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Das Abenteuer des Leutnant Prentjes / Erich Danneberg

Und wieder eins weniger. Das war mein erster Gedanke, als ich mich mit diesem Buch in die Wanne gelegt habe. Von einer befreundeten Autorin hatte ich vor zwei Jahren mehrere Buchpakete mit alten Schmökern geschenkt bekommen. Es gibt viele tolle Werke dazwischen, aber ich muss zugeben, dass es auch viele Bücher gibt, die ich angefangen habe, und am Liebsten im Kamin verbrannt hätte. Und ich bin froh, wenn ich endlich alle gelesen habe. Dieses Exemplar war zumindest ein Jugendbuch und somit interessant. Was die Kids in den 60er Jahren gelesen haben, möchte ich euch nun vorstellen.


'''o0o Worum geht es o0o'''
Leutnant Prentjes muss dringend mit einer militärischen Nachricht nach New York. Mit dem Schiff macht er sich auf den Weg, aber unterwegs kommen die ersten Probleme auf. Der Fluss gefriert und bevor sie das offene Meer erreichen können, müssen sie sich durch das Eis kämpfen. Dadurch wird das Schiff beschädigt und die Mannschaft muss ums Überleben kämpfen. Als ein Sturm aufkommt, ist alles vorbei. Prentjes kann sich mit einigen Leuten retten und strandet auf einer einsamen Insel. Sie müssen im eiskalten Schneesturm um ihr Leben kämpfen. In dieser Nacht stirbt schon die erste Person. Am nächsten Morgen hat sich der Sturm gelegt und erleichtert stellen alle fest, dass die Mannschaft an Bord noch lebt. Mit der Ebbe waten sie ans rettende Ufer, sammeln Lebensmittel ein, und bauen eine notdürftige Hütte. Lange können sie jedoch mit diesen Mitteln nicht überleben und wer weiß, wann ein Schiff sie dort findet. Nach einigen Sturmnächten und weiteren Toten, macht sich Prentjes mit einigen anderen auf den waghalsigen Weg. Sie reparieren das kleine Rettungsboot und machen sich auf den Weg. Unterwegs wird jedoch schnell klar, auch hier sind sie nicht vor Stürmen, Kälte und dem ständigen Hunger sicher. Irgendwann ist das Boot nicht mehr zu gebrauchen und die Lebensmittel aufgebraucht. Prentjes muss sich eingestehen, dass sie es nicht schaffen. Ihnen bleibt nur die Hoffnung, dass irgendein Schiff zumindest ihre Freunde gerettet hat, denn auch dort ist der Proviant inzwischen aufgebraucht.

'''o0o Meine Meinung o0o'''
In dem vorliegenden Buch geht es um Leben, Überleben und den Kampf mit der Natur. Für junge Leser ermöglicht das Buch zu erlernen, wie man Angst überwindet und innere Stärke aufbaut. Interessant und das auch noch viele Jahre später.

Der Klappentext selbst versprach ein spannendes Abenteuer, welches mich irgendwie leicht an die Schatzinsel oder andere Abenteuerbücher auf dem Meer erinnert. Als Kind habe ich sie verschlungen, und so war ich auch sofort in dieser Geschichte. Doch statt die Zusammenhänge von Anfang an verfolgen zu können, wird der Leser mit der Strandung der ersten Überlebenden ins Geschehen geworfen. Wer sind die Figuren, wie ist es zu dieser Strandung gekommen, wo befindet man sich, in welcher Zeit spielt das Buch. Ich persönlich fühlte mich arg verwirrt, und kann mir vorstellen, dass gerade Jugendliche ebenfalls ihre Probleme mit diesem Einstieg haben. Später werden einige dieser Fragen mit Rückblenden oder auch durch Unterhaltungen und Gedanken geklärt, aber eine geradlinige Erzählung wäre in diesem Fall deutlich einfacherer gewesen.

Abgesehen davon hatte ich persönlich deutliche Schwierigkeiten mit den Figuren. Obwohl sie charakterlich sehr klar definiert wurde, hat der Autor bei der äußerlichen Beschreibung zu viel eingespart. An Hand der Zeichnungen soll der Leser ein besseres Bild bekommen, aber eine Beschreibung hätte ich persönlich praktischer empfunden. Bei manchen Szenen hatte ich zum Beispiel das Gefühl, dass Leutnant Prentjes 40-50 Jahre alt ist. Bei anderen Schilderungen wurde mir plötzlich ein 20-25 jähriger Mann präsentiert. Bei anderen Figuren war dies offensichtlicher, dafür aber nicht was die äußeren Merkmale betrifft. Man merkt, dass der Autor als Psychologe beschreibt. Innerlich, aber Äußerlichkeiten scheinen im gleichgültig zu sein.

Auch sonst hatte ich oft das Gefühl, dass der Autor wirklich nur versucht diese psychologischen Aspekte in einer halbwegs spannenden Geschichte zu verpacken. Man merkt, er hat sich Gedanken bezüglich des Grundgerüstes gemacht und versteht mit Worten umzugehen, aber er vergisst einfach zu viele Aspekte.

So standen sie da im leichten Schneetreiben und schlugen auf ihre Gefährten ein, zwei menschenfreundliche Prügler, die sich und die anderen am Leben erhalten wollten. (Zitat S. 15)

Er lässt sich authentische Situationen und Lösungen einfallen, wie ihr an dem Zitat erkennen könnt. Die Gefährten mit dünnen Ästen hauen, um selbst in Bewegung zu bleiben und das Blut der anderen zu erwärmen, würde nicht jedem einfallen. Aber leider sind es nur wenige Situationen, wo er sich auf die Geschichte wirklich einlässt. Mag sein, dass sich viele junge Leser früher nie Gedanken gemacht haben, aber mir kommen einfach zu viele Fragen und fehlende Aspekte auf.

Zum Beispiel geht der Autor regelmäßig auf den Hüttenbau, die rationierten Vorräte, Feuer und Reparaturmöglichkeiten ein. Was der Autor jedoch mit keinem Wort erwähnt, und mir einfach fehlt, ist das Trinken. Kochen sie es sich ab, nehmen sie Schnee, sammeln sie es so... Trinken ist wichtiger als Essen und aufs Essen wird fast alle 2-3 Seiten eingegangen. Trinken so wenig, dass ich mich nicht mal daran erinnern kann, ob es nicht doch einmal erwähnt wurde.

Was mich jedoch noch mehr störte, als die Wasserproblematik, ist die Logik rund um die Rettung. Da das Buch Krieg mit England erwähnt, gehe ich davon aus, dass es ca. 1812 spielt. Auch damals gab es schon genügend Landkarten und gerade erfahrene Seefahrer kennen sich mit den Gewässern auf denen sie Schippern aus. Und auch wenn man sich in einem Sturm befindet, weiß man grob an Hand der Sterne, wo man sich befindet. Zumindest, wenn man an der Küste entlang fährt von Kanada nach New York. Selbst wenn man grob die Orientierung auf dem Wasser verliert, kann jeder Seebär an Land sich orientieren oder weiß von ruhigen Tagen, auf welcher Insel er gestrandet ist. Hier wird so getan, als hätten sie fremdes Land entdeckt und erst zum Schluss, wo sie dem Tode nahe sind, erkennen sie, auf welcher Insel sie sich befinden. Tut mir leid, aber das ist doch haarsträubend.

Der Schluss selbst ist so gestaltet, dass die jungen Leser nicht allzu traurig aus dem Buch herausgehen. Es wurde zwar realistisch gehalten und nicht jeder überlebt, aber irgendwie klingt es im Vergleich zu vorher so rasant, da auch dort mit Rückblenden gearbeitet wird.

Alles in allem ist dem Autoren kein schlechtes Buch gelungen. Es ist spannend, weißt aber in meinen Augen einige Schwächen auf. Gerade die manchmal doch blassen Figuren, die nur durch ihre Charakter wirklich unterschieden werden können, und die doch etwas haarsträubende Situationen sorgen dafür, dass man sich als Leser leicht verschaukelt fühlt. Gerade unter dem Aspekt, dass mein Vater auch zur See gefahren ist, weiß ich, dass dies doch recht unrealistisch dargestellt wurde. Dementsprechend fällt leider meine Bewertung nicht so positiv aus, wie ich anfänglich erwartet hatte. Ich hoffe, ihr könnt meine Meinung nachvollziehen.

'''o0o Noch ein paar allgemeine Daten, etwas zum Autoren, Klappentext o0o'''
Autor: Erich Danneberg
Titel: Das Abenteuer des Leutnant Prentjes
ASIN: B00EFKJTGC
Verlag: Trio
Preis: € 4,00
Genre: Abenteuer / Kids
Lesedauer: 2

Erich Danneberg ist ein Pseudonym. Der Autor wurde 1922 in Wien geboren. Ehe er nach dem Weltkrieg mit dem Studium der Psychologie begann, schlug er sich mit Arbeiten als Buchhändler, Lektor oder Übersetzer über Wasser.



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