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Michael Wigge - Bis ans Ende der Welt


===Buchdaten===
Autor: Michale Wigge
Titel: Ohne Geld bis ans Ende der Welt
Verlag: KiWi
Erschienen: 05.2010
ISBN-13: 978-3462041811
Seiten: 198
Einband: TB
Kosten: 8,95€
Genre: Biographien
Serie: -


===Zitierter Klappentext===
Kann man das schaffen? Ohne einen Cent in der Tasche von Berlin bis in die Antarktis reisen? Michael Wigge hat es erprobt: zum Nachmachen nur für Abenteurer mit sehr viel Humor empfohlen - aber zum Nachlesen ein Riesenspaß für alle.
Am Anfang sieht es nach einem Kinderspiel aus: In Belgien wird er auf dem Schiff, das ihn nach Kanada bringen soll, freundlich begrüßt und in eine Luxuskabine geführt - bis sich rausstellt, dass er kein zahlender Passagier ist. Ab da heißt es Schiffsgeländer streichen, Container inspizieren, Dosen zählen. Und Karaoke singen mit den Filipinos an Bord.
Über Montreal gelangt er in die USA. Dort übernachtet er in einem Amish-Dorf (in einer Scheune) und bekommt eine Bibel geschenkt - und ein Fahrrad mit Radhose lang. Damit durchquert er Ohio, bis er es schließlich gegen ein Busticket nach New Mexico eintauschen kann. In einem uralten Mustang fährt er über die Route 66 nach Las Vegas, wo er in einem Hotel übernachten kann. Aber nach einer Woche geht es weiter: Nach Los Angeles und San Francisco (dann kommt ein unvorhergesehener, aber nicht unwillkommener Schlenker nach Hawaii dazu), durch Mexiko, Mittelamerika und den ganzen südamerikanischen Kontinent bis in die Antarktis. Dabei bleibt ihm wenig erspart, denn jeden Tag muss er auf fremde Leute zugehen, um etwas zu essen und zu trinken und um einen Platz zum Schlafen zu bekommen.


===Meine Meinung===
Auch wenn ich zur „jüngeren“ Generation gehöre und früher VIVA geschaut habe, ist mir Michael Wigge kein Begriff. Mein erster Gedanke war: Nicht schon wieder ein/e Moderator/in, die sich als Autor versucht.

Michael Wigge ist ein Mensch, den viele als Abenteurer bezeichnen würden. Mit einer kleinen Idee fing alles und wurde dann zum Projekt „Ohne Geld bis zur Antarktis“. Von Berlin, über Kanada, die USA bis hin zur Antarktis. Detailliert beschreibt der Autor die unterschiedlichen Etappen, erteilt Tipps zum Leben und Reisen ohne Geld und führt den Leser an die verschiedenen Kulturen heran.

Alleine die Idee ist schon faszinierend. Ständig stellt man sich die Frage, wie ein Mensch ohne Geld wirklich so viele Kilometer reisen kann. Diese Frage hat sich mir als Leser schon nach rund 70 Seiten beantwortet.

Der Einstieg begann schon einmal sehr vielversprechend. In einem lockeren, modernen und leichten Stil wurde ich an die gesamte Situation und an Michael Wigge als Person herangeführt. In der Ich-Person schildert der Autor auf sympathische und humorvolle Art und Weise, seine Erlebnisse. Es beginnt mit seinem Tramp von Berlin nach Köln. Von dort geht es mit der Bahn weiter nach Antwerpen, wo ihn ein Container-Schiff mit nach Kanada nimmt. Damit hatte sich schon mal meine größte Frage, wie man kostenlos nach Kanada kommt, geklärt. Alleine die Erzählung bis zu diesem Punkt ist zwar humorvoll und zaubert ein Lächeln auf die Lippen, sorgt aber auch für Runzelfalten auf der Stirn. Diese wurden im Verlauf des Buches immer größer und die Lachfalten verschwanden gänzlich.

Dieser Mann ist im Augenmerk viele Jugendlicher und was er dann alles zum Besten gibt, zeugt von einem schlechten Vorbild. Hier einige meiner Aufreger. Er wohnt bei einem Freund in Köln bis es weitergeht. Hunger, kein Geld und aushalten lassen will er sich nicht. Löblich, aber warum macht er es dann später bei Fremden?!? Stattdessen „Dumpster Diving“. Es machen viele, aber es ist hier eben illegal. Beinbrechend ist dies jedoch nicht. Wenige Seiten später hat er Geld für eine Fahrkarte, doch statt diese zu kaufen, fährt er lieber schwarz. Statt daraus zu lernen, als er erwischt wird, macht er den gleichen Mist sofort wieder. Wenig später ist er in Kanada. Dort kann er kostenlos bei jemanden wohnen, der wie viele andere Menschen weltweit, ein Zimmer, an Touristen kostenlos vermittelt. Ich denke, er nimmt nichts an und kann es dort kaum erwarten, bis sie ihm Essen anbieten. Was isst er – Haschkekse.
Übersieht man diese Aspekte und geht davon aus, dass jüngere Leser wissen, dass sie dies nicht machen dürfen, kommt das nächste große Thema. Michael Wigge erscheint durch seinen Job eigentlich erfahren genug. Dieses Projekt muss dementsprechend gut geplant worden sein. Trotzdem merkt man an vielen Stellen, dass er sich auf dieses Abenteuer fast gar nicht vorbereitet hat. Er hat weder seine Fitness auf einen notwendigen Level gebracht, noch sich bei Behörden angemeldet, um ohne Rückflugticket zum Beispiel in die USA reisen dürfen. Bei einem solchen Projekt würde ich alles wirklich wichtige vorab schon regeln, damit es nicht wegen so etwas scheitert. Zwar ist es amüsant zu sehen, wie er zittert, wenn eine solche Situation auftritt und wie gut sie immer ausgeht, aber das ist einfach Glück.

Neben seinen Schilderungen über die gesamte Route, geht er auch auf Städte und Länder ein. Er informiert den Leser über die wesentlichen Aspekte. Zwar ist dies nicht sehr ausführlich, aber es genügt. Mehr Informationen hätten langatmig wirken können. Während seiner gesamten Beschreibungen versucht er nicht nur die Eindrücke von den Menschen, sondern auch seine Erfahrungen bezüglich „Kein Geld“ und der Strecke zu vermitteln. Genau da merkt man, dass Michael Wigge kein Autor ist. Wiederholungen über Wiederholungen. In jeder Stadt bekommt er bei 80% der Läden Lebensmittel geschenkt oder klaut aus dem Müllcontainer. Ständig hat er Muskelkater, weil die Strapazen einfach zu viel für ihn sind. Der 40kg Rucksack, 90km laufen und das in der prallen Sonne ist für nicht trainierte Menschen einfach fast unmöglich. So viel zum Thema „Vorbereitung“. Lediglich die Idee, um an Geld zu kommen sind bis zum Schluss originell. Alles andere hat man früher oder später schon einmal gelesen. Klar ist es sein Abenteuer und da wiederholt sich eben vieles, aber oftmals wirkt es langweilig. Zum Beispiel wiederholt er ständig die Website, auf der er sich Zimmer sucht. Nach dem dritten Mal kannte ich den Namen auswendig.
Genauso faszinierend ist es, dass er erwartet, mit einem Zettel, auf dem sein Konzept steht, alles immer kostenlos zu bekommen. Dieses Geschnorre ist teilweise wirklich widerlich. Auf der anderen Seite ist es interessant zu sehen, wie oft es mit diesem Konzept klappt. Und ich habe mich oft gefragt, ob ein Normal-Bürger dies auch so schaffen würde. Denn als normaler Tourist geht er sicherlich nicht durch.
In der Mitte des Buches befinden sich Bilder. Dort angekommen war ich überzeugt landschaftliche Highlight, aber auch bekannte Gesichter und viele Etappen wiederzufinden. In der Regel wurden die Fotos von ihm selbst gemacht. Ausgestreckter Arm, ein Pappschild oder etwas anderes. Mich persönlich haben diese Bilder wirklich enttäuscht. Sein befreundeter Penner, das Hotel in Las Vegas und vieles mehr, wurde gar nicht gezeigt. Auch die Landschaft war nicht unbedingt hübsch. Wenn man nun aber bedenkt, dass er in seinem 40kg Sack sogar eine ganze Kameraausrüstung samt Mikrofon für Filmaufnahmen dabei hat, dann fragt man sich schon, warum dann die Fotos so uninteressant sind. Aber daran merkt man, dass er eher als Reporter mit einer Mission angesehen wurde und viele Vergünstigungen ohne diesen Status sicherlich nicht möglich gewesen wären.

Nach einem Tag hatte ich dieses Abenteuer durch und muss sagen, dass ich enttäuscht bin. Viele Wiederholungen, ständiges Gejammer und dieses aufdringliche Betteln. Das eigentliche, die Reiseroute, die Landschaften, die Bevölkerung wird nur am Rande beschrieben. Klar ist das Augenmerk auf die Reise ohne Geld gelegt, aber etwas weniger detailliert, wäre durch die wegfallenden Wiederholungen besser gewesen. Daher ist es nur bedingt empfehlenswert. Wer Land und Leute kennenlernen will, ist hier falsch. Wer etwas über das Leben als naiver Bettler lesen will, ist hier richtig.

===Bewertung===
Anfangs sympathisch wurde Michael Wigge bald eher aufdringlich und unsympathisch. Wer also Runzelfalten auf der Stirn sammeln möchte, sollte sich dieses Buch kaufen. Es ist zwar leicht zu lesen und gerade zu Beginn noch interessant, aber es fehlt der Pepp durch Land und Leute. Bustickets, Nahrung und Schmerzen dominieren zu sehr. Dafür gibt es zwei Sterne.

===Leseprobe===
Unter nachfolgendem Link gibt es eine Leseprobe des Verlags.

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