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Schneckenmühle - Langsame Runde / Jochen Schmidt

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, auf das ich mich mehr oder weniger gefreut habe. Ich mag sehr gerne Jugendbücher, da ich sie oft mit meiner Nicht zusammen lese. Sie ist ein genauso großer Büchernarr und so habe ich immer einen Grund mal wieder etwas jugendliches zu lesen, kann aber die Skeptiker beruhigen, da auch ihre Meinung in die Rezension einfließt. Dieses Buch habe ich gesehen, und es hat mich seit langem mal wieder bei Blog dein buch angesprochen, abgesehen von den genialen Werken, wo sich 100 Leute bewerben. Da sich nicht viele für das Buch beworben haben, hatte ich Glück und konnte es nun lesen.

'''Buchdaten'''
Autor: Jochen Schmitt
Titel: Schneckenmühle
Gebundene Ausgabe: 220 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3406646980
ISBN-13: 978-3406646980

'''Leseinformationen'''
Genre: Jugendbuch
Niveau: leicht
Leserschaft: Kids ab 14
Lesedauer: 1 Tag


'''Autor/in'''
Jochen Schmidt studierte Informatik, Germanistik und Romanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1999 erhielt er den Open-Mike-Literaturpreis der Literaturwerkstatt Berlin. Im selben Jahr gründete er die Lesebühne Chaussee der Enthusiasten mit. 2002 wurde er mit dem Publikumspreis des Steirischen Herbstes ausgezeichnet und 2004 mit dem Förderpreis zum Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. 2007 wurde er für den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb nominiert. (Quelle: Amazon.de)

'''Zitierter Klappentext'''
Jens ist 14 geworden und darf zum letzten Mal ins sächsische Ferienlager Schneckenmühle fahren, dort kann man Skat spielen, Fußball und Tischtennis, muss allerdings auch auf Wanderungen gehen, in den Zoo oder nach Dresden fahren, und vor allem sind da die endlosen Nächte mit Quatsch und Gesprächen über Mädchen. Nur Tanzen in der abendlichen Disko, das kommt nicht infrage, zum Tanzen ist Jens zu schüchtern. Nach einem Ausflug wird Jens krank und kommt auf die Krankenstation. Da taucht Peggy bei ihm auf, die von der Gruppe gehänselt wird, und bittet ihn, ihr Essen zu bringen, sie würde sich von nun an verstecken. Aber dann wird sie im Lager vermisst und die Polizei wird eingeschaltet. Die Sache spitzt sich zu, auch zwischen Jens und Peggy. Es ist der Sommer 1989 in der DDR - und nicht nur den Jugendlichen stehen große Veränderungen bevor. Jochen Schmidts Roman, mit großer Wärme, Detailfreude und Komik erzählt, berichtet von Zeiten des Umbruchs, hinreißend und anrührend - beste Unterhaltung! (Quelle: Klappentext)

'''Leseprobe'''
http://www.amazon.de/Schneckenmühle-Langsame-Runde-Jochen-Schmidt/dp/3406646980/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1364832500&sr=1-1

Aus rechtlichen Gründen verlinke ich nur die Leseprobe auf eine Seite, wo die Genehmigung vorliegt.

===Nach dem Lesen===

'''Sarahs eigene Inhaltsangabe'''
Sommer 1989 in der DDR. Jens ist 14 Jahre alt und darf dieses Jahr zum letzten Mal ins sächsische Betriebsferienlager Schneckenmühle fahren. Skat spielen, Fußball, Wanderungen, Hörnchen in Tschechien und die Abschiedsdisko am letzten Tag. Davor hat Jens noch mehr Angst als vor den anderen Dingen, denn sonst war er immer derjenige, welcher gehänselt wurde. Nun gehört er zu den Ältesten und trotzdem ist seine Angst nicht geringer geworden. Trotzdem hat er großen Spaß im Ferienlager und freut sich schon etwas auf die neue Schule, spätere Reisen mit seinem Bruder, Mädchengeschichten und vieles mehr. Zu Hause wartet sein Computer, den er von Verwandten aus Westdeutschland bekommen hat und auch den neuen Tretmülleimer, der zu Hause angeschafft wurde, muss untersucht werden. Obwohl er schon sehr reif für sein Alter ist, hat er auf seine Art und Weise Spaß, wie andere in seinem Alter. Alles ändert sich als Jens nach einem Ausflug krank wird und auf der Krankenstation herumliegen muss. Peggy, die von allen gehänselt und gemobbt wird, will abhauen und weiht ihn ein, dass sie sich versteckt. Sie braucht jedoch wegen der Lebensmittel seine Hilfe. Kurze Zeit später ist sie verschwunden. Die Polizei sucht nach ihr und damit kommen ganz andere Fragen zur Sprache, wie Republikflucht und ähnliches.

'''Sarahs Meinung'''
Keine 20km von uns entfernt war damals die Grenze. Oft bin ich mit meinem Vater dort gewesen. Einfach weil man dort in der Nähe Schiffe beobachten konnte, Kuchen essen und ähnliches. Nachdem die Grenze geöffnet wurde, waren wir regelmäßig bei Verwandten von meinem Vater. Damals war ich sieben und kannte die DDR nur aus Geschichten von meiner Mutter, die damals noch rechtzeitig in den Westen zu ihrer Mutter gegangen ist. Inzwischen ist das Thema DDR zwar nicht vergessen, aber kaum ein Jugendlicher kann sich daran noch erinnern. Aus diesem Grund finde ich es schön, die damalige Zeit noch einmal mit einem Jugendbuch festzuhalten – für beide Seiten.

Bevor ich jedoch in den „Genuss“ des Buches kam, hat meine Nichte das Buch zuerst gelesen. Mit rund 13 Jahren also genau die Zielgruppe, die der Autor erreichen möchte. Sie gab mir das Buch zwei Tage später wieder, schüttelte den Kopf und meinte nur, dass dieses Buch alles andere als schön sei. Es fehle dem Buch ein gewisser roter Faden und die versprochene Unterhaltung.

Neugierig von ihren Worten habe ich mich ans Lesen gemacht, und kann ihr leider nur zustimmen. Beste Unterhaltung, wie sie im Klappentext angekündigt wurde, ist in meinen Augen etwas anderes. Es begann schon mit dem Kennenlernen von Jens. In meinen Augen wird er blass und farblos beschrieben. Irgendwann auf Seite 50 kam bei mir plötzlich der Moment, dass ich mich fragte, wie hieß die Hauptfigur, die mir die Geschichte erzählt, eigentlich noch einmal. Auch wenn ich ein sehr schlechtes Namensgedächtnis habe, hatte ich nie Probleme mir einen einzelnen Vornamen zu merken. Sowohl äußerlich, als auch vom Charakter her konnte ich mir Jens nie wirklich vorstellen, und das war ein großes Problem. Er wirkte schwach, ängstlich, aber das war es auch schon. Hinzu kommt, dass die Situation der DDR für viele Leser gar nicht mehr präsent ist. Ein paar einleitende Worte oder eine bessere Einführung hätten dem Buch nicht geschadet. Ich bin damit groß geworden und kann mich an Kleinigkeiten erinnern, sodass für mich das nicht so schwierig war. Für die heutige Jugend stelle ich es mir jedoch deutlich schwerer vor, zumal sogar meine Nichte viele einige Fragen hatte, die erst einmal von Oma und Mutter geklärt werden mussten.

Das Hauptproblem sind jedoch die Sprünge. Einige mögen dies als sprunghafte Gedankengänge eines Jugendlichen bezeichnen. In meinen Augen ist es jedoch einfach nur schwer die Sprünge zu erkennen. So befindet man sich zum Beispiel gerade bei der Ankunft im Ferienlager und plötzlich wird über die Schulzeit, wie zum Beispiel einen Trompeter berichtet. Bei einigen Sprüngen kann man den Gedankensprung sicherlich greifen und nachvollziehen. Die Mehrheit der Sprünge sind jedoch so unklar, dass man sich plötzlich fragt, ob man noch im Ferienlager ist, oder sich wieder an einem ganz anderen Ort befindet. Dadurch ist ein flüssiges Lesen nicht gerade gewährleistet. Einfach weil man nie weiß, wann der nächste Sprung kommt, und wenn er dann kommt, passiert erneut ein Bruch zur eigentlichen Geschichte. Dieser zu folgen ist wirklich ein hartes Stück Arbeit. Die Konzentration leidet sehr darunter, denn oft liest man einen Text in einem anderen Zusammenhang, um dann zu merken, dass es wieder ein Gedankensprung zu einem anderen Ort war. Zudem entsteht keine Verbundenheit zum Buch. Es ist zum ersten Mal wirklich egal, wo man pausiert, weil man nach jedem Absatz mit einer neuen Situation in Berührung kommt.

Sicherlich sind die Dialoge sehr schön formuliert und auch jugendlich gehalten. Sie zaubern ab und an, abgesehen von dem Dialekt, der gerne mal genutzt wird, sogar mal ein Lächeln aufs Gesicht, weil sie oft humorvoll sind. Im Grunde halt der jugendliche Charme, die Naivität und Leichtigkeit. Und auch manche Geschehnisse lassen die Unbefangenheit des letzten Sommers im strahlenden Glanz erscheinen. Zum Beispiel wenn einer der Jungs aus dem Fenster pinkelt oder ähnliches. Es gibt das Gefühl, dieser Sommer ist der letzte bevor es heißt: Werde ernst, vorausschauend, erwachsen.

Diese eingefangenen Moment sind sicherlich schön, verblassen jedoch gänzlich durch die Sprünge. Andere werden dies lieben, bei uns ist das Buch jedoch nicht so gut angekommen. Wer gerne solche Gedankensprünge mag, sollte es sich anschauen, sonst lieber Finger weg.

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