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Nicolas Fayé: Wie das Flüstern der Zeit

Gegen Ende der Bronzezeit erhält das Mädchen Alesha ein geheimnisvolles Amulett. Gleichzeitig machen sich die drei Freunde Lorin, Gilgas und Amerus auf eine abenteuerliche Suche nach einem neuen Metall, das weit im Osten gefunden wurde. Die Wege Aleshas und der drei Freunde kreuzen sich immer wieder. Aber auch der geheimnisvolle Wanderer Thorai scheint ein starkes Interesse an Aleshas Amulett zu besitzen.

Autor: Nicolas Fayé, Titel: Wie das Flüstern der Zeit, Verlag: BoD
Erschienen: 2009, ISBN-13: 978-3839137505
Seiten: 280, Einband: TB
Kosten: 17.90€, Serie: in Planung





Zur gleichen Zeit fiel Gores Blick auf seine Frau und seine Tochter und er mußte lächeln. Dieser Anblick war ihm vertraut und er liebte ihn. Alesha war sein einziges Kind und er würde den Tag des Abschieds voller Wehmut erleben. Die letzten vierzehn Jahre waren für ihn wie ein Wunder gewesen. Sie hatten ihm gezeigt, daß nicht nur Jungen wirkliches Glück brachten. Er lehnte sich an den Baum in seinem Rücken und lächelte tief in Gedanken versunken. Er hörte den donnernden Hufschlag, bevor er die Reiter kommen sah. Die Herden, die auf der Steppe grasten, liefen nach allen Seiten wild auseinander, als die Fremden mit lautem Gebrüll durch sie hindurch ritten. Noch bevor Gore aufspringen konnte, um seine Waffen aus dem Sommerzelt zu holen, durchschlug ein gefiederter Pfeil seine Kehle und nagelte ihn an den Baum. In den nächsten Minuten sah er das Ende des Stammes. Die alte Becka humpelte über den Platz und versuchte, zu einem Dickicht zu gelangen, um sich zu verstecken. Sie sah den Reiter hinter sich nicht und spürte auch nicht den Schlag seiner Keule, der ihr den Schädel zertrümmerte. Sie war tot, noch bevor sie auf den Boden aufschlug. Ameswinth rief ihrer Tochter zu sich zu verstecken, als einer der fremden Krieger ihr einen Dolch zwischen die Rippen stieß. Dann schnappte er sich das Mädchen und versuchte, sie mit Rohlederriemen zu fesseln. Alesha wehrte sich mit aller Gewalt und kratzte dem Krieger mit ihren Fingernägeln quer über sein Gesicht. Aber alle Gegenwehr nützte nichts. Der Angreifer war stark und unbarmherzig. Mit seinem Hartholzbogen versetzte er ihr einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf, so daß das Mädchen bewußtlos in sich zusammensank. Er fesselte Alesha, warf sie fast beiläufig über den Sattel seines Pferdes und ging langsam über den Platz zwischen den Sommerzelten auf Gore zu. (Vom Autor genehmigter Auszug: http://nicolas-faye.jimdo.com/wie-das-flüstern-der-zeit/leseprobe)


Historische Romane sind endweder vollgestopft mit Fakten, total trocken und in einem der Zeit angepassten Stil, oder spannend, bildhaft und lehrreich. Dieser Roman gehört definitiv in letztere Kategorie. Wie der Autor selber sagt „Hier stehen die Abenteuer seiner Protagonisten im Vordergrund und nicht so sehr die historische Realität“. Ich selber habe mich bis dato noch nie mit der Bronzezeit befasst. Sicherlich habe ich schon mal das eine oder andere Buch darüber in meiner Jugend gelesen, aber Fakten an sich sind mir nicht vertraut. Daher hätte ich mich sehr gefreut, wenn der Autor am Anfang seiner Geschichte eine kleine Faktentabelle erstellt hätte, wo man die wesentlichen Aspekte dieser Zeit im Überblick erfährt.


Die Geschichte um Alesha beginnt mit ihrer Geburt und wird dem Leser in einem „Sprung-Stil“ erzählt. Kurz gesagt, es hat parallele Handlungsstränge. Neben ihrer Geschichte und Reise, erfährt der Leser alles über die drei Freunde, verfolgt ihren abenteuerlichen Weg, aber auch Tronto und seinen Erlebnisse werden nicht übergangen. Dabei achtet der Autor darauf, dass er nur an einem neuen Kapitel einen Ortswechsel praktiziert. Was ich sehr lobenswert finde, denn ist übersichtlicher. Andere Autoren springen mitten im Text zu einem anderen Geschehen und es ist dadurch oftmals schwer zu verfolgen.
Der Stil selbst ist sehr bildhaft, modern, lebendig, packend und auch für jüngere Leser verständlich. Mein größtes Problem waren die ganzen Namen zu behalten. Ich habe aber generell ein schlechtes Namensgedächtnis. Ansonsten war ich schon nach zwei Seiten in der Geschichte und spätestens ab ihrer Versklavung, konnte ich das Buch nicht mehr freiwillig aus der Hand legen. Bei seinen Schilderungen merkt man sofort, dass er sich mit der Materie ausführlich befasst hat. Wie er Krokodile schildert. Einfach famos. Man weiß sofort was er meint, begreift aber, wie Leute, die damals unerforschten Tiere empfanden.


Und ich empfinde nicht so, dass der Autor die historische Realität außer Acht lässt. Er nennt zwar keine Fakten, Zahlen, Daten und nimmt auch keine verstorbenen Persönlichkeiten dieser Zeit als Basis. Dafür schildert er vertändlich, wie das Leben damals war. Die Arbeit, die Waffen, Menschen, der Alltags, die Städte und die Landschaft. Mir persönlich reicht dieses historische Wissen, was das Buch dem Leser vermittelt. Dadurch wird man nicht gelangweilt und kann seiner Fantasie freien lauf lassen.
Gelesen habe ich das Buch an drei Tagen. Was aber mehr an meinem gesundheitlichen Zustand lag, als am Inhalt, sonst hätte ich es definitiv schneller durchgelesen.


Empfehlen kann ich diesen Fantasy angehauchten, historischen Roman jeden. Und ich freue mich auf die folgenden drei Teile, denn es soll eine Tetralogie werden. Auch wenn dieser Autor bis dato im Grunde unbekannt ist, solltet ihr euch an dieses Werk wagen, denn es wirklich sehr gut.


Ich bedanke mich bei Nicolas Fayé ganz lieb für das Rezensionsexemplar. 

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