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Unschuldslamm / Judith Arendt

Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Vor einigen Wochen bekam ich eine Büchersendung ausgeliefert. Als Buchflüsterer durfte ich wieder für Buecher.de ein Buch vorab rezensieren. Der Klappentext des Krimis klang interessant, und eigentlich hätte ich gerne sofort angefangen zu lesen. Im Buch selbst fand ich jedoch den Hinweis, dass das Buch erst am 4.1.2014 erscheinen sollte. Dementsprechen hatte ich noch ganz viel Zeit, und das Buch erst einmal etwas liegen lassen. Nachdem ich jedoch erkältet vor dem Kamin lag, und dieses Buch in Reichweite war, habe ich es mir geschnappt.

'''o0o Worum geht es o0o'''
Ruth Holländer wird 50 Jahre alt, und hat sich eigentlich wieder gut im Griff. Nach der Trennung ihres Mannes, und dem Auszug von Sohn Lukas, muss sie sich nur noch um ihr Bistro und ihre 16jährige Tochter kümmern. Eigentlich ist alles gut, bis sie eines Tages einen Brief vom Amtsgericht bekommt. Da an diesem Tag schon alles schief gelaufen ist, kann dies nur noch die Krone sein. Und tatsächlich ist sie es auch. Ruth wurde als Schöffin berufen. Lust hat sie keine, doch als der Tag der ersten Verhandlung da ist, muss sie wohl oder übel hingehen. Verhandelt wird ein Fall, mit dem sie so gar nicht gerechnet hätte. Es ist die Ermordung einer 16jährigen Kurdin, die in die Schule ihrer Tochter ging. Verdächtigt und angeklagt ist ihr älterer Bruder, der bei seiner Schwester war, als die Polizei eintraf. Doch Ruth kann sich nicht vorstellen, dass der junge Mann seine Schwester auf dem Gewissen hat. Es gibt viel zu viele Ungereimtheiten, und dementsprechend ist sie über jedes neue Indiz froh. Doch was ist damals passiert? Die junge Kurdin war mit einigen Freunden am See, hatte gefeiert, getrunken und war auf dem Rückweg. Eine Stunde fehlt jedoch bei den Ermittlungen. In dieser Zeit war sie bei ihrem Freund Vali, was allerdings niemand weiß, denn seine Mutter hat sie abgrundtief gehasst, und Vali verboten dies mitzuteilen. Als dies vor Gericht herauskommt, werden noch weitere Dinge aufgedeckt, und bald ist klar, dass mehr hinter diesem Mord steckt.

'''o0o Meine Meinung o0o'''
Unschuldslamm“ ist ein Krimi der besonderen Art. Die Autorin Judith Arendt setzt bei ihrem ersten Kriminalroman rund um die Schöffin Ruth Holländer auf ein brisantes Thema. Es geht um Eingliederung, fremde Kulturen und Ehrenmord. Ein Blick in die Zeitungen zeigt, dass sie aktueller hätte nicht sein können. Damit trifft die Autorin nicht nur den Nerv der Zeit, sondern auch noch meinen Geschmack. Zumindest in der Theorie.

Der Einstieg beginnt mit einem Tag mitten in den Sommerferien. Der Leser lernt eine selbstbewusste und doch naive, junge Frau kennen, die mit ihren Eltern in der Türkei ist, und trotz vieler Hinweise nicht versteht, das sie verheiratet werden soll. Der Leser gewinnt durch diesen Einstieg den Eindruck, dass hier eine Familie zu erwarten ist, die noch an alten Traditionen festhält und für die ein solcher Ehrenmord ein Selbstläufer wäre. Eigentlich ein guter Einstieg für einen Prolog, der durch den Wechsel zu Ruth Holländer noch gelungener wirkte. Nach einem kurzen Kennenlernen, der doch etwas chaotischen Mutter, geht es auch schon zum Gericht. Doch anstatt konsequent die Gerichtsverhandlung aus Sicht von Ruth zu verfolgen, muss der Leser immer wieder Sprünge in Kauf nehmen. Neue Kapitel werden zwar sichtbar gekennzeichnet, sodass man zumindest Ort und Zeitpunkt erkennt, allerdings trifft dies nicht auf die Figuren zu. Mal begleitet der Leser Vali, Ruth oder eine Freundin der Toten. Manchmal geht es auch zurück in die Vergangenheit und der Leser darf die lebendige Kurdin auf ihren letzten Minuten begleiten. Besser gekennzeichnet wäre dies auch kein Problem. So empfand ich es jedoch wie die Hauptfigur – chaotisch. Man kommt zwar hinein, aber eine klarere Trennung hätte das Lesen ungemein erleichtert.

Durch diese Umsetzung wurde dem Buch in meinen Augen eine große Portion an Spannung genommen. Erwartet hatte ich an Hand des Klappentextes eine spannende Gerichtsverhandlung, die einen Fall verhandelt, und durch eine unkonventionelle Schöffin den wahren Täter zur Strecke bringt. Obwohl Ruth mit Sicherheit nicht unsympathisch ist, kommt sie in meinen Augen nicht so zur Geltung, wie es der Klappentext erhoffen lässt. Zusätzlich sind die nebensächlichen Erzählungen rund um die gescheiterten Beziehungen ihres Mannes, ihre Arbeit im Bistro oder ähnliches alles andere als erheiternd oder spannungsaufbauend, sondern irgendwie langatmig. Gerade dieser private Anteil ist bei vielen Kriminalromanen das A und O, und sorgt für Lesevergnügen. Doch hier hat er eher das Gefühl hervorgerufen, das ich umblättern wollte, und ehrlich gesagt hätte man an den meisten Stellen auch nichts verpasst.

Nimmt man nun einmal den Kriminalroman und betrachtet lediglich den Fall, dann hat die Autorin es theoretisch nicht schlecht gemacht. Das liegt aber nicht an der Ermittlung, sondern am Schluss, denn die Autorin wählt eine Auflösung, die für meinen Geschmack überraschend kam und mich befriedigt hat. Die Ermittlung selbst ist jedoch eine kleine Katastrophe. Geschmäcker gehen hier auseinander, aber in diesem Fall hat es wenig mit Ermittlung zu tun, sondern im Grunde nur mit Zufällen. Ein Sohn, der bei seiner Aussage lügt; eine Freundin, die ein schlechtes Gewissen hat und vieles mehr. Bei einem Krimi will ich für meinen Teil keine Zufälle, sondern zum Beispiel ein schlampiges Detail entdecken oder Widersprüche beim Verhör. Außerdem hatte ich mir persönlich mehr Ermittlungsarbeit seitens der Schöffin gewünscht. Ich habe keine vergleichbare Lektüre, die ich in all meinen Jahren gelesen habe, aber irgendwie hatte ich erwartet, dass sie zur Hobbydetektivin wird.

Einziger Pluspunkt, der mich auch ans Buch gefesselt hat, war eben die Suche nach dem wahren Täter. Alles in allem ist der Autorin sicherlich kein schlechtes Buch gelungen, und mit ihrer Umsetzung wird sie so manchen Leser gewinnen. Mich konnte sie nicht überzeugen, und ich hoffe, dass sie im nächsten Fall endlich selbst Initiative ergreift und zu einer kleinen Hobbyermittlerin wird, die mehr zu den Fällen beiträgt.

'''o0o Noch ein paar allgemeine Daten, etwas zum Autoren, Klappentext o0o'''
Autor: Judith Arendt
Titel: Unschuldslamm: Der erste Fall für Schöffin Ruth Holländer
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (4. Januar 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548285643
ISBN-13: 978-3548285641
Preis: € 9,99
Genre: Krimi
Lesedauer: 1Tag

Judith Arendt ist das Pseudonym einer erfolgreichen Krimi-Autorin. Sie schreibt gelegentlich Drehbücher für deutsche Fernsehserien und sieht umso lieber amerikanische. Ihre Leidenschaft gilt dem Kriminalroman, insbesondere dem skandinavischen und britischen. Judith Arendt lebt mit ihrer Familie seit einigen Jahren in der Nähe von München. (Quelle: Amazon.de)

'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''

Pro: Idee, Schöffin als Hauptfigur, Thematik
Contra: Szenenwechsel, Einstieg, Umsetzung
Empfehlung: Nein
Sterne: 2


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