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Packard, Edward: Die Insel der 1000 Gefahren

==Du entscheidest über Leben und Tod==


Der Krieger rennt hinter dir her und stößt dich mit aller Kraft über die Felsen. Du stürzt auf einen Vorsprung, bleibst liegen und fühlst dich zerschlagen und zerschunden. Der Krieger hält dich für tot und mach sich auf den Weg zu seinem Dorf. Irgendwann später rappelst du dich auf. Gottlob hast du dir nichts gebrochen. WIE ENTSCHEIDEST DU DICH ( ZITAT S. 50)


Dieses Zitat stammt aus einem Kinderbuch, welches ich von einer Freundin für meinen Stiefsohn geschenkt bekommen habe. Es handelt sich um ein Buch aus einer Reihe, die schon zu meiner Kindheit existierte. Der Leser kann selbst entscheiden, wie das Buch verläuft und endet. Früher nie gelesen, war ich neugierig und las es sofort. Wie es mir gefallen hat, lest selbst.


===Zitierter Klappentext===
Sobald du es aufschlägst, befindest du dich auf einem Schiff, auf das eine riesige Flutwelle zukommt. Am Strand einer einsamen Insel wachst du wieder auf. Wirst du überleben, wird dich jemand entdecken? Dein Abenteuer wird nur ein gutes Ende nehmen, wenn du immer die richtige Wahl triffst, auf welcher Seite du weiterlesen willst: "Wenn du dich entscheidest, dich blitzschnell in Sicherheit zu bringen, lies weiter auf Seite... Wenn du dich entscheidest, reglos zu warten bis die Schlange weg ist, lies weiter auf Seite... " Eine falsche Wahl kann dich in die totale Irre führen oder in gefährliche Situationen bringen. - Ein Buch, in dem viele Geschichten und 1000 Gefahren stecken!

===Meine Meinung===
Der Ravensburger Verlag hat sich in den 90er Jahren etwas Besonderes für Kinder einfallen lassen. Er entwickelte eine interaktive Buch-Reihe. „Du entscheidest selbst“ sagt schon alles, was man im Grunde wissen muss, wenn man sich das Buch ansieht.

Der Leser übernimmt selbst die Hauptrolle und erleidet einen Schiffsbruch, der ihn an einem einsamen Strand erwachen lässt. Von nun an musst du dich wie im realen Leben entscheiden, wie es weitergehen soll. Immer zwei Varianten stehen zur Auswahl und ermöglichen dem Leser ein Abenteuer, welches immer wieder neue Wege einschlägt. Zum Beispiel muss sich der Leser entscheiden, ob er die Insel am Strand entlang erkundigt, oder sich über die Felsen im Hintergrund einen Überblick verschafft. Mit jeder Antwort wird der Leser auf eine neue Seite verwiesen. „Lese auf Seite.. weiter“ oder „Gehe zurück auf Seite...“ sorgt für viel blättern, aber dadurch weiß der Leser nie, wie es weitergeht, wenn er sich für einen bestimmten Punkt entscheidet.

Durch die vielen Entscheidungen, die der Leser treffen muss, kann man das Buch immer wieder von vorne beginnen und wird jedes Mal einen neuen Schluss vorfinden. Das eine Abenteuer endet in der Rückkehr in die Zivilisation und in einem anderen Abenteuer verstirbt der Leser. Im Grunde gibt es 39 Ausgänge, sodass man das Buch theoretisch 39 Mal lesen könnte und immer wieder ein neues Ende vorfinden würde. Das ist aber auch das größte Problem des Buches. Das Abenteuerbuch besteht aus 109 Seiten plus einer Leseprobe zu einem anderen Werk. Pro Seite gibt es entweder eine Entscheidung oder einen Schluss. Im Grunde sind also 39 Seiten davon für den Schluss vorgesehen. Es gibt also nicht sehr viele Möglichkeiten, da sich mit der Zeit sehr vieles wiederholt. Nach zehn bis fünfzehn Abenteuern wird das Buch einfach langweilig. Theoretisch sind auch 15 Abenteuer für ein Buch schon sehr viel, aber ich hätte selbst diese als Leser im Kindesalter langweilig empfunden. Das Hauptproblem ist einfach die Länge der Abenteuer. Ich lese schnell und überlege mir dafür genau, wie ich mich entscheide. Pro Abenteuer habe ich 10-15 Minuten benötigt. Da kann einfach weder Spannung aufkommen, noch ist der Leser wirklich in die Handlung einbezogen worden. Ich persönlich fühlte mich immer fremd. Zudem muss ich sagen, dass bei so vielen Ausgängen dem Autor definitiv die Kreativität ausging. Vieles ist einfach ähnlich, wenig originell, langweilig und flach. Zehn Enden und längere Abenteuer wären besser gewesen.

Neben diesen negativen Aspekten gibt es auch etwas sehr erfreuliches. Der Stil ist einfach genial und besonders kinderfreundlich. Es ist so bildhaft beschrieben, dass ich Schauplätze regelrecht vor meinem inneren Auge sehen kann. Lebendig, farbenfroh und realistisch sind sämtliche Schauplätze eingebunden. Dadurch lässt sich das Buch zügig und leicht lesen. Zahlreiche Bilder untermalen die beschriebenen Schauplätze, Tiere und Figuren. Lediglich bei den Abenteuern hätte sich mehr Mühe gegeben werden können. Emotionen und Gedanken sind einfach nur blass und schwach.

Vom Alter her richtet sich das Buch an Leser im Alter von 9 Jahren. Durch die interaktive Handlung ist dieses Alter gut gewählt. Jüngere Kinder kennen noch nicht die Bedeutung von Entscheidungen und deren Tragweite fürs weitere Leben. Mit 9 Jahren sollte man sich damit eher beschäftigen und kann es eher verstehen. Doch selbst als 28jährige lese ich gerne solche Werke und wäre es spannender und die Enden etwas kreativer, dann würde mir das Buch deutlich besser gefallen.

Mein 8jähriger Stiefsohn hat in den letzten Tagen schon jeden Abend ein Abenteuer gelesen und freut sich auf jedes neue Abenteuer. Ist aber inzwischen schon mehrfach enttäuscht vom Ausgang gewesen. Das spricht schon für sich.

===Bewertung===
Spannung kommt genauso wenig auf, wie der Leser die Emotionen nachvollziehen kann. Viele Enden, die alles andere als originell sind, hätten von mehr guten Entscheidungen ersetzt werden müssen. Für mich nur drei Sterne.

Pro: Idee
Contra: zu wenig Entscheidungen, zu viele Schlüsse
Empfehlung: ja


Autor: Edward Packard, Titel: Die Insel der 1000 Gefahren, Verlag: Ravensburger,
Erschienen: 1996, ISBN-10: 3473520225, Seiten: 109
Alter: ab 9, Serie: Du entscheidest selbst

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