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Justyna Polanska: Unter deutschen Betten

WORUM GEHTS 


Copyright Droemer-Knaur
Justyna hat einen großen Wunsch – sie möchte Visagistin werden. In Polen undenkbar. Selbst Studierte müssen in den schäbigsten Küchen für rund 350€ im Monat knüppeln. Als sie eine Anzeige sieht, ruft sie kurzer Hand an. Eine Landsmännin vermittelt sie als Au-Pair nach Deutschland. Dort angekommen ist es jedoch noch schlimmer als zu Hause. Das Paar inzwischen getrennt; die Tochter nur ganz selten beim Vater, und dieser völlig pleite. Für Justyna bedeutet es kaum Essen, ihr Lohn wird unregelmäßig gezahlt, der Deutschunterricht nur im ersten Monat und zu allem Überfluss muss sie auch noch Putzfrau spielen. Selbst ihre Familie, die sie besucht wird als Chauffeur oder Putzfrau ausgenutzt. Als Justyna die Chance bekommt in einem Imbiss zu arbeiten, packt sie ihre Sachen. Doch rund 12 Stunden am Tag sind zu viel des Guten. Sie nimmt die Gelegenheit war, als ihr Freund ihr anbietet bei einer Putzkolonne einzusteigen. Nach der Trennung ist das Jobangebot erledigt, aber Justyna bleibt diesem Job treu. Sie sucht sich selbst private Haushalte und fängt dort als Putzfrau an. Von der Anwältin über einen schwulen Firmenberater bis hin zu Prominenten-Junkies. Klar, dass in all den Jahren zahlreiche Geschichten zu Tage kommen. Mit der Aufdeckung der Schumacher-Geschichte entscheidet sich Justyna mit all ihren Arbeitgebern abzurechnen und lässt uns an ihrem Berufsalltag teilhaben.
Die langatmige Lebensgeschichte einer Polin, die außer Vorurteilen und heißer Luft nichts zu bieten hat. 
SARAHS MEINUNG


Kommen wir zu aller erst zu meiner Überschrift bevor ich noch als Polen-Hasser oder ähnlich abgestempelt werde. Ich selbst war drei Jahre mit einem sehr stolzen Polen zusammen, der in seiner Kindheit nach Deutschland gekommen ist, da sein Vater erkrankte und seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Obwohl er sich hier wohl fühlt, war er im Herzen immer stolz auf seine Herkunft. Dementsprechend hat man das Land, die Kultur, die Landsleute mit einem ehrlichen Blick kennenlernen dürfen. Schwarze Schafe gibt es überall. Klauen tun Deutsche genauso. Und bezüglich der Jobs ändert sich drüben langsam einiges, aber es gibt genügend Beispiele, die zeigen, dass es für die Jugend schwer ist. Aber mal ehrlich, die Zahl der Schulabbrecher und Arbeitslosen spricht auch hier für sich. Nichtsdestotrotz empfinde ich Polen nach wie vor als humorvolles, gastfreundliches, familiäres und offenes Volk.

Das Buch beginnt mit einem Putzjob der besonderen Art. Justyna kommt in die Wohnung eines alten Mannes, wo sie auf Grund des Gestankes das Schlimmste befürchten muss. Der Leser ist gefesselt und will mehr darüber erfahren. Genau damit trifft sie den Geschmack der Mehrheit. Skandale, schmutzige Details, traurige Schicksale - das wollen viele Leser, um von ihren eigenen Problemen abgelenkt zu werden. Vor der eigenen Tür mag doch keiner kehren. In diesem Fall wird der Leser mit den Informationen zu diesem Putzjob bis zum Schluss ans Buch gefesselt.

Der lockere Plauderton den Justyna an den Tag legt, sorgt für einen angenehmen Lesefluss. Ich habe kaum gemerkt, wie die Seiten an mir vorbeiflogen. Mit ihrem eigenen Humor, den zitierten Gesprächen packt sie den Leser und entführt ihn in eine Welt voll dreckiger Wäsche. Man hat das Gefühl, als würde sie einem persönlich gegenüberstehen und bei einer Tasse Kaffee den neuesten Tratsch verbreiten. Zumindest könnte es so sein, denn der leichte, moderne, freundschaftliche, humorvolle und verschwörerische Ton sind wirklich melodisch. Man muss nicht groß nachdenken, sondern lässt sich mit dem seichten, langsamen Bächlein hinfort tragen.

Doch die versprochenen schmutzigen Details, dunklen Geheimnisse und absoluten Unmöglichkeiten sind Mangelware, und wurden größtenteils schon mit dem Klappentext abgehakt. Wer sich nun berechtigt fragt, was Justyna dann auf den 224 Seiten preisgibt, wird nicht unbedingt erfreut sein. Lang und ausführlich lässt sie den Leser an ihrem Leben teilhaben. Angefangen mit der Anreise nach Deutschland, ihre Beziehungen, Besuche der Familie oder den ersten Flirtversuchen ihrer Schwester. Es ist nett, aber nichts besonderes. Um den Leser nicht zu langweilen gibt sie zwischendurch immer einige schmutzige Geschichten zum Besten. Zum Beispiel berichtet sie ausführlich wie ein gewisser Frank sie ständig belästigt hat und sie zum Nacktputzen überreden wollte. Nach einigen heruntergelassenen Hosen oder sexuellen Andeutungen, kommt die Frage auf, ob sie denkt „Sex sells“. Klar ist es lustig zu sehen, was für komische Vögel sich auf eine Putzanzeige melden, aber mich hätten die Geheimnisse hinter verschlossenen Türen mehr gereizt. Sie kommen vor und werden dann ebenfalls lang und breit geschildert. Es sind Geschichten von hysterischen Frauen, Möchtegern Prominenten und einsamen Männern. Es sind Details von Scheiße am Klo oder blutigen Binden-Slips in der Ecke. Genau die Dinge, die viele abstoßen, aber im Grunde auf die sie aus sind. Hier ist das Problem eindeutig die Wiederholung. Zum Beispiel wird die Scheiße am Klo platziert, um ihre Putzqualitäten zu überprüfen. Ständig wird sie überprüft, was bei jeder Putzfrau normal wäre. Genauso beschwert sich Justyna regelmäßig, dass sie nicht immer genug geschätzt wird. Bei einigen Familien sei ein Glas Wasser sogar zu viel. Sie führt sogar eine Hitliste von abartigen Weihnachtsgeschenken, wie zum Beisiel eine Kerze und Tee. Es sind Dinge die einen nur den Kopf schütteln lassen. Ich arbeite in der Gastronomie und wie oft müssen wir, abhängig von der Lokalität oder der Kantine unsere Getränke auch selbst bezahlen oder mitbringen. Ich würde nie auf die Idee kommen, dass etwas umsonst sei. Und ich habe oft nichts zu Weihnachten bekommen. Klar ist ein Präsentkorb mit fast abgelaufenen Sachen nicht gerade doll, aber es zählt doch die Geste. Ich habe mal in einer polnischen Agentur gearbeitet und zu Weihnachten gab es dort neben Tee und belegten Brötchen nur einen warmen Händedruck und eine Stunde früher Schluss. So viel zu dem Thema. Zeitgleich beschwert sie sich ständig über die Kommentare über ihre Herkunft. Ich sage dazu nur, ich wurde selbst von meinen Schwiegereltern in spe oft als deutsche Kartoffel bezeichnet, die sich dumm für ein paar Kröten abrackert. Während meiner Polenurlaube wurde man als Deutsche ebenfalls nur schief angeschaut, trotz der Tatsache, dass viele Polen mit Deutschen zusammen sind. Vorurteile gibt es auf allen Seiten. Doch hier wird regelrecht darauf herumgeritten. Nur weil sie aus Polen stamme, würde sie bei zahlreichen Putzstellen kontrolliert. Bei deutschen Putzfrauen ist dies ebenfalls der Fall. So wie in der Gastronomie zu viel Geld gezahlt wird, um die Ehrlichkeit zu kontrollieren.
Ausländerfeindlichkeit kann man eben nur als Ausländer spüren, und sie ist fast selbstverständlich da. In Deutschland. Auch in Westdeutschland. Immer noch. (Zitat. S. 15)
Justyna lässt sich selbst sogar als völlig unglaubwürdig dar stehen. Sie kommt aus bestimmten Gründen nach Deutschland und möchte hier Karriere machen. Immer wieder wird darauf eingegangen. Auch ihre Schwester würde putzen, um sich später damit das Studium zu finanzieren. Die Jahre vergehen und auch nach 11 Jahren ist Justyna noch Putzfrau. Diese Perspektive hätte sie in Polen für das gleiche Geld gehabt, und hätte sich nicht mit so ungastlichen deutschen Haushalten herumärgern müssen. Zudem beschwert sie sich über die Vorurteile und zur gleichen Zeit zeigt sie sogar auf, dass auch sie rund 1200€ im Monat schwarz verdient. Womit sie eins der Vorurteile doch wieder aufleben lässt. Statt ihr Geld für die Ausbildung zu sparen, gibt sie es lieber für Urlaube, Kosmetika und Co. aus. Ihr Ziel ist längst aus den Augen verloren. So was ist nicht gerade sympathisch.

Man hat durchweg das Gefühl, dass Justyna durch ihre langgezogene Geschichte auf Seiten zu kommen, da ihr Alltag nicht genug Stoff bietet. Spätere nur am Rande erwähnte Beispiele, hätten deutlich mehr Interesse geweckt. Doch dafür sei kein Platz mehr gewesen. In meinen Augen wurde hier definitiv versucht Geld zu machen. Wenig Aufdeckung dafür mehr langweiliger Hintergrund, der selbst mit der typisch humorvollen Art der Polen nicht wirklich überzeugen kann. Zu viel Gejammer, zu viele Wiederholungen und zu viel Drumherum. Das was die Leser wirklich wollen, kommt definitiv zu kurz.

Das einzig Brauchbare in dem Buch sind wirklich die Putztipps. Wobei ich sicherlich nichts gegen die dunklen Geheimnisse sagen will, denn auch diese sind definitiv interessant. Doch ich habe mir einfach mehr erhofft, denn letzteres ist einfach zu wenig vertreten. Der Titel verspricht definitiv mehr, als die Umsetzung halten kann. Das Gesamtpaket war eine locker, leichte Enttäuschung, die man schnell wieder vergisst. „Putzfrauen-Tratsch“ bietet da schon deutlich mehr Details, auch wenn dies kürzer ist und nicht in einem renommierten Verlag erschienen ist. In diesem Fall zum Fenster herausgeworfenes Geld, das nur einen Schwarzarbeiter unterstützt..



Autor: Justyna Polanska
Titel: Unter deutschen Betten
Verlag: Knaur
Erschienen: 10.1.2011
ISBN-10: 3426783975
ISBN-13: 9783426783979
Seiten: 224
Kosten: 8,99€

===Leseinformationen===
Genre: Humorvolle Tatsachen
Niveau: trivial
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 2,5 Stunden

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