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Der Glaspavillon / Nicci French

Nicci French ist ein solches Autorenduo. Auch wenn mich nicht immer alles umhaut, so kann das Gesamtwerk meist überzeugen. Aus diesem Grund habe ich mir auch das Buch bei der Tauschbörse ertauscht. Es handelt sich um einen Roman mit zwei kompletten Geschichten. Die zweite davon habe ich nun gelesen, und möchte sie euch vorstellen.

'''Buchdaten'''
Autor: Nicci French
Titel: Der Glaspavillon
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: 4. Auflage, (1. April 1999)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 344243551X
ISBN-13: 978-3442435517
Kosten: 0,01€ gebraucht
Serie: -

'''Leseinformationen'''
Genre: Thriller
Niveau: leicht
Leserschaft: Erwachsene
Lesedauer: 2 Tage



'''Autor/in'''
Hinter dem Namen Nicci French verbirgt sich das Ehepaar Nicci Gerrard und Sean French. Seit langem sorgen sie mit ihren höchst erfolgreichen Psychothrillern international für Furore. Sie leben mit ihren Kindern im Süden Englands (Quelle: Amazon)

Weitere Werke:

# Der falsche Freund
# In seiner Hand

'''Optischer Eindruck'''
Optisch gefällt mir: sehr gut. Das ist ein altes verwittert das Haus zu, welches im Vordergrund mit Ranken, Büschen und Sträuchern zugewuchert es ist. Dadurch entsteht eine düstere Stimmung, die perfekt zu einem Thriller passt.

'''Zitierter Klappentext'''
Das alljährliche Treffen der Martellos endet unerwartet, als eine Leiche auf dem Landsitz entdeckt wird. Plötzlich bricht die heile Welt der Familie in sich zusammen, denn bei der Ermordeten handelt es sich um die lange verschollene Natalie, eine Tochter des Hauses.
Jetzt stellt sich heraus, daß sie zum Zeitpunkt ihres Todes schwanger war. Jane, die einst durch eine tiefe Freundschaft mit Natalie verbunden war, will das Geheimnis ergründen. Sie ahnt nicht, daß ihre Suche zur gefährlichen Begegnung mit dem eigenen Ich wird... (Quelle: Klappentext)

'''Leseprobe'''
Eine Leseprobe, die ich verlinken kann, habe ich leider nicht gefunden. Wer kleinere Eindrücke haben möchte, kann diese dem Zitat, welches meine Meinung untermalen soll, entnehmen.

===Nach dem Lesen===

'''Sarahs eigene Inhaltsangabe'''
Jane nutzt das Treffen der Familien zum jährlichen Pilzessen, den ersten Spatenstich für ihr Abschiedsgeschenk in Angriff zu nehmen. Doch dort wo das Gästehaus gebaut werden soll, finden die Arbeiter eine Leiche. Für alle ist klar, dass es sich um Nathalie handelt. Es ist die Tochter der Martellos, die vor 25 Jahren nach einer riesigen Feier, einfach verschwunden ist. Die gerufene Polizei fängt mit den Ermittlungen an, aber es ist schwer nach 25 Jahren überhaupt noch etwas zu rekonstruieren. Eins ist jedoch bewiesen – Nathalie wurde erwürgt. Da Nathalie Janes beste Freundin war, will sie alles versuchen, um herauszufinden, was mit ihr geschehen ist. Um ihre Gefühle zu bewältigen, denn nicht nur der plötzliche Fund, sondern auch die Einsamkeit, die mit der Trennung nach 22 Jahren Ehe verbunden ist, machen ihr zu schaffen. Zudem war sie nur wenige Meter von ihrer Freundin entfernt, als diese das letzte Mal gesehen wurde. An diesem Ansatz setzt ihr Therapeut an. Er gibt nicht auf und weckt plötzlich Erinnerungen, die gar nicht sein können, denn sie glaubt zu wissen, dass der Mörder ihr Schwiegervater ist, der jedem Rock hinterhergelaufen ist und wahrscheinlich sogar nicht vor einer Vergewaltigung zurückgeschreckt ist. Er gibt sogar den Mord an seiner schwangeren Tochter zu. Doch Jane hat das Gefühl, dass ihre Erinnerungen nicht stimmen. Sie begibt sich zum Schauplatz und muss erkennen, dass ihr Therapeut ihr nur seine Gedanken eingepflanzt hat, denn nicht ihre Freundin wurde damals gesehen, sondern sie selbst. Eine Verwechslung, die möglich war, weil sie im gleichen Alter waren und wie Geschwister aussahen. Als ihr dies bewusst wird, muss sie die traurige und schockierende Wahrheit erkennen, die ihr Leben völlig verändert.

'''Sarahs Meinung'''
Nachdem ich schon von „Ein sicheres Haus“, dem ersten Teil eines Doppelbandes, hatte ich große Bedenken, dieses Werk anzufangen. Es klang zwar sehr vielversprechend, allerdings waren viele Leute auch hier eher kritisch, sodass ich schon Angst hatte, ebenfalls enttäuscht zu sein.

Der Klappentext verspricht eine Menge. Rückblenden in die Vergangenheit, ein dunkles Geheimnis und natürlich sehr viel Spannung. Besonders für den letzten Aspekt ist das Autorenduo Nicci French bekannt. Der Einstieg in das Buch beginnt jedoch schon alles andere als vielversprechend. Der Stil ist zwar gewohnt leicht und angenehm, aber das nützt nichts, wenn es ihm an gewohnter Lebendigkeit mangelt. Obwohl ich oft Schwierigkeiten mit der Ich-Perspektive habe, und mir die Hauptfigur in diesem Fall noch nicht einmal sympathisch war, muss ich zugeben, dass dies nicht der Knackpunkt war. Für mich war der Einstieg, aber auch ein Großteil des Buches so schwer, weil sich die Namen überschlagen. Bei dem 50. Namen habe ich aufgehört mitzuzählen. Gerade da ich ein eher schlechtes Namensgedächtnis habe, brauche ich zumindest eine gute Beschreibung der Figuren. Hier jedoch weiß man gar nicht wer relevant ist und da sie blass sind, ist es durchweg schwer die vielen Figuren zu unterscheiden. Alleine die Familie selbst ist riesig. Da wären nicht nur die Schwiegereltern, ihr Noch-Mann, sein jüngerer Bruder und natürlich Zwillinge. Dazu die eigene Familie, viele Freunde und viele Therapeuten, und sogar dessen Kinder werden namentlich erwähnt. Zwischendurch habe ich das Buch sogar heimlich „Das Buch der 100 Namen“ genannt, weil es einfach übertrieben ist. Man muss doch nicht unnötig viele und nicht relevante Figuren einführen.

Auch bezüglich der Spannung kann das Buch nicht wirklich überzeugen. Am Anfang ist zwar ein Hauch gegeben und die Frage, was mit Nathalie passiert, ist stets präsent, aber die Umsetzung selbst ist einfach nur zähflüssig, und erinnert mich eher an eine typisch, amerikanische Familien-Saga. Jane geht ständig zu neuen Sitzungen, versteht noch nicht einmal, warum sie sich scheiden lässt, ihr Bruder will eine Dokumentation drehen, ihr Schwiegervater ist ein Untier und hat schon über 125 Frauen während seine Ehe flachgelegt. Die Rückblenden sind jedoch nur kurz und so wirklich lernt man Nathalie und die damalige Jane gar nicht kennen. Auch war für mich nie wirklich ersichtlich, was für eine dunkle Stelle, ihre Erinnerungen überschattet. Als dann ihr Therapeut auch noch mit der Vergewaltigung ankommt, war zumindest mir sofort klar, dass es mal wieder die alte Schiene ist, denn die Probleme werden oft dort gesucht. In meinen Augen ist jedoch nichts davon wirklich spannend. Ich war mehrfach versucht einfach vorzublättern, um endlich die Wahrheit über den Mord zu erfahren, denn der Rest war einfach nur gähnend langweilig.

Zudem empfand ich viele Einbauten einfach nur unglaubwürdig. Zum Beispiel war Jane früher in Theo, also dem jüngeren Bruder ihres Mannes verliebt. Am Tag des Festes traf sie sich mit ihm und wollte mit ihm schlafen. So erfährt sie es aus ihrem alten Tagebuch, welches sie am Ende des Buches findet. Ich bin zwar noch nicht über 40, aber selbst ich kann mich an den ersten Kuss, das erste Mal oder andere Dinge erinnern. Gerade wenn meine beste Freundin verschwunden wäre, würde ich die letzten Tage nie vergessen. Sie hat so etwas total vergessen.

Besonders schlimm war jedoch der Schluss. Im Grunde entdeckt sie, dass sie bis jetzt alles falsch gedeutet hatte und will dann alles klären. Ein riesiger Schnitt und der Leser erfährt wer der Täter ist, denn dieser sitzt plötzlich im Gefängnis. Warum wird jedoch erst deutlich, als der Täter von einem geplanten Buch redet. Auch hier fehlte es an jeglicher Spannung. Ich hatte sogar das Gefühl, dass Nicci French plötzlich bemerkt hat, dass die Auflösung gar nicht enthalten war und sie einfach noch schnell eingefügt hat. Und auch die Lösung war alles andere als überzeugend. Ganz nach dem Motto, ich finde nichts besseres, also nehme ich etwas, dass früher schon geklappt hat.

Alles in allem war ich wirklich froh und glücklich, als ich das Buch endlich aus der Hand legen konnte. Ich kann in diesem Fall ruhigen Gewissens sagen, dass in dem Doppelband wirklich nur Werke sind, die absolut unterirdisch sind. Auch einzeln lohnt sich diese Geschichte nicht. Wer gute Thriller möchte, sollte auf andere Werke von Nicci French zurückgreifen.


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