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Ursula Wessel: Reine Frauensache



Als Leseratte lese ich rund 250-300 Bücher im Jahr und muss sehr häufig feststellen, das meine Anforderungen mit jedem Jahr etwas steigen. Dabei ist es in meinen Augen gar nicht so schwer mich zufrieden zu stellen. Ein guter Plot, ein angenehmer Stil, eine ideale Umsetzung, authentische Protagonisten und je nach Genre ein gute Portion Romantik, Fantasy oder Spannung. Keiner dieser Punkte sollte jedoch übertrieben werden. Mehr verlange ich nicht.

Das Buch habe ich bei einem Gewinnspiel gewonnen, und wurde von mir ausgewählt, da es einerseits wenig Seiten hat und zum anderen eine biographische Erzählung ist. Genau meine Sache. Sofort habe ich mich ans Lesen gemacht, und ich war noch nie sooo enttäuscht.

===Buchdaten===
Autor: Ursula Wessel
Titel: Reine Frauensache
Verlag: Frieling & Huffmann
Erschienen: 2011
ISBN-10: 3828029140
ISBN-13: 9783828029149
Seiten: 128
Kosten: 9,90€

===Leseinformationen===
Genre: Biographie
Niveau: leicht
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 7 Tage

===Autor/in===
Nichts gefunden

===Optischer Eindruck===
Optisch ist es eigentlich mein Geschmack, da auf dem Cover einige Fotos abgebildet sind, die zeigen, wie die Protagonisten ausgesehen haben.

===Zitierter Klappentext===
Den Frauen einer weitverzweigten Familie hat Ursula Wessel nachgespürt, den Großmüttern und Tanten, der Mutter und der Schwiegermutter von Reni, die offenbar autobiografische Züge trägt. Reni heißt eigentlich Irene und ist junge Witwe und Mutter zweier Töchter. Auffallend viele Witwen gab es in dieser Familie, was kein Wunder ist angesichts der Wirren des 20. Jahrhunderts. Auch uneheliche Kinder wurden mehrfach gezeugt. Faszinierend, wie bestimmte Verhaltens- und Beziehungsmuster sich zu wiederholen scheinen und jedes Leben doch einzigartig ist. Reine Frauensache! handelt von mutigen und mütterlichen, neugierigen und ehrgeizigen, schüchternen und energischen Frauen, aber auch von ihren Männern und Kindern und vor allem: von Liebe und Lebenskunst. Ursula Wessels Stil ist journalistisch knapp und faktenreich, aber doch stimmungsvoll. (Quelle: Klappentext)

===Leseprobe===
Eine Leseprobe, die ich verlinken kann, habe ich leider nicht gefunden. Wer kleinere Eindrücke haben möchte, kann diese dem Zitat, welches meine Meinung untermalen soll, entnehmen.

===Sarahs eigene Inhaltsangabe und meine Meinung===
Seine Haut war warm. „Er hat wohl getrunken“, dachte Reni und wischte ein wenig Speichel von seinem Mund. Warum waren die Lippen so fest? Sie hob seine Augenlider, der Blick war erloschen. Unfassbar, aber kein Zweifel, Richard war tot. (Zitat S. 10)

So beginnt das Buch und ist der beste Einblick in den ausgewählten Stil. Dieser ist in meinen Augen, abschweifend, naiv,unreif und wiederholend. Ein Stil, der in meinen Augen weder die journalistischen Fähigkeiten der Autorin, noch dem Inhalt gerecht werden.

Dabei ist der Inhalt absolut vielversprechend. In dem Buch wird nämlich nicht nur Renis Geschichte, sondern auch die von Großmutter, Mutter, Schwiegermutter und anderen Verwandten erzählt. In kleinen Kapitel erfährt der Leser jeweils die Situation der betreffenden Person. Anfangs nur durch die Überschrift deutlich, wer diese Person ist, setzt sich das Puzzle nach und nach zusammen, sodass man mit jedem neuen Namen eine andere Figur aus einer anderen Biographie verbindet. Immer neue Schicksale sorgen für das runde Bild, welches nachher entsteht, wenn sich der Kreis schließt.

Damit ist klar, dass sich die Protagonisten regelmäßig abwechseln. Man erkennt sie jedoch später immer wieder, wenn eine andere Geschichte erzählt wird. Sie sind an die Zeit, in der sie spielen angepasst und wirken echt. Manche sind sofort sympathisch, andere sind auf Grund ihrer Naivität einfach nur unsympathisch. Leider ist durch die Vielzahl der Figuren auch ein starkes Wirrwarr. Manche sind so einprägend, dass man sie sofort erkennt. Andere Personen erkennt man erst auf den zweiten Blick und bei anderen erkennt man zwar den Namen, aber kann sie keineswegs einordnen. Dadurch ist das Lesen zwar interessant, aber auch minimal erschwert. Einfach weil man sich fragt. „Von wem war denn das schon wieder das Kind.“.

Der Ausgangspunkt ist Renis Schicksal und dort endet das Buch auch wieder. Es hätte interessant werden können, hätte die Autorin wirklich nur zwei, drei Schicksale beleuchtet. So erfährt man viel über diesen Familienstammbaum und ich bewundere auch die starken Frauen, aber mal ehrlich es ist mir einfach zu ähnlich. Es sind Frauenschicksale, die sich von 1890 bis 1952 abgespielt haben. Vom ersten Weltkrieg und den zweiten Weltkrieg gibt es die meisten Geschichten. Im Grunde sind sie jedoch alle gleich, denn die Frauen mussten ihre Kinder zu 99% allein aufziehen. Da bekommt die eine Familie fast eine Fußballmannschaft und der Mann kehrt aus Angst einfach nicht mehr aus dem Krieg zurück. Andere Männer sterben auf dem Schlachtfeld, und andere einfach so. Die Frauen sind am Ende allein, und müssen kämpfen.

Zudem fehlt mir persönlich das Bildmaterial im Buch selbst.Ich habe mich immer wieder gefragt, wer denn nun die Personen auf dem Cover sind. Beim Lesen klärt es sich, aber die anderen Personen, die einen größeren Teil abbekommen haben, sind ohne Foto doch sehr blass. Optisch gesehen konnte ich sie mir oft nicht vorstellen.

Ich habe das Buch gelesen und eigentlich fand ich es gut. Allerdings hat mich der Stil so gestört und diese ständigen Wiederholungen von Familienmitgliedern, die ihren Mann verloren haben, dass ich nach so wenigen Seiten extrem genervt war. Normalerweise lese ich 100 Seiten in der Stunde, wenn nicht noch mehr. Aber hier hat mich das Buch so genervt, dass ich ständig abgebrochen habe. Das zeigt, wie langweilig es am Ende umgesetzt wurde. Mit jeder neuen Figur denkt man: Na, wer stirbt hier wann und wie. Das ist nicht Sinn und Zweck einer Familienbiographie. Daher wird das Buch auch nicht gut bewertet.

===Abschließendes Fazit===
Wiederholend, langweilig und naiv.

Pro: Idee
Contra: Rest
Empfehlung: Nein, 2 Sterne




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