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Nummer drei / Nicolas Lake

Bei Amazon Vine habe ich wieder meiner Leselust etwas Gutes getan. Wie ihr wisst, liebe ich Jugendbücher über alles, und dementsprechend musste ich mir dieses Buch einfach holen. In Zeiten von „Bis(s)“ und Co fand ich die Idee einmal wieder ein Buch zu lesen, dass sich mit einer sehr realen Liebesgeschichte befasst, einfach klasse. Afrikanische Piraten sind zudem ein Thema, dass oft genug in der Presse vertreten ist. Also alles enthalten, was die Lust am Lesen weckt. Warum mir das Buch jedoch so gar nicht gefallen hat, verrate ich euch nun.


'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
Amy ist 17 Jahre alt und muss zusammen mit ihrem Vater und dessen neuer Frau auf eine Weltreise gehen. Mit einer teuren Yacht möchte er ihr die Welt zeigen, sich einen Traum verwirklichen und sie auf andere Gedanken bringen. Seit dem Tod ihrer Mutter und der neuen Stiefmutter scheint Amy nicht mehr die Selbe zu sein. Sie rebelliert mit Piercings, Zigaretten und Alkohol. Sogar die Schule nimmt sie nicht ernst und nimmt es im Kauf von den Abschlussprüfungen ausgeschlossen zu werden. Von Anfang an hat sie keine Lust auf diese Reise, muss aber mit bis sie 18 ist. Sie liegt nur faul in der Sonne rum, hasst ihre Stiefmutter, denkt an alte Zeiten und hört Musik. Alles ändert sich jedoch, als sie zwischen Somalia und dem Jemen entlang müssen. Bekanntlich treiben hier gerne Piraten ihr Unwesen, und so müssen alle auf den Notfall vorbereitet werden. Sie scheinen Glück zu haben, denn weit und breit ist nur ein großer Tanker zu sehen. Was sie jedoch nicht wissen, dieser Tanker ist das Mutterschiff einer Piratencrew, die sie kurze Zeit später angreift. Sie entern das Boot und nehmen die gesamte Crew als Geiseln, um ja ein hohes Lösegeld fordern zu können. Damit nichts schief geht, werden die Geiseln freundlich behandelt und mit allem nötigen versorgt. Sie zeigen aber auch, dass sie bereit zum Töten sind und legen nie ihre Waffen aus der Hand. Die Passagiere werden von nun an nur noch mit Nummern angesprochen, damit keine persönliche Bindung entsteht. Lediglich einer der Piraten, der junge Farouz scheint anders zu sein. Amy freundet sich heimlich mit ihm an und verliebt sich sogar in den außergewöhnlichen Jungen, dem sie vom Tod ihrer Mutter erzählen kann und der ihr von seinem Bruder im Gefängnis erzählt. Im Hintergrund wird die Situation immer brenzliger und Amy gerät in tödliche Gefahr.

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
Nicholas Lake greift ein Thema mit seinem Debüt Thriller „Nummer 3“ auf, welches eher selten in Büchern zu finden. Es geht um die Piraterie vor der Küste Afrikas, die viele aus den Medien kennen. Ob es jedoch ein Thema ist, welches wirklich als Jugendthriller geeignet ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. In Kombination mit älteren Protagonisten hätte das Werk zumindest eine andere Intensität / Aussagekraft gehabt. Nichtsdestotrotz war es ein Thema, welches mich interessiert und neugierig gemacht hat.

Der Einstieg in das Buch beginnt mit einem Prolog, der nicht besser hätte gewählt werden können. Mitten auf dem Boot muss man erleben, wie die Hautpfigur, also Amy, als Opfer ausgewählt wird, um zu zeigen, dass es den Piraten ernst ist. Ihre Panik ist so spürbar beschrieben worden, dass es eine wahre Freude ist, sie zu lesen.

Und wenn Farouz bereit ist, den Befehl auszuführen? Mit leicht zitternder Hand richtet Farouz die Waffe auf mich. (ZITAT S. 11)

Mit Ende des Prologs endet in meinen Augen jedoch auch die Spannung oder besser gesagt die Verbindung, die ich bei diesem Werk anfänglich spürte. Als Leser wird man zurück nach England geworfen, um die Hauptfigur in ihrem täglichen Umfeld kennenzulernen, aber auch um die Hintergründe für die Reise besser nachvollziehen zu können. Eigentlich ein Anfang, der mir sonst sehr gut gefällt und Lust macht den Weg zum Prolog zu verfolgen. Allerdings setzt der Autor auf eine Protagonistin, die mir von der ersten Sekunde gänzlich unsympathisch war. Manchmal sind einfache Hintergründe besser, als die komplexen, wie es der Nicholas Lake hier gewählt hat. Unter dieser Voraussetzung haben Bücher in der Regel schon so gut wie verloren. Amy ist eine Persönlichkeit, die noch stark unter dem Tod der Mutter leidet. Statt eines einfachen Todes, wird von Anfang an klargestellt, dass die Mutter mit ihrem Leben überfordert war, in psychiatrischer Behandlung befand und ihr Tod alles andere als natürlich war. In Kombination mit einem viel beschäftigten Vater, der nicht lange braucht um eine neue Frau an seiner Seite zu akzeptieren, entwickelt sich Amy zu einer Rebellin. Auf der einen Seite verständlich, aber auf der anderen Seite wirkt sie dadurch wie ein 7 jähriges Kind, statt wie 17. Wunden und Schock hin oder her, jeder geht mit dem Tod anders um, und daher ist es schwer zu sagen, ob sie übertrieben reagiert oder warum sie in dem Alter nicht in der Lage ist sich für 5 Minuten in ihren Vater hineinzuversetzen. Jedoch rebelliert sie in meinen Augen sehr kindisch. Sie setzt auf Piercings und Rauchen bei der Abschlussprüfung, um Ärger zu bekommen, ist aber schockiert, als sie von der Prüfung ausgeschlossen wird und sozusagen ohne Abschluss da steht. Auch später provoziert sie bestimmte Situationen, und ist am Ende überrascht, dass es so gekommen ist. Stellenweise hat sie mich echt wütend gemacht. Es sind nur Kleinigkeiten, aber wenn etwas stört, dann fällt es doch ins Gewicht.

Abgesehen davon wirkt die Geschichte generell sehr konstruiert. Eine Weltreise zu planen, eine erfahrene Mannschaft zu haben, und trotzdem eine Reiseroute zu wählen, die erst vor Ort auf Gefahren angesprochen wird, wirkt doch etwas naiv. Vor Ort wird alles abgedunkelt, weil um die Gefahren gewusst wird, aber die Frage, warum sie direkt in der Mitte und nicht näher zum Jemen fahren, wird nicht geklärt. Genauso wie der Aspekt mit dem großen Schiff, die Mannschaft weiß viel über Piraten, aber nicht das sie auch Mutterschiffe nutzen? Nun gut, irgendwie muss die Geschichte sich entwickeln und manchmal fällt keine bessere Lösung ein. An Bord selbst wird die Geschichte etwas interessanter, denn die Piraten wollen der Crew wegen dem Geld kein Haar krümmen, sondern kümmern sich ausgesprochen freundlich um sie. Sogar Diebesgut muss zurückgegeben werden. Während die anderen Figuren eher böse beschrieben werden, merkt man sofort, dass Farouz anders ist und dadurch einen guten Draht zu Amy hat. Damit wird Amy regelmäßig in das Leben von Farouz, aber auch von der Märchenwelt, die er zu erzählen hat, entführt. Sie kann sich ihm öffnen und es kommen Einblicke, die manches erklären, aber leider nicht alles, sodass sich meine Einstellung ihr gegenüber auch nicht im Verlauf ändert.

Trotz der Liebesgeschichte und der Märchenabschweifungen wird die Piratencrew nie aus den Augen verloren und immer wieder kommen spannende Höhepunkte. Mit Sicherheit ist diese Mischung nicht verkehrt, aber dadurch verliert das Buch an Realität und Ernsthaftigkeit. Vergleicht man diese Entführung einmal mit dem, was Menschen in TV-Interviews berichten, wirkt es hier manchmal eher wie ein Kaffeekränzchen mit Entführern. Da können die spannenden Momente nichts herumreißen.

Im Grunde hat das Buch ehrlich gesagt stellenweise genervt, aber manchmal fand ich es auch faszinierend, sodass ich es zu Ende lesen musste. Am Ende habe ich mich jedoch gefragt, warum ich es gemacht habe. Der Schluss wird sehr rasant umgesetzt und man versucht durch ein paar Dinge, die Sache noch realistischer zu gestalten. Manchen wird es gefallen, ich fand es überflüssig.

Alles in allem ist es ein Buch geworden, welches von der Thematik, die sich nach dem Lesen nicht nur auf Piraterie des 21 Jahrhunderts beschränkt, sondern auch mit Verlustbewältigung, überzeugen kann, die jedoch alles andere als gut umgesetzt wurde. Ich kann euch das Buch leider nicht empfehlen.

'''o0o NOCH EIN PAAR FAKTEN RUND UM DAS BUCH o0o'''
'''Buchfakten'''
Autor: Nicholas Lake
Titel: Nummer 3
Broschiert: 368 Seiten
Verlag: ivi (17. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492703062
ISBN-13: 978-3492703062
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Hostage Three
Preis: € 14,99
Genre: Jugendbuch / Thriller
Lesedauer: 3 Tage

'''Autorenportrait'''
Im Buch steht lediglich, dass der Autor aus England kommt und dort als Autor und Lektor tätigt ist. „Nummer 3“ ist sein erster Thriller.

'''Zitierter Klappentext'''
"Nummer Drei ist die nächste", bellt der Mann mit der Waffe im Anschlag. Die junge Amy und ihre Famile sind in seiner Gewalt, seit ihre Yacht vor der Küste von Piraten geentert wurde. Nun tragen die Geiseln keine Namen mehr, nur noch Nummern, damit es leichter fällt, sie zu töten. Nummer Drei ist die nächste. Und Amy ist Nummer Drei ... Das hochintensive und aufrüttelnde Debüt des britischen Thrillerautors Nicholas Lake. Bislang war Amy die Tochter eines reichen Bankers, die gemeinsam mit ihren Eltern zu einem langweiligen Segeltörn aufbrach. Doch jetzt ist sie "Nummer Drei" - eine Geisel in der Gewalt von Piraten. Vor der Küste Somalias haben sie Amys Yacht geentert und die gesamte Besatzung gefangen genommen. Damit zwischen Piraten und Geiseln keine emotionale Beziehung entsteht, werden allen Passagieren Nummern gegeben. Amy wird Geisel Nummer Drei - doch das verhindert nicht, dass sie sich ihrem Bewacher, dem jungen Farouz annähert. Damit bringt sie sich in Lebensgefahr und beschwört eine Katastrophe herauf … (Quelle: Amazon.de)

'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''

Pro: Thema, Prolog
Contra: Umsetzung, Hauptfigur, unrealistische Umsetzung
Empfehlung: Nein

Sterne: 2

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