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Golem und Dschinn / Helene Wecker

Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Wie ihr wisst, bin ich immer auf der Suche nach guten Werken, die noch eher unbekannt sind, oder von denen ich sonst bei anderen Bloggern noch gar nicht so viel gelesen habe. Das Buch welches ich euch nun vorstellen möchte, ist ein solches Exemplar. Mehr durch Zufall habe ich es entdeckt, und lange überlegt, ob ich mich daran wagen soll, da mich zur Zeit Fantasy nur in ganz bestimmten Ausnahmefällen reizen kann. Zudem hatte das Buch doch sehr viele Seiten und ich im Moment so viel zu lesen. Nichtsdestotrotz siegte die Neugier und ich habe es nicht bereut. Mit Freude darf ich euch nun „Golem und Dschinn“ vorstellen.

'''o0o Worum geht es o0o'''
Es ist das Jahr 1899, als Otto alles verliert. Talent für das Geschäft seiner Eltern hatte er noch nie, und so nimmt er sein letztes Geld lässt sich damit einen Golem anfertigen. Der Golem soll eine weibliche Persönlichkeit haben, intelligent und neugierig sein. So wie seine verstorbene Schwester. Sie soll seine Freundin werden und ihn nach Amerika begleiten, denn sonst hat der hagere Otto keine Chance bei Frauen. Der Golem entsteht und gemeinsam tritt er mit dem noch leblosen Wesen die Reise von Polen nach Amerika an. Auf seiner Reise soll er den Golem noch nicht erwecken. Doch als es ihm auf der Reise plötzlich sehr schlecht geht, setzt er sich über diese Anweisung fort. Ihm ist nicht klar, dass er einen Blinddarmdurchbruch hat und in wenigen Stunden sterben wird. Der Golem jedoch muss von nun an ohne ihren Herren und seine Wünsche zurecht kommen. In New York angekommen muss sie vom Schiff fliehen und findet bei einem Rabbi unterschlupf. Er nennt sie Chava und versucht der Frau aus Lehm und Ton zu helfen. Zeitgleich wird Ahmad aus seiner Gefangenschaft befreit. Der wurde vor vielen, vielen Jahren von einem Hexer verzaubert und in eine Kupferflasche verbannt. In menschlicher Gestalt landet er im heutigen Manhatten und hilft seinem Meister in der Schmiede. Zwei einsame Menschen, die nicht auffallen dürfen. Und so ist es nur eine Frage der Zeit bis sich ihre Wege kreuzen. Sie verstehen sich von Anfang an und gemeinsam versuchen sie aus der Situation das Beste zu machen. Doch die Ruhe ist nicht von langer Dauer, denn ein mächtiger Feind hat einen mehr als üblen Plan. Gemeinsam müssen die zwei etwas tun und eine Entscheidung treffen, die ihr Schicksal zu sein scheint.

'''o0o Eine kleine Leseprobe o0o'''
Neugierig geworden, dann dürft ihr hier schon einmal einen Blick ins Buch werfen und eure Neugierde vielleicht noch etwas mehr steigern.

http://www.amazon.de/gp/product/3455403670

'''o0o Meine Meinung o0o'''
Ein eher historisch angehauchter magischer Roman mit einem Golem und einen Dschinn? In meinen Augen spricht dies schon für ein eindrucksvolles Leseerlebnis und dementsprechend sind meine Hoffnungen, genau wie die vieler anderer Interessenten hoch gewesen. Vorab sei euch schon verraten, meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Helene Wecker erschafft eine authentische Welt, die den Leser auf faszinierende Weise ins Jahr 1899 entführt. Liebevolle Details und bemerkenswerte Figuren sorgen nicht nur für ein lebendiges Kopfkino, sondern auch für ein besseres Verständnis dieser längst vergangenen Tage. Doch bevor sich die Autorin wirklich den Schauplätzen widmet, legt sie ihr Augenmerk auf eine brillante Einführung der Protagonisten. Während einige den langsamen Einstieg bemängeln, finde ich dies ausgesprochen glücklich gewählt. Immer abwechselnd begleitet der Leser Chava bei ihrer Entstehung und der Ankunft in Amerika, sowie Ahmad mit seinen Erinnerungen und seiner ersten Zeit in Amerika. Zwei wunderschöne, einfühlsame Geschichten, die mit der Zeit zu einem Handlungsstrang verbunden werden. Durch diese Umsetzung hat der Leser alle Zeit der Welt, um beide Figuren kennen und lieben zu lernen, denn obwohl sie nicht menschlich sind, sind ihre Charakterzüge sehr menschlich. Wer sie nicht gleich in sein Herz schließt, sollte es lieber lassen, denn darauf beruht in meinen Augen die Bindung zum Buch.

Die Geschichte selbst setzt auf eine Magie wie in 1001 Nacht und hält in diesem Fall den Leser vom Schlafen ab. Wer nun einfach eine zauberhafte Geschichte mit fantasievoller Ausrichtung oder gar Horror erwartet, dem sei gesagt, dass beides nicht wirklich vorhanden ist. Im Grunde könnten Chava und Ahmad auch zwei normale Menschen sein. Nur durch diesen Aspekt wirkt das ganze noch eine Spur netter Verpackt. Im Grunde, zumindest wenn man sich auf die Worte zwischen den Zeilen einlässt, wird man eine spannende und traurige Geschichte rund um Moral und Verantwortung entdecken. Sie regt somit den Leser zum Nachdenken ein.

Selbst wenn sich der Leser nicht auf diese Schiene einlassen möchte, findet er auch so eine unglaubliche Handlung, die sich mit den geschichtlichen Aspekten der Einwanderung und dem Umschwung in die Neuzeit auseinandersetzt, aber zeitgleich zwei, den meisten völlig fremde Religionen, anschaulich einbindet und neue Blickwinkel ermöglicht.

Obwohl ich schon seit 24 Jahren Bücher verschlinge und ich in all den Jahren so manches Buch gelesen habe, muss ich sagen, dass Helene Wecker mit ihrem „Golem und Dschinn“ etwas erschaffen hat, was bis dato nur wenigen Autoren gelingt. Sie schafft es mit einer kleinen Geschichte zu fesseln. Sie braucht kein Blut, keine Liebe, keine Leiche oder ähnliches, wobei es natürlich auch in gewisser Weise vorkommt. Ohne ins wirklich kleinste Detail zu gehen trifft sie alles auf den Punkt. Ihr Stil erinnert mich an einen gut komponierten Song der zeitlos ist und Potenzial zum Ohrwurm hat. Die Melodie trägt einen fort und man muss einfach mitsingen (weiterlesen). Klingt kitschig, aber das war mein erster Gedanke, als ich das Buch am Ende aus der Hand gelegt habe. Gerade bei „so vielen“ Seiten, ich persönlich bevorzuge um die 400 Seiten, passiert es leicht, dass der Autor sich am Anfang oder in der Mitte zu Abschweifungen verleiten lässt, die das Buch strecken. Das ist hier jedoch nicht der Fall.

Eine konstante Spannung ist immer präsent und wird von vielen Gefühlen, wie Angst um die Protagonisten begleitet. Ohne das man weiß, wie einen geschieht, ist man irgendwann am Ende und merkt: Nur noch 50 Seiten. Nach dieser Eingebung liest man diese noch viel genauer und saugt jedes Wort nur so in sich auf. Zumal es ein Schluss ist, der zumindest mich berührt hat.

Alles in allem ist der Autorin eine traumhafte Lektüre im wahrsten Sinne des Wortes gelungen, und wer sich für diese Art von Magie interessiert und auch gerne historische Aspekte in seinen Werken vorfindet, der sollte nicht lange überlegen, auch wenn das Buch deutlich teurer ist, als die meisten klassischen Bücher.

'''o0o Noch ein paar allgemeine Daten, etwas zum Autoren, Klappentext o0o'''
Autor: Golem und Dschinn
Titel: Helene Wecker
Gebundene Ausgabe: 623 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe (16. August 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3455403670
ISBN-13: 978-3455403671
Preis: € 24,99
Genre: Fantasy
Lesedauer: 4 Tage

Helene Wecker wuchs in der Nähe von Chicago auf. Sie studierte Kreatives Schreiben an der Columbia University in New York. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter bei San Francisco. Golem und Dschinn ist ihr erster Roman. (Quelle: Amazon.de)


'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''

Pro: Stil, Figuren, Cover, Idee,
Contra: teuer
Empfehlung: Ja
Sterne: 5 Sterne


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