang sind, unterstützen dies. Dabei passiert eigentlich nicht viel. Während der erste Auftrag an dem man teilnimmt, nach nicht mal 10 Seiten erledigt ist, zieht sich dieser über 300 Seiten.

Einerseits ist das nicht schlecht. Ein Auftragskiller, der anfängt nachzudenken, regt ebenfalls zum Nachdenken an. Gerade Jugendliche werden so gefesselt und beschäftigen sich mit der Situation. Als Erwachsener kam bei mir hinzu, dass ich früh wusste, worauf das Buch hinauswill, eigentlich schon mit dem Klappentext. Jüngere Leser werden das vielleicht nicht so empfinden. Dadurch wird noch etwas mehr Spannung gekillt.

Letzten Endes ist es aber der Schluss, der das Buch bei mir persönlich ins Aus befördert. Ich muss mir im Grunde 300 Seiten anhören, wie ein junger Mensch endlich anfängt selbst zu denken und zu handeln, um dann am Ende wieder der Alte zu werden. Sind alte Muster nicht bekanntlich leichter. Das bietet zwar dem Autoren Spielraum für eine Fortsetzung, hat mir aber nicht so gut gefallen. Ehrlich gesagt ist es eins der wenigen Jugendbücher, wo ich sage, hier muss ich den zweiten Band nicht unbedingt lesen.

Alles in allem hat mich das Werk nicht vom Hocker gehauen, und dementsprechend kann ich dem Buch auch nur zwei drei Sterne geben. Die Idee ist nicht schlecht und hat stellenweise immer wieder dafür gesorgt, dass ich mich unterhalten habe, aber der größte Teil war eher langatmig und in meinen Augen nicht fesselnd genug umgesetzt.

'''o0o NOCH EIN PAAR FAKTEN RUND UM DAS BUCH o0o'''
'''Buchfakten'''
Autor: Allen Zadoff
Titel: Boy Nobody
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: bloomoon; Auflage: 1 (3. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3845800054
ISBN-13: 978-3845800059
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
Originaltitel: Boy Nobody
Preis: € 16,99
Genre: Jugend / Thriller
Lesedauer: 1 Tag

'''Autorenportrait'''
Allen Zadoff hat 2010 mit Food, girls and other things I can't have den Sid Fleischmann Humor Award gewonnen. Er lebt in Los Angeles, wo er an Boy Nobodys weiterem Schicksal arbeitet... (Quelle: Informationen aus dem Buch)

'''Zitierter Klappentext'''
Mit 12 Jahren wurde er rekrutiert, um tödliche Missionen zu „erledigen“. Mit 16 ist BOY NOBODY einer der Besten. Weil er keine Fehler macht. Weil er eiskalt ist. Weil er seine Zielobjekte schnell und effektiv aus dem Weg räumt. Seine aktuelle Mission ändert jedoch alles: Denn die Zielperson ist ganz und gar nicht, was sie scheint. Und sie kommt ihm gefährlich nahe. Zu nahe. Aber BOY NOBODY wird auch diesen Auftrag erfolgreich zu Ende bringen. Weil er einer der Besten ist. Weil er keine Fehler macht. Weil er eiskalt ist. Oder etwa nicht …?

'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''

Pro: Mord Schilderung, Rückblenden, Einstieg
Contra: Stil, Emotionen, Schluss
Empfehlung: Nein
Sterne:3

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