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Morgan, Marlo: Traumfänger

==Auf den Spuren der Aborigines==




Die Stammesmitglieder gingen nämlich fast unmittelbar nach unseren Mahlzeiten in die Wüste hinaus und entleerten sich. Ihr Stuhl stank dabei nicht so penetrant, wie man es bei unserem gewohnt ist. Nach fünfzig Jahren Zivilisationskost würde es sicher einige Zeit dauern, bis mein Körper entgiftet war, aber wenn ich noch länger im Outback blieb, konnte ich es schaffen. (Zitat S. 122)


Dieses Zitat stammt aus dem Buch „Traumfänger“ welches ich mir vor genau drei Jahren in einem riesigen Buchpaket ersteigerte. Da ich gerne solche Berichte lese, habe ich mir das Buch bis jetzt aufgespart. Wie man an dem Zitat erkennt, geht die Autorin detailliert auf ihre Erlebnisse im Outback ein. Was man noch so über die Aborigines erfährt und wie das Buch insgesamt ausfällt, lest selbst.
 
===Zitierter Klappentext===
Was eine seltene Ehre ist, kostet die amerikanische Ärztin Marlo Morgan zunächst viel Kraft und Überwindung: eine dreimonatige rituelle Wanderung durch den australischen Busch als Gast der Aborigines. Doch im Laufe der strapaziösen Tour erfährt sie eine ungeheure emotionale Bereicherung und spirituelle Wandlung. - Der Bestseller jetzt erstmals im Taschenbuch

===Sarahs Meinung===
Australien mit seinen Weiten ist ein faszinierender Kontinent der immer wieder Schauplatz von Romanen wird. „Traumfänger“ ist ein solcher Roman, der sich jedoch auf einer tatsächlichen Begebenheit beruht, und dem Leser die Ureinwohner Australiens näher bringen. Nur vom Titel her erwartete ich eher einen Thriller oder Horror-Roman, als ich das Werk damals im Überraschungspaket ersteigert hatte.

Doch „Traumfänger“ entführt seine Leser an die Seite von Marlo Morgan, einer Dame in den 50er Jahren, die ihr Leben in den USA aufgibt, um sich dem Gesundheitssystem der Australier anzunehmen. Während eines Projektes, bei dem sie sich um die meist arbeitslosen jungen Aborigines kümmert, bekommt sie von einem Aborigines-Stamm eine Einladung. Doch statt einer normalen Ehrung mit Blumen, Urkunde und einem netten Buffett, wird ihre gesamte Kleidung verbrannt, damit sie gereinigt an einer langen Reise des Stammes teilnehmen darf. Anfänglich stäubt sie sich noch, doch nach dem ersten Tag voller Qualen, geschundener Füße und eines extremen Sonnenbrandes, fällt es ihr nicht schwer den nächsten Tag dranzuhängen, bis sie letzten Endes die komplette Reise mit dem Stamm miterlebt. Trotz zahlreicher Entbehrungen und Schmerzen ist es ein Erlebnis, welches sie verändert und tief berührt. Dem Leser versucht sie ihre Erfahrungen auf den Spuren der Aborigines so lebendig, realistisch und ehrlich wie nur möglich zu vermitteln.

In 30 mehr oder weniger kurzen Kapiteln versucht Marlo Morgan die wesentlichen Erlebnisse ihrer Reise durch den Outback in Worte zu fassen. Jedes Kapitel bezieht sich auf ein Erlebnis, eine Situation oder einem wichtigen Merkmal der Ureinwohner. Dabei achtet die Autorin geschickt darauf, dass sie ihre Leser nicht durch langatmige Beschreibungen langweilt. Statt die tatsächliche Reise bis ins kleinste Detail zu schildern, nimmt sie sich wirklich nur relevante Details in ihrer Erzählung auf. Dadurch vermeidet sie langatmige Wiederholungen, die sich auf ihrem Weg durchs Outback sicherlich ergeben hätten. Lediglich mit kurzen Worten deutet sie gelegentlich an, dass sich zum Beispiel ihre Füße immer noch total geschunden sind.

In ihren kurzen Geschichten geht sie auf die Gesundheit, die Nahrung, das abendliche Vergnügen, bestimmte Rituale, die Talente der Einzelnen und ihr Verhältnis zu den Abgeänderten Menschen, also der Zivilisation ein. Interessant, anschaulich, subjektiv und trotzdem sachlich. Mit einer modernen Sprache, die trotzdem die uralte Kultur auffängt und vermittelt, gelingt es Marlo Morgan ihre Leser zu fesseln. Ihre Erlebnisse sind einfach zu authentisch und faszinierend. Sie regen zum Nachdenken an und wecken bei Lesern wie mir den Wunsch dieses Erlebnis einmal hautnah machen zu dürfen, auch wenn man begreift, dass dies nur sehr wenigen Menschen jemals zu teil wird.

Deutlich geht sie darauf ein, wie sich das Verhältnis zur Natur verändert hat, dass manches Wissen schon seit Jahren angewendet wird, obwohl es in der Zivilisation als neu und unerforscht gilt. Mit ihren Beispielen soll die Gesellschaft erneut lernen mit der Natur ins Gleichgewicht zu kommen, die eigenen Ziele und Talente zu erkennen und zu nutzen.

Wer das Buch genau gelesen hat, wird es aus der Hand legen und eine Menge zum Nachdenken vorfinden. Marlo Morgan ist ein überwältigendes Werk gelungen, dass der heutigen Zivilisation die Augen öffnen könnte, würden wir es wollen, und die Weisheiten und Geheimnisse des uralten Volkes annehmen.

Lediglich die zahlreichen Rückblenden oder Schauplatzwechsel zurück in die USA oder zu ihrer Arbeit in Australien, hätte sie kürzer fassen können. Teilweise fühlte ich mich regelrecht aus diesem Abenteuer gerissen, in eine Welt, die mich in diesem Moment gar nicht interessierte. Es zeigt jedoch gekonnt die Unterschiede zwischen Zivilisation und Aborigines, und man merkt, dass dies absichtlich eingebaut wurde.

Lediglich die fehlenden Fotos fallen mir negativ auf. Zwar geht die Autorin gleich im Vorwort darauf ein, dass sie zum Schutz vieles weg lässt, aber zumindest allgemeine Fotos vom Outback, Traumfängern, oder der Kids-Firma hätten schon sein dürfen.

Schöner, abenteuerlicher und authentischer hätte man diese Reise nicht beschreiben können. Die gewählte Ich-Form lässt den Leser direkt an diesem Trip teilnehmen, auch wenn er 1000. von Kilometern entfernt auf dem Sofa sitzt. Bis auf die zahlreichen Rückblenden, ein toller Tatsachenbericht, den ich jeder Leseratte empfehlen kann.

===Sarahs Fazit===

Plastisch, abenteuerlich und aufrüttelnd – das sind die Adjektive, die mir zu „Traumfänger“ einfallen. Es zeigt eine Welt der Aborigines, die man so noch nie gesehen hat, von der man jedoch gerne ein Teil wäre. Trotz der zahlreichen Rückblenden in die Zivilisation, sehr schön und flüssig zu lesen. Für mich vier Sterne, denn ich hätte mir noch Bilder gewünscht.

Pro: Vermittlung der Inhalte, Aufbau, Stil
Contra: fehlende Fotos
Empfehlung: Ja

Autor: Marlo Morgan, Titel: Traumfänger, Originaltitel: Mutant Message Down Under
Verlag: Goldmann, Erschienen: 1998, ISBN-10: 3442437407
Seiten: 251, Kosten: Damals 14,90DM




© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt


Kommentare

  1. Das Buch habe ich auch schon gelesen, es ist einfach super geschrieben

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