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Dibdin, Michael: Später Abschied

==Sex, Sex und noch mal Sex==




... Manchmal war es frei, manchmal auch nicht. Dann habe ich ein Mircrophon, das in einer Saugglocke steckte, an der gemeinsamen Wand befestigt und konnte die ganze Party aufnehmen. Die Tonqualität ist nicht gerade toll verglichen mit dem, was ich später gemacht habe, aber es ist okay. Meist waren sie eh ziemlich laut...“ (Zitat S. 36)


Dieses Zitat stammt aus einem Buch, welches lange Zeit in meinem Regal auf seinen großen Auftritt warte durfte. Für mich zählte es zu den ansprechendsten Werken, die ich mir damals in einem Überraschungspaket bei Ebay ersteigert habe. Nun habe ich es endlich gelesen, und möchte es euch vorstellen.

 

===Zitierter Klappentext===
Als seine Frau Lucy bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt, beginnt der Journalist Anthony sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Er trifft sich mit Lucys Exmann Daryl - und die beiden geraten in einen erbitterten Streit. Kurz darauf ist Daryl tot, und Anthony kann sich an nichts mehr erinnern...

===Meine Meinung===
Als ich dieses Buch damals in einem Buchpaket ersteigert habe, legte ich es auf Grund des neueren Datums und dem zur Hälfte gelesenen Klappentext zur Seite. Auf den ersten Blick sprach mich diese Kombination so sehr an, dass ich unbedingt mit dem Lesen warten wollte, bis ich weniger gute Bücher gelesen hatte. Selbst als ich merkte, dass der Klappentext nicht ganz meiner Erinnerung entsprach, war ich noch arg neugierig. Ein Thriller bzw. Krimi ist schließlich noch besser als die Vergangenheit zu entdecken.

Der Leser wird in die Welt von Anthony entführt, der gerade seine Frau Lucy bei einem Flugzeugabsturz verloren hat. Auf der Suche nach ihrer Vergangenheit übernimmt ihr erster Mann Daryl ein entscheidendes Puzzle-Stück, sodass Anthony nicht lange zögert und kurzer Hand zu ihm fährt. Dabei ist eine Pistole, die er auch benutzen würde, wenn er sie brauchen würde. Doch bei dem Trip in die Vergangenheit kommen ganz andere Sachen zum Vorschein, denn laut Daryl war seine Frau nymphomanisch veranlagt. Mit immer abstoßenderen Details, Videoankündigungen und Tonaufnahmen versucht Daryl Anthony in die Enge zu treiben. Als dieser fluchtartig das Haus verlässt, kann er nicht ahnen, dass er wenig später für den Mord an Daryl zur Verantwortung gezogen wird. Wenn er sich wenigstens erinnern könnte, doch da ist nur Leere in seinen Kopf.

Eigentlich eine gute Geschichte, wenn man sich durchliest, worum die Handlung sich theoretisch dreht. Praktisch sieht es jedoch ganz anders aus. Es beginnt schon mit einem Einstieg, der es in sich hat. Der Autor legt einen Stil an den Tag, der einfach schwer zu verfolgen ist. Gleich zu Beginn musste ich erst einmal herauslesen, aus welcher Ich-Perspektive dieses Buch geschrieben wurde, da die Geschichte direkt mit dem Treffen der beiden Männer beginnt, und es auch hätte gut sein können, dass aus beiden Perspektiven berichtet wird. Durch den abgehakten Stil kommt zumindest bei mir weder ein klares Bild der Situation oder der Protagonisten zu Stande. Im Gegenteil ich fühlte mich völlig allein gelassen. Ich konnte weder die Handlungen der Protagonisten nachvollziehen, noch sah ich sie vor meinem inneren Auge. Statt einer besseren Einführung setzt der Autor gleich auf den ersten 50 Seiten nur auf Sex. Immer neue Details der Ehefrau kommen zum Vorschein. Wobei es sich eigentlich gar nicht um Details handelt, sondern um angebliche Videoaufnahmen, Fotos und Tonbänder, die aber niemals vorgeführt werden. Als dann der Punkt kommt, dass die zwei Männer sich trennen, hegte ich für meinen Teil die Hoffnung, dass zumindest der sexuelle Part abgehakt sei und nun die Spannung aufgebaut werden kann. Leider lag ich auch in diesem Punkt falsch, denn bis zum Schluss gibt es immer wieder Bettgeschichten, die nach dem Schema wer mit wem, wann, wo und warum. Dabei sind es keine schönen Beschreibungen, sondern wirken irgendwie plump. Irgendwie bekam ich das Gefühl, dass der Autor seine Fantasien oder seine Vergangenheit hier in Worte gefasst hat.

Nach der Klappentext-Beschreibung erwartet man wenigstens etwas Spannung, wenn aufgeklärt wird, wie der Ex-Mann ums Leben kam. Spannung kam definitiv von der ersten bis zur letzten Seite nicht vor. Die gute Idee, welche man erkennen kann, geht einfach verloren. Sie wird einfach nicht vernünftig ausgebaut, sondern bleibt in meinen Augen eine Idee.

Bis kurz vor den Schluss dümpelt das Buch ohne große Wendungen, Überraschungen oder ähnliches vor sich hin. Zum Schluss hat der Autor allerdings gemerkt, dass er seinen Lesern wenigstens ein Highlight bieten muss, und hat dem Protagonisten einen Schluss geschrieben, der in jeder Daily-Soap als Happy End hätte durchgehen können.

Für mich bedeutete dieses Buch wirklich einen Kampf. Einerseits mag man kein Buch aus der Hand legen. Schließlich könnte es noch besser werden. Auf der anderen Seite ist einem die Zeit gerade als Mutter zu Schade, wenn ein Buch schon nach 2/3 immer noch nicht besser geworden ist. Stellenweise merkte ich regelrecht, wie ich zum Ende hin eher oberflächlich gelesen habe, und mich immer wieder zum genauen Lesen aufraffen musste. Alleine schon dieser Punkt spricht für die Langatmigkeit und Langweile, die bei dem Inhalt aufkommt.

Im Großen und Ganzen gehört dieses Werk zu den Büchern, auf die ich gut und gerne hätte verzichten können. Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich es nicht so lange herausgezögert, und mich so auf das Buch gefreut. Die nicht vorhandene Spannung, der gewöhnungsbedürftige Stil, der alles andere als bildhaft und logisch ist, und die plumpen sexuellen Kontakte kann ich einfach keinem empfehlen. Warum dieser Autor so gelobt wird, kann ich zumindest nach diesem Werk nicht nachvollziehen.

===Bewertung===
Später Abschnied“ basiert auf einer guten Idee, die jedoch weder spannend, packend umgesetzt wird. Außer plumpen Sexfantasien bleibt die Idee unausgereift, was zu Langeweile führt. Für mich ein Pflicht-Stern.


Pro: Idee
Contra: Protagonisten, Beschreibungen, Umsetzung
Empfehlung: definitiv nein

Autor: Michael Dibdin, Titel: Später Abschied, Originaltitel: Thanksgiving
Verlag: Goldmann, Erschienen: 2002
ISBN-10: 3442450667, Seiten: 208
Kosten: 7,90€


© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt


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