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Jaouen, Hervé - Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind?

Dieses Buch habe ich gesehen und da mich der Erfolg in Frankreich neugierig gemacht hat, wollte ich das Buch unbedingt lesen. Sofort habe ich mich ans Lesen gemacht, denn ich wollte wissen, ob mich ein solches Buch auch überzeugen kann. Aber lest nun einfach selbst...

===Buchdaten===
Autor: Hervé Jaouen
Titel: Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind?
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Urachhaus; Auflage: 1 (März 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3825177866
ISBN-13: 978-3825177867
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 14 Jahre
Kosten: 14,90€
Serie: -

===Leseinformationen===
Genre: Jugendbuch
Niveau: anspruchsvoll
Leserschaft: ab 12
Lesedauer: 1 Tag


===Autor/in===
Der Autor wurde 1946 geboren und mit dem vorliegenden Roman ist ihm sein größter Erfolg gelungen. In Frankreich gehört er zur Pflichtlektüre und wurde sogar auf die Bühne gebracht.

===Optischer Eindruck===
Optisch wurd das Buch an den Titel angepasst. ein süßer Hund mit Sonnenbrille. Mir gefällts, mein Mann fragte jedoch, was der Hund mit Sonnenbrille soll. Erst wenn man das Buch kennt, wird man dieses Cover schätzen lernen.

===Zitierter Klappentext===
Véro, 13, hat es nicht leicht: Ihre wechselnden Lover sind notorisch untreu,
ihr Bruder ist ein Ekel, und jetzt soll sie auch noch ihr Zimmer räumen,
weil ihre Oma dort einzieht. Und die leidet an Alzheimer
Innerhalb kürzester Zeit ist das Familienleben komplett auf den Kopf gestellt.
Omama plündert nachts die Küche, hortet Unmengen Schokoriegel und
Silberlöffel unter ihrem Bett, weil sie glaubt, dass der Krieg noch immer
andauert, telefoniert stundenlang ins Ausland oder löscht versehentlich
extrem wichtige Dateien auf Mamans Computer … (Quelle: Klappentext)

===Leseprobe===
Eine Leseprobe, die ich verlinken kann, habe ich leider nicht gefunden. Wer kleinere Eindrücke haben möchte, kann diese dem Zitat, welches meine Meinung untermalen soll, entnehmen.

===Sarahs eigene Inhaltsangabe===
Véro ist 13 Jahre alt und hat das im Kopf, was alle Mädchen in diesem Alter bewegt. Jungs und Spaß. So wie es ist, ist es eigentlich perfekt. Naja, ein eigenes Telefon im Zimmer wäre nicht schlecht, aber das zählt schließlich nicht. Doch so wie es meist ist, ändert sich genau dann alles. So ist es auch bei Véro, denn ihre Großmutter zieht zu ihnen und bekommt ihr schönes Zimmer. Da sie ihre Omama aber sehr liebt, ist es ihr egal. Schließlich geht es ihr nicht gut. Sie hat Alzheimer und erst vor kurzem ihr ganzes Haus fast abgefackelt, hätte ein Nachbar nicht unverzüglich die Feuerwehr gerufen. Omama war schließlich mit den Rosen beschäftigt. Mit Omama kommt Lebens ins Haus. Auf der einen Seite witzig, auf der andern Seite wahnsinnig anstrengend. Mitten in der Nacht steht sie auf, und sucht ihre Brosche, die sie verlegt hat. Genauso wie man alle verschwundenen Gegenstände, die im 2.Weltkrieg rar waren, unter ihrer Matratze wiederfinden kann. Selbst als sie versehentlich die Übersetzungen ihrer Tochter löscht oder im Supermarkt etwas klaut, kann man es ihr nicht übel nehmen. Sie lebt halt in der Vergangenheit und das mitten im zweiten Weltkrieg. Als die Familie in den Urlaub fliegen will, muss ihr anderer Sohn sie für die Zeit zu sich nehmen. Doch danach ist Omama nur noch verstörter, denn ihre Schwiegertochter hat sie einfach ins Altersheim gesteckt, weil sie auf die Diebstähle und ihre Fantasie-Welt keine Lust hat. Für Véro und ihre Mutter, ihren Bruder und Vater wird es danach noch schwerer, aber zusammen meistern sie es, denn sie möchten dem Menschen, den sie so viel zu verdanken haben, ein Stück Erinnerung bewahren und das Alter so erträglich wie möglich gestalten. Gar nicht so leicht, denn man weiß nie, wie Omama reagiert.

===Sarahs Meinung===
Eigentlich bin ich nicht so der Fan von französischer Lektüre. Die Übersetzungen waren bei meinen Versuchen stets etwas geschwollen und ich persönlich mag auch die wohlklingenden Namen nicht so gern. Zudem ist Frankreich ein Land, dass mir während meines Paris-Urlaubs schon weniger gefallen hat. Trotzdem habe ich den Klappentext dieses Buches gelesen, den Hinweis, dass es in Frankreich Pflichtlektüre ist, und so musste ich das Buch lesen. Es klang für mich einerseits nach Spaß, lustigen Szenen, aber auch nach Romantik und nach einem sehr ernsten Thema.

Der Einstieg in die Lektüre beginnt an einer perfekt gewählten Stelle. Der Leser wird in die Umzugssituation hineingeworfen, aber auf eine einfache Art und Weise sogleich aufgeklärt, warum es so ist, wie es nun ist. Auf die gleiche einfache und doch punktgenaue Art und Weise werden auch die Figuren eingeführt, sodass man besonders Véro und ihre Omama sofort ins Herz schließen muss. Schon ab diesem Zeitpunkt bietet das Buch genügend Diskussionsmaterial, sodass ich nachvollziehen konnte, warum es in Frankreich so gerne gelesen wird.

Alzheimer ist ein Thema mit dem wir in der heutigen Zeit vertrauter sind, als vor vielen Jahren. Trotzdem ist es eine Krankheit, die noch immer nicht heilbar ist und für alle Beteiligten schlimm ist. Die Gehirnzellen geben ihre Arbeit auf und so leben die Betroffenen oft in einer längst vergangen Zeit, wie ihrer Kindheit oder erinnern sich an gar nichts mehr. Und hier setzt das Buch an. Es klärt auf eine lustige, aber traurige Art über die Krankheit auf. Was bedeutet es, wenn man sich darauf einlässt einen erkrankten Menschen aufzunehmen. In diesem Fall geht er Autor auf beide Seiten ein. Einerseits die liebevolle Familie, die den Stress in Kauf nimmt, um den Menschen einen würdigen Lebensabend zu ermöglichen. Auf der anderen Seite ist da der Rest der Familie, der nur ans Geld denkt und schon beim ersten Hindernis die Flinte ins Korn wirft.

Aus dem Blickwinkel eines heranwachsenden Teenagers, der eigentlich eher mit seinen Freunden am Strand abhängen oder mit dem aktuellen Freund knutschen würde, ist die Betrachtung und der Alltag mit Alzheimer umso interessanter. Es zeigt auf der einen Seite die Leichtigkeit, aber auch die Problematik gekonnt auf. In einem Moment lacht man noch, wenn die Oma zum Beispiel im Fernsehen eine Geburtstagsfeier sieht und sich wundert, warum ihr die Gäste nicht gratulieren und kein Stück Kuchen abgeben. Doch schon im nächsten Moment wird klar, dass es nicht lustig ist, wenn die Person es für echt hält und innerlich tief verletzt wäre, wenn man nicht schnell einen Kuchen und Champagner besorgen würde. Oder beim Essen... Die Backen füllen sich, weil die Person einfach vergiss, dass man Essen kauen muss. Es sind diese kleinen Schilderungen, die aufzeigen, wie gravierend diese augenscheinlich harmlose Krankheit wirklich ist. Ich sage augenscheinlich harmlos, denn Jugendliche nehmen dies oft so war. Wir hatten schon damals die Diskussion in der Schule, und damals waren viele der Ansicht, dass man dann eben vieles vergisst und das doch auch gar nicht schlimm sei, weil sich die Person eh nicht daran erinnert und für die anderen ist es lustig, wenn man ihnen einen Müll erzählen kann, den nun wirklich sie dann glauben. Dementsprechend finde ich das Buch wertvoll und kann es auch hier den Schulen nur ans Herz legen.

Schließlich wird nicht nur auf alltägliche Situationen, sondern auch den Verlauf der Krankheit gut eingegangen. So werden bei Omama Tests durchgeführt. Beim Erstbesuch gibt es zwar schon viele Fehler, weil sie zum Beispiel das heutige Datum nicht weiß (weiß ich oft übrigens auch nicht) oder sich im Tag vertan hat (passiert mir auch). Andere Dinge, wie zum Beispiel den Befehl „Falten sie das Papier in der Mitte und werfen sie das Papier dann auf den Boden“ hinterfragt sie und erfüllt damit die Aufgabe. Mit jedem weiteren Besuch werden wieder diese Tests auf eine andere Art und Weise durchgeführt und hier zeigt sich der rasche Abbau, denn schon einige Wochen später, weiß sie nicht einmal mehr, wie man ein Papier faltet.
Es ist traurig, bewegend und trotzdem irgendwo minimal amüsant, denn die Szenen bringen einen trotz der Dramatik zum Schmunzeln.

Kommen wir nun zum Stil. Die Originalausgabe kenne ich nicht, aber die Übersetzung ist vom Stil her so, wie ich es mir gewünscht hätte. Leicht, auf den Punkt genau, illustrativ und emotional ausgereift. Die Worte sind so gewählt, dass sie genau das zum Ausdruck bringen, was relevant ist, ohne es zu beschönigen oder etwas wegzulassen. Sie machen das Buch zu etwas Besonderen, denn sie sind nicht einfach, sondern schon so anspruchsvoll gewählt, dass die Leser sprachlich sogar etwas lernen können.

Wie ihr seht hat mir das Buch soweit sehr gut gefallen, doch auch ein kleines Aber habe ich persönlich gefunden. Und das ist der Klappentext, der mich in eine leicht andere Richtung gelotst hat. Es soll hinreißenden Humor haben und ein herrlich positives Buch sein. Auch wenn viele Szenen humorvoll sind, erkennt man deutlich den Ernst hinter jeder Situation. So humorvoll, wie es der Klappentext darstellt, ist das Buch definitiv nicht. Das ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt, der definitiv nicht in meine Bewertung einfließen wird, da es mir ansonsten sehr gut gefallen hat. Übrigens in einer humorvollen Szene wird auch geklärt, wie das Buch zu ihrem Titel kommt. Wer dies wissen möchte, sollte es unbedingt lesen.

===Abschließendes Fazit===
Auf humorvolle Weise: Todernst

Pro: Stil, Figuren, Thema, Umsetzung, Aufklärung
Contra: Klappentext
Empfehlung: Ja 5 Sterne

Na, wer hat aufmerksam gelesen? .... Ja, genau.. Das Buch erscheint im März. Da sich das Buch jedoch um Alzheimer und Vergessen dreht, dachte ich, wäre es doch mal eine schöne Möglichkeit euer Gedächtnis zu trainieren. Also, das Buch lohnt sich und ihr solltet es euch umbedingt merken!!!!

Kommentare

  1. Alzheimer ist eine schreckliche Krankheit, hatte meine Oma väterlicherseits auch.
    Ich selbst lese ganz selten mal Bücher, die sich mit Krankheiten beschäftigen, in der Beziehung neige ich zur Realitätsflucht und denke immer, schlimm genug, wenn ich damit in der Realität konfrontiert werde. Ich finde es aber wichtig, dass es solche Bücher gibt, denn sie helfen ja vielen dabei, so etwas zu verstehen, einige können auch Mut machen. Respekt an den Autor, dass er es schafft, so ein Thema trotzdem auch mit Humor anzugehen und es jungen Lesern näher zu bringen.
    LG
    Katrin

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  2. erinnert mich ein bisschen an Arno Geigers "Der alte König in seinem Exil", wo es auch um Altsheimer geht. Es hat so was tragisch-lustiges, das mich gleichzeitig traurig gemacht hat und zum Lachen gebracht hat.

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