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Brigitte Kanitz: Immer Ärger mit Opa

Als Leseratte lese ich rund 250-300 Bücher im Jahr und muss sehr häufig feststellen, das meine Anforderungen mit jedem Jahr etwas steigen. Dabei ist es in meinen Augen gar nicht so schwer mich zufrieden zu stellen. Ein guter Plot, ein angenehmer Stil, eine ideale Umsetzung, authentische Protagonisten und je nach Genre ein gute Portion Romantik, Fantasy oder Spannung. Keiner dieser Punkte sollte jedoch übertrieben werden. Mehr verlange ich nicht.

Dieses Buch wurde mir von der Autorin ans Herz gelegt, und da ich in der Regel Bücher aus dem Blanvalet Verlag liebe und dieses absolut witzig klang, habe ich ohne lange zu überlegen: JA! Gesagt, getan und wenige Tage später hielt ich das Buch in den Händen

===Buchdaten===
Autor: Brigitte Kanitz
Titel: Immer Ärger mit Opa
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 2012
ISBN-10: 3442378699
ISBN-13: 9783442378692
Seiten: 320
Kosten: 8,99€

===Leseinformationen===
Genre: Humor
Niveau: leicht
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 1 Tag

===Autor/in===
Brigitte Kanitz, Jahrgang 1957, hat nach ihrem Abitur in Hamburg viele Jahre in Uelzen und Lüneburg als Lokalredakteurin gearbeitet. Die Heide und ihre Menschen hat sie dabei von Grund auf kennen- und lieben gelernt. Sie tanzte auf Schützenfesten, interviewte Heideköniginnen, begleitete einen Schäfer mit seinen Heidschnucken über die lilarote Landschaft und trabte mit der berittenen Polizei durch den Naturschutzpark rund um Wilsede. Inzwischen lebt und schreibt sie in Italien. (Quelle: Amazon)
Quelle Weltbild

===Optischer Eindruck===
Optisch ist es eine echt geschmackvolle Wahl. Der Opa im Comic-Format versprüht Witz und lässt auf viele Lacher hoffen.

===Zitierter Klappentext===
Die Wahlgroßstädterin Nele kehrt nach Jahren zurück in die Lüneburger Heide. Im Gepäck hat sie Tränen um den frisch verstorbenen Opa. Und seine Asche – die sie prompt im ICE vergisst. Daheim sind Oma und Großtante in heftigem Streit über den Grabstein entbrannt, und Neles Mutter verschwindet auf einen Selbstfindungstrip. Zu allem Überfluss erwartet Neles Jugendliebe Karl sie sehnsüchtig, dabei träumt sie doch von Paul, Opas attraktivem Anwalt – der ihr zudem noch ein paar Familiengeheimnisse enthüllt … (Quelle: Klappentext)

===Leseprobe===
http://www.amazon.de/Immer-Ärger-mit-Opa-Roman/dp/3442378699/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1340959832&sr=8-1
Bildunterschrift hinzufügen
===Sarahs eigene Inhaltsangabe===
Nele kehrt nach Jahren wieder in die Heimat zurück. Von der Großstadt, wo sie für ein großes Hotel arbeitet, und sogar so gut wie einen Vertrag für Dubai hat, geht es in die Lüneburger Heide. Zurück zu ihrer merkwürdigen Familie. Eine Reise, die sie nur ungern antritt, aber muss, denn im Gepäck hat sie ihren Großvater. Dieser wollte sie besuchen und ist auf den Weg in ihre Wohnung einfach auf der Treppe verstorben. So chaotisch wie die Woche angefangen hat, geht sie auch weiter, denn Nele vergiss einfach ihren Großvater in einer Tupperdose im Zug. Nun heißt es der Familie beichten, oder die nette Dame aus dem Zug finden, die die Dose für sie kurz gehalten hat, als sie auf Klo verschwunden ist. Gar nicht so leicht, denn über 300 Frauen mit diesem Namen wohnen in Hamburg. Unterstützung findet Nele von ihrem schwulen Bruder. Doch damit nicht genug. Zu allem Überfluss wird sie noch von einem Mann verfolgt, der sich als Rechtsanwalt des Großvaters raus stellt, und den sie einfach auf dessen Einäscherung abgeknutscht hat. Dazu kommt eine alte Clique und ihre große Liebe Karl, der sie betrogen hat, eine Mutter die ständig abhaut, und ein Vater, der ebenfalls völlig verzweifelt ist. Als hätte Nele damit nicht schon genug Probleme, sind die Dinge, die ihr Großvater mit ihr bereden wollte, ebenfalls alles andere als harmlos.

===Sarahs meine Meinung===
Immer Ärger mit Opa“ ist ein Roman, der alleine vom Cover her schon viel Humor beweist. Der Klappentext zeigt ebenfalls, dass hier sicherlich die eine oder andere Lachträne garantiert ist. Verwicklungen solcher Art sind eine gute Grundlage.

Die Protagonisten sind der Autorin wirklich gut gelungen. Abwechslungsreich, für jeden Leser etwas dabei. Die chaotische Nele, der das Dorfleben nicht in den Kram passt, aber das Herz am rechten Fleck hat, ist genauso liebenswert, wie ihr schwuler Bruder mit seinem großen Liebeskummer oder der bäuerliche Karl, den sie nie vergessen konnte. Sie sind individuell, lebendig geschrieben und man merkt, dass sie in den 90er Jahren groß geworden sind. Dies erkennt man an Szenen, Erinnerungen und Sätzen, die Nele und ihre Freunde aus alter Gewohnheit sagen. Sätze oder gar nur Ausdrücke, die für mich absolut passend sind, denn ich kenne sie ebenfalls. Mit diesen verrückten Figuren hatte mich die Autorin sofort, denn Nele ist einfach genau mein Geschmack.

Auch der Stil ist nach meinem Geschmack. Wie gesagt ein Hauch 90er Jahre ist zu erkennen, ansonsten modern, flüssig, bildhaft und charmant. So macht es großen Spaß das Buch zu lesen. Mit diesem Stil ist es kein Problem direkt anwesend zu sein, da einfach alles so lebendig beschrieben ist. Da es sich um meine Gegend handelt, als waschechte Hamburgerin mit vielen Besuchen an der FH in Lüneburg, kenne ich die angesprochenen Gegenden sehr gut. Es ist eine Heimkehr für mich, die Erinnerungen weckt.

Doch das allein reicht mir persönlich nicht aus, denn inhaltlich kann mich das Buch nicht 100% überzeugen. Man erwartet absolute triviale Kost und ist schon bald überrascht, dass Tiefgang vorhanden ist. Es regt zum Nachdenken an, und das ist positiv, aber sonst hapert es an einigen Stellen. Es ist im Grunde ein Buch, wo ich sage: Klasse, kann ich lesen, lässt sich gut lesen, aber ich hätte auch gut und gerne darauf verzichten können. Eine Fortsetzung wäre mir egal. Und diese Aussage / Stimmung kommt bei mir nur auf, wenn ich nicht restlos überzeugt bin.

Das Problem liegt einfach in dem Zuviel. Die Grundidee, dass ein alter Herr eine Reise antritt, dafür einen Grund hat, den die Leser erst später erfahren, da er vorab verstirbt, finde ich sehr gut, denn ich liebe Geheimnisse. Die Suche nach der Frau, die vielleicht die Asche hat, ist ebenfalls ein guter Aspekt, aber danach wird es einfach zu viel. Zum Beispiel reicht es in meinen Augen,wenn eine außergewöhnliche Figur eingebaut wird. Für ein Dorf ist ein schwuler schon cool. Das wenige Seiten später die Mutter ebenfalls austickt und sich in einer Kommune in Hamburg einnistet, um ihr Leben noch einmal zu genießen ist etwas viel. Es ist aber ein Punkt, wo man noch sagen okay, passt schon. Im Bereich der Liebe gibt es auch ein solches Verwirrspiel, denn da ist nicht nur Karl, sondern auch der knutschende Unbekannte. Auch wieder ein Doppel, aus dem jedoch ein gutes Liebeskuddelmuddel werden könnte, aber leider nur oberflächlich wird, denn trotz Alkohol ist klar, was Nele will und tun wird. Nun könnte man meinen, das ist eine lustige Sache und zwei Sachen, sind doch nicht so tragisch. Nummer drei ist jedoch eindeutig zu viel und hat für diese Meinung gesorgt. Das Geheimnis des Großvaters ist nämlich nicht nur einfach, sondern ebenfalls doppelt.

SPOILER
In diesem Fall beichtet der Großvater, dass er einen Seitensprung hatte und die leibliche Mutter seines einzigen Sohnes auch noch bei ihnen wohnt. Wer es ist, verrate ich jedoch nicht. Dieses Geheimnis fand ich noch sehr gut, aber der Trumpf ist das Geheimnis, dass auch Nele nicht das leibliche Kind ist. Sie ist ein Findelkind, welches einfach klammheimlich ausgesetzt, nicht gemeldet wurde, und über all die Jahre als eigene Tochter anerkannt wurde. Mit diesem Punkt hat die Autorin für einen Aufreger gesorgt. 70er Jahre schön und gut, aber ein Kind einfach so als sein eigenes auszugeben, war damals sicherlich genauso schwer und wer würde das Kind heimlich behalten, nur weil es mit einem Zettel da liegt. Schon sehr unwahrscheinlich, aber okay. Das der Vater dann noch ein Schwerverbrecher war, ist noch mal die Krone. Vielleicht versteht ihr, warum ich nun sage, es ist zu viel.

SPOILER ENDE

Sicherlich ist es angenehm zu lesen, weißt keine Fehler auf und ist auch eine gute Idee, aber trotz Verwicklungen konnte ich kein einziges Mal auch nur lächeln. Das Titel, Cover und Klappentext dies vermuten lassen, kann ich noch verschmerzen und auch wenn ich gerne mal etwas humorvolles lese, habe ich nichts gegen Tiefgang, aber hier hätte die Autorin definitiv lieber die humorvolle Schiene wählen oder dem Motto treu bleiben sollen: Weniger ist mehr.

Ein solides Buch, welches ich jedoch nicht erneut lesen wollen würde.

===Abschließendes Fazit===
Was der Tod eines Menschen bewirkt, erfahrt ihr hier.

Pro: Idee, Stil
Contra: zu viel des Guten
Empfehlung: Ja, aber 3 Sterne




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