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Georges Simenon - Maigret und Pietr der Lette

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===Buchdaten===
Autor: Georges Simenon
Titel: Maigret und Pietr der Lette
Originaltitel: Pietr le Letton
Verlag: Diogenes
Erschienen: 1999
ISBN-13: 978-3257205022
Seiten: 191
Einband: TB
Kosten: 9,00€
Serie: Maigret

===Zitierter Klappentext===
Maigret erwartet die Ankunft eines internationalen Verbrechers, gegen den trotz gründlichster Vorarbeit durch Interpol noch keine stichhaltigen Beweise vorliegen. Am Bahnhof erlebt der Kommissar eine Überraschung: Ein vornehmer Herr, auf den die Beschreibung des Mannes passt, steigt aus dem Zug und wird kurze Zeit später im Zug tot aufgefunden. Maigret folgt dem vornehmen Herrn in das Palasthotel "Majestic" und wird Zeuge, wie dieser sich mit einem amerikanischen Milliardär trifft, woraufhin sich beide scheinbar in Luft auflösen! (Quelle: Amazon.de)

===Meine Meinung===
Der etwas eigenartige Kommissar Maigret soll den Verdächtigen Pietr den Letten beschatten. Dieser ist auf den Weg nach Paris und darf nicht aus den Augen verloren werden. Er ist ein gesuchter Krimineller, der dem organisierten Verbrechen angehört. Eine detaillierte Beschreibung soll eine Verwechslung verhindern und Maigret entdeckt die verdächtige Person auch schnell. Doch dann wird ein Doppelgänger tot im gleichen Zug aufgefunden. Wer ist nun der echte Pietr? Für Maigret beginnen gefährliche Ermittlungen, die ihn zu verschiedenen Schauplätzen des Paris 1929 führen.

Der vorliegende Band ist der erste Teil der berühmten Maigret-Reihe und wurde 1929 innerhalb von rund fünf Tagen geschrieben. Dies zumindest behauptet der Autor in einem kleinen Nachwort, welches er an seine Leser richtet. Diesem schnellen Erstling folgten 76 weitere Bücher in dieser Reihe, sodass ein regelrechter Kult um diesen Kommissar entstanden ist.
Ich wollte mich nun selbst von diesem Kult überzeugen. Schon der Einstieg war gewöhnungsbedürftig. Maigret war mir von der ersten Seite an komplett unsympathisch. Ihn kann nichts aus der Ruhe bringen, trinkt Bier am Arbeitsplatz, kümmert sich wenig um seine Frau und sein ständiger Begleiter ist seine Pfeife, die er nicht mal zum Essen herausnimmt. Zudem empfand ich es sehr schwierig herauszufinden, worum es nun genau geht. Was genau hatte dieser Verdächtige verbrochen? Nach und nach setzt sich das Puzzle zusammen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass die anderen Figuren nicht ganz durchdacht waren. Sie wirkten blass und ungewöhnlich.
Neben den eigenartigen Charakteren wurde ich auch mit dem Stil des Autoren nicht sehr war. Es werden viele Dialoge verwendet. Leider sind diese nicht nur häufig vorhanden, sondern auch sehr lang. Dadurch muss sich der Leser richtig konzentrieren, um genau im Auge zu behalten, wer welchen Satz sagt. Ich habe öfters den Überblick verloren. Dazu kommt, dass viele Sätze sehr abgehackt geschrieben ist. Zitiert von 103: „Ja... Man hat es mir erzählt... Persönlich habe ich ihn nie gesehen... Ich meine, bewußt...“. So sehen viele Passagen aus. Es klingt wie ein Telefonat, wo man nur die anwesende Person hört. Allerdings kommt dies auch bei persönlichen Gesprächen vor. An manchen Stellen ist dies so arg, dass ich oft gar nicht wusste, worum es noch geht. Es war sehr schwer zu folgen.
Einige Leser könnten sich auch dem häufigen „Jude“ stören, aber zu dieser Zeit ging es schließlich langsam mit Hitler los, sodass es nachvollziehbar ist.

Die anfängliche Spannung, um den organisierten Kriminellen und die gesamten Zusammenhänge, geht schnell unter. Zwar baut der Autor immer wieder einige Tote, sogar den Kollegen und Freund des Kommissars ein, und verletzt Maigret zudem schwer. Durch seine hartnäckige und eigensinnige Art lässt sich der Kommissar jedoch nie unterkriegen. Mir persönlich wurde Maigret dadurch noch unsympathischer und die Spannung ging verloren. Einfach weil ich wusste, dass der Kommissar nie aufgibt und bis auf den Tod seines Freundes kaum Sackgassen oder Rückschläge erlebt. Er lässt sich nie täuschen und kann sogar stundenlang im Regen wie eine Statue herumstehen.
Weder übermäßige Spannung noch Humor kommen in diesem Werk vor. Stellenweise wirkte es sogar langatmig. Trotzdem wollte ich als Leser wissen, wie es ausgeht und aus diesem Grund habe ich mich bis zum Ende durchgekämpft. Der Schluss war allerdings vorhersehbar und der eine oder andere Leser wird schon ab dem zweiten der 19 Kapitel wissen, was dahinter steckt.

Wenn ich nun berücksichtige, dass der Autor diese Geschichte und die Hauptfigur innerhalb so weniger Tage entwickelt hat, dann kann ich das Buch empfehlen. Die meisten Erstlingswerke kommen nicht die spätere Qualität heran. Die Idee fand ich persönlich gut und das mir Maigret so unsympathisch ist, ist einfach eine Frage des Geschmacks.


===Bewertung===
Wenig Spannung, blasse Figuren und eine unsympathische Hauptfigur wurden mit einem gewöhnungsbedürftigen Stil, einer interessanten Handlung und einem vorhersehbaren Schluss kombiniert. Für einen Krimi gibt es zudem zu wenig Spannung. Aus diesem Grund bekommt dieser erste Teil nur zwei Sterne.

===Leseprobe===

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