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Martin Doerry: Mein verwundetes Herz

 

===Buchdaten===
Autor: Martin Doerry
Titel: Mein verwundetes Herz
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. November 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423341467
ISBN-13: 978-3423341462

===Leseinformationen===
Genre: Biographie
Niveau: anspruchsvoll
Leserschaft: Jedermann
Lesedauer: 2 Tage

===Autor/in===
Dr. Martin Doerry (* 21. Juni 1955 in Uelzen-Veerßen) ist einer der beiden stellvertretenden Chefredakteure des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel. (Quelle: Wikipedia)

===Optischer Eindruck===
Optisch kann ich nur sagen, perfekt. Bei der Weltbldausgabe ist nicht nur ihr Foto drauf, wie bei den anderen, sondern auch noch Briefe und das passt richtig gut.

===Zitierter Klappentext===
Lilly Jahn stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie, wurde Ärztin, heiratete einen nicht-jüdischen Studienkollegen und gründete mit ihm eine erfolgreiche Arztpraxis in Immenhausen bei Kassel. Das Paar bekommt fünf Kinder, doch dem zunehmenden Druck der Nazis auf die »Mischehe« hält Lillys Mann nicht stand. 1942 lässt er sich scheiden und heiratet eine Kollegin.

Lilly Jahn wird in einem »Arbeitserziehungslager« inhaftiert, und es beginnt ein umfangreicher Briefwechsel, der den verzweifelten Kampf der Mutter und ihrer Kinder um den Zusammenhalt der Familie, um die Aufrechterhaltung von »Normalität« und gegen die Hoffnungslosigkeit veranschaulicht. Doch 1944 ist das Schicksal der Familie besiegelt: Lilly Jahn wird nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.(Quelle: Klappentext)

===Leseprobe===
Eine Leseprobe, die ich verlinken kann, habe ich leider nicht gefunden. Wer kleinere Eindrücke haben möchte, kann diese dem Zitat, welches meine Meinung untermalen soll, entnehmen.

===Youtube Besprechung===

===Sarahs eigene Inhaltsangabe===
Lilli Jahn wurde 1900 geboren, heiratete im Alter von 26 Jahren Ernst Jahn und da beide Ärzte aus Leidenschaft waren, war es nur eine Selbstverständlichkeit, dass sie gemeinsam eine Praxis eröffnet haben. Für Lilli ein unfassbares Glück, denn viele Briefe und Jahre musste sie warten und hoffen, dass Ernst sie endlich heiratete. Der Grund war unter anderem ihr jüdischer Glaube. Anfangs läuft noch alles harmonisch und so erblicken 4 Mädchen und ein Junge das Licht der Welt. Eine Welt, die dank des Nazi-Umschwungs für Lilli sehr gefährlich wird. Als Frau eines Ariers hat sie noch Privilegien, die sich jedoch ändern, als ihr Mann unter dem Druck der Nazis zusammenbricht und sich scheiden lässt, um mit einer anderen Frau glücklich zu werden. Lilli muss mit ihren Kindern ausziehen und wird keinen Monat später von der Gestapo verhaftet. Sie kommt ins Arbeitslager nach Breitenau und obwohl ihr nichts vorgeworfen werden kann, sie nicht jüdische Kinder unter 18 Jahren hat, wird sie dort behalten. In dieser Zeit haben ihre Kinder, die Jüngste ist 3, nur über Briefe Kontakt zu ihrer Mutter. In Breitenau hat sie dank Gestapo Freunden noch ein vergleichbar angenehmes Leben, dass jedoch in Auschwitz endet, und zwar tödlich.

===Sarahs meine Meinung===
Dieses Buch habe ich von meiner Mutter geschenkt bekommen. Sie selbst ist 1938 geboren und der zweite Weltkrieg ist für sie ein Thema, dass sie eben an ihre Kindheit erinnert. Als ihre Tochter ist es für mich genauso. Ich möchte etwas über die damalige Zeit erfahren, die so anders war als meine Kindheit, und zeitgleich ein tragisches Stück deutscher Geschichte lesen, um einfach nichts zu vergessen.

Viele werden nun sagen: Nicht noch ein so ein Buch. Es gibt 1000. und es kommen immer neue dazu, aber jedes oder fast jedes, ist auf seine Art und Weise wertvoll, da es an diese Zeit erinnert und auch heute noch aufklärt. Viele Bücher erzählen über das Glück, überlebt zu haben. Versteckt in Kellern, bei Freunden oder im Ausland. Dabei werden die Schicksale, die hier gestorben sind, oft vergessen. Einer der wenigen Belege ist das Tagebuch von Anne Frank oder das Leben der Geschwister Scholl. Und genau solch ein Buch ist auch dieses Exemplar. Abseits der Schindler-Liste geht es hier einmal nicht gut aus. Alleine aus diesem Grund finde ich das Buch schon wertvoll und unverzichtbar.

Und deswegen fällt es mir auch immer so schwer, auch mal etwas Negatives zu nennen. Doch zu 100% überzeugen konnte mich das Buch nicht. Nach einem guten Vorwort in dem der Leser die Hintergründe um die Briefe erklärt bekommt geht es in gut gegliederten Kapitel weiter. Es beginnt mit der Geburt von Lilli.
Martin Doerry gibt als Autor kleine Hilfestellungen in dem er die Situationen zwischen den Briefen, zu bestimmten Texten oder ähnliches in einer sachlichen, treffenden, authentischen, aber trotzdem feinfühligen Art und Weise beschreibt. Manche empfinden die Kommentare bzw. den erzählenden Stil schlecht oder störend, andere hätten lieber mehr davon. Ich finde die Mischung perfekt. Er lässt die Briefe oft für sich sprechen und dirigiert einfach nur leicht in die richtige Richtung.

Neben den Autorenkommentaren stehen die Briefe, die Lilli geschrieben oder erhalten hat, im Vordergrund. Über 500 Briefe wurden gefunden und einige davon gibt es hier zu lesen. Wie oben erwähnt lernt der Leser Lilli von ihrer Kindheit an kennen. Zwischen diesem Kennenlernen, das eben über den Autor stattfindet, werden immer wieder Briefe eingebaut. Mit einer anderen Schriftart gut abgegrenzt, verliert man nie den Überblick. Anfangs sind es Urlaubsgrüße oder Liebesbriefe an ihren Ernst. Und genau hier beginnt schon das erste Problem. Ich musste ganz oft den Kopf schütteln über so viel Naivität. Ich weiß, es ist eine andere Zeit, er war die große Liebe, aber schon nach wenigen Briefen und Worten ist klar: Ernst Jahn ist ein Mensch ohne Rückgrat. Wo die Liebe hinfällt, ich weiß aus Erfahrung das es viel Kraft kostet sich von einer Liebe loszusagen, wenn sie auf Grund einer Sache nicht voll und ganz hinter einem stehen kann. Da ist egal ob Religion, Kultur und Land. Das sie einen Mann geheiratet hat, der immer wieder andere Frauen, sie stehen gelassen und Probleme mit ihrer Religion hatte, ist aber etwas normales. Das ihr Mann sich dann, als auch andere Probleme mit dem Judentum haben, nämlich die Nazis, sich von ihr abwendet, wäre auch ohne Klappentext oder Vorkenntnisse klar gewesen. Gegen das Leben kann und will ich nichts sagen, auch wenn so was auffällt, aber was mich irgendwo stört ist Lillis Gleichgültigkeit. Ich habe 100. Bücher gelesen und es gab 1943 kaum einen Juden, wenn überhaupt einen Juden, der keine Angst hatte. Das Lilli wegen ihrem Mann noch anderes behandelt wurde, fand ich interessant, da ich bis dato noch nie so etwas erlebt habe. Doch auch sie spürte, dass es gefährlich wurde, sonst hätte sie nicht auswandern wollen, als es noch ging. Dementsprechend verstehe ich nicht, warum sie später, nicht einen Gang zurückgeschraubt hat. Im Grunde wurde sie doch nur verhaftet, weil auf dem Klingelschild, einer alten Visitenkarte ihr zweiter Name Sara nicht drauf stand und sie sich noch als Dr. bezeichnete, obwohl Juden alle Titel aberkannt wurden. Man kann nun sagen, sie wäre auch so verhaftet worden, zumal die Nazis damals nur nach Ausreden gesucht haben, aber ich denke, dass dies vielleicht erst viel später passiert wäre. Es sind aber alles Punkte, die ihr Leben betreffen und eigentlich kein Kritikpunkt darstellen. Lese ich mein Tagebuch, dann habe ich auch genügend Aufreger drin, wo ich mein Verhalten nicht nachvollziehen kann. Kurz, authentisches Leben.

Die Briefe sind ein weiterer Punkt. Die Briefe sind echt und ich liebe es alte Briefe zu lesen, aber die Auswahl ist schon nicht die Beste. Es ist bewegend die Veränderung in Deutschland mitzuverfolgen und später die Briefe zwischen Mutter und Kindern zu lesen. Zumal man einen guten Eindruck bekommt, wie es für die Kinder war plötzlich erwachsen sein und ohne Mutter auskommen zu müssen. Auf der anderen Seite ist die Mutter, die weiß, was auf sie zukommt, aber alles versucht ihre Kinder zu schützen und ihnen die Angst etwas zu nehmen. Das ist bewegend und ist ein guter Beleg für die damalige Zeit. ABER... Ich für meinen Teil will das echte Leben und kein Privileg. Anfangs habe ich mich gewundert. Wieso kann Lilli Pakete empfangen mit Essen, Kleidung und Co. Später wird es aufgeklärt, dass sie durch einige Kontakte Privilegien gegenüber all den anderen Mithäftlingen hatte. Und genau das ist das Problem. Die wirkliche Härte eines Arbeitserziehungslagers wird gar nicht festgehalten und ist dadurch nicht so nachvollziehbar. Dazu kommt, dass die Mädchen einzelne Briefe geschrieben haben. So bekommt man oft ähnliche Erlebnisse geschildert. Interessant, da aus man die Sichtweise von zwei unterschiedlich alten Kindern bekommt, aber irgendwo ist es auch gleich. Dazwischen fehlen oft Briefe, die vorhanden waren und von Interesse gewesen wären. Wenn begründet welche fehlten, wurde dies genannt und dann ist es okay gewesen.
An einigen Stellen hätte man sich gewünscht, das dann auf ein Kommentar verzichtet worden wäre, um dann doch einmal die Antwort lesen zu können. Aber wenn man dann die Belanglosigkeit immer wieder vor Augen geführt bekommen hat, dann wird man verstehen können, warum viele Leser einfach gelangweilt sind. Ja, die Briefe wurden zensiert, kontrolliert, sodass man nicht die Wahrheit hätte schreiben können und genauso ist mir auch klar, dass sie ihre Kinder schützen wollte, aber man erwartet doch ein paar echte Einblicke, die einfach fehlen, weil niemand erfährt, wie es in einem KZ oder Arbeitslager zuging.

Es ist ein anderes Buch und zeigt nicht die wahre Brutalität, sondern klärt auf seine Art und Weise auf. Genau deswegen bin ich dem Enkel von Lilli Jahn, dem Autoren, sehr dankbar, dass er die Veröffentlichung durchgesetzt hat, aber es beinhaltet wieder die Aufregen, die viele Leser eben stören. Privilegien und Naivität. Nichtsdestotrotz ein absolut wertvolles Buch, das auch ideal für die Schule ist, damit die Jugendlichen auch einen anderen Blickwinkel bekommen. Untermalt wird das Ganze von zahlreichen Fotos, die ihnen ebenfalls die damalige Zeit noch einmal visuell vors Auge führen. Lilli war zwar Jüdin und Ärztin, aber auch Mutter und wie man auf den Fotos sieht, eine ganz normale Frau, die man nur gerne haben kann.

Also wer etwas in einer ganz anderen Art und Weise lesen möchte und das von einer Frau, die gestorben ist, dann solltet ihr hier nicht zögern. Ich kann es trotz einiger Schwächen, die aber subjektiv sind, zu 100% empfehlen, da es wertvoller ist als andere. Vergleichbar oder auf einer Stufe mit Anne Frank, Martin Grey oder Schindlers Liste....

===Abschließendes Fazit===


Pro: Stil, Bilder, viele Briefe, interessante Umsetzung
Contra: nicht immer perfekte Briefwahl und sehr naiv
Empfehlung: Ja, 5 Sterne



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