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Eine Handvoll Leben - Meine Kindheit im Gulag / Monika Dahlhoff


Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Manchmal hat man das Bedürfnis etwas zu lesen, das man mit seiner Kindheit verbindet. Vielleicht kennt ihr das!? Bei meiner Mutter wird es im zunehmenden Alter immer mehr, und so hat sie mir mal wieder ein Buch mit dem Thema 2. Weltkrieg überlassen, nachdem sie es gelesen hatte. Da es sich um ein Hardcover-Exemplar handelte, konnte ich es beim Sport gut lesen, und so war es schnell durch. Nun möchte ich euch darüber berichten. Vielleicht wäre es ja auch für den einen oder anderen von euch. Diesmal geht es um Kinderklau, Amtsmissbrauch und ein Kindheit, die nur Traurigkeit hervorruft.

'''Allgemeine Buchdaten'''
Autor: Monika Dahlhoff
Titel: Eine Handvoll Leben: Meine Kindheit im Gulag
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Verlag); Auflage: Aufl. 2013 (14. März 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404607147
ISBN-13: 978-3404607143
Preis: 8,99€

'''Leseinformationen'''
Genre: Biographie
Niveau: durchschnittlich
Leserschaft: Jedermann
Lesedauer: 2 Tage


'''Informationen zum Autor'''
Da es sich um einen biographischen Roman handelt, will ich nicht zu viel verraten, und so müsst ihr meine Inhaltsangabe lesen, um mehr über die Autorin zu erfahren.. Es sei euch so viel verraten. Geboren wurde sie 1940, verschleppt wurde sie 1944 und lebte viele Jahre in einem Gulag, später einer Pflegefamilie und dann bei ihrer leiblichen Mutter. Sie hat zwei Mal geheiratet und zwei wundervolle Töchter.

'''Wie schön ist das Cover'''
Ein Mädchen, das eigentlich in schwarz-weiß dargestellt wird, passt sehr schön zu dieser Zeit. Besonders ist jedoch die rote Kopfbedeckung, die sofort die Blicke der Leser auf sich zieht.

'''Zitierter Klappentext'''
Winter 1944. Von russischen Soldaten wird die kleine Monika in einen Kindergulag verschleppt. Karges Essen, ein Schlafplatz zwischen Ratten und völlige Verwahrlosung - als das Mädchen nach Jahren befreit wird, ist ein normales Leben nicht möglich. In einer Pflegefamilie versucht man Monika mit Gewalt und Strenge beizukommen, doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und hofft noch immer auf ein Wiedersehen mit ihrer Mutter.(Quelle: Klappentext)

'''Leseprobe'''
http://www.amazon.de/Eine-Handvoll-Leben-Meine-Kindheit/dp/3404607147

Aus rechtlichen Gründen verlinke ich nur die Leseprobe auf eine Seite, wo die Genehmigung vorliegt.

'''Sarahs eigene Inhaltsangabe'''
Monika wird als Tochter eines Soldaten geboren. Ihr Vater ist an der Front, wo er auch wenige Jahre später verstirbt. Er lässt eine schwangere Frau zurück, die nach einer Frühgeburt ein behindertes Kind zur Welt bringt. Peterchen heißt der Bruder von Monika. Als der Krieg immer schlimmer wird, muss Monika zu ihren Großeltern aufs Land, während ihre Mutter mit dem neuen Mann an ihrer Seite nach einer neuen Möglichkeit umschaut. Dieser Tatsache verdank Monika, dass sie verschleppt wird, denn eines Tages kommen Russen. Sie erschießen die Großeltern von ihren Augen und nehmen sie und Peter mit. Peter erkrankt auf den Weg und was genau aus ihm wird, wann er stirbt oder ähnliches, erfährt sie nie wirklich. Sie selbst landet mit vielen Mädchen in einem kargen Schuppen, einem Gulag. Dort müssen sie ums nackte Überleben kämpfen. Ähnlich wie in einem KZ gibt es nicht genügend Essen oder Trinken. Sie kacken und pinkeln in eine notdürftige Toilette in ihrer Behausung, essen ihr erbrochenes und müssen mit ansehen, wie andere sterben. Monika überlebt abgemagert, völlig verstört und am Ende ihrer Kräfte. Sie kommt in ein Kinderheim, die sie glücklicherweise vermitteln können. Doch die Pflegefamilie kann mit ihrer Art nicht umgehen. Zu viel hat sie nie kennengelernt, und so versteckt sie sich regelmäßig, gibt Geld aus, das sie zufällig entdeckt, pinkelt ins Bett oder klaut unterwegs. Im Gulag ein ganz normales Verhalten, aber ihr Pflegevater verprügelt sie jedes Mal und das teilweise schlimm. Dementsprechend ist sie froh, als ihre leibliche Mutter bzw. ihr Onkel sich meldet. Doch auch dort merkt sie, dass ihre Mutter nur in ihrer Erinnerung gut und schön war. In der Realität ist sie genauso schlimm wie ihr Pflegevater, nur auf andere Art und Weise, denn sie lässt sie arbeiten, kümmert sich nicht um sie, und übersieht, dass ihr neuer Mann Monika vergewaltigt.

'''Sarahs Meinung'''
Ich weiß nicht mehr, wie viele Biographien ich im Bereich Zweiter Weltkrieg schon gelesen habe. Über 100 sind es aber mit Sicherheit. Darunter waren viele Werke, die schockiert haben, andere haben einen wegen zahlreicher Fehler nur aufgeregt und wiederum andere waren total blass und langweilig. Obwohl ich schon so viele Bücher gelesen habe, ist es ein Thema von dem ich nicht genug bekommen kann, und ich freue mich über jedes Buch, dass mir meine Mutter schenkt. Viele Leser haben inzwischen von dem Thema genug. KZ, versteckte Juden – man hat so viel gelesen und möchte einfach irgendwann mit dem Kapitel abschließen. Ich finde jedoch, dass man viel lernen kann, und das zumindest ich noch nicht alles erfahren habe, merke ich bei diesem Buch wieder. Von einem sogenannten Gulag habe ich nämlich noch nichts gehört, und so habe ich wirklich neugierig das Buch angefangen.

Einen günstigen Einstieg hat die Autorin nicht gewählt. Statt sofort mit ihrer Geschichte zu beginnen, sucht sie nach einer Möglichkeit, diese in eine Rückblende zu verpacken. Allerdings ist diese Variante eher unglücklich gewählt. Das liegt zum Teil daran, wie sich Monika darstellt, aber auch, wie sie versucht die Rückblende anzufangen. Sie selbst stellt sich am Anfang als eine eher schlechte Mutter dar. Wenn ich ein Problem, Ärger, schlechte Laune, Frust oder ähnliches habe, und meine Mutter anrufe. Egal, wie oft das Thema schon aufkam, sie hört mir zu, während Monika ein Essen mit ihrem Mann wichtiger ist. Kann man nicht 10 Minuten später gehen!? Sofort war mir die Autorin nicht mehr sympathisch. Um dann den Übergang zu finden, baut sie eine Situation ein, die total künstlich wirkt, und dann endlich geht es in die Vergangenheit.

Die Rückblende beginnt mit der Geburt, dem Kennenlernen der Eltern und der Ausgangssituation. Es ist schon ein trauriger aber irgendwo auch für die damalige Zeit alltäglich Beginn. Ein liebevoller Vater, eine glückliche Mutter, tolle Großeltern, solider Background und dann stirbt der Vater an der Front. Die Frühgeburt und die Behinderung des Bruders sind nicht so alltäglich, und sorgen für einen rührenden Einstieg. Langsam, aber trotzdem mit zügigen Schritten geht die Autorin dann zum Gulag über. Als Leser versucht man zu verstehen, wie ein 4 jähriges Mädchen sich fühlt, dessen Bruder im Sterben liegt, deren Mutter woanders ist, und das mit ansehen musste, wie die Großeltern ermordet werden. Den Schockzustand und die Gefühlslage kann die Autorin sehr gut vermitteln. Man hat das Gefühl alles selbst zu erleben, und das sie sich selbst noch einmal an die damalige Zeit erinnert hat. Im Gulag angekommen, empfand ich es jedoch als schwer, dem Buch zu folgen . Nicht weil sie die Erlebnisse nicht authentisch oder chronologisch schildert, sondern weil mir der Begriff Gulag einfach ein Fremdwort war. Ich musste es erst einmal bei Google nachlesen, und auch danach war ich irgendwo allein gelassen. Arbeitslager, Straflager, Zwangslager, aber ein reines Kindergulag? Ich habe zwar von Kindern gehört die mit in solche Lager verschleppt oder dort geboren wurden, aber reine Lager, wo nur Kinder eingesperrt waren. Hinzukommt, dass die Autorin damals mit 4 Jahren nur wenig verstanden hat. Für sie war es ein einfacherer Überlebenskampf. Essen, verstecken oder man verhungert. Die Schilderungen wirken jedoch nicht so kindlich, naiv, wie man es erwarten würde, sondern reifer. Die Autorin hat sich dementsprechend vorab damit noch auseinandergesetzt und sicherlich auch recherchiert, denn kaum einer kann sich an so viel erinnern, was in seiner frühen Kindheit passiert. Meine Mutter ist ebenfalls ein Kriegskind und es sind vielleicht zehn prägende Situationen, die sie sich gemerkt hat. Trotzdem sind die Erinnerungen sehr emotional und man leidet mit ihr. Wie kann man Kinder nur so hungern lassen? Wenn man liest, wie sie um ihr erbrochenes kämpfen, bevor es andere einem wegnehmen, da wird einem selbst schlecht. Irgendwann ist die Zeit zu Ende, und ja hat mich bewegt, aber mir fehlte die Erklärung warum sie verschleppt wurde. Ja, ich weiß, dass kann keiner beantworten, aber das war die Frage, die ich im Hinterkopf hatte. Damit ist nach rund der Hälfte des Buches das Thema Gulag abgehakt. Statt nun endlich ein Kind sein zu dürfen, ist ihr Leben weiter Horror, und auch hier fragt man sich, warum!? Warum wird sie von einem Heim in eine Pflegefamilie gesteckt, wo der Vater sie teilweise fast Tod schlägt!? Warum setzt man sich nicht mit iihr hin, und erklärt ihr mehr. Die Zeit war damals anders und härter, aber man hat doch in zwei Jahren mal die Zeit zu erklären was Geld ist. Ja, ich leide mit ihr, denn auch ich kenne cholerische Väter. Als sich dann ihr Onkel meldet, hat man die Hoffnung, dass nun alles gut wird. Warum er sie jedoch zu ihrer Mutter bringt, wo es sie gar nicht interessiert und er weiß, dass Monika es dort nicht gut haben wird. Wieder ein Aspekt, den ich nicht nachvollziehen konnte. Aber das muss man bei solchen Werken auch nicht. Das Martyrium was an dieser Stelle beginnt, rundet die traurige Kindheit noch mal eine Spur ab. Es zeigt anschaulich, dass wenn man nicht weiß wie, man sich nie zu wehren lernt. Es erklärt aber auch das gleichgültige Verhalten ihrer Tochter gegenüber.

Es ist ein bewegendes Schicksal, dass durch die Wirren,Nachwirkungen und die tragischen Verluste des Zweiten Weltkrieges hervorgerufen wurde. Sowohl vom Stil, als auch dem konsequenten roten Faden her ist das Buch schön zu lesen. Allerdings erwartet man etwas anderes, denn im Grunde möchte man etwas über den zweiten Weltkrieg und die Zeit des Gulags lesen. Zwar sind die Auswirkungen auf ihr späteres Leben nicht schlecht oder verkehrt, aber es nimmt fast die Hälfte des Buches ein, während allgemeine Aspekte rund um die Gulag Zeit gar nicht geklärt werden. Ein paar Seiten mehr hätten dies ändern können.

Alles in allem ist es jedoch ein Buch, dass neue Dinge zeigt, die man so aus dem Weltkrieg nicht kennt. Es ist leicht zu lesen und somit auch für Schulen geeignet, denn dort wird gerne eine Lektüre aus dieser Zeit gelesen. Was mir neben ein paar allgemeinen Fakten ebenfalls fehlte, war das Einbringen von Bildern. Für mich ist eine Biographie erst perfekt, wenn sie auch Bilder enthält, die mich noch mehr in die Situation hineinbringen.


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Kommentare

  1. Ich bin Monika Dahlhoff, habe mit Bewunderung diesen Bericht gelesen. Ich danke ihnen sehr für ihr Interesse an meinem Leben. Ja sie haben Recht es fehlt noch viel in meinem Buch was ich nicht schrieb, denn Tränen sind genug geweint dachte ich und wollen Menschen so dicke Bücher noch lesen? Doch kann ich gerne noch mehr erzählen. Mit lieben Grüßen Monika monika.dahlhoff@eine-handvoll-leben.info

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