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Hesse, Ninon: Der Teufel ist tot

==Fast vergessene deutsche Märchen vor und nach Grimm==



Zufällig zerbrach gerade etwas an einem Rade und während der Schade verbessert wurde, kletterte Däumling hinauf und verbarg sich zitternd vor Frost in die Ecke neben der Königin. Da er ganz durchnäßt war, drang die kalte Feuchtigkeit durch das Kleid dieser Dame. Sie fühlte mit der Hand hin, um zu untersuchen, woher das käme und ergriff das kleine Männchen. (Zitat S. 149 aus Däumling)



Dieses Zitat stammt aus einer Sammlung von Märchen, die in der Zeit vor und nach den Gebrüdern Grimm im Umlauf gekommen sind. Manche vergessen, manche in veränderter Form bekannt. Die Originale gibt es hier zum Lesen. 


===Eigene Inhaltsangabe===
In all den Jahren sind zahlreiche Volksmärchen in Vergessenheit geraten und nur die weltbekannten Märchen der Gebrüder Grimm sind in unserem Gedächtnis fest verankert. Dieses Buch widmet sich den vergessenen deutschen Märchen, die genauso wunderschön sind, wie die von den Gebrüdern Grimm. Insgesamt warten auf den Leser 18 Märchen aus der Zeit vor den Gebrüdern Grimm und 62 Märchen die nach dem Tod der Gebrüder Grimm entstanden sind. Darunter zählen Märchen, wie zum Beispiel „Däumling“, „Der undankbare Zwerg“, „Die drei Königskinder“, „Der Teufel ist tot“ oder „Die Schlangenkönigin“.

===Meine Meinung===
Kaum ein Kind ist ohne die bekannten Märchen aus dem Hause Grimm aufgewachsen. Ein oder zwei Märchen aus deren Feder kennt jeder, selbst wenn er nicht genau weiß, dass diese von ihnen stammen. Dabei gibt es zahlreiche andere Märchen, die genauso schön sind, aber gänzlich in Vergessenheit geraten sind. Waren es vor dem Gebrüdern Grimm noch arg wenig Märchen, so sind sie nach den Brüdern wie Pilze aus den Boden gesprossen. Diese Sammlung beinhaltet eine kleine Auswahl der interessantesten Märchen.

Im ersten Teil befasst sich das Buch mit den Märchen, welche vor 1812 in aller Munde waren. Da geht es zum Beispiel um eine schlaue Magd, die ihren Herrn und seinen Gast austrickste, um selbst in den Genuss der leckeren Hühnchen zu kommen. In einer anderen Geschichte geht es um einen Abt, der drei Fragen beantworten soll und dabei einem Sauhirten in die Falle ging. Man merkt, dass diese Volksmärchen noch wenig mit den späteren Märchen zu tun haben, dafür aber voller lehrreicher und lustiger Dinge stecken. Ich konnte ohne Probleme nachvollziehen, warum diese Märchen sich über all die Jahre durchgesetzt haben. Leider merkt man den Märchen stark an, dass sie aus dieser Zeit stammen. In einer sehr altmodischen Sprache, wie zum Beispiel „Solches alles das Erdkülin wohl wußt..“ (Zitat 27). Viele unbekannte und vergessene Worte wurden in Klammern direkt hinter dem Wort erklärt, aber der altmodische Stil, zieht sich besonders bei den ganz alten Märchen hin. Für Kinder schwerer zu verfolgen und auch Erwachsene werden einen langsameren Lesefluss feststellen.

Die neueren Märchen sind mit richtigen Märchen vergleichbar. Könige, Edelmänner, Prinzessinnen und Hexen. Sie lassen sich besser lesen, aber bei einigen merkt man noch immer die altmodische Sprache heraus. Diese sind eben nicht an die neuere Zeit angepasst worden, wie es bei den Grimmschen Märchen der Fall ist. Nichtsdestotrotz sind sie total schön zu lesen. Von typischen Märchen bis hin zu interessanten Fabeln.
Aber hier könnte es die Eltern stören, dass die Märchen stellenweise recht brutal sind. Da geht es zum Beispiel in den einem Märchen darum, dass ein Prinz ständig verprügelt wird und das bis fast zu Tode, um eine Prinzessin von ihrem Fluch zu befreien. Das ist nicht unbedingt etwas für jüngere Leser. Aus diesem Grund kann ich Eltern nur empfehlen vorab einmal die Märchen zu lesen. Dies kann sogar dazu verwendet werden, um den Kind die Geschichte in einer moderneren und verständlicheren Sprache zu erzählen, denn sonst müsste öfters mal etwas erklärt werden.

Zudem lässt die Übersichtlichkeit arg zu wünschen übrig. Zwar gibt es direkt am Anfang ein Inhaltsverzeichnis mit Seitenangabe, und jede neue Geschichte ist auch innerhalb des Buches mit einer großen Überschrift sichtbar gekennzeichnet, aber zwischen jeder neuen Geschichte gibt es lediglich einen winzigen Absatz, der gerade genügend Platz für die Überschrift bietet. Hier hätte ich mir einfach gewünscht, dass eine neue Geschichte dann doch auf der nächsten Seite beginnt und damit ein ruhigeres Lesebild entsteht. Da hätte ich lieber auf ein zwei Geschichten verzichtet oder mehr Seiten in Kauf genommen. Im Grunde reiht sich Text an Text. Nicht mal die zwei unterschiedlichen Abschnitte wurden sichtbar gekennzeichnet. Zudem gibt es keine Bilder, sonder nur Text. Irgendwann mag man so nicht mehr weiterlesen und muss das Buch für wenige Tage unterbrechen.

Gerne hätte auf die Märchen verzichtet, die zum Beispiel im originalen Dialekt aufgeschrieben wurden. Zwar versteht der Leser die Märchen, wie zum Beispiel das Märchen vom armen Fischer mit der gierigen Frau, aber irgendwie passen solche Werke einfach nicht hinein.

Nichtsdestotrotz ist die Sammlung dieser Märchen ein absolutes Highlight. Ich muss sagen, dass ich einige kannte und bei einigen war ich über den merkwürdigen Namen und die leicht abgeänderte Version, die ich als Kind kennengelernt habe, überrascht. Zum Beispiel gibt es auch „Schneeweißchen und Rosenrot“, was hier aber „Der undankbare Zwerg“ heißt und die sonst bekannten Prinzen kommen dort gar nicht vor. Aus diesem Grund ist es schön zu sehen, wie diese ursprünglichen Märchen abgewandelt wurden, damit sie für Kinder noch ansprechender sind.

Obwohl man viele Märchen kennt, sind auch zahlreiche Stücke dabei, die man nicht kennt, sodass das Buch immer neue Überraschungen für echte Märchenfans bietet. Aus diesem Grund kann ich das Buch jeden ans Herz legen, der gerne Märchen liest.

===Bewertung===
Der Teufel ist tot“ ist eine Sammlung von vergessenen deutschen Märchen, die von Hermann Hesses Frau herausgegeben wurde. In original, altmodischer Sprache ist es ein ungewohntes, aber schönes Lesevergnügen für alt und teilweise auch jung. Für mich vier Sterne.


Pro: Zahlreiche bekannte und unbekannte Märchen
Contra: teilweise altmodische Sprache, brutale Originale
Empfehlung: ja



Herausgeber: Ninon Hesse, Titel: Der Teufel ist tot, Untertitel: Deutsche Märchen vor und nach Grimm
Verlag: insel Verlag, Erschienen: 1979, ISBN-10: 3458321276
Seiten: 359


© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt

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