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Das Dornenhaus - Lesley Turney

Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Es gibt Bücher, die möchte ich unbedingt sofort lesen, während ich mir andere gerne aufspare. „Das Dornenhaus“ gehört zur ersten Kategorie. Ich liebe Bücher die in der Vergangenheit spielen und alte Geschehnisse aufdecken. Obwohl es einige negative Stimmen gab, habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Wie es mir nun gefallen hat, möchte ich euch nun verraten.

'''o0o Worum geht es o0o'''
Hannah ist eine erwachsene Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. Sie arbeitet in einem Museum und ist eigentlich zufrieden mit ihrem Leben. Als sie jedoch eines Tages ihre Freundin Ellen Brecht plötzlich vor sich im Museum stehen sieht, bricht sie zusammen. Sieht sie schon Geister, steht ein neuer Nervenzusammenbruch an? Hannah ist verwirrt, denn Ellen, ihre beste Freundin in Kindheitstagen ist vor 20 Jahren im Alter von 18 Jahren verstorben. Anfänglich zweifelt Hannah an dem, was sie gesehen hat, aber immer häufiger taucht Ellen vor ihrem Auge auf und verschwindet plötzlich. Für Hannah bedeutet es, sich noch einmal mit der Vergangenheit auseinander zu setzen und alles noch einmal durchzuspielen.

Hannah ist 8 Jahre alt, als sie Ellens Großmutter kennenlernt, die von allen nur die Hexe genannt wird. Als die alte Dame stirbt, dauert es einige Zeit, bis ihre Tochter mit ihrem Mann und Ellen in das Haus zieht. Inzwischen ist Hannah 10 und von der 9 Monate jüngeren Persönlichkeit angetan. Besonders ist sie jedoch von der kranken, aber bildschönen Mutter und dem Vater, der einem Filmstar gleicht angetan. Es entwickelt sich eine innige Freundschaft, die durch Jago ihrem zwei Jahre älteren Nachbarn abgerundet wird. Mit dem Alter verändert sich die Situation, denn Jago lebt inzwischen als Adoptivbruder bei Hannah und verliebt sich zu Hannahs Leidwesen in Ellen. Für Hannah, die sich schon immer dick und hässlich gefunden hat, ist diese Beziehung ein Dorn im Auge und sie weiß schon, wie sie dem Ganzen ein Ende setzen kann. Ein Ende mit ungewollt, tödlichem Ausgang.

'''o0o Eine kleine Leseprobe o0o'''
Neugierig geworden, dann dürft ihr hier schon einmal einen Blick ins Buch werfen und eure Neugierde vielleicht noch etwas mehr steigern.

http://www.amazon.de/Das-Dornenhaus-Roman-Lesley-Turney/dp/349230298X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1379059963&sr=8-1&keywords=das+dornenhaus

'''o0o Meine Meinung o0o'''
Das Dornenhaus“ von Lesley Turney ist ein Roman über eine tiefe Mädchenfreundschaft, die durch eine tragische Wendung zu fesseln versteht.

Lesley Turney setzt bei ihrem aktuellen Roman auf eine zweigleisige Umsetzung, die den Leser nach und nach die Vergangenheit verstehen lässt. Durch die chronologische Reihenfolge entsteht ein besonders klares Bild, welches dem Leser hilft sich in beiden Welten zurecht zu finden, aber auch beim Szenenwechsel nie den Überblick zu verlieren. Es entsteht nie das Gefühl aus einer Zeit herausgerissen zu werden, sondern die Übergänge sind gut gewählt. Genau die Umsetzung, die ich persönlich bei solchen Lektüren bevorzuge.

Die Hauptfiguren dieses Dramas sind drei heranwachsende Kinder, Hannah, Ellen und Jago, die der Autorin authentisch gelungen sind. Sie hat drei völlig unterschiedliche Charaktere entstehen lassen, die zeigen, dass Freundschaft nicht von Klassen, Geld oder Aussehen abhängig ist. Die Entwicklung dieser Freundschaft mit all ihren Höhen und Tiefen zu erleben bindet den Leser genauso an das Buch, wie die Frage warum sich Hannah indirekt die Schuld an Ellens Tod gibt. Dabei entwickeln sich die Figuren im Laufe der Geschichte auf harmonische Art und Weise. Jeder Charakter wird stärker, entdeckt sich neu und bleibt trotzdem konsequent seiner eigenen Linie treu. Für mich sind diese Protagonisten wie alte Bekannte gewesen und dadurch von der ersten bis zur letzten Seite ans Herz gewachsen.

Bei der Geschichte selbst setzt die Autorin genau auf diese Entwicklung und greift dabei Themen wie Neid, erste Liebe und Eifersucht auf. Diese freundschaftlichen Aspekte werden in eine Handlung eingeflochten, die durch einen gewalttätigen und dominanten Vater besticht. Die Autorin beleuchtet hier verschiedene Blickwinkel, die es schwer machen eine klare Meinung in Bezug auf die Familie Brecht zu bekommen. Auf der einen Seite konnte ich gut nachvollziehen, wieso der Vater oftmals so aggressiv reagiert hat, aber auf der anderen Seite lernt man ihn auch als manipulierenden Menschen kennen. Diese beiden unterschiedlichen Seiten regen immer wieder zum Nachdenken an.

Betrachtet man all diese Komponenten sollte, die Geschichte theoretisch durchgängig mit einem Hauch Spannung versehen sein, der den Leser reizt weiter zu lesen. Anfänglich waren es nur Kleinigkeiten, wo ich das Gefühl hatte, das Lesley Turney versteckt versucht die Geschichte in die Länge zu ziehen. Zum Beispiel erwähnte sie innerhalb von 50 Seiten mehrfach das Alter der Protagonisten. Hannah, die zwei Jahre Jünger war als Jago, aber ganze 9 Monate älter als Ellen. Später kann man das Gefühl nicht an bestimmten Beispielen festmachen, sondern eher auf sein Bauchgefühl zurückführen. In meinem Fall hatte ich bei jeder Rückblende eine kleine Enttäuschung, wenn es schon wieder nicht um den Todesfall gegangen ist. Wieder wurden neue Monate eingeflochten, die zwar der Vergangenheit ein noch klareres Bild gaben, aber man möchte doch endlich die Auflösung wissen. Zudem änderte sich das Bild von den Figuren. Während Hannah, die Erzählerin stets versuchte Ellen als Lügnerin darzustellen, zeigt sich am Ende, dass sie ein weit größeres Herz hatte, als Hannah selbst. Dies lässt sich aber noch unter dem Aspekt – je mehr man sich erinnert, desto klarer wird alles – abhaken.

Trotzdem irgendwo der Punkt kam, wo ich gerne vorgeblättert hätte, war die Angst etwas zu verpassen doch größer. Nichtsdestotrotz kommt jede Geschichte zu einem Ende und hier hätte die Autorin das Ruder noch einmal herumreißen können. Stattdessen setzt sie mit ihrer Idee dem Konzept eine Krone auf, die leider nicht im positiven Sinne ist. Es wirft zumindest bei mir gewisse Fragen auf, die unzureichend geklärt wurden. Thereotisch ist der Schluss nicht verkehrt, aber er hinterlässt einen faden Beigeschmack, der größtenteils durch das schnelle Ende hervorgerufen wird. Vorher setzt die Autorin auf eine Ausführlichkeit die stört, und die interessante Wendung belässt sie bei wenigen Worten. Zudem habe ich mich regelmäßig gefragt, was Hannah sich denn nun eingebildet hatte, was sie sehr subjektiv gesehen hat, und was nicht. Vielleicht hätte die Autorin ab und an noch Blickwinkel von Jago einfließen lassen sollen, und zum Schluss beide Perspektiven zusammenführen können.

Alles in allem ist es eine interessante Geschichte, die jedoch etwas mehr Pepp und Spannung vertragen könnte.


'''o0o Noch ein paar allgemeine Daten, etwas zum Autoren, Klappentext o0o'''
Autor: Lesley Turney
Titel: Das Dornenhaus
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 5 (11. Juni 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349230298X
ISBN-13: 978-3492302982
Originaltitel: In Her Shadow
Preis: € 9,99
Genre: Drama / Thriller
Lesedauer:2 Tage

Lesley Turney wurde in Sheffield geboren, lebt aber seit vielen Jahren in der Nähe von Bristol. Sie hat drei Söhne und wohnt mit ihrem Mann auf dem Land. Ihre Romane schreibt sie abends nach getanem Tagwerk als Journalistin, und die Ideen dafür sammelt sie während langer Spaziergänge mit ihrem Hund durch die Landschaft von Somerset, dem Schauplatz von „Die fremde Frau“. (Quelle: Amazon.de)

'''o0o Zum Schluss zusammengefasst o0o'''

Pro: chronologischer Erzählstrang, gute Grundidee
Contra: manchmal langatmig und zu kurzer Schluss
Empfehlung: Ja
Sterne: 3 Sterne


~*~ Danke ~*~ fürs ~*~ Lesen ~*~ Kommentieren ~*~


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