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Rachel Joyce - Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

WORUM GEHTS 
Harold Fry will nur kurz einen Brief einwerfen an seine frühere Kollegin Queenie Hennessy, die im Sterben liegt. Doch dann läuft er am Briefkasten vorbei und auch am Postamt, aus der Stadt hinaus und immer weiter, 87 Tage, 1000 Kilometer. Zu Fuß von Südengland bis an die schottische Grenze zu Queenies Hospiz. Eine Reise, die er jeden Tag neu beginnen muss. Für Queenie. Für seine Frau Maureen. Für seinen Sohn David. Für sich selbst. Und für uns alle. (Quelle: Klappentext)

SARAHS MEINUNG


Copyright Krüger Verlag
Rachel Joyce ist eine Autorin, die ich bis zu diesem Titel noch nicht kannte. Mit ihrem Werk hat sie sich jedoch in mein Herz geschrieben.

Der Leser wird in die kleine Welt von Harold Fry entführt, der pensioniert, einen langweiligen und festen Tagesablauf hat. Ein Brief wirft ihn völlig aus der Bahn und reißt alte Wunden wieder auf. Mit Harold und den anderen Figuren, ist es der Autorin gelungen, normale Menschen, wie du und ich erstehen zu lassen. Sie wirken mit ihren Wehwechen, ihren Ängsten und Gefühlen, absolut realistisch. Auch wenn ich selbst mit 28 Jahren mich eigentlich nicht in das Leben eines 65jährigen hineinversetzen kann, hat es die Autorin geschafft, alles authentisch wirken zu lassen. Diese Lebendigkeit und Ehrlichkeit ist erschreckend, aber positiv gemeint. Mit Harold als Hauptfigur konnte ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen.

Das lag jedoch nicht nur an seiner guten Umsetzung, sondern auch am ausschmückenden, lebendigen, einfachen und echten Stil. Es wirkt nichts künstlich, aufgesetzt oder in die Länge gezogen. Die Autorin versteht es das Wesentliche im Auge zu behalten und dafür zu sorgen, dass alles klar und verständlich dargestellt wird.

Auch die Umsetzung im Allgemeinen steckt voller Liebe und Können. Zahlreiche Kapitel zeigen die wichtigsten Abschnitte seines Marsches. Am Ende ist sogar eine Karte von England, die seine Route aufzeigt. So kann der Leser genau verfolgen, wo er langgegangen ist. Allerdings gibt es hier auch kleinere Schwächen, die jedoch vom Gesamtbild überdeckt werden. Zahlreiche Sprünge der Perspektive, wie zum Beispiel zwischen Harold und Maureen, sorgen dafür, dass man überlegen muss, wo man sich gerade befindet. Zudem muss man genau lesen, um den zeitlichen Wechsel von Gegenwart zu den früheren Ereignissen nicht zu verpassen. Trotz dieser kleinen Schwächen, denn in meinen Augen ist es einfach zu viel, ist alles logisch und ersichtlich.

Inhaltlich setzt die Autorin auf die Bewältigung der Vergangenheit. Ein vielschichtiges Thema, dass schon so mancher Autor für sich als Themengebiet benutzt hat. In diesem Fall beinhaltet es die verschlossenen Augen gegenüber des Sohnes. Sein Alkoholkonsum, Depressionen und Drogen. Sein gesamtes Verhalten wurde über Jahre schön geredet. Ebenfalls wird lange über den Selbstmord des Sohnes und die Folgen für die Eltern behandelt. Dies ist zwar ein Teil der Selbstfindung, aber da schon nach wenigen Seiten ersichtlich ist, dass der Sohn Selbstmord begangen hat, empfinde ich nicht, dass ich mit diesem Hinweis zu viel verrate. Neben der ganzen tragischen Geschichte um seinen Sohn, lüftet sich auch nach und nach das Geheimnis um Queenie und sorgt für ein Aha-Effekt, der Tränen rührt.
Insgesamt erinnert mich die Pilgerreise leicht an Forrest Gump. Gerade wo auch hier die Medien so aktiv wurden.

Eine wirklich schöne Geschichte, die jedoch schlecht aufgeteilt wurde. Auf den ersten 200 Seiten wird das 1/3 des Weges bis ins kleinste Detail beschrieben. Hart, bewegend und schmerzhaft, nicht nur für den Protagonisten. Die nächsten 100 Seiten beschreiben den restlichen Weg. Für mich einfach zu kurz, wenn man bedenkt, wie ausführlich vorher alles war. Hier hätte die Autorin ein besseres Mittelmaß finden sollen. Auf den letzten Seiten befasst sie sich mit der Auflösung und Aufarbeitung. Ein Schluss, der logisch, authentisch, passend und absolut traurig ist. Tränen sind hier vorprogrammiert.



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