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Zoe Beck: Das alte Kind

Da ich mich in der letzten Zeit immer schwer entscheiden konnte, was ich nun als nächstes lesen will, habe ich diesmal ein Buch aussuchen lassen. Mein Mann fand, dass dieses Werk so neu aussah und dabei interessant klag, sodass er es einfach wählen musste. Wie sich mal wieder zeigte, hat er einen goldenen Griff. 90% der Bücher, die er auswählt, sind am Ende so gut, dass das Buch eine gute Bewertung bekommt.

===Buchdaten===
Autor: Zoe Beck
Titel: Das alte Kind
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 2010
ISBN-10: 3404164431
ISBN-13: 9783404164431
Seiten: 304
Kosten: 7,99€
Serie: -

===Leseinformationen===
Genre: Thriller
Niveau: durchschnittlich
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 2 Tage

===Autor/in===
Zoë Beck, geboren 1975, wuchs zweisprachig auf und pendelt zwischen Großbritannien und Deutschland.
Ihre große Liebe neben der Literatur ist die Musik: Mit drei Jahren begann sie, Klavier zu spielen, gewann bald darauf diverse Wettbewerbe und gab zahlreiche Konzerte.
Heute arbeitet sie als freie Autorin, Redakteurin und Übersetzerin.
2010 erhielt sie den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte "Bester Kurzkrimi". (Quelle: Buchangabe)

===Optischer Eindruck===
Das Cover hat etwas ruhiges aber auch beängstigendes. Man sieht ein Schaukelpferd, einsam auf einem Holzboden und der Hintergrund ist überbelichtet, also hell. Man sucht das Kind, aber es ist keins da, und das ist genau die richtige Stimmung für den Einstieg.

===Zitierter Klappentext===
Carla Es sind nur wenige Tage, die Carla von ihrem Kind getrennt im Krankenhaus verbringt - Tage, die alles verändern. Als die Schwester ihr das Baby in die Arme legt, stellt Carla entsetzt fest: Das ist gar nicht ihr Kind! Doch niemand glaubt ihr - Fiona Fiona wacht in ihrer Badewanne auf. Kerzen stehen am Wannenrand, Blütenblätter schwimmen auf dem Wasser, das sich allmählich rot färbt - von ihrem Blut! Mit letzter Kraft schleppt sie sich zum Telefon. Im Krankenhaus behauptet sie, jemand hätte versucht, sie zu töten. Doch niemand glaubt ihr - (Quelle: Klappentext)

===Leseprobe===
http://www.amazon.de/Das-alte-Kind-Zoë-Beck/dp/3404164431/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1344764285&sr=8-1



===Sarahs eigene Inhaltsangabe===
Zwei Geschichten, ein Zusammenhang. Ende der 70er Jahre in Berlin. Carla ist erfolgreich und Mutter von zwei Kindern, als sie wegen einer Gürtelrose ins Krankenhaus muss, ahnt sie nicht, dass sich ihr Leben auf tragische Art und Weise verändern wird, denn als sie ihr jüngstes Kind, ein Mädchen von 6 Monaten endlich wieder in die Arme schließen darf, erkennt sie, dass dies nicht ihr Baby ist. Sie kämpft, aber niemand, nicht mal ihr Mann glaubt ihr. Sie muss sogar in Behandlung, denn alle denken, sie sei verrückt, denn ihr Kind hat eine tödliche Krankheit. Klar, dass sich da eine Mutter nicht mit abfinden kann und eine solche Lüge erfindet. Fliss gehört nämlich zu den alten Kindern, Kindern die mit ca. 12 Jahren sterben, weil sie schon Greise sind.

Jetzt in England. Fiona wacht in ihrer Badewanne auf und schwimmt in ihrem eigenen Blut. Mit letzter Kraft ruft sie den Notarzt, der ihr jedoch nicht glaubt, dass sie sich nicht selbst umbringen wollte. Nur blöd, dass sie sich an die letzten Stunden so gar nicht erinnern kann. Zu allem Pech erfährt sie durch diesen Mordversuch auch noch, dass ihre Eltern gar nicht ihre Eltern sind. Sie wendet sich an ihre Tante, die ihr weitere schockierende Infos zum Tod ihrer Mutter liefert. Sie empfiehlt eine Therapie bei einem Kollegen zu machen, und damit kommt ein Steins ins Rollen, womit niemand gerechnet hat, denn dieser Seelenklempner ist der Sohn von Carla, und sein Geheimnis ist tödlich.

===Sarahs meine Meinung===
Zoe Beck ist eine Autorin von der ich zwar schon einiges gehört habe, aber von der ich noch nie ein Werk gelesen habe. „Das alte Kind“ ist also mein erstes Buch aus ihrer Feder und neugierig habe ich mich ans Lesen gemacht.

Der Einstieg in das Buch war absolut verwirrend. Einerseits spielte die Geschichte im alten Berlin der 70er Jahre und dann war auf einmal ein Sprung in die heutige Zeit rüber nach England. Zwar waren diese Sprünge sehr deutlich, während Berlin groß und deutlich zu lesen war, empfand ich England doch arg klein, aber so wusste ich zumindest immer wo ich war. Später gibt es noch Briefe, die in einem grauen Kasten mit Schreibschrift verfasst werden. Man kann es schon als extrem gegliedert auffassen. Damit hatte ich kein Problem, sondern viel mehr empfand ich die beiden Orte einerseits völlig zusammenhanglos, und gleichzeitig wusste ich schon nach dem ersten Sprung, wie sie später zusammen kommen. Vielleicht nahm das einen gewissen Reiz für mich, denn nach 50 Seiten empfand ich es einfach nur als langweilig. Zwei hysterische Frauen ist einfach zu viel. Eine behauptet sie sollte umgebracht werden, behauptet verlobt zu sein, keine Verwandten zu haben, um dann alles gleich zu widerlegen. Auf der anderen Seite eine Frau, die ständig behauptet, das Krankenhauspersonal habe ihr Kind vertauscht. Es kostet den Leser einige Nerven, obwohl ich als Mutter selbst weiß, wie man sein Kind kennt. Ich hätte es auch sofort gemerkt und kann nachvollziehen, wenn man sein Kind haben möchte, und wie man sich fühlt, wenn es verschwindet, aber niemand einem glaubt. Das Hauptproblem sind eben diese hysterischen Ausraster und das Übertriebene. Ein Mann, der nie zu Hause ist, eine Mutter, der niemand glaubt, eine Frau der niemand glaubt, eine Mitbewohnerin, die sie kopiert. Vieles versteht man einfach nicht. Vieles versteht man überhaupt nicht, wodurch die Geschichte einfach blass und an den Haaren herbeigezogen wirkt. Ich als Mutter habe ständig Fotos von meinem Zwerg gemacht, um seine Veränderung festzuhalten. Schon meine Mutter hatte das gemacht. Und nun heißt es hier, das letzte Bild sei vor vier Monaten gemacht worden. Genauso fragt man sich, warum eine Frau mit einer anderen zusammenzieht, die einen bis ins kleinste Detail kopiert, obwohl man keine Fans mag. Man versteht zwar die Frauen, aber sie sind keine starken Protagonisten, mit denen man sich identifizieren mag. Obwohl sie sehr lebendig geschildert wurden, blieben sie für mich irgendwo blass.

Irgendwann kommt jedoch der Punkt, wo man sagt, man möchte die Hintergründe wissen, denn der anfängliche Verdacht bestätigt sich zu 100%. Man liest und liest weiter. Unterstützt wird das Ganze eben durch den flüssigen, modernen, illustrativen Stil und eine brisante Thematik. Kindesentführung oder das Vertauschen von Säuglingen, ist kein tägliches Problem, aber auch keins, das man nie wieder passieren wird. In diesem Fall ist es jedoch in meinen Augen eher eine enttäuschende Umsetzung. Um diese Aussage untermauern zu können, muss ich etwas mehr auf den Ausgang, also die Lösung eingehen, sodass ich es lieber im Spoiler erledige.

SPOILER ANFANG
Wie sich später herausstellt hat der Mann, aber auch der Bruder des verschwundenen Mädchens irgendwann gewusst, dass die Mutter richtig lag. Statt ihr das zu sagen oder herauszufinden was damals passiert ist, wird die Mutter im Dunkeln gelassen, und ihr wird nach wie vor der schwarze Peter zugeschoben. Schließlich war sie am Untergang der Familie Schuld, nicht die Tatsache, dass sie richtig lag, und ihr keiner geglaubt hat. Drüben in England ist es genauso. Fiona gibt Ben, einen One Night Stand als Verlobten aus, der wiederum ermittelt für jemanden wegen Fötus-Forschung im Bereich Selektion des Wunschkindes. Hier wird einem Angst und Bange, zumal man weiß, dass es genügend Forschungen in diesem Bereich gibt, und so was sicherlich irgendwo gemacht wird, ohne das es die Welt erfährt. Mit diesem Teil könnte man noch leben. Aber dann ist da Morag, ihre Kopie, und als sie stirbt, weil sie sich für Fiona ausgibt, und sich mit Dr. Jack treffen wollte, möchte man mehr erfahren, warum sie diese Kopie geworden ist. Sie wird eingeführt, als Tatsache hingestellt, dann wird einiges über die Anfänge in den Raum geworfen, aber die Gründe werden nie genannt. Das Morag sie damals umbringen wollte, ist nun ein Selbstläufer, denn es kann doch nur eine Fiona geben. Genau hier wären wirklich die Anfänge interessant gewesen. Stattdessen geht die Aufklärung einfach zu Jack über, der schon viel früher wusste, dass Fiona seine Schwester ist, und verhindern wollte, dass sie das Geld und den Ruhm ihres leiblichen Vaters ihm streitig machen will. Dazu war eine gute Recherche nötig, und eine gute Recherche hätte auch gezeigt, dass ihr jetziger Vater ihr alles zahlt, und es ihr gar nicht ums Geld gehen kann.

SPOILER ENDE
Es wird irgendwie teilweise schlecht konstruiert. Dafür ist aber alles logisch und am Ende sogar spannend. Für einen Thriller ist es jedoch zu wenig spannend, denn diese kommt erst ganz zum Schluss. Als Krimi würde ich es auch nicht bezeichnen, denn dazu fehlt die Polizeiarbeit. Es ist eine Mischung davon mit einem großen Anteil an Drama würde ich sagen.

Wie gesagt man kann es lesen, und die Frage nach den Hintergründen fesselt, sodass ich es auch als gut empfand. Zudem hatte ich das Gefühl das alles irgendwo schon einmal ähnlich gelesen zu haben, wobei ich den Titel nicht mehr sagen kann, da ich ein besseres inhaltliches Gedächtnis habe.

Alles in allem ein Buch, das in meinen Augen guter Durchschnitt ist. Sicherlich eine gute Umsetzung, im Vergleich zu anderen Werken, aber es nützt nichts, wenn es auf den ersten 200 Seiten einfach nicht zum Punkt kommt, und dann auch noch durch den Schluss nicht überzeugen kann. Mir mangelte es an Spannung und eben Klarheit. Daher auch nur eine mittelmäßige Bewertung.


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