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Hildegard Bildt: Jora und Knopotschka

WORUM GEHTS 


1947 in Hohenschöpping: Elfriede und Hildegard leben mit ihren Eltern in einem Gasthaus im Havelland. Der Krieg ist vorbei,

doch die Russen besetzen diesen Teil Deutschlands. Vieles ist noch immer rationiert oder gar nicht zu bekommen; Vergewaltigungen seitens der Russen sind an der Tagesordnung; und die Angst ist ein ständiger Begleiter. Kein Wunder, dass die Eltern in Panik geraten als nach der Sperrstunde russische Soldaten in ihr Gasthaus kommen, und von ihren Töchtern bewirtet werden wollen. Für Hildegard ist es ein Abend, der alles verändert, denn sie lernt den russischen Fahrer der Offiziere kennen. Er selbst nennt sich Jora und ist genau nach Hildegards Geschmack. Als er sie liebevoll Knopotschka, also Knöpfchen, nennt und ihr sagt, dass er sie wiedersehen will, wird klar, dass hier schon die ersten zarten Gefühle im Spiel sind. Sie treffen sich heimlich, und als er sie zum Sex überredet ist das Nein nur sehr schwach. Bald zieht er in den Gasthof, um ihr Nahe zu sein, und sie leben heimlich wie Mann und Frau. Eine verbotene Liebe, die wie aus einem Märchenbuch ist - romantisch, innig und rein. Doch dann überschlagen sich die Dinge, denn Jora rastet in seiner Eifersucht aus und schießt. Hildegard geht aus diesem Grund nach Berlin, doch schon bald trifft sie sich wieder heimlich mit Jora. Bis zu dem verhängnisvollen Abend, als eine andere Frau ihn entdeckt und er sich mit ihr trifft. Dieses betrügen verletzt Hildegard nicht nur massiv, sondern stellt ihre Liebe auf eine harte Probe, denn Jora wird nicht nur mit Bunker sondern mit Rückkehr nach Russland „bestraft“, auch wenn seine Rückreise schwerwiegendere Gründe hat. Kann diese Liebe trotzdem siegen?



SARAHS MEINUNG 

Der Leser wird in diesem Buch in eine Zeit entführt, die für die deutsche Geschichte einen erschreckenden Meilenstein dargestellt hat. Es ist eine Zeit mit der ich mich persönlich sehr verbunden fühle. Das liegt vielleicht daran, dass meine Mutter, Baujahr 38, viel mit dem zweiten Weltkrieg und den Jahren des Wiederaufbaus verbindet.



Diese Geschichte spielt in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg und ist somit etwas anderes, als die typischen Versteck-Szenarien von Juden. Hier geht es um eine Liebe zwischen einer Deutschen und einem Russen. Verboten, und doch nicht so selten. Da meine Mutter selbst im Ost-Bezirk aufgewachsen ist, sind ihr die Übergriffe, Entbehrungen und auch Vergewaltigungen seitens der Russen kein Fremdwort. Neugierig machte ich mich ans Lesen und war sofort gefesselt.



Der Leser wird in die Phase des Kennenlernens geworfen, wobei er vorab Hildegard, aber auch ein Stück der Familie kennenlernt. Hildegard wird als selbstbewusste Protagonistin dargestellt, die lebendig und farbenfroh geschildert wird. Ihre Beschreibung lässt sofort das Coverbild zum Leben erwachen und zeigt, wie man sich ein junges Mädchen in den ersten Jahren nach den Krieg vorzustellen hat. Untermalt wird ihre Darstellung, aber auch die von Jora mit einigen Fotografien. Auf Grund der Protagonisten war ich sofort mit der Geschichte verbunden und hatte das Gefühl diese Zeit wirklich besser verstehen zu können. Einfach weil Handlungen, Gedanken und Situationen durch die Figuren so authentisch vermittelt wurden. Gerade dadurch, dass der Leser weiß, dass es auf einer wahren Begebenheit beruht, ist das Lesen noch intensiver.



Inhaltlich befasst sich das Buch mit der Liebesgeschichte zwischen Jora und Hildegard. Hauptsächlich spielt es in den Jahren 1947-1948. Es vermittelt die unfassbare Situation zweier Liebenden, denen es verboten ist, zu ihren Gefühlen zu stehen. Sie wissen, dass diese innige Liebe nicht gestattet ist. Heimliche Treffen und Ausflüge stehen an der Tagesordnung. Bei den Schilderungen hatte ich stets das Gefühl vor Ort gewesen zu sein oder selbst eine beteiligte Person gewesen zu sein. So realistisch habe ich die Zeit selten präsentiert bekommen. Die Verboten zwischen den Deutschen und den Russen, die Rationierungen, das Verhalten der US-Soldaten, die Entbehrungen des besetzten Deutschlands, die Wünsche und Hoffnungen sind authentisch in Szene gesetzt.



Der Stil ist ebenfalls ansprechend, leicht, fast jugendlich und zeigt dem Leser, wie Hildegard die Situation damals erlebt hat. Es lässt sich flüssig lesen und macht auf Grund des detaillierten Stils großen Spaß.



Man hofft und bangt mit dem Liebespaar und dadurch fliegen die Seiten nur so an den Leser vorbei. Es ist eine Liebe, wie man sie sich heute nur wünschen kann. Am Liebsten würde man gar nicht mehr aufhören, und doch naht das Ende des Buches. Der Leser hat ein Bild vor Augen, wie es ausgeht, und sehnt sich auch richtig nach diesem Ausgang. Doch dann überschlagen sich so die Dinge, dass die letzten Seiten noch einmal Zittern lassen und den Leser, zumindest mich, überrascht haben.



Durch diesen Schluss zeigt die Autorin, dass Schicksale nicht vorhersehbar sind und dass es sich hier um die Realität handelt. Aus diesem Grund bin ich leicht traurig aus diesem Buch gegangen, obwohl es für mich eins der schönsten Liebesgeschichten enthielt, die ich in den letzten Monaten gelesen hatte. Aus dem Leben gegriffen und perfekt umgesetzt, ist es eine Biographie, die so manchen Leser begeistern wird. Viel schöner als eine ausgedachte Liebesgeschichte.

Autor: Hildegard Bildt

Titel: Jora und Knopotschka

Verlag: Zeitgut

Erschienen: 10/2010

ISBN-10: 3866141742

ISBN-13: 9783866141742

Seiten: 191

Kosten: 8,95€



===Leseinformationen===

Genre: Schicksal

Niveau: leicht

Leserschaft: Frauen

Lesedauer: 2,5 Stunden

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